Betrachtung Psalm 119 (5)

Online seit dem 09.09.2012, Bibelstellen: Psalm 119,9

Das Gebet eines Ältesten

Beth

Diese Strophe setzt den Schwerpunkt auf die Reinigung durch das Wort

Verse 9 bis 16

Vers 9: Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort.

Die Verse 10, 11, 13 und 14 stehen im Perfekt. Beim Studieren des Wortes Gottes ist es mitunter nützlich, die von unserem Übersetzer verwendeten Zeitformen zu betrachten. Die genaue Anwendung des Perfekt verbindet die vergangenen Erfahrungen des Psalmisten mit seinen gegenwärtigen Erfahrungen. Lasst es uns erklären: Die französische Sprache besitzt zwei Erzählzeiten, um die Vergangenheit auszudrücken, nämlich das Präteritum und das Perfekt. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zeitformen besteht nicht nur in der Trennung der Handlung von dem gegenwärtigen Moment, sondern auch im Verhältnis, das immer zwischen der vergangenen Handlung und der aktuellen Realität besteht: Eine Handlung im Präteritum steht in keinem Zusammenhang mehr zum Präsens, während eine vergangene Handlung, deren Resultate oder Konsequenzen fortdauern, zwangsläufig im Perfekt ausgedrückt werden. Dies ist ein feiner Unterschied, den man leicht vergisst, der aber seine Bedeutung hat. Der Psalmist sagt: „Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht“ (V. 10), „in meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt“ (V. 11), „mit meinen Lippen habe ich erzählt alle Rechte“ (V. 13), „an dem Weg deiner Zeugnisse habe ich mich erfreut“ (V. 14). In diese vier Erinnerungen wird das Präteritum kaum passen, denn es handelt sich um vier geistliche Erfahrungen, deren Konsequenzen nach wie vor im Leben des Psalmisten andauern. So verbindet die Anwendung des Perfekt in den Versen, die uns beschäftigen, die Treue von gestern mit dem gegenwärtigen Wandel.

Vers 9 leitet das Gebet des Treuen ein, der sich an seine Jugend erinnert, wodurch der Titel entstanden ist, den wir der Strophe Beth gegeben haben. Der Psalmist ist in einer beständigen Gemeinschaft mit dem Gott, den er mit seinem ganzen Herzen gesucht hat; er hat ein Zeugnis, das er bekommen hat, weil er seit seiner Jugendzeit auf einem reinen Weg geht und weil er Gefallen hat auf dem Weg der göttlichen Zeugnisse. Ein Artikel unseres Bruders P. Fuzier sagt darüber: „Gewisse Schreiber denken, dass er von Esra verfasst worden ist, was uns nicht überraschen sollte, wenn wir die bedeutende Stellung betrachten, die das Wort im Leben und Herz dieses Mannes Gottes eingenommen hat (Esra 7,6.10). Der in Vers 10 angegebene Fortschritt muss bemerkt werden: Auf dem allerersten Platz stand bei Esra eine Arbeit des Herzens, die in ihm den heiligen Wunsch erzeugt hat, das Gesetz des Herrn zu erforschen, ein Gesetz, bei dem man niemals auslernt, das er aber in die Praxis umsetzte: Er hatte so gleichzeitig die Kenntnis und die moralische Autorität, die notwendig sind, um das Volk Gottes zu belehren, und er hatte ein Herz, dieses zu tun“ (Le Messager Evangélique 1975, Seite 158).

Wir halten bei der in Vers 9 gestellten Frage, weil sie dazu dient, alle Herzen zu berühren, besonders das eurige, ihr jungen Leute: „Gedenke deines Schöpfers in den Tagen deiner Jugendzeit“ (Prediger 12,1). Diese Ermahnung ist ernst; der, der Ohren hat, höre! Man muss hören, wenn Gott spricht; seine Worte sind in seinem Buch verschlossen: der Bibel.

Das Wort ist die Verhaltensregel auf dem Weg des Treuen. In dieser Welt ist die Sünde überall, die Beschmutzung umgibt uns wie die Luft, die wir einatmen. Wie können wir vor den Fallen des Feindes behütet werden? Das geschieht, indem man hier auf das Wort achtet mit heiliger Wachsamkeit und nicht nach der menschlichen Weisheit. Es ist ein wirklicher Vorteil, wenn man in jungen Jahren den Weg Gottes betritt.

„Der Älteste“, der treue Mensch, kann sich also an den jungen Menschen wenden und ihm sagen: „Gehe deinen Weg in Reinheit, indem du nach der Bibel darauf achtest.“ Aber dieser Älteste im Glauben gibt sich nicht damit zufrieden, mit anderen zu sprechen. Seht die Verse, wo er zu seinem Herrn spricht: „Gepriesen seist du; Herr! Lehre mich deine Satzungen“ (V. 12), „über deine Vorschriften will ich sinnen und Acht haben auf deine Pfade“ (V. 15), „an deinen Satzungen habe ich meine Wonne“ (V. 16). Wie drückt das im Präsens stehende Verb des letzten Zitats so gut das geistliche Leben des Psalmisten aus! Ist es für jeden von uns wahr? Ein geistliches Leben mit Qualität ist der richtige Ort seit Generationen. Aber wenn die Verweltlichung in das Herz eintritt (der Wunsch, in der politischen und wissenschaftlichen Welt zu glänzen, und Kompromisse mit dem Atheismus usw.), versucht man somit, die Bibel dem Lauf der Zeit entsprechend den fleischlichen Begierden anzupassen.

[Übersetzung aus dem Französischen, „Le Psaume 119“]

M. Roy und Filipczak