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Mittwoch, 07.12.2016  

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Fragen und Antworten (10) - Inspiration

Bibelstellen: 2. Timotheus 3,16; 1. Petrus 1,20-21

Frage: Was ist Inspiration? Ist die Heilige Schrift inspiriert?

Antwort: Inspiration, ein aus der lateinischen Sprache stammendes Wort, bedeutet „einhauchen, einatmen“. Unter Inspiration versteht man seit den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte „die Eingebung der Worte Gottes durch den Heiligen Geist an heilige Männer“, um die Worte Gottes auf der Erde mündlich und schriftlich zu verkündigen. Das griechische Wort für Inspiration ist Theopneustie. Dieses Wort finden wir in 2. Timotheus 3,16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben (griechisch: theopneustos, das heißt „von Gott eingehaucht“).“ Nun hat aber die freisinnige „Theologie“, welche die Lehren der Schrift über ihre Herkunft von Gott nicht anerkennt, seit vielen Jahren begonnen, die Inspiration des Wortes Gottes in Wort und Schrift offen anzugreifen, zu leugnen und zu verwerfen. – Aber die Heilige Schrift behauptet in vielen Aussprüchen und Stellen von sich, dass sie inspiriert, das heißt von Gott eingegeben ist, dass Gott, der Geist Gottes, durch die Männer, die die Heilige Schrift geschrieben haben, geredet hat. So hören wir zum Beispiel über 300-mal in der Bibel: „Gott sprach“, was aber nicht nur auf die Teile der Bibel zu beschränken ist, wo wir diesen Ausdruck finden. Anderswo wieder lesen wir ähnliche Ausdrücke, die die Eingebung der Heiligen Schrift verbürgen, wie: „Und der Geist Gottes kam über (wörtlich: „bekleidete“ oder „umkleidete“) Sekarja, … und er stand auf über das Volk und sprach zu ihnen: So spricht Gott“ (2. Chr 24,20; vgl. Ri 6,34). Also, der Heilige Geist be- oder überkleidete gleichsam den Menschen, kam über ihn wie ein Gewand, eine Macht, machte sich den Menschen dienstbar, um durch ihn die Worte Gottes zu reden. Deshalb nannte sich Johannes der Täufer auch nur „die Stimme eines Rufenden“ (Jes 40,3; Joh 1,23). Er war nicht der Rufende, sondern Gott; er war nur der Mund Gottes oder das Sprachrohr des Heiligen Geistes. Und der Apostel Petrus sagt, dass „keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist. Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist“ (1. Pet 1, 20.21).

Auch unter anderen Bildern zeigt uns die Bibel die gleiche Wahrheit; der Redner muss die Worte, die er ausspricht, zuvor essen. So erhält der Prophet Hesekiel von dem HERRN eine Rolle, die auswendig und inwendig beschrieben ist, und er musste sie essen. Hesekiel aß sie, und sie war in seinem Mund süß wie Honig. Dann sprach der Herr, HERR, zu ihm (vgl Hes 1,28; 2,4): „Geh hin zum Haus Israel und rede zu ihnen mit meinen Worten“ (Hes 3,4). Ähnlich war es bekanntlich mit Johannes, dem Seher auf Patmos (Off 10,8ff.).

Die Inspiration der Heiligen Schrift ist keine bloße fromme Annahme oder Vermutung unsererseits, sondern eine durch die Heilige Schrift, durch die Propheten und den Herrn der Herrlichkeit und seine Apostel immer wieder bezeugte Tatsache wie jede andere in der Bibel berichtete Heilstat; und sie ist eine der wichtigsten, denn ohne sie hätten wir auch von allen übrigen Heilstaten kein zuversichtliche gewisse Mitteilung. Allerdings ist sie ebenso ein Geheimnis wie viele andere Heilstaten, wie die Menschwerdung und Offenbarung Gottes im Sohn oder die Auferstehung Jesu Christi. Und gerade weil sie ein Geheimnis ist, ist sie auch den einen ein Anstoß, den anderen ein Ärgernis, und man läuft Sturm gegen sie wie gegen jede andere Heils- und Grundwahrheit der Heiligen Schrift. Umso fester und treuer aber soll jeder Christ, der Jesus Christus, den Sohn Gottes, zu seinem Heil als seinen Erlöser und Herrn erkannt hat, zu ihr stehen und sich das Wort Gottes nicht rauben lassen.

