Babylon, die große Hure

Online seit dem 17.09.2005, Bibelstellen: Offenbarung 17,1-18,24

Am Ende Seiner Sendschreiben an die sieben Versammlungen in Asien spricht der Herr zu der siebten, der Versammlung in Laodicäa, die ernsten Worte: „Also, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde“ (Off 3,16). Der Zustand lauer Gleichgültigkeit Christus gegenüber, gepaart mit Großtuerei über materielle Güter, ist so abstoßend und ekelerregend für Ihn, daß Er diesen verächtlichen Ausdruck des Zorns und der Verwerfung benutzt. Seine Worte an die bekennende Namenchristenheit unserer heutigen laodicäischen Zeit zeigen uns, daß Christus, der „treue und wahrhaftige Zeuge“, im Begriff steht, ihr falsches Bekenntnis, ein Zeugnis und Lichtträger für Ihn zu sein, völlig zu verwerfen.

 Von Gott verworfen

Der Augenblick ist nahe, wo Gott das, was nur noch ein äußerliches christliches Bekenntnis ohne „Wahrheit im Innern“ ist, öffentlich verwerfen wird. Diese sichtbare Verwerfung eines Gebildes, das sich heuchlerisch als Gottes wahre Kirche bezeichnet, wird erfolgen, wenn Christus in der Luft für Seine wahre Versammlung kommt, die aus allen wiedergeborenen Gläubigen besteht (1. Thess 4,16.17). Sie werden in den Himmel aufgenommen, und dann wird Er die Masse der toten Namenchristenheit aus Seinem Munde ausspeien, sich von ihr gänzlich lossagen und sie dem weiteren Abfall und Gericht überlassen.

Die Tatsache, daß im Buch der Offenbarung ab Kapitel 4 von keiner Kirche auf der Erde mehr die Rede ist, beweist, daß Christus die abgefallene Christenheit dann als Sein Zeugnis verworfen und hinweggetan haben wird. Dann wird Satan mit seinen unreinen Werkzeugen auf der Erde von dem Besitz ergreifen, wovon Gott Sich losgesagt hat.

Unter der Herrschaft Satans

Offenbarung 17 führt uns ein prächtig geschmücktes Weib vor Augen, das auf einem scharlachroten Tier sitzt, „voll Namen der Lästerung, das sieben Köpfe und zehn Hörner“ hat (Off 17,1–4). Dieses Bild beschreibt den furchtbaren Charakter der verderbten Christenheit in ihrer letzten Phase. Das sittenlose Weib, das Bild eines verworfenen Systems, trägt den Namen „Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Greuel der Erde“. Sie ist „eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehaßten Vogels“ (Off 18,2).

Wir ersehen daraus, daß die durch das symbolische Weib dargestellte verderbte Christenheit nach ihrer Verwerfung seitens Gottes unter die völlige Herrschaft Satans geraten wird. Das Weib wird uns gezeigt, wie es auf dem königlich geschmückten Tier mit den zehn Hörnern sitzt, dem Haupt des wiedererstandenen Römischen Reiches, das seine Macht von Satan empfängt (Off 13,4). Das Sitzen auf dem Tier deutet das Bestreben des Weibes an, Herrschaft über das Tier und politische Macht auszuüben.

Der Ursprung Babylons und seiner Abgötterei

Den geschichtlichen Ursprung Babylons finden wir bei dem Turmbau zu Babel, wie er uns in 1. Mose 11 berichtet wird. Das Wort „Babylon“ kommt von dem Wort „Babel“ und bedeutet „Verwirrung“. Das große Ziel der damaligen Menschheit offenbarte sich in ihren Worten: „Wohlan, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reicht, und machen wir uns einen Namen“ (1. Mo 11,4). Wir erblicken hier den Menschen in seinem eigenwilligen, ehrgeizigen und rebellischen Handeln, das Gott ausschloß. In jenen frühen Tagen der Menschheit nach der Flut trat Nimrod hervor und „fing an, ein Gewaltiger zu sein auf der Erde ... und der Anfang seines Reiches war Babel . . .“ (1. Mo 10,8–10).

Alte Überlieferungen berichten, daß Nimrods Frau, die berüchtigte Semiramis 1., die Begründerin des babylonischen Mysterienkults war. Sie wurde verehrt unter dem Namen „Rhea“, der großen Göttin–Mutter. Sie ist die geistige Urheberin und Mutter allen Götzendienstes, und jedes heidnische Götzensystem in der ganzen Welt hatte seinen Anfang in diesem Kult. Auch ihr Mann, Nimrod, wurde nach seinem angeblich gewaltsamen Tod zur Gottheit erklärt. Semiramis gebar einen Sohn, von dem sie behauptete, ihn auf übernatürliche Weise empfangen zu haben, und er wurde als der verheißene Erretter begrüßt. Es handelt sich bei diesem Sohn um den in Hesekiel 8,14 erwähnten „Tammuz“ (Fußnote Elberf. Bibel: „Gottheit der babylonischen Mythologie“). Hier liegt somit der Ursprung der mythischen „Frau mit dem Kind“. Dieses babylonische System des Götzendienstes und seiner Mysterien verbreitete sich in der Folge unter verschiedenen Bezeichnungen über die ganze damalige Welt.

Der Prophet Jeremia kündigte Gottes Gericht über Babylon an: „Es ist ein Land der geschnitzten Bilder, und sie rasen durch ihre erschreckenden Götzen“ (Jer 50,38). „Siehe, Tage kommen, da ich die geschnitzten Bilder Babels heimsuchen werde, und sein ganzes Land wird beschämt werden ... Und Himmel und Erde ... werden jubeln über Babel“ (Jer 51,47–52). Als Babylon mit seinen Tempeln zerstört und das Reich von den Medern und Persern eingenommen wurde (Dan 5), flohen die chaldäischen Priester des babylonischen Geheimkultes mit ihren „heiligen“ Geräten und Götzenbildern nach Pergamos in Kleinasien. Dort stellten sie ihr götzendienerisches System wieder her, und Pergamos wurde die Stätte satanischer Abgötterei. Daher sagte der Herr später zu der Versammlung in Pergamos, sie wohne, „wo der Thron (oder Sitz) Satans ist“ (Off 2,13).

Der babylonische Götzendienst und Rom

im Lauf der Zeit löste sich eine der Siedlungen, die dem babylonisch–chaldäischen Götzendienst treu ergeben waren, von Kleinasien und wanderte nach Italien aus. Sie ließ sich im westlichen Teil der etruskischen Ebene nieder, die als Etrurien bekannt ist. Schließlich ging sie nach und nach im römischen Staat auf und übte einen starken Einfluß auf die Religion der Römer aus.

Das Priester–Kollegium wurde im Lauf der Zeit ein Etruskisches Kollegium, dessen leitender Hoherpriester eine beherrschende Stellung über alle öffentlichen und privaten Religionsausübungen des römischen Volkes einnahm.

So war der etruskische Götzendienst, der im römischen Religionssystem völlig aufgegangen war, ein Abkömmling des ursprünglich babylonischen Götzendienstsystems. Nach dem Tod Attalus' 111., des Königs von Pergamos (133 v. Chr.), wurde sein Königreich gemäß seinem Willen dem Römischen Reich einverleibt. In den Tagen des Julius Caesar wurden ihm alle Befugnisse und Ämter der legitimen babylonischen Hohenpriesterschaft übertragen; er übte sie aus als Kaiser, als erwählter „Pontifex Maximus“ (Höchster Priester), als Haupt des römischen Religionssystems. Diese Funktionen gingen später auf die Bischöfe von Rom über, die die Hohenpriester und Päpste sind. (Die obigen Ausführungen sind teilweise dem sehr guten Werk von Alexander Hislop, „The Two Babylons“, entnommen, das wertvolle authentische Untersuchungen enthält; erschienen bei Loizeaux Brothers Inc., Neptune, N. J.).

