Sünde und Schuld (2)

Online seit dem 04.04.2009, Bibelstellen: Psalm 90,8; 2. Könige 5,27; 2. Samuel 12,12

Verborgene Sünden! Gott ist in die verborgensten Sünden eingeweiht: „Du hast unsere Ungerechtigkeiten vor dich gestellt, unser verborgenes Tun vor das Licht deines Angesichts“ (Ps 90,8). So wie er dich in deinem verschlossenen Kämmerlein beten sieht und deine Aufrichtigkeit belohnen wird, so sieht Er dich, wenn du im Verborgenen sündigst und wird deine Heuchelei vergelten. Das Wort Gottes berichtet dir von einem Informanten in deinem Inneren – dem Gewissen, das dich immer begleitet und ein Zeuge aller deiner fein erdachten Pläne ist, und was es sieht, schreibt es auf, denn es ist ein ordentliches Gericht. Du kannst gar nicht so schnell sündigen, wie es hinter dir her schreibt; und der Stift, mit dem das Gewissen unsere Sünden niederschreibt, hat eine scharfe Spitze, die sich tief in das Herz und die Seele des Sünders eingräbt …

Befrage das Wort Gottes, und du wirst sehen, dass Gott gewöhnlich diejenigen, die sich der Verborgenheit ihrer Sünde besonders sicher waren, der Schande in dieser Welt ausgeliefert hat. So hatte Gehasi seine Sache schlau genug angefangen, was ihn auch so kühn machte, zu seinem Herrn zu gehen und ihm unverfroren ins Gesicht zu lügen, wobei er es sich nicht im Entferntesten träumen ließ, dass dieser bereits von seiner Sünde wusste; doch die Sache wurde offenbar und für die Kleider, die er bei Naaman erschwindelt hatte, bekam er ein weiteres von dem HERRN, das er wie eine Tracht für seine Sünde tragen musste, denn er wurde mit Aussatz bekleidet – eine Bekleidung die dauerhafter war als die beiden Wechselkleider, die er von dem Syrer bekam, denn sie hing ihm sein Leben lang an und war selbst dann noch nicht abgetragen, sondern musste auch noch von seinen Kindern getragen werden (2. Kö 5,27).

Auch wenn es ein Gläubiger ist, wenn er versucht, sich vor der Schande der Sünde durch irgendeinen verborgenen bösen Plan zu schützen, nimmt er den direkten Weg, das auf sich zu bringen, was er so geschickt zu vermeiden suchte. Urijas Blut war nur ein sündiger Behelf, um Davids Ruf zu retten. Armer Mann! Alles führte zu noch größerer Schande. David sollte wissen, dass Gott genauso über Seine Ehre wachen würde, wie er über seinen Ruf: „Denn du, du hast es im Verborgenen getan; ich aber, ich werde dieses tun vor ganz Israel und vor der Sonne!“ (2. Sam 12,12).

[Aus "Extracts from the Writings of William Gurnall, selected from Hamilton Smith". Übersetzung von: Marco Leßmann]

William Gurnall