Taube mit silbernen Flügeln

Online seit dem 11.02.2015, Bibelstellen: Psalm 68,14

„Wenn ihr zwischen den Hürden liegt, werdet ihr sein wie die Flügel einer Taube, die mit Silber überzogen sind und ihre Schwingen mit grüngelbem Gold“ (Psalm 68,14).

Spurgeon meinte, dass dieser Vers eine harte Auslegungsnuss sei, die man eigentlich gar nicht knacken könnte. Wir wollen es doch mal versuchen, wohl wissend, dass es wahrscheinlich mehr Übersetzungs- und Auslegungsvarianten dieses Verses gibt als Tauben in Palästina.  

Wer den Psalm 68 liest, wird unwillkürlich an das Lied Deboras aus Richter 5 erinnert. Die Parallelen sind zahlreich. Und weil das so ist, haben wir schon den Schlüssel, um den ersten Teil von Psalm 68,14 zu verstehen. Denn in Richter 5,16 heißt es: „Warum bliebst du zwischen den Hürden, das Flöten bei den Herden zu hören? An den Bächen Rubens waren große Beratungen des Herzens.“ Zwischen Viehhürden zu liegen spricht sinnbildlich von Bequemlichkeit, der mit Wohlstand gepaart hat.

Der Gedanke scheint also zu sein: Wenn der HERR aufsteht und mächtig in Zion einzieht (Ps 68,1.17.18), dann werden selbst die Faulen aus dem Schlaf erwachen und sich wie eine Taube zur Sonne erheben und in wunderschönen Farben glänzen [Fußnote]. Es wird nicht bei den Beratungen und Beschlüssen des Herzens bleiben wie in den Tagen Deboras, sondern die Gnade Gottes, die Gefangene ins Glück führt und die das ermattete Erbteil aufrichtet (Ps 68,7.10), wird den Bequemen „Flügel verleihen“, und sie werden sichtbar von der Erlösung und der Herrlichkeit Gottes ein Zeugnis sein.

Auch für uns gilt heute, dass wir unser Licht nicht unter das Bett stellen und dass wir unsere Bequemlichkeit ablegen sollen. Schwingen wir uns auf, etwas zur Gottes Ehre zu sein! Weithin soll gesehen und gehört werden, was der Herr an uns getan hat! Dazu genügt nicht, dass wir uns im Herzen etwas vornehmen – dazu muss etwas getan werden.

[Fußnote: Der Gedanke ist nicht, dass die Fügel und Schwingen einer Taube irgendwie angemalt oder mit Graffiti besprüht worden sind, sondern das Bild weist wohl darauf hin, dass die Taube im gleißenden Sonnenlicht bestimmte Farben reflektiert.]

Gerrid Setzer