Eine sorgfältige Betrachtung des prophetischenAspekts der Versammlungen in Pergamus und Thyatira in Offenbarung 2 zeigt, daß der heidnische Götzendienst während der Pergamus–Periode in die bekennende Christenheit eindrang und während der Thyatira–Periode zu einem Teil der römisch–katholischen Kirche wurde. In Thyatira begegnen wir einem

System, das bis zum Abschluß der gegenwärtigen kirchlichen Periode bestehen bleibt, um sich dann zu der „Großen Babylon“ zu entwickeln es nicht anders. Noch ein kurzes Wort über gute Werke.

Gute Werke sind ein ganz wichtiger Bestandteil eines Christenlebens: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf daß wir in ihnen wandeln sollen“ (Eph 2,10). Christus starb, um ein Eigentumsvolk zu haben, „eifrig in guten Werken“ (Tit 2,14). Als Christen lassen wir gute Werke manchmal außer acht, weil sie nicht zur Errettung beitragen. Aber sie sind ein ganz wichtiges Resultat der Errettung. Gute Werke erfordern aktive Energie und einen festen Vorsatz. Sie werden nicht vollbracht, wenn wir anderen nur zusehen oder sie kritisieren.

Ein Bruder, der aktiv im Werk des Herrn tätig war, wurde wegen der Art und Weise, wie er das Werk tat, von jemandem kritisiert. Seine Antwort war: „Mir ist die Art, wie ich es tue, lieber als die Art, wie Sie es nicht tun.“ Ratgeber und Kritiker gibt es viele, aber Helfer sind schwer zu finden. Komm herunter von der Zuschauerbank und beteilige dich am Kampf! Komm heraus aus deinem Fuchsbau und hilf im guten Kampf des Glaubens! Die Felder sind schon weiß zur Ernte (Joh 4,35). Arbeite – für die Sache des Herrn und zu deinem eigenen geistlichen Gewinn!

„Geheimnis Babylon, die große“

Nachdem wir den geschichtlichen Hintergrund Babylons und die Verquickung seiner götzendienerischen Mysterienkulte mit dem großen christlichen Religionssystem Roms kurz gestreift haben, werden wir das in der Offenbarung Kapitel 17 dargestellte Babylon nun mit mehr Verständnis betrachten können. Wir werden sehen, daß dieses Babylon eine Fortsetzung und Weiterentwicklung des Römischen Religionssystems ist, das bereits während der vorangegangenen fünfzehnhundert Jahre bestand. Wenn sich die Prophezeiung von Offenbarung 17 erfüllt, wird Babylon, die große, außerdem den gesamten abgefallenen Protestantismus und die gesamte Namenchristenheit in sich vereinigt haben, die nach der Entrückung der wahren Kirche Christi in den Himmel auf der Erde zurückbleiben. Möglicherweise wird sie auch noch andere religiöse Strömungen unserer Tage einschließen.

Sieben Berge und zehn Hörner

Es werden uns einige Merkmale Babylons, der großen, angegeben, die ihre Identifizierung erleichtern. Das scharlachrote Tier, das sie trägt, hat sieben Köpfe und zehn Hörner (Vers 3). Der Apostel Johannes wurde durch den Engel belehrt, „die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf denen das Weib sitzt“ (Vers 9).

Damit ist als ihr Sitz die Stadt Rom gekennzeichnet, die weltbekannte „Sieben–Hügel–Stadt“. Der Engel sagte ferner, daß die Hörner des Tieres auf zehn Könige hindeuten, die „Gewalt wie Könige empfangen, eine Stunde mit dem Tiere“ (Off 17,12). Wie bereits bemerkt, ist in dem Tier das politische Haupt des wiedererstandenen Römischen Reiches mit seinen zehn Königreichen zu sehen, das gemäß den Prophezeiungen entstehen wird (Daniel 7; Off 13,1–6; 17,8–11).

Zusammenschluß politischer und religiöser Mächte

Dieses kommende Babylon wird sich öffentlich mit der bösen politischen Macht identifizieren, die „voll Namen der Lästerung“ ist und das Ziel verfolgt, die Menschen von dem wahren Gott weg und in den Götzendienst hineinzuziehen. Die religiösen und politischen Mächte innerhalb der Namenchristenheit werden sich vereinigen, um die Weit in die finsterste heidnische Abgötterei zurückzuführen. Rom wird Sitz und Quelle eines götzendienerischen Systems sein, weiches das des alten Babylon an Heuchelei und sittlicher Verdorbenheit noch übertrifft. Das Tier und die Könige, die mit ihm sind, werden in dem verderbten Papsttum offenbar ein williges Werkzeug für ihre bösen Ziele finden. In Babylon, der großen, werden in einem einzigen riesigen System alle Übel vereinigt sein, unter denen die Kirche in den verflossenen Jahrhunderten gelitten hat. Sie werden sich hier zum Gipfel alles Abscheulichen auf der Erde erheben. W. G. Turner schrieb 1951 hierzu treffend: „Der römische Katholizismus ist ein religiös–politisches System, ein gigantischer Apparat, der durch die in Jahrhunderten gesammelten Erfahrungen ständig perfektioniert wurde. Er ist eine ungeheuerliche Vermengung von Wahrheit, Irrtum und Betrug. Er hat in den romanischen Ländern immer ein besonders gutes Gedeihen gehabt, denn die Führer der Römischen Kirche in den früheren Jahrhunderten waren kirchliche Staatsmänner und im Grunde die Nachfolger der Herrscher des großen Römischen Reiches. Sie übernahmen die Traditionen jenes Reiches mit seinem imposanten kaiserlichen Gepränge. Der Hauptzug des Römischen Katholizismus, als Hierarchie betrachtet, ist jene verhängnisvolle Sucht nach Macht.

Das Alter der Römisch–katholischen Kirche, ihre Traditionen, die scheinbare Logik ihrer Lehre, ihre Kunstwerke, ihre Prachtentfaltung und all das Drum und Dran ihrer Zeremonien und abergläubischen Bräuche kommen dem Verlangen nach Autorität entgegen und beeindrucken und fesseln die Phantasie und die Sinne. Sie benutzt ihre genaue Kenntnis der armen menschlichen Natur, um auf Verstand und Gewissen einzuwirken und so Scharen von Seelen an ihr despotisches System zu ketten.“ (W. G. Turner, Words of Help)

„Trunken von dem Weine ihrer Hurerei“

Die auf der Erde wohnen sind „trunken geworden“ von dem Wein der geistlichen Hurerei der großen Hure Babylon aus ihrem „goldenen Becher ... voll Greuel und Unreinigkeit ihrer Hurerei“ (Off 17,2.4). Babylon entfaltet eine äußerliche Pracht und Herrlichkeit, die das natürliche Herz und die Phantasie des Menschen anzieht; er wird durch sie geblendet und betört. T B. Braines schrieb bereits vor über hundert Jahren: „Für den religiösen Menschen hat ein System etwas Beeindruckendes, das sich eines ehrwürdigen Alters, imposanter Bauwerke, bezaubernder Musik, einer perfekten Organisation, einer so unermeßlichen Macht und eines so beispiellosen Anspruchs rühmen kann. Doch in den Augen Gottes ist all das wertlos. Es ist nur der Wein, durch den das Weib die Nationen trunken macht.“ (The Revelation of Jesus Christ)

Nachdem sie die Könige und die Bewohner der Erde mit dem Wein ihrer Abgötterei und irdischen Pracht trunken gemacht hat, wird Babylon zu jener „großen Stadt, die das Königtum hat über die Könige der Erde“ (Off 17,18). Sie sitzt auf dem scharlachroten politischen Tier und sucht die Herrschaft über sein Reich auszuüben.