Die Vertreter des Zweifels und Unglaubens fragen uns: „Glaubt ihr denn, dass die Bibel als ein fertiges Buch vom Himmel gefallen ist?“ – Wir sagen: „Nein; wir wissen, dass das nicht geschehen ist.“ Aber wir sagen mit den Worten der Heiligen Schrift: „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn“ (Heb 1,1). Also, Gott hat zu uns in der Bibel geredet und nur Er. Ob die Schreibenden sich der hebräischen, chaldäischen oder griechischen Sprache bedienten, ob sie diesen oder jenen Stil hatten, ob sie dichteten wie David, „der Liebliche in Gesängen“, der uns gesagt hat: „Der Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge“ (2. Sam 23,2), oder ob sie in Prosa schrieben, und zwar erzählend oder belehrend oder weissagend, der Geist des HERRN sprach durch sie. Und glückselig sind die, „die das Wort Gottes hören und bewahren“, die, wie die Gläubigen in Thessalonich, es „nicht als Menschenwort …, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort“ aufnehmen (Lk 11,28; 1. Thes 2,13).

Man fragt uns weiter seitens der Zweifler und Ungläubigen: „Waren denn die Schreiber der Bibel nur tote, mechanische, willen- und gedankenlose Menschen für Gott, wie es ein Schreibgerät für den Menschen ist?“ – Wir sagen: „Nein; wir glauben, dass die Inspiration der Bibel keineswegs mechanisch geschah. Die inspirierten Männer waren voll und ganz bei dem, was der Heilige Geist ihnen gab, zu verkündigen oder niederzuschreiben, wenn auch die Propheten des Alten Bundes bei den Weissagungen den Inhalt nicht in dem Maß begriffen und genossen, wie es bei den Schreibern des Neuen Testamentes der Fall war, da sie nach der Himmelfahrt Christi den Heiligen Geist in sich wohnen hatten (vgl. Joh 7,19; 14,17.26; 15,26; 16,13-15).“ Eine diesbezüglich sehr bemerkenswerte Stelle finden wir in 1. Petrus 1,10-12: „… eine Errettung, über welche die Propheten nachsuchten und nachforschten, die von der Gnade euch gegenüber [das heißt von der an euch erwiesenen Gnade] geweissagt haben, forschend, auf welche oder welcherart Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte; denen es offenbart wurde, dass sie nicht für sich selbst, sondern für euch die Dinge bedienten, die euch jetzt verkündigt worden sind durch die, die euch das Evangelium gepredigt haben durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist.“ Also, hier hören wir, was der Apostel auch im 2. Petrusbrief sagt, dass „die Weissagung … niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht [wurde]“ (2. Pet 1,21), sondern dass der Geist Christi, der in den Propheten wirkte, von den Leiden und den darauffolgenden Herrlichkeiten Christi gezeugt hat und dass das durch sie bezeugte Wort ein Gegenstand des Nachdenkens und Nachforschens für sie war und dass das Evangelium – die „gute Botschaft“ – von dem vollendeten Werk Christi den Lebenden dagegen durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist – mündlich und schriftlich – verkündigt wurde. Also beide Male – im Alten und im Neuen Testament – war das Zeugnis von Christus inspiriert, durch den Geist Gottes eingegeben, wenn auch die Propheten des Alten Bundes nicht den Anteil und den Genuss an den Weissagungen hatten wie die, welche die gute Botschaft niederschrieben oder mündlich verkündigten.

1. Die Inspiration ist nicht mit einer Offenbarung zu verwechseln. – Offenbarung ist die Enthüllung göttlicher Geheimnisse. Was wüssten wir über die Entstehung der Welt und über die ewige Zukunft; was wäre uns bekannt über unser „Woher und Wohin?“ hätte es uns Gott nicht geoffenbart? Aber die Offenbarung ist nicht Inspiration. Dadurch aber, dass Gott die Schreiber der biblischen Bücher inspiriert hat, wissen wir genau und zuverlässig, was Gott einst geoffenbart und uns mitteilen lassen wollte zu unserem Heil und Leben.

