Das Geheimnis von Christus und der Gemeinde

Online seit dem 20.09.2009, Bibelstellen: Epheser 5,25-32

Ihr Männer, liebet eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, damit er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort, damit er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei. Also sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines Leibes, [von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen]. „Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen und die zwei werden ein Fleisch sein“. Dieses Geheimnis ist groß; ich aber sage es in Bezug auf Christus und auf die Versammlung. (Epheser 5,25–32). 

1. Die Gemeinde als der Leib und die Braut Christi

Christen sind Glieder des Leibes Christi. 'Wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen', sagt Paulus hier im Brief an die Epheser (Eph 5,30). Dies ist in verschiedener Hinsicht eine tiefsinnige Aussage. Die Gemeinde ist mit dem auferstandenen Christus verbunden und sie hat teil an Seiner Natur. Sie empfängt jetzt bereits ihr Leben aus Ihm in geistlichem Sinn und sie manifestiert Christus auf der Erde in der Zeit Seiner Verwerfung. Aber die Gemeinde wird bald auch an der Herrlichkeit der Auferstehung Christi teilhaben, wenn unserer Leib mit Seinem Leib der Herrlichkeit gleichförmig gemacht werden wird (vgl. Lk 24,39; Phil 3,21). Der Leib Christi wird dann in voller Herrlichkeit gesehen werden und eine vervollkommnete Einheit bilden (vgl. Joh 17,23, obwohl es da um die Familieneinheit geht). Darüberhinaus ist die Gemeinde nicht nur der Leib Christi, sondern auch Seine Braut. Diese beiden Bilder beziehen sich aufeinander, so wie das hier deutlich gemacht wird. Der Apostel verweist in Epheser 5 auf die ersten Kapitel des ersten Buches Mose. Eva ging aus Adam hervor, nachdem ein tiefer Schlaf über ihn gekommen war. Als sie zu ihm gebracht wurde, erkannte Adam, dass sie Gebein von seinen Gebeinen und Fleisch von seinem Fleisch war. Die Gemeinde ist ebenso Gebein Christi und Fleisch Seines Fleisches.

So wie Adam eine Frau bekam, die aus seiner Seite genommen war, so hat Christus eine Braut, die bildlich gesprochen aus Seiner durchstochenen Seite hervorgekommen ist. Die Gemeinde, die Braut des Lammes, das geschlachtet ist, ist die Frucht 'der Mühsal Seiner Seele', Seines Leidens und Sterbens (Jes 53,11). Adam suchte jemand, der seinen Gedanken und Wünschen entsprach, einen Helfer, der zu ihm passte, aber er fand ihn erst, nachdem der

HERR Gott einen tiefen Schlaf auf ihn hat fallen lassen und eine Frau für ihn aus der Rippe, die aus seiner Seite genommen war (1. Mo 2,18–23), gebildet hatte. So hat Christus auch erst eine Braut gefunden, nachdem Er einen tiefen 'Todesschlaf' erduldet hat und aus dem Tod auferweckt wurde. Die Brautgemeinde, zu der alle wahren Gläubigen aus dieser Haushaltung gehören, konnte erst für Christus zubereitet werden, nachdem Er als Mensch in den Tod gegangen und wieder auferstanden war.

2. Die Gemeinde datiert nach dem Kreuz

Es ist von großer Bedeutung zu begreifen, dass die Gemeinde nach dem Kreuz gebildet ist. Zweifelos gab es zu Zeiten des Alten Testamentes viele wahre Gläubige, aber sie bildeten nicht die Braut des Mensch gewordenen, gestorbenen und auferstandenen Christus. Vor dem Kreuz konnte keine Rede von der Gemeinde als dem Leib und der Braut Christi sein. Vor dem Kreuz war keine Einsmachung mit dem Menschen Christus Jesus möglich. Dies geht zum Beispiel aus dem Worten von Christus selbst hervor, wenn Er sich selbst mit dem Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, um Frucht hervorbringen zu können, vergleicht: 'Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht' (Joh 12,24). Christus war als Mensch auf der Erde allein bis zu Seinem Kreuzestod. Er war der einzigartige und vollkommene Mensch, an dem Gott ein Wohlgefallen fand; aber Er war allein. Er hatte keine Menschen, die als Glieder Seines Leibes mit Ihm vereinigt waren. Er hatte keine Braut, die zu Ihm passte und Seiner Natur entsprach. Das wurde alles erst möglich, nachdem Er in den Tod gegangen war und das Erlösungswerk vollbracht hat.