„Die auf (den) vielen Wassern sitzt“

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der großen Hure Babylon ist ihr Sitzen „auf (den) vielen Wassern“. Der Engel gibt hierzu die göttliche Erläuterung: „Die Wasser, die du sahst, wo die Hure sitzt, sind Völker und Völkerscharen und Nationen und Sprachen“ (Off 17,15). Das ist ein Hinweis auf den weltweiten, universellen Einfluß, den das Papsttum über Völker und Nationen vieler Sprachen ausübt. Die Bezeichnung „katholisch“ vermittelt den Gedanken des „Allumfassenden“. Tatsächlich übt dieses große religiöse System heute einen umfassenden Einfluß auf die Menschenmassen vieler Nationen aus. Doch in der Zukunft wird die abgefallene Kirche auch über die Menschenmassen außerhalb der Römischen Sphäre einen unermeßlichen, weltweiten Einfluß ausüben. Die Massen werden durch die schillernde Pracht und Größe und die Reichtümer der verderbten Weltkirche eingefangen und gefesselt werden.

„Trunken von dem Blute der Heiligen“

Ein weiterer böser Charakterzug, der uns von Babylon berichtet wird, ist der, daß sie „trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu“ gesehen wird (V. 6). Das führte den Apostel Johannes dazu, sich sehr zu verwundern. Walter Scott hat diesen Wesenszug treffend wie folgt kommentiert: „Man könnte den Haß der heidnischen Machthaber gegen die Nachfolger und Zeugen Jesu wohl begreifen. Daß aber das Weib, die Kirche dieser Tage und Zeiten, selber das Blut der Heiligen Gottes vergießen würde, ruft in der Tat die Verwunderung des Sehers hervor. Sie war es, die die höllischen Grausamkeiten des Mittelalters ersann. Die weltliche Macht ist ein Werkzeug in den Händen des Weibes. Die wahre Anstifterin und Machtausübende hinter der staatlichen Autorität ist die Hure. Ihre Kleider sind mit dem Blut besudelt, das sie durch die Jahrhunderte hindurch so mutwillig und brutal vergossen hat. Auf Babylon fällt die ganze Schuld aller vorhergehenden religiösen Mächte, die Gläubige verfolgt haben (Mt 23,35). Sie hat das Vergangene nie verurteilt; ihre Geschichte ist finster genug, jede Seite ist mit Blut befleckt, dem Blut der Geliebten Gottes und Seines Christus.

Der Apostel verwundert sich über dieses schreckliche Bild. Die Kirche wird ihm hier als das Verworfenste dargestellt, das auf der Erde zu finden ist. Das ist also der letzte Zustand der bekennenden Kirche. Nichts kann sie übertreffen, weder an Pracht und Größe, noch an Abgötterei, an Unflätigkeit und an Grausamkeit. „Ich verwunderte mich, als ich sie sah, mit großer Verwunderung.“ Die auf der Erde wohnen sind von ihrem Wein trunken (V. 2), das Weib selbst aber ist trunken von dem Blut der Heiligen.“ (Exposition of the Revelation)

Bei der Charakterisierung Babylons in Offenbarung 18 lautet die letzte Aussage: „Und in ihr wurde das Blut von Propheten und Heiligen gefunden und von allen denen, die auf der Erde geschlachtet worden sind“ (V. 24). Was für eine schreckliche Beschuldigung! Das Blut aller derer, die auf der Erde geschlachtet worden sind, wird ihr zur Last gelegt! In der Vergangenheit war das Römische System die blutdürstige Verfolgerin aller, die es wagten, für Jesus Christus und die Wahrheit Gottes Zeugnis abzulegen und damit ihre Schuld aufzudecken. In zukünftigen Tagen wird Babylon, die große, gemeinsam mit der politischen Macht, dem Tier, auch die Verfolgerin des jüdischen Oberrestes sein, der nach der Entrückung der Kirche in den Himmel Träger des Zeugnisses für Gott sein wird.

Babylon, die „große Stadt“

In Offenbarung 17 sehen wir Babylon aus Gottes Sicht: Als Hure in Verbindung zu den politischen Mächten, als Satans Zerrbild der wahren Kirche, als die falsche, heuchlerische Braut Christi. In Offenbarung 18 wird uns Babylon nun als die „große Stadt“ gezeigt, im Gegensatz zu der „heiligen Stadt Jerusalem“, der wahren Braut, dem Weib des Lammes (Off 21,9–10). Einschließlich des letzten Verses von Kapitel 17 wird Babylon sechsmal als „die große Stadt“ bezeichnet. Das Eigenschaftswort „groß“ wird in Verbindung mit Babylon etwa elfmal benutzt. Als diese „große Stadt“ wird sie von den Menschen gesehen und bestaunt, die „Vatikanstadt“ unserer Tage. Hier wird uns der weltliche Aspekt dieses großen religiösen Systems gezeigt.

„Eine Behausung von Dämonen“

Die erste Aussage in Kapitel 18 betrifft den Zustand der gefallenen Babylon. Sie ist „eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehaßten Vogels“, der persönlichen Agenten Satans (Off 18,2). Statt die „Behausung Gottes im Geiste“ zu sein (Eph 2,22), was von der wahren Kirche gesagt werden kann, ist dieses verderbte religiöse System am Ende eine Behausung von Dämonen und von jedem unreinen und gehaßten Geist geworden. Satan macht sie zum Sitz seiner geistlichen Mächte der Bosheit und zu seinem Bollwerk. Wie furchtbar!

Drei Klassen

In Vers 3 werden uns drei Klassen von Menschen in Verbindung mit dem Endzustand Babylons gezeigt:

  1. „Alle Nationen“ oder Völker der Christenheit – und vielleicht sogar eines noch weiteren geographischen Bereichs – haben tiefe Züge aus ihrem goldenen, berauschenden Becher der Hurerei getrunken.
  2. „Die Könige der Erde haben Hurerei mit ihr getrieben.“ Diese Könige werden von den „zehn Königen“ aus Kapitel 17 unterschieden, die die Hure hassen und vernichten werden. Die Könige der Erde oder Häupter der Namenchristenheit werden sich die verführerische Umarmung Babylons, mit der sie die ganze Welt an sich zieht, wegen ihrer Macht und ihres Reichtums gern gefallen lassen.
  3. „Die Kaufleute der Erde sind durch die Macht ihrer Üppigkeit reich geworden.“ Der Überfluß ihrer Üppigkeit zieht die Kaufleute an; wegen persönlicher und materieller Vorteile verbinden sie sich mit ihrer „Religion“.

