Gott, unser Vater (01)

Online seit dem 19.08.2015, Bibelstellen: 1. Johannes 2,22-23; Johannes 20,17

In Psalm 22, der die sühnenden Leiden des Herrn so tief zum Ausdruck bringt und auch die herrlichen Ergebnisse dieser Leiden zeigt, sagt der anbetungswürdige Stellvertreter: „Du hast mich erhört von den Hörnern der Büffel“ – den Hörnern des Altars, an die das Opfer gebunden wurde. Aus den Tiefen seines Kreuzes wurde sein Gebet erhört. Die Befreiung seiner Geliebten aus der Macht des Feindes war vollbracht. Seine Leiden, seine Schmerzen, sein Blut, sie haben die Erlösung bewirkt. Alles, was gegen uns stand, ist aus dem Weg geräumt. Der Zorn Gottes über die Sünde ist auf ihn ausgegossen worden. Er hat den bitteren Kelch geleert. Das Schwert der göttlichen Gerechtigkeit ist in sein Innerstes eingedrungen. Und jetzt verkündigt Jesus seinem Volk als der aus den Toten Auferstandene den Namen seines Gottes und Vaters und führt ihren Lobgesang an.

Der Name „Vater“

Gott offenbarte sich Abraham als der allmächtige Gott. Israel offenbarte er sich als Jehova. „Ich bin Abraham, Isaak und Jakob erschienen als Gott, der Allmächtige; aber mit meinem Namen Jehova habe ich mich ihnen nicht kundgegeben“ (2. Mo 6,3). Den Christen offenbart sich Gott als der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Wenn Gott sich selbst in Verbindung mit seinem Volk einen Namen gibt, dann verbindet er sein Volk mit sich selbst gemäß der besonderen Beziehungen, der der Name beinhaltet. Der Name „Vater“ ist mit seinen Segnungen und Beziehungen, die er enthält, eine der großen Säulen des christlichen Glaubens. Die Worte Jesu führen uns zu der Kenntnis des Namens, den er verkündigte. Jesus, das ewige Leben, ist der Ausdruck und Beweis davon, wer der Vater ist. Der Gesetzgeber verkündigte nicht den Vater, auch die Propheten nicht; aber der eingeborene Sohn erklärte den Vater, so dass er sagen konnte: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

Wir wollen hierbei beachten, dass der Gedanke an einen universalen Vater, der in manchen Kreisen so üblich ist, in absolutem Widerspruch zu der Schrift ist. Ohne den Sohn ist Gott nicht unser Vater, und bevor wir nicht mit dem Sohn verbunden sind, sind wir auch nicht mit dem Vater verbunden. Der Rationalismus leugnet den ewigen Sohn und lehnt die heilige Wahrheit seiner Sühnung ab und glaubt nicht an ihn als den Auferstandenen und Verherrlichten. Der Jünger, der uns hauptsächlich die Liebe des Vaters vorstellt, hat die ernsten Worte geäußert: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der da leugnet, dass Jesus der Christus ist?“ (1. Joh 2,22). Wenn man den Sohn leugnet, dann kann der Name „universaler Vater“ nicht den Namen des Vaters dieses Sohnes beinhalten. Wer getrennt von dem Sohn von der Güte und Gnade Gottes spricht, der verfälscht den Charakter Gottes. „Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1. Joh 2,22). Ohne die Kenntnis der Person des Sohnes gibt es keine Kenntnis des Namens des Vaters: „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht“ (1. Joh 2,23).

Unser Herr verkündigte oft den Namen seines Vaters, doch seine Jünger erkannten dessen Fülle nicht, sie konnten es auch nicht, bevor die angekündigte Stunde gekommen war, als er ihnen (und uns) in Auferstehung auf besondere Weise jenen Namen mitteilte. Die auserwählte Botin für diesen Dienst war eine, deren Herz aufrichtig für seine Person schlug. „Rühre mich nicht an“, sagte er zu Maria; „betaste mich nicht“; gleichsam: „Halte mich nicht auf der Erde.“ Denn von nun an sollte Jesus von seinen Jüngern auf eine neue Weise gekannt werden. Nicht einfach als der Messias in Verbindung mit den Segensverheißungen an die Menschen auf der Erde, sondern als der Auferstandene, aufgefahren zu seinem Vater und in Verbindung mit himmlischen Dingen. Deshalb lesen wir: „Wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor 5,16.17). In dieser besonderen Weise verkündigte der auferstandene Jesus den Namen seines Vaters, als er sagte: „Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Nachdem er die Erlösung vollbracht und den Zorn über ihre Sünden getragen hatte und der Erstgeborene aus den Toten geworden war, verband er die Seinen mit sich selbst in den Segnungen dieses Namens, und er verband sie mit sich selbst, um den Namen und die Liebe kennenzulernen, die ihm so vertraut waren.

Er hatte sich von der Erde getrennt, war um ihretwillen durch Tod und Grab gegangen und stand im Begriff, in die Herrlichkeit zurückzukehren; und nun konnte er die Seinen in der Kraft seiner Auferstehung in Gemeinschaft mit sich selbst in die himmlischen Segnungen einführen. „Sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen, indem er spricht: ,Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dir lobsingen‘“ (Heb 2,11.12; vgl. Ps 22,23). Als der Sieger über Sünde, Tod und Teufel schämt er sich nicht, uns seine Brüder zu nennen. „Geh aber hin zu meinen Brüdern.“ Wir wollen ihn nicht unseren älteren Bruder nennen, als wäre er, weil er als Kind auf diese Erde geboren wurde, unser Bruder, denn eine solche Sprache ist nicht nur unehrerbietig, sondern sie resultiert auch aus Unwissenheit darüber, dass er in seiner Gnade für uns starb und dass er uns in Auferstehung für sich selbst abgesondert hat. Als der Auferstandene ist er der Erstgeborene von allen, die er erlöst hat. Als menschgewordener Jesus konnten wir kein Teil mit ihm haben, wie er es selbst gesagt hat: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein.“ Unsere Verbindung besteht mit Christus da, wo er jetzt ist, nicht mit Christus vor dem Sühnungswerk, sondern nach vollbrachter Erlösung.

Israel empfing besondere Segnungen von Gott entsprechend dem Namen, mit dem es ihm gefiel, sich ihren Vätern zu offenbaren, und wir empfangen die Segnungen, die dem Christentum eigen sind, von Gott als dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Deshalb richtet sich der Dank, der der Entfaltung der tiefen Wahrheiten im Brief an die Epheser vorausgeht, an den „Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus“ (Eph 1,3). Auch die zwei Gebet des Briefes – das eine für das geistliche Verständnis dieser Segnungen, das andere für die Herzenserkenntnis der Liebe, die segnet – richten sich an den Gott (Eph 1,16–23) und an den Vater (Eph 3,14–21) unseres Herrn Jesus Christus.

Die Kraft, in die Segnungen des Namens des Vaters praktisch einzugehen, empfangen wir durch den Geist Gottes, der uns, indem er in unseren Herzen wohnt, die geistlichen Zuneigungen eines Kindes bewirkt; und er ist es auch, der uns befähigt, in Liebe und Freiheit unserem Vater zu nahen und uns dieses Namens, der von liebevoller Beziehung spricht, zu erfreuen – der Name Gottes, der alle Furcht beseitigt und jedes Verlangen stillt.

H. Forbes Witherby