Dies wird nicht nur durch die Geschichte von Adam und Eva bekräftigt; wir sehen es im Bild auch sehr treffend in der Geschichte Isaaks, des geliebten Sohnes des Erzvaters Abrahams. Erst nachdem in 1. Mose 22 (im Gleichnis) das Opfer des Sohnes stattgefunden hat, ist zum ersten Mal die Rede von der Braut, die ihm gegeben wird. In 1. Mose 22,23 wird Rebekka zum ersten Mal genannt; und erst nach dem Tod Saras fand dann die Brautwerbung mittels des Knechtes Abrahams statt (1. Mo 23 – 24). So wie der Knecht eine Braut für den Sohn seines Herrn suchte, so sammelt der Heilige Geist jetzt eine Brautgemeinde für den Sohn, der wirklich das Opfer Seines Lebens gebracht hat und wieder aus dem Tod auferstanden ist. Und dies ist ganz in Übereinstimmung mit dem Ratschluss Gottes des Vaters.

Während Seines Lebens auf der Erde blieb Christus also allein, in dem Sinn, dass zwischen Ihm und Menschen, die tot waren in Missetaten und Sünden, keine Lebensverbindung, keine wirkliche Verwandtschaft möglich war. Was tote Sünder nötig haben, ist ein gestorbener und auferstandener Heiland, der den Tod überwunden hat und der uns Sein Auferstehungsleben schenkt! Darum sagt der Prophet Jesaja, dass Christus erst Nachkommen (Samen) sehen wird, nachdem Er sich selbst als Schuldopfer gestellt hat (Jes 53,10). Durch Sein Sterben hat Christus viel Frucht gebracht. Ein festes Band zwischen Ihm und uns konnte erst zustande kommen, nachdem unsere Sünden weggetan worden sind und ganz unser altes Sein als Kinder eines gefallenen Adams in Seinem Tod gerichtet wurde, so dass unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt worden ist (Rö 6,6).

Jede Lebensverbindung mit Ihm ist das Ergebnis Seines Todes und Seiner Auferstehung. Das gilt sowohl für (1) die Familienbeziehung zwischen Christus als dem letzten Adam und die vielen, die als ein neues Menschengeschlecht mit Ihm verbunden sind (Rö 5; 1. Kor 15), als auch für die beiden bedeutenden Beziehungen, die wir im Brief an die Epheser finden:

(2) die Abhängigkeitsbeziehung zwischen dem Haupt und dem Leib (Eph 1 und 4);

(3) die Liebesbeziehung zwischen dem Bräutigem und der Brautgemeinde (Eph 5).

3. Das Haupt und der Leib

Alle diese Beziehungen folgen aus dem Tod und der Auferstehung Christi. Er ist erst nach Seiner Auferstehung aus den Toten das Familienhaupt einer neuen Generation Menschen geworden, die mit Ihm verbunden und vereinigt sind. An sich ist Er ein lebendig machender Geist, der das neue Leben all den Seinen mitteilt (Joh 20,22; 1. Kor 15,45). So ist auch die Beziehung zwischen dem himmlischen Haupt und der Gemeinde als Leib Christi hier auf der Erde erst nach Seiner Auferstehung und Verherrlichung gelegt worden. Die Beziehung Haupt–Leib ist durch den Heiligen Geist zustande gebracht worden, der aus dem Himmel auf diejenigen, die Christus angehören, ausgesandt ist.

Es ist eine Einheit, die durch den Geist gebildet ist: durch einen Geist sind wir zu einem Leib getauft worden; da ist ein Leib und ein Geist (1. Kor 12,13; Eph 4,4). Der Heilige Geist ist das lebendige Band zwischen dem Haupt im Himmel und den Gliedern Seines Leibes auf der Erde, wie auch zwischen den Gliedern des Leibes untereinander.