Ein riesiges Handelssystern

Der endgültige Sturz, die Vernichtung und das Gericht Babylons durch die Könige – unter Gottes Lenkung – verursachen das Weinen und Wehklagen der Könige, Kaufleute, Schiffskapitäne, Matrosen und der Handeltreibenden auf See. Denn das gesamte kommerzielle und soziale Leben der Welt wird die gravierenden Auswirkungen zu spüren bekommen, wenn die „große Stadt“ vernichtet wird. Handel, Wohlstand und Reichtum der Großen der Erde werden durch Gottes verheerendes Gericht über dieses große Religions- und Handelssystem ruiniert werden. Dadurch wird offenbar, daß Babylon das Zentrum ungeheurer kommerzieller Interessen sein wird. Ihr weltweiter Einfluß erweist, wie sie die Großen der Erde durch die Förderung von Handel und Gelderwerb an sich gefesselt hat.

Gott bezeugt in Seinem Wort, daß die Kaufleute der Erde durch Babylons Vorliebe für prächtige Bauten und irdischen Luxus reich geworden sind, ferner daß Könige sie unterstützt haben, weil sie zu ihrer irdischen Größe und üppigen Lebensführung beitrug. Damit wird die verderbte Christenheit in ihrem letzten Stadium offenbar als die größte Förderin alles Bösen, der Weltförmigkeit, Üppigkeit und des materiellen Gewinns. Dieses böse System hat alles in weltlichen Profit umgesetzt, vom Gold angefangen bis hin zu den Leibern und Seelen der Menschen (Verse 11–16). Wir entnehmen nochmals einen Abschnitt den treffenden Anmerkungen von Walter Scott zu diesem Thema:

„Man stelle sich diese gigantische Verquickung auf weltlichem und religiösem Gebiet vor, die neben vielen anderen Waren Handel treibt mit Menschenleibern und – Seelen (Vers 13); diese werden zuletzt genannt, gewissermaßen als von geringstem Wert. Die Aufzählung der Handelsartikel zeigt uns Babylon als den Supermarkt der Welt, als den Welthandelsplatz, der alles bietet vom Wertvollsten bis herab zu dem, was von geringstem Wert erscheint.

Dieser Weltmarkt hat sieben Abteilungen, in die seine verschiedenen Handelswaren aufgeteilt sind (Off 18,12.13):

  1. Kostbarkeiten und Schmuckstücke, wie Gold, Silber, Edelsteine und Perlen.
  2. Kostbare Stoffe, wie feine Leinwand, Purpur, Seide und Scharlachstoff.
  3. Wertvolle Einrichtungsgegenstände, wie Gerät aus kostbarstem Holz, Elfenbein, Metallen und Marmor.
  4. Erlesene Wohlgerüche, wie Zimmet, Weihrauch und Salben.
  5. Bedarfsartikel für das üppige Leben, wie Wein, öl, Feinmehl, Weizen, Vieh, Schafe.
  6. Pomp und Prunk, wie Pferde und Wagen.
  7. Niederträchtiger Handel mit den Leibern und Seelen von Menschen.“

Finanzielle Interessen und Vorrangstellung

Die deutsche Zeitschrift „Der Spiegel“ bezeichnete vor etlichen Jahren die römisch–katholische Kirche als „größten Aktionär und Immobilienbesitzer der Welt“. Ähnlich äußerte sich die „Associated Press“ in einem Artikel vom 7. 3. 69 in den U. S. A. Der „London Daily Express“ vom 5. 6. 61 stellte fest, daß der Vatikan „einen beherrschenden Anteil besitzt an den größten Gas–, Licht–, Wasser–, Fernsprech– und Transportmittel–Zentren Italiens, an den Immobilien und Hotel–Konzernen sowie an den Versicherungsgesellschaften“.

Neben dem privaten Reichtum des Vatikans haben die unabhängigen Kirchenorden noch ihre eigenen Besitztümer. Die Jesuiten, der größte Kirchenorden, sowie die „Kolumbusritter“, die als der reichste Orden gelten, sind im Besitz von Milliarden von Dollar–Werten in einlösbaren Effekten und Hauptanteilen an vielen großen Firmen; sie verfügen über ungeheure Vermögenswerte in rein weltlichen Besitzungen. Alle diese Angaben sind wiederholt publiziert worden unter Angabe von Fakten und Zahlen.

Das „Protestant Journal“ vom April 1963 bezog sich auf einen Artikel des Paters Richard Ginder in „Our Sunday Visitor“ vom 22.04.1960. Bezüglich katholischer Besitztümer in Amerika führte er dort aus: „Unsere Vermögens– und Immobilienwerte werden wohl das vereinte Vermögen von Standard Oil, A. T & T sowie U. S. Steel (drei riesige amerikanische Konzerne) übersteigen, und unsere Aufstellung steuerzahlender Mitglieder steht wohl nur derjenigen der U. S.–Regierung selbst nach (die 1961 eine Einnahme in Höhe von sechsundfünfzig Milliarden U. S. Dollar erbrachte).“

Nino Lo Beilo, ein amerikanischer Wirtschaftsexperte und selber Katholik, hat fast zehn Jahre darauf verwendet, die Finanzlage der römisch–katholischen Kirchenzentrale in Rom zu durchleuchten. Die „Associated Press“ brachte am 07.06.1969 einen Auszug aus seinem Buch „The Vatican Empire“ (Das Reich des Vatikans), erschienen bei Trident Press. Der Autor sagt dort: „Die Kirche ist ein immenses Handelsunternehmen. Sie ist nicht nur eine religiöse, karitative und Schulungs–Institution, sondern zugleich eine Schaltzentrale der Finanzwelt, die älteste und umfassendste Körperschaft der Welt und der Mittelpunkt eines ungeheuren Finanzimperiums.“

Nino Lo Bello wurde gefragt: „Was ist der Vatikan wert?“ Laut l,Associated Press“ war seine Antwort: „Den genauen Wert kennt niemand. Seine Besitztümer sind so riesig und komplex und durch zahllose Querverbindungen mit anderen lnteressengruppen und Firmen verflochten, daß kein Mensch sich in diesem Labyrinth zurechtfinden kann. Man hält die Dinge mit Absicht undurchsichtig.“

Die obigen Ausführungen bestätigen schon für unsere heutigen Tage, was Gottes Wort vor etwa neunzehnhundert Jahren über das riesige Handels– und Finanzsystem von „Babylon, der großen“ vorhergesagt hat.

Gottes Gericht über Babylon

Ihr Becher ist voller Ungerechtigkeit

Es ist ein göttlicher Grundsatz, daß Gott sich immer Zeit läßt, das Gericht über das Böse auszuführen. Er wartet stets ab, bis das Böse völlig ausgereift und der Becher der Ungerechtigkeit voll ist. Das können wir durch die ganze Schrift hindurch in Gottes Handeln mit dem Menschengeschlecht feststellen. Dieser Grundsatz Gottes wird insbesondere dem Abraham in 1. Mose 15,13–16 dargelegt. Dem Patriarchen wurde mitgeteilt, daß sein Same in einem fremden Land vierhundert Jahre lang bedrückt werden würde. Dann würde Gott diese Nation richten, und Abrahams Nachkommen würden in der vierten Generation in das verheißene Land Kanaan zurückkehren. Als Grund für die lange Zeit der Unterdrückung in dem fremden Land (Ägypten) gab Jehova an, daß „die Ungerechtigkeit der Amoriter bis hierher nicht voll“ sei. Die Amoriter besaßen damals das Land Kanaan; sie sollten in Ausführung des göttlichen Gerichts durch Israel ausgerottet werden. Doch sollte das erst geschehen, wenn das Maß ihrer Ungerechtigkeit voll war.

