Der lautlose Holocaust

Online seit dem 28.10.2010, Bibelstellen: Psalm 139,14-15

Der Prophet Jesaja warf seinen Zeitgenossen in Israel vor, dass ihre Hände mit Blut befleckt sind und dass sie eilen, Blut zu vergießen (Jesaja 59,2+7). Dieser Vorwurf trifft sicher jede Nation zu jeder Zeit. Und ganz besonders mussten sich über Jahrhunderte die Männer angesprochen fühlen. Der erste Mörder war ein Mann (1. Mose 4) und danach sind viele Männer Mörder geworden. 

Das Blatt hat sich gewendet, könnte man fast sagen: Denn viele Frauen lassen ihr Kind abtreiben. Gewiss spielen häufig Männer bei dem Eingriff eine Rolle und/oder der Partner übt massiven Druck auf die schwangere Frau aus. Das soll jetzt nicht analysiert werden, sondern nur ein paar Fakten genannt werden, die nachdenklich stimmen sollten.

In Deutschland gibt es jährlich ungefähr 120.000 Abtreibungen. Das entspricht der Einwohnerzahl einer großen Stadt wie Ulm. Ca. 97% der Schwangerschaftsabbrüche werden ohne Indikation durchgeführt (sog. Beratungsregel). Ca. 3% der Abbrüche gehen auf eine medizinische Indikation zurück (dazu gehört auch eine Erkrankung des Kindes). Nur ungefähr 0,02 % der Abbrüche gehen auf eine kriminologische Indikation zurück, also auf Vergewaltigung. (Das stellt sicher den schwierigsten Fall dar. Aber kann man denn das Kind für die Straftat des Vaters bestrafen? Und ist nicht ein Mord noch schlimmer als eine Vergewaltigung?) In Deutschland kommt auf sechs Geburten eine Abtreibung. Europaweit erfolgt durchschnittlich alle 25 Sekunden eine Abtreibung.

Der Schwangerschaftsabbruch kann in den meisten Ländern bis zur zwölften Woche (nach Befruchtung) straffrei erfolgen. Auch in Deutschland (Stand 2010). Man argumentiert dabei teilweise, dass es sich bis zu diesem Zeitpunkt um keinen „richtigen Menschen“ handle (ein Argument, das Hitler auch in Bezug auf die Juden gebrauchte!); es sei nur ein „Zellklumpen“. Doch: In der zwölften Woche arbeiten bereits alle Organe. Das Ungeborene atmet, schluckt und verdaut. Auf dem Kopf wachsen die ersten Haare und an den Fingern und Zehen die ersten Nägel. Biologisch gibt es keinen Grund, nach 12 Wochen irgendeinen Trennungsstrich zu ziehen.

Natürlich wird das ungeborene Baby nach und nach größer und lässt sich dann nicht mehr so schnell zerstückeln und "bequem" entsorgen. Aber auch sog. Spätabtreibungen gibt es in Deutschland. Wenn die Behinderung des Kindes für die Mutter "untragbar" ist, dann wird das Kind noch kurz vor der Entbindung abgetrieben. Sollte die Tötung nicht funktionieren und das Kind lebend zur Welt kommen (was immer wieder passiert), wird es in ein Nebenzimmer gelegt, wo es langsam sterben darf.  

Ein Arzt berichtet: "Ich erlebte, wie ein junger Gynäkologe weinend zusammenbrach und ausrief: 'Heute habe ich meine fünfzigste Abtreibung gemacht, und ich weiß, dass es Mord ist. Die Schuld lastet so schwer auf mir …' Doch der Chef sagte zu seinen Assistenten: `Wenn Sie nicht abtreiben wollen, müssen Sie sich eine andere Stelle suchen.' Eines Tages stand ich dann selbst im Operationssaal (OP) und sah bei einer Abtreibung zu. Die Saugcurette wurde eingeführt, die Vakuumpumpe angestellt. Langsam kletterte der Zeiger des Manometers höher. Plötzlich zerriss ein lautes gieriges Schlürfen die Stille des OP. Damals, als der mörderische Schlund des Saugrohrs das ungeborene Leben verschlang und schaumiges Blut, zerfetztes Gewebe und abgehackte Händchen ausspie, da wurde ich zum vehementen Abtreibungsgegner."

Ein anderer Arzt empfing eine werdende Mutter, die eine Abtreibung verlangte. Irgendwie passte das Kind nicht in ihre Planung. Sie hatte ein bezauberndes kleines Kind auf dem Schoß, als sie ihre Bitte aussprach. Der Arzt antwortete kühl: "Die Abtreibung ist ein Eingriff, der Risiken in sich birgt. Es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn ich das Kind auf Ihrem Schoß töten und Sie das andere austragen würden." Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint, dennoch bringt es eine wichtige Sache zu Sprache: Warum ist ein Mensch im Mutterleib kein Mensch? Was für eine moralische Veränderung vollzieht sich, wenn ein Kind durch den Geburtskanal gequetscht wurde? Wieso ist die Tötung vor der Geburt in Ordnung und die Tötung nach der Geburt Mord?  

Der Mensch ist von Anfang an ein Mensch! Alle Informationen sind vorhanden. Und diese Informationen sind einmalig! Den Menschen, der im Verborgenen entsteht, hat es vorher noch nie gegeben und wird es nachher nie mehr geben. Er ist einzigartig. Jeder Mensch ist ein Geschöpf und Wunder Gottes. Dass es dieses Wunder milliardenfach gibt, macht es nicht kleiner.

„Ich preise dich dafür, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin … Mein Gebein war nicht vor dir verborgen, als ich gemacht wurde im Geheimen“ (Psalm 139,14-15).

 

Gerrid Setzer