4. Der Bräutigam und die Braut

Was die Beziehung zwischen Christus als der Bräutigam und der Gemeinde als die Braut des Lammes betrifft, ist auch deutlich, dass sie nach dem Vollbringen des Erlösungswerkes gebildet worden ist. Freilich hat Christus die Gemeinde schon vor der Zeit geliebt und sich selbst für sie hingegeben; aber es konnte erst von einem bewussten Liebesband die Rede sein, nachdem Er durch Sein Werk die geeignete Grundlage hierfür gelegt hat. Adam erkannte, dass Eva von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen war, denn sie war aus ihm genommen und hatte ihr Dasein ihm zu verdanken. So erkennt Christus die Gemeinde jetzt als Seine Braut, weil sie die Frucht Seines Opfers und Seines Erlösungswerkes ist. Er spricht es aus, dass sie von Seinem Fleisch und Seinen Gebeinen ist, dass sie ganz und gar Seinen Wünschen entspricht und an Seinem Leben teilhat.

Die Gemeinde ist die himmlische Braut des zweiten Menschen (Er ist auch der letzte Adam), und das wird bald bei der Hochzeit des Lammes vor Augen der ganzen Schöpfung gezeigt (Off 19,6–10). Die heutige Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde ist mit dem Verhältnis eines Mannes zu seiner verlobten Frau zu vergleichen (Rö 7,4; 2. Kor 11,2–3). Dahingegen ist Israel die Frau Jahwes; das ist ein anderes Liebesband, das nach der Entrückung der Gemeinde öffentlich hergestellt werden wird.

5. Wir sind von Seinem Fleisch und Seinen Gebeinen

Die Worte 'von Seinem Fleisch und Seinen Gebeinen' (Eph 5,30), fehlen in verschiedenen Handschriften. Dennoch stellt dies keinen Einwand dar, eine Parallele zu sehen zwischen Christus und der Gemeinde einerseits und Adam und Eva andererseits. Dieser Abschnitt in Epheser 5 enthält jedenfalls mehrere Verweise auf 1. Mose 2. Die Gemeinde ist sowohl der Leib als auch die Braut Christi – genauso wie Eva von Adams eigenem Fleisch und Gebeinen war und zugleich als seine Braut zu ihm gebracht wurde und mit ihm vereinigt worden ist. Dies bringt von beiden Seiten Verpflichtungen mit sich und die werden hier dann auch dargelegt:

(1) von Seiten Christi ist da Seine fortwährende Sorge und Liebe für die Gemeinde – Er nährt und pflegt sie;

(2) auf der Brautgemeinde obliegt die Pflicht, abhängig von ihrem Haupt zu sein und Unterwürfigkeit Ihm gegenüber vorzuweisen.

Was Christus angeht, ist da vollkommene Treue in Seiner Sorge für die Gemeinde. Er wird nicht ruhen, ehe Er sie untadelig und ohne Flecken oder Runzel in Seine Herrlichkeit gebracht hat. Aber was uns selbst betrifft, dürfen wir uns selbst schon fragen, ob wir Seiner Autorität unterworfen sind und ob wir in die Praxis umsetzen, was damals zur Braut des Königs gesagt worden ist: 'Er ist dein Herr: so huldige ihm! (O. beuge dich vor ihm nieder)' (Ps 45,12).

In diesem Zusammenhang möchte ich zum Schluss noch auf eine andere alttestamentliche Geschichte hinweisen, wo ein ähnlicher Ausdruck vorkommt. Als das Volk Israel zu der Erkenntnis kam, dass es Teil an dem König David hatte und mit ihm verwandt war, rief es aus: 'Siehe, wir sind dein Gebein und dein Fleisch' (2. Sam 5,1; 1. Chr 11,1). Die Schlussfolgerung davon war, dass das Volk die Autorität Davids annahm und ihn zum König salbte! Hier finden wir auch ein ausgezeichnetes Bild der Erkenntnis der Hauptschaft Christi von Seiten der Glieder des Volkes Gottes. Die Wahrheit der Gemeinde als der Leib und die Braut Christi konnte im Alten Testament noch nicht offenbart werden, aber wir sehen hier wohl ein Bild der praktischen Verwirklichung davon. Dies beinhaltet, dass wir zur Erkenntnis von unserer Einsmachung mit Ihm und von der Autorität, die Er aufgrund davon als unser himmlisches Haupt besitzt, kommen.

[Übersetzt aus dem Holländischen von Karsten Boerstoel]

Hugo Bouter