So wird auch das Gericht über Babylon, die große, dieses böse System, schließlich ausgeführt werden, wenn „ihre Sünden aufgehäuft sind bis zum Himmel“ und sie ihren Becher mit Ungerechtigkeit gefüllt hat (Off 18,5–, 17,4).

Gottes Aufruf zur Absonderung

Ehe Gottes Gericht über Babylon angekündigt wird, hören wir eine Stimme aus dem Himmel sagen: „Gehet aus ihr hinaus, mein Volk, auf daß ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, und auf daß ihr nicht empfanget von ihren Plagen“ (Off 18,4). Dieser Aufruf hat für alle Zeitalter Gültigkeit. Absonderung vom Bösen ist stets Gottes Gebot an Sein Volk, und dieser Aufruf geht dem Gericht voraus.

Ein Bruder hat es so ausgedrückt: „Zu Beginn des christlichen Zeitalters wurden die Gläubigen aufgefordert, aus der heidnischen Weit des Götzendienstes ,hinauszugehen' und sich abzusondern (2. Kor 6,16.17). Am Ende des christlichen Zeitalters, in das unser Los gefallen ist, werden die Gläubigen ermahnt, aus dem verderbten Namenchristentum hinauszugehen', wie es in der ganzen Fülle seiner Verderbtheit sich im Papsttum darstellt. Wir werden nicht aufgefordert, es zu reformieren oder seinen Umsturz herbeizuführen, sondern aus ihm hinauszugehen', damit wir nicht seiner Sünden mitteilhaftig werden“ (Hamilton Smith, The Revelation).

Wie wir aus Offenbarung 7 erfahren, werden sich zu jener Zeit jüdische Gläubige sowie Heiden, die das Evangelium vom kommenden Königreich Christi angenommen haben, auf der Erde befinden. Sollten diese Gläubigen etwa innerhalb des Systems Babylon Schutz vor Verfolgungen suchen, so richtet sich diese Aufforderung an sie. Der Aufruf gilt jedoch allen, die zu irgendeiner Zeit in Gefahr sind, mit den weltlichen und bösen Grundsätzen Babylons Kompromisse einzugehen.

Der Geist Babylons

William Kelly hat vor mehr als hundert Jahren eindrucksvoll und praktisch über den Geist geschrieben, der Babylon beseelt, und vor dem die Gläubigen sich hüten und von dem sie sich fernhalten sollen: „Babylon trachtet nicht nach dem Himmel, sondern nach der Erde, nicht nach den Leiden Christi und den nachfolgenden Herrlichkeiten, sondern danach, als Königin zu sitzen und keine Traurigkeit zu sehen (Off 18,7). Sie begnügt sich mit einem Ehrenplatz in dieser Welt. Wenn wir das klar erkannt haben, dann kann Babylon keinerlei Anziehung auf uns ausüben. Die Gefahr, die von Babylon ausgeht und in der gegenwärtig jede Seele steht, ist das allmähliche Begehren und Hinübergleiten der Christen in die vom natürlichen Menschen geschätzte Sphäre dieser Weit. In den letzten Jahren hat kein geringer Wechsel in der Einstellung der Christen stattgefunden bezüglich des Genießens von weltlichem Wohlleben und Vergnügungen ... Ach, es ist das Wesen von Babylon, der großen .... Das Wesen Babylons besteht in der Vereinigung der Welt mit dem Namen Christi. „Darum gehet aus ihrer Mitte aus und sondert euch ab, spricht der Herr. . . „ Bin ich vom Geist Babylons angesteckt, so ruft Gott mir persönlich diese ernsten Worte zu. Jeder, der in den Pfaden Babylons wandelt, ist unweigerlich auch Mitteilhaber ihrer Sünde ... Möge der Herr es schenken, daß wir nicht nur um uns blicken und mit der Verurteilung anderer beschäftigt sind, sondern daß wir wohl achthaben, daß unsere eigenen Seelen nicht durch Babylons Wesen angesteckt werden. Mögen unsere Zuneigungen dem Herrn allein gehören – das ist der einzige wahre Schutz vor den Verführungen des Feindes.“ (Lectures on the Revelation).

Sünden, die Gottes Gericht herbeiführen

Die fünf Hauptsünden, die Gottes Gericht über Babylon, die große, herbeiführen, sind:

  1. Der heidnische Götzendienst unter christlicher Aufmachung.
  2. Die furchtbare Verderbtheit Babylons.
  3. Ihr weltlicher Materialismus auf der Grundlage wirtschaftlichen Profits.
  4. Die Verfolgung und Ermordung der Heiligen Gottes.
  5. Ihre Selbstverherrlichung und ihr Leben in Üppigkeit.

Hamilton Smith sagt hierzu treffend: „Ist nicht dies die eigentliche Sünde Babylons, daß dieses schreckliche System vorgibt, die Kirche Gottes zu sein, während es in Wahrheit die praktische Leugnung des Christentums ist? 2. Sie hat es gewagt, den Namen Christi mit weltlichen Genüssen und Fleischeslust jeder Art in Verbindung zu bringen 1. Mo 3. Statt das Volk des Herrn zu schützen, hat sie jahrhundertelang die Heiligen verfolgt. 4. Statt Christus zu verherrlichen, hat sie ihre eigene Herrlichkeit gesucht. 5. Statt Christus nachzufolgen und das gegenwärtige weltliche Leben aufzugeben, hat sie in Üppigkeit und Luxus gelebt. 6. Statt den Platz eines aus der Welt herausgerufenen Fremdlings und Pilgers einzunehmen, hat sie in dieser Welt als Königin gethront.“

Gottes Werkzeuge zur Ausführung des Gerichts

Das siebzehnte Kapitel der Offenbarung zeigt uns in prophetischer Schau die menschlichen Werkzeuge, die der Herr benutzen wird, um Seine Rache an diesem abgefallenen System auszuüben und das böse Weib, Babylon, die große, zu stürzen. „Und die zehn Hörner, die du sahst, und das Tier, diese werden die Hure hassen und werden sie öde und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat in ihre Herzen gegeben, seinen Sinn zu tun und in einem Sinne zu handeln und ihr Königreich dem Tiere zu geben, bis die Worte Gottes vollbracht sein werden“ (Off 17,16.17).

Gerade die Könige und der Herrscher, die das böse Weib gemeinsam „trugen“ und ihm ihre volle Unterstützung gaben, werden sich gegen das Weib wenden und ihren ganzen Haß und ihre Rache über das schuldige System ausschütten, das sie so lange versklavt hatte. Unheilige Liebe wird in Haß enden. Die Teilhaber an ihren Verbrechen grollen unter ihrem Zwang und bäumen sich gegen ihre unduldsame Herrschaft auf; sie werden nun die ausführenden Werkzeuge für den politischen Sturz Babylons und ihre Entmachtung. Sie werden die Hure ihres Reichtums berauben und sie völlig „öde und nackt“ machen. Sie wird aller ihrer kostbaren Gewänder aus Purpur und Scharlach, des Goldes, der Edelsteine und Perlen entkleidet werden und in ihrem wahren Charakter als schamloses und verworfenes Weib zur Schau gestellt werden. Ihre moralische Blöße und Schande wird allen offenbar werden. Die Könige werden „ihr Fleisch fressen“ – ihren üppigen Wohlstand verschlingen und sich ihre Besitztümer aneignen. Dann werden sie Babylon „mit Feuer verbrennen“. Das mag auf ihren völligen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ruin und ihre Vernichtung hindeuten, was wir im achtzehnten Kapitel genauer dargestellt finden.

