Freigemacht von dem Gesetz (01)

Online seit dem 19.09.2014, Bibelstellen: Römer 7

„Der Kampf in Römer 7 kommt mir etwas unvermittelt vor nach dem Frieden und der Befreiung des fünften und sechsten Kapitels und ist eine merkwürdige Einführung zu dem Triumph im achten Kapitel“, bemerkte ein junger Gläubiger. „Es ist ein Einschub“, antworteten wir, „und in vollkommener Übereinstimmung mit dem generellen Plan des Briefs, der sich, nachdem er die Fülle der Gnade entwickelt hat, das Gesetz vornimmt und alle, die unter dem Gesetz stehen. Schon in den ersten Kapiteln ist das zu sehen, wenn es um unsere Sünden geht. Und in den letzten Kapiteln ist derselbe Plan zu finden, wenn Gottes regierungsmäßiges Handeln mit Israel vor uns steht. Und in Kapitel 7 finden wir es erneut, aber aus einem erfahrungsmäßigen Blickwinkel.“

Tatsächlich befinden sich zahlreiche Christen in diesem Römer-7-Einschub. Und einige bleiben eine lange Zeit darin, während manche so weit gehen zu sagen, dass der dort beschriebene Zustand der beste Beweis dafür ist, dass die Seele göttliches Leben besitzt.

Römer 7 beschreibt einen Gläubigen ohne Befreiung der Seele. „Ich“ und „mich“ kommen immer wieder vor in dem Teil des Kapitels, in dem es um die Erfahrungen geht. Und erst am Ende hört man den Siegesruf: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

Kein Zweifel, wenn der Gläubige in der Wahrheit des sechsten Kapitels gegründet ist – „der Sünde gestorben“, „mit Christus begraben“, „mit ihm gekreuzigt“, „freigemacht von der Sünde“, dann ist er auch von dem Kampf und den darauf folgenden Erfahrungen des siebten Kapitels befreit. Doch manche Christen befinden sich praktisch noch „unter Gesetz“ und müssen wie die Galater gefragt werden: „Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?” (Gal 3,3). Obwohl Christus einst freudig als ihr Alles angenommen worden war, und sie sich in ihm erfreuten, sind sie doch jetzt wieder mit sich selbst beschäftigt. „Was war denn eure Glückseligkeit?“ (Gal 4,15).

Der Grund für den Verlust der Glückseligkeit war, dass sie zurückgekehrt waren zu der Stellung des Lebens im Fleisch vor Gott; sie hatten den Boden der „Freiheit, mit der Christus euch freigemacht hat“ verlassen und waren Schuldner des Gesetzes geworden! Wirklich, bei manchen Gläubigen möchte man fast denken, dass Christus nur die Einleitung zu Mose war. Dass sein Tod für die Schuld der Sünde bezahlt hat, sodass der Gläubige nun, nachdem die Schuld bezahlt ist, in der Lage ist, dass Gesetz zu halten, und dass dementsprechend das Gesetz und nicht Christus die Lebensregel des Christen ist.

Dass Fleisch, das „Ich“, wird nicht für tot gehalten. Zwar wird es als etwas Schwaches und Eigenwilliges angesehen, doch auch als etwas, das unter der Hand des Gesetzes verbessert werden könnte. Wir sagen damit nicht, dass ein solcher Gläubiger seine eigenen Anstrengungen als Grundlage seiner Rechtfertigung oder seiner Hoffnung, in den Himmel zu kommen, ansieht. Wir sagen aber, dass er auf seinen Gehorsam gegenüber dem Gesetz sieht, der ihn irgendwie passend machen kann für die Gegenwart Gottes und der ihn verändern und heiliger machen kann. Er vergisst somit, dass wir nicht nur durch Glauben gerechtfertigt sind, sondern dass auch das tägliche Leben ein Leben des Glaubens sein muss, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben.“ Denn der Gläubige hat es nötig, stündlich mit der Kraft Christi versorgt zu werden, die Christus aber nicht gewährt, solange der Gläubige, indem er zu Mose zurückkehrt, praktisch behauptet, dass in ihm selbst noch etwas ist, an das angeknüpft werden kann. „Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben“, und wenn der Gläubige so tut, als ob er in sich selbst Kraft hätte, dann leugnet er praktisch die Gnade Gottes (Gal 3,12), dass er „mit Christus begraben“, „mit Christus gekreuzigt“ ist und dass er in Christus und in ihm allein Gott lebt.

In dem soeben berührten Fall ist der Gläubige, obwohl er die Glückseligkeit der Vergebung einmal gekannt hat, derart in dem Treibsand der eigenen Anstrengungen versunken, dass er permanent ruft: „Ich elender Mensch, wer wird mich retten?“

Andere Gläubige befinden sich in den Erfahrungen von Römer 7, weil ihnen nie das vollständiges Evangelium Gottes verkündet worden ist. Das Leben derer, die dem Herrn Jesus glauben, hat durch das Wirken des Heiligen Geistes ein Verlangen nach Heiligkeit, und wenn das geschrieben Wort Gottes, das den Weg der Heiligkeit zeigt, nicht verstanden wird, suchen die Christen bezüglich der Heiligkeit bei Mose statt bei Christus. Sie hatten im Geist angefangen und hoffen jetzt durch das Fleisch vollkommen gemacht zu werden.

Es ist nichts Nebensächliches, vom Gesetz befreit zu sein. Gott gab dem Menschen das Gesetz, damit er ihm gehorche, doch der Mensch hat es gebrochen und kann ihm nicht gehorchen. Und Gott hat nun Christus gegeben, durch dessen Tod der Mensch von dem verdammenden Gesetz befreit werden kann. Denn wenn wir nicht durch Gnade von dem Gesetz befreit sind, werden wir dazu verdammt sein, die ewigen Folgen davon zu tragen, dass wir es gebrochen haben, wie geschrieben steht: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun“ (Gal 3,10). Die Menschen sprechen von der Anmaßung des Glaubens, der Gott glaubt und ihm dankt für Vergebung und Frieden durch Christus; aber was soll man erst von der Anmaßung des Unglaubens halten, der Gott die Früchte der bösen Bemühungen unserer Herzen anbietet! Das ist eine Anmaßung wie diejenige Kains, der dem Herrn eine Opfergabe von den Früchten des Erdbodens brachte (1. Mo 4,3). Jenes Erdbodens, den der Herr wegen der Sünde Adams verflucht hatte (1. Mo 3,7). Wir erinnern uns, dass Gott die Opfergabe Kains nicht annahm; und ein Mensch kann so religiös sein wie er will, wenn seine Religion nicht den Maßstäben Gottes entspricht, nützt es nichts. Wie viele bekennende Christen gibt es leider heute, für die gilt: „da sie ... ihre eigene Gerechtigkeit auzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unter worfen“ (Rö 10,3).

H. Forbes Witherby