Über das, was die Schreiber selbst gesehen und erlebt hatten, bedurfte es überhaupt keiner Offenbarung. Aber es musste ihnen durch den Geist eingegeben (inspiriert) werden, was sie davon niederschreiben und was sie nicht niederschreiben sollten. Daher die so sehr interessante und wertvolle Verschiedenheit der Berichte in den vier Evangelien, die alle das Leben des Herrn von vier verschiedenen Gesichtspunkten aus behandeln. Matthäus zeigt uns Jesus als den verheißenen König und Messias; daher führt er den Stammbaum des Herrn nur bis auf David und Abraham; deshalb hat er auch die meisten Anführungen (Weissagungen) aus dem Alten Testament; daher erzählt er allein die Geschichte vom Stern von Bethlehem, der die Geburt des „Königs der Juden“ anzeigte; er allein erwähnt die Geschichte von der königlichen Hochzeit und des Königs auf dem Thron (Mt 22,1; 25,31-46 und viele andere Stellen). – Markus zeigt uns Jesus als den Propheten und Knecht Gottes; daher hat er die knappe Darstellung, keinen Stammbaum und keinen Bericht der Geburt des Herrn; und noch vom Himmel her wirkt Er mit (Mk 16,20). – Lukas zeigt uns Jesus als den Sohn des Menschen, der nicht nur für die Juden, sondern auch für die Heiden, für alle Menschen als Heiland gekommen ist; daher hier Jesu Stammbaum bis auf Adam; und hier allein die Geschichte vom barmherzigen Samariter, der den Armen rettete, an dem Priester und Levit vorübergingen; ferner hier allein das Gleichnis vom großen Abendmahl und vom verlorenen Sohn, der ein Bild der Heiden ist, wie der ältere Sohn das Bild von Israel ist (2. Mo 4,22; Lk 14; 15 und viele andere Stellen). – Johannes zeigt uns den Herrn als den Sohn Gottes, des Vaters; daher auch hier kein Stammbaum; daher ist Er hier nie im Gebet, wie so oft in Matthäus, Markus und Lukas, nur in der Fürbitte (Joh 17); Er ist hier nicht in Gethsemane, auch nicht verlassen auf dem Kreuz und vieles andere mehr.

Auch darin waren die Schreiber inspiriert, was sie uns berichtet haben von Sünden und Reden von Menschen, gerechten und gottlosen. – Ihre Taten und Reden, wie die von Satan, sind natürlich selbst nicht Gottes Wort, aber sie sollten in Gottes Wort berichtet werden, um uns wissen zu lassen, wie groß die Schuld des Menschen und wie furchtbar die Macht des Bösen ist.

2. Die Inspiration ist auch nicht etwa nur eine Erleuchtung des Geistes oder auch nur Leitung Gottes beim Schreiben. – Wir hörten oben, dass die Propheten des Alten Bundes beim Niederschreiben der Weissagungen erst nachforschen und erleuchtet werden mussten, um die inspirierten Weissagungen zu begreifen. Aber diese Erleuchtung folgte erst der Inspiration. Auch eine bloße Leitung der Schreiber bei der Niederschrift der göttlichen Offenbarung wäre nicht ausreichend gewesen, auch nicht eine bloße göttliche Bewahrung vor Irrtümern und ein bloßer Beistand Gottes beim Schreiben. Inspiration ist mehr als Beistand, Bewahrung und Leitung. Wenn wir auch nicht erklären können, wie Gott die Schreiber der biblischen Bücher inspirierte, so müssen wir doch annehmen, dass bei der Inspiration Gott alle Gaben und Fähigkeiten der Menschen, ihr ganzes Denken und Tun in seinen Dienst stellte und dass Sein Heiliger Geist ihr Denken und Wollen gerade auf die Dinge und Gedanken lenkte, die sie verkünden oder schreiben sollten, und ihnen auch dafür die Worte gab. Gedanken und Worte waren also nicht die eigenen, sondern Gottes allein. – Anders hätten sie nicht immer wieder sagen können: „Der Herr sprach zu mir“, oder: „Hört das Wort des Herrn!“, oder: „Hört, ihr Himmel, und horche auf, du Erde! Denn der HERR hat geredet!“ (Jes 1,2), oder: „Forscht nach im Buch des HERRN und lest! Es fehlt nicht eins von diesen, keins vermisst das andere. Denn mein Mund, er hat es geboten; und sein Geist, er hat sie zusammengebracht“ (Jes 34,16), oder: „Wenn jemand meint, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist“ (1. Kor 14,37), oder gar: „Die [Dinge] wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel“ (1. Kor 2,13).

Also auch die Worte sind von Gott. Wir müssen also eine Verbalinspiration, das heißt eine Eingebung auch der Worte annehmen. Wer dies leugnet, der öffnet der Willkür Tür und Tor, und sein eigener Verstand und Wille hat zu entscheiden, was und was nicht von Gott in der Bibel ist. Ohne die Verbalinspiration wäre die Bibel nicht mehr das untrügliche Wort Gottes, sondern das Wort Gottes wäre nur noch in der Bibel. Aus ihr sucht sich dann jeder nach eigener Lust und Wahl heraus,  was ihm gefällt. Ein