Gottes unmittelbares Gericht

„Nach diesem sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herniederkommen, weicher große Gewalt hatte; und die Erde wurde von seiner Herrlichkeit erleuchtet. Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die große“ (Off 18,1–2). Die Anfangsworte „Nach diesem“ (oder nach diesen Dingen) scheinen eine neue Phase anzudeuten, die der im vorigenKapitel 17 beschriebenen Gerichtsphase folgt. Babylons Zustand nach und infolge ihres politischen Umsturzes durch das Tier und die Könige wird uns in Vers 2 vor Augen geführt. Sie hat ihre beherrschende Stellung verloren und befindet sich nun in einem Zustand der Verwüstung. Doch scheint ihre völlige Zerstörung und Auslöschung noch nicht stattgefunden zu haben.

Der Engel, der „große Gewalt hat“ (zweifellos handelt es sich um den Herrn Jesus Christus), fährt mit der Ankündigung ihres Gerichts fort: „Darum werden ihre Plagen an einem Tage kommen: Tod und Traurigkeit und Hungersnot, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie gerichtet hat“ (Off 18,8). Ihr Endgericht wird plötzlich kommen. An einem Tag werden Qual, Tod, Trauer, Hungersnot und völlige Vernichtung durch Feuer über sie hereinbrechen. Ja, die Könige, Kaufleute und Seehandelsleute wehklagen und trauern darüber, daß der große Reichtum „in einer Stunde“ verwüstet worden ist (Off 18,10.16.19). Das wird uns dreimal berichtet, als jene Großen der Erde“ den Rauch ihres Brandes“ anschauen. Es scheint, daß dieses endgültige Gericht durch den Herrn Selbst vollzogen wird; es werden hier keine menschlichen Werkzeuge erwähnt. Die Zerstörung und völlige Vernichtung durch den Brand wird auf Gott, den Herrn, als den göttlichen Richter zurückgeführt.

Der „Rauch ihres Brandes“ wird zweimal erwähnt (V. 9.18). Vielleicht wird der Sitz Babylons, die „große Stadt“, die heutige Vatikanstadt, die vom Zentrum Roms abgetrennt ist, durch ein besonderes Eingreifen Gottes für immer vernichtet werden. Sie behauptet zwar, die „ewige“ und himmlische Stadt zu sein, wird aber von Gott durch Feuer völlig verbrannt werden.

H. A. Ironside schreibt dazu in „Lectures on the book of Revelation“: „Es ist eine bekannte Tatsache, daß das ganze südliche Italien einen stark vulkanischen Untergrund hat. Der Boden scheint „feuergeladen“ zu sein. Diese Tatsache trifft auf erstaunliche Weise gerade auf die Umgebung Roms zu und mag als Mittel zu seiner völligen Zerstörung dienen. In diesem Falle wären die Worte „der Rauch ihres Brandes“ viel buchstäblicher zu verstehen, als manche Ausleger angenommen haben.“

Freude im Himmel

Während die Großen der Erde die völlige Vernichtung der großen Stadt Babylon beklagen und bejammern, wird der Himmel aufgefordert, sich zu freuen: „Sei fröhlich über sie, du Himmel, und ihr Heiligen und ihr Apostel und ihr Propheten! denn Gott hat euer Urteil an ihr vollzogen ... Nach diesem hörte ich wie eine laute Stimme einer großen Volksmenge in dem Himmel, welche sprach: Hallelujah! das Heil und die Herrlichkeit und die Macht unseres Gottes! denn wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte; denn er hat die große Hure gerichtet, welche die Erde mit ihrer Hurerei verderbte, und hat das Blut seiner Knechte gerächt an ihrer Hand. Und zum anderen Male sprachen sie: Hallelujah! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Throne sitzt, und sagten: Amen, Amen, Hallelujah!“ (Off 18,20; 19,1–4).

Die Heiligen im allgemeinen, die Apostel der wahren Kirche, die Propheten des Alten Bundes, alle Himmelsbewohner werden aufgefordert, sich zu freuen, „denn Gott hat euer Urteil an ihr vollzogen“ (Off 18,20). „Das gerechte Urteil, das von Heiligen, Aposteln und Propheten über Babylon gefällt wurde –denn sie alle haben von ihrer Hand gelitten – ist nun von Gott selbst ausgeführt worden“ (Walter Scott).

Lobpreis und Anbetung folgt auf diesen Aufruf von allen Bewohnern des Himmels wegen des von Gott ausgeführten vernichtenden Gerichts. Der Himmel sieht in dem Gericht über jenes böse System, daß den heiligen Ansprüchen Gottes Genüge getan worden ist. „Wahrhaftig und gerecht sind seine Gerichte.“ Es ist nun offenbar, daß Gott in Seiner Langmut die Ausführung der verheißenen Rache nicht unnötig verzögert hat und dem Bösen und den Leiden Seines Volkes gegenüber nicht gleichgültig gewesen ist. Ein dreimaliges „Hallelujah“ wird Ihm dargebracht. Das erste wird durch Gottes geoffenbarte Wesenszüge ausgelöst, das zweite durch Seine heiligen Gerichte über das Böse, während das dritte eine Anbetung alles dessen darstellt, was Gott in Sich selbst ist.

Die Hochzeit des Lammes

Wir haben aus der Offenbarung den Aufstieg und den Fall der verderbten falschen Kirche gesehen, die sich als die Braut Christi ausgab, sowie das Ende der abgefallenen Christenheit durch Gottes vernichtende Gerichte. Wir wollen noch kurz erwähnen, daß die prophetische Vision anschließend die Hochzeit des Lammes im Himmel mit Seiner wahren Braut und Kirche ankündigt. Eine Stimme wie die einer großen Volksmenge im Himmel bringt das vierte „Hallelujah“ dar. „Hallelujah! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten. Laßt uns fröhlich sein und frohlocken und ihm Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet“ (Off 19,6.7).

Nachdem die falsche Braut auf der Erde mit all ihren anmaßenden Ansprüchen völlig abgetan und vernichtet ist, kann nun die Herrschaft Gottes des Herrn aufgerichtet werden. Der große Tag der Hochzeit Christi, des Lammes Gottes, mit Seiner erlösten und reingewaschenen Braut ist angebrochen. Die Erfüllung aller Ratschlüsse Gottes bezüglich Christus und seiner bluterkauften Kirche steht unmittelbar bevor. Welch herrlicher Tag!

Der von Satan angeführte letzte Abfall

Aus dem prophetischen Wort haben wir die völlige, endgültige Vernichtung Babylons, der großen, und die Ankündigung der Hochzeit des Lammes gesehen. Es bleibt uns noch kurz zu erwähnen, daß Satan einen weiteren Versuch zu Abfall und Abgötterei auf der Erde unternehmen wird. Wenn die zehn Könige und das Tier das hurerische System Babylons hassen und zerstören, wird uns gesagt, daß die zehn Könige „einen Sinn“ haben, „und geben ihre Macht und Gewalt dem Tiere“ (Off 17,12.13). Dann wird das römische Tier Gott lästern und göttliche Verehrung entgegennehmen zusammen mit dem Antichristen, der sich in den Tempel zu Jerusalem setzen und „sich selbst darstellen wird, daß er Gott sei“ (Off 13,14–18; 2. Thes 2,3–12). Auch Satan wird sich (bevor er für tausend Jahre gebunden wird) in seiner Auflehnung gegen alle Rechte und Ansprüche des wahren Gottes göttliche Huldigung darbringen lassen. Dies wird den Höhepunkt alles Bösen darstellen, den Abfall von Gott und den Gipfel der Blasphemie.

Wir wollen diesen Gegenstand jedoch nicht weiter verfolgen, da er über unser Thema der Geschichte der Christenheit hinausgeht. Der Herr Jesus Christus wird kommen und den Bösen „verzehren . . . durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft“ (2. Thes 2,8). Das Tier und der falsche Prophet werden lebendig in den Feuersee geworfen und Satan wird in den Abgrund geworfen und für tausend Jahre gebunden. (Off 19,20; 20,1–3). So wird der Weg für die Königsherrschaft des Königs der Könige und Herrn der Herren frei.

Ökumenische Strömungen innerhalb der Kirche

Im Licht der prophetischen Schau, die uns in der Offenbarung von dem kommenden weltweiten religiös–politisch–kommerziellen System, von Babylon, der großen, gegeben wird, können wir die gegenwärtigen ökumenischen Bewegungen in der Christenheit mit wachen Augen wahrnehmen. Die vielerlei Bemühungen der letzten Jahre, eine Vereinigung protestantischer Denominationen herbeizuführen, sind beachtlich. Die gigantischen Anstrengungen und teilweisen Erfolge, alle bekennenden christlichen Körperschaften in einer von Menschen geschaffenen Union zusammenzufassen, sind erstaunlich in unseren Tagen. Wir sehen große Fortschritte in Richtung der Bildung einer umfassenden Weltkirche. Einige dieser Bemühungen seien hier kurz erwähnt.

Zweites Vatikanisches Konzil

Dieses große Konzil wurde am 11. Oktober 1962 in Rom eröffnet und setzte sich mit seinen zahlreichen Sitzungen bis zum Jahr 1965 fort. Das Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. einberufen und von über 2 600 Bischöfen der Katholischen Kirche und ungefähr achtunddreißig Beobachtern aus etwa zwölf nicht–katholischen Denominationen besucht. Der Zweck des Konzils war eine „Modernisierung“ mit der ausdrücklichen Absicht, protestantische und orthodoxe Kirchen zu beeindrucken und damit den Katholizismus dem Ziel der endgültigen Vereinigung aller Christen in einer einzigen Kirche näherzubringen. Der UPI–Bericht aus der Vatikanstadt vom 6. g. 62 spricht davon, „alle christlichen Kirchen in den Schafhof des Katholizismus und des Papstes“ zu bringen.

Dieses große ökumenische Vatikan–Konzil mit seinen vielen Stellungnahmen zu einer Anzahl entscheidend wichtiger Probleme stellt einen erstaunlichen Schritt in Richtung Vereinigung der gesamten Namenchristenheit dar. Die daraus resultierenden „Dialoge“ zwischen protestantischen und katholischen Gruppen sowie der Zusammenschluß beider Glaubensrichtungen in ihren Gottesdiensten haben seither viel dazu beigetragen, ein „günstiges Klima“ für weitere Verhandlungen und eine verstärkte Annäherung zu schaffen. Dieses „Klima“ wurde durch den großen Abfall innerhalb des Protestantismus möglich.

Die Orthodoxe Ostkirche und die Anglikanische Kirche

Die östliche Orthodoxe Kirche und die Römisch–katholische Kirche, mit etwa 160 Millionen bzw. 572 Millionen Mitgliedern, stehen sich seit über 900 Jahren getrennt gegenüber. Nunmehr wurden Konferenzen von historischer Bedeutung zwischen den Oberhäuptern dieser beiden getrennten Kirchen in Jerusalem (Januar 1964), in der Türkei (Juli 1966) und in Rom (1967) abgehalten.

Ebenso kam es zu verschiedenen Treffen zwischen Führern der Kirche von England (Anglikaner) und der Römisch–katholischen Kirche. Der Erzbischof von Canterbury (England), Oberhaupt von 45 Millionen Anglikanern, traf im März 1966 mit Papst Paul Vl. in einer offiziellen kirchlichen Audienz in Rom zusammen. Beide unterzeichneten amtliche Dokumente über die geführten offiziellen Gespräche betreffs einer Wiedervereinigung der beiden seit über 425 Jahren getrennten Kirchen. Im Januar 1967 kamen elf anglikanische und zehn römisch–katholische Theologen in Gazzards, Italien, zusammen; später versammelten sich vierundzwanzig Vertreter in London, um offiziell die ersten Schritte zur völligen Wiedervereinigung der beiden Kirchen zu besprechen. Sie gaben hierzu drei Empfehlungen heraus. Bei einer vierten Gesprächsrunde wurde grundsätzliche Einigung über die Bedeutung des „Herrenmahles“ oder der l,Eucharistie“ erzielt. Erzbischof A. M. Ramsey rief zu ungehinderten gemeinsamen Gottesdiensten von Römisch–Katholischen und Anglikanern auf.

Besuchsreisen des Papstes

Das Erscheinen von Papst Paul Vl. bei der Sitzung zum 20. Jahrestag der Vereinten Nationen in New York City am 4. 10. 65 stellte ein großes und einschneidendes Ereignis dar. Sein vierzehnstündiger Besuch war der erste eines regierenden Papstes in der westlichen Hemisphäre. Seine 13 700 km lange Rundreise war die bis dahin längste Reise, die je von einem Papst unternommen wurde. Delegierte von 116 Nationen hörten bei dieser Sondersitzung der UN die an die Welt gerichtete Friedensbotschaft des Oberhauptes über 572 Millionen Katholiken.

Zu einem unter freiem Himmel abgehaltenen Gottesdienst im Yankee Stadium, New York City, versammelten sich etwa 100 000 Zuhörer, um der von dem Papst zelebrierten Messe beizuwohnen. Nach Schätzungen waren darunter auch 3 000 Nicht–Katholiken. In der Holy–Family–Kirche beim UN–Hauptquartier sprach der Papst zu etwa 300 protestantischen, orthodoxen, katholischen und jüdischen Geistlichen, die religiösen Zentren angehören, die Kontakte zur UN haben. Dies alles ist zweifellos ein eindrucksvoller Hinweis auf den Fortschritt der Ereignisse zur Bildung eines großen politisch–religiösen Systems.

Ein zweiter bedeutsamer Papstbesuch fand am 10. 6. 1969 statt, als Papst Paul Vl. zwölf Stunden in der Hochburg des Protestantismus in Genf in der Schweiz weilte. Es war das erste Mal, daß ein Papst Genf einen Besuch abstattete, der Stadt des französischen protestantischen Reformators Johannes Calvin aus dem 16. Jahrhundert. Hier hielt er während eines einstündigen Besuchs eine behutsam formulierte Ansprache vor dem Hauptquartier des Weltkirchenrats.

W. A. Visser't Hooft, Ex–Generalsekretär des Weltkirchenrats, bezeichnete diesen Papstbesuch treffend als „eine sehr klare Bestätigung angesichts der ganzen Weit, daß Kontakte zwischen der Römisch–katholischen Kirche und dem Weltkirchenrat keine kleine katholische Minderheit betreffen, sondern von der höchsten Autorität dieser Kirche gutgeheißen werden“.

Der Weltkirchenrat

Dieser Rat wurde 1948 in Amsterdam bei seiner ersten allgemeinen Sitzung ins Leben gerufen. Die zweite Sitzung wurde 1954 in Evanston, Illinois, USA, abgehalten und die dritte 1961 in Neu–Delhi, Indien. Die vierte Sitzung des Weltrates wurde im Juli 1968 nach Uppsala/Schweden einberufen. Sie stellte die bis dahin größte repräsentative Sitzung in der Geschichte der ökumenischen Bewegung dar und wurde von etwa zweitausend Denominationen besucht. Und zum ersten Mal war der Vatikan bei einer Sitzung des Weltrates durch fünfzehn offizielle römisch–katholische Beobachter in Uppsala vertreten. Einer von ihnen, ein Jesuit und Redakteur, trat auch als Sprecher bei der Sitzung auf. Papst Paul Vl. sandte eine Botschaft der Ermutigung und des Segens an den versammelten Weltrat.

Gelegentlich dieser vierten Sitzung in Uppsala traten sechs weitere Kirchen dem Weltrat als Mitglieder bei, der sich zu diesem Zeitpunkt aus 232 protestantischen, ostorthodoxen, anglikanischen und nationalen katholischen Bekenntnisrichtungen mit über 350 Millionen Mitgliedern aus achtzig Nationen zusammensetzte. Im November 1969 berichtete George W. Cornell, AP–Redakteur für religiöse Fragen, über den Beitritt zweier weiterer großer evangelischer Denominationen zu der damals 21jährigen Weltorganisation bei der Sitzung ihres Zentralkomitees in England. Wie Cornell sagte, stieg damit die Mitgliedschaft auf 242 verschiedene Denominationen mit insgesamt fast 400 Millionen Mitgliedern.

Die wichtigsten Entscheidungen und Beschlußfassungen während der Hauptsitzung des Weltkirchenrats in Uppsala wurden in einer Veröffentlichung unter der Bezeichnung „Zehn Gebote von Uppsala“ zusammengefaßt. Jemand äußerte dazu, daß der Weltrat nunmehr eine komplexe Organisation geworden sei, deren Fäden bis tief in die Politik, Wirtschaft und sozialen Verhältnisse der Welt hineinreichen und die Kirchen auf Programme und Aktivitäten für fast alle Bereiche des menschlichen Lebens verpflichtet habe.

Weitere Entwicklungen

Wir möchten kurz noch einige andere Entwicklungen ökumenischer Tendenz erwähnen, die ebenfalls die von Menschen herbeigeführte Vereinigung aller Kirchen der Christenheit anstreben.

Riesiger Zusammenschluß innerhalb der protestantischen Kirchen der USA

In den USA wurde ein Komitee gebildet, das sich offiziell „Rat für kirchliche Vereinigung“ (C.O.C.U. = „Consultation on Church Union“) nennt. Sein Ziel ist die „Vereinigung der Kirche Christi“. Es umschließt heute neun verschiedene Denominationen mit einer Gesamtmitgliederzahl von über 25 Millionen. Der Gedanke dieses großen Zusammenschlusses wurde erstmals auf einer Sitzung im Dezember 1960 vorgebracht. im März 1970 wurde bereits die neunte Sitzung in St. Louis, Missouri, abgehalten. Bei diesem Treffen wurden die Einzelheiten eines 145 Seiten umfassenden Planes zur Vereinigung festgelegt, der von einem besonderen Ausschuß aufgrund der Bemühungen der vergangenen acht Jahre aufgestellt worden war. Das Dokument wurde in seiner neu festgelegten Form von den neunzig Delegierten auf dieser Vollversammlung des C.O.C.U. gebilligt. Der Plan wurde dann den verschiedenen Denominationen zu Begutachtung und Diskussion zugesandt.

Zusammenarbeit religiöser Körperschaften

Das Woodstock–College, ein katholisches Jesuiten–Seminar, kündigte im Oktober 1969 seine Verlegung nach New York City und gegenseitigen Austausch mit dem protestantischen theologischen Unions–Seminar, dem jüdischen theologischen Seminar Amerikas und der Columbia–Universität Manhattans an. Eine ähnliche kooperative Vereinbarung wurde gleichzeitig in Dubuque, Iowa, und gleiche Erwägungen in Dayton, Ohio, gemeldet.

Ein niederländischer Sachverständiger in der Beurteilung kirchlicher Tendenzen in der ganzen Welt berichtete im Dezember 1969 auf einem Nationalkonzil der „Churches–Assembly“, die ökumenische Bewegung zum Zusammenschluß getrennter Denominationen sei zwar zum Stillstand gekommen, an ihre Stelle träte aber jetzt eine neue Art christlicher Einheit. Ein römisch–katholischer Priester, Leiter des Internationalen Dokumentations–Zentrums in Rom, sagte auf dieser Sitzung, zahllose

Laien und Geistliche schlössen sich heute außerhalb der traditionellen kirchlichen Organisationen in Glaubensgemeinschaften zur Anbetung und zu Gottesdiensten zusammen. „Die Gemeinschaft über Glaubensgrenzen hinweg wird in zahllosen spontanen Untergrund–Gruppen auf der ganzen Welt verwirklicht“, sagte er. Er bezeichnete diese Entwicklung als das Anfangsstadium „der Kirche der Zukunft“ (Associates Press, 3. 12. 1969).

„Key 1973“, ein evangelistischer Vorstoß

Unter dieser Bezeichnung, „Key '73“, wurde ein „kontinentumfassender evangelistischer Vorstoß“ innerhalb der ökumenischen Bewegung durchgeführt, der den nordamerikanischen Kontinent zu Christus rief. Mehr als 150 Benennungen und religiöse Gruppen vereinigten sich in diesem sogenannten „evangelistischen Einsatz“. Es war eine erstaunliche Mischung von „Fundamentalisten“ (Gläubige auf dem Boden der ganzen Bibel), Evangelischen, Konservativen, Liberalen, Römisch–Katholischen, Griechisch–Orthodoxen usw. Der „Key '73“–Vorsitzende verpflichtete jeden Teilnehmer, „entsprechend seinem Glauben und Standpunkt sich voll einzusetzen“. Es wurde jeder Gruppe und Organisation überlassen, Evangelisationen nach eigenem Ermessen durchzuführen. Dies führte zu Kompromissen und Verwirrung zwischen den Botschaften des „Evangelisations–Feldzuges“. Viele brachten lediglich ein „soziales Evangelium“, nicht aber die vom Apostel Paulus verkündigte Frohe Botschaft, daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, begraben wurde und aufweckt worden ist nach den Schriften (1. Kor 15,1–4).

„Key '73“ stellte somit ein wahres „Babel“ der Verwirrung dar, einen weiteren Schritt zur Verwirklichung von „Babylon, der großen“. Die Absicht war gewiß, wahre biblische Christen anzuziehen und in die ökumenische Bewegung hineinzulocken. Es muß leider gesagt werden, daß viele wahre Christen bei dieser eigenartigen christlichen Vermischung mitmachten. Der Aufruf und die Warnung vom Himmel lautet: „Gehet aus ihr hinaus, mein Volk, auf daß ihr nicht ihrer Sünden mitteilhaftig werdet, und auf daß ihr nicht empfanget von ihren Plagen“ (Off 18,4).

Raymond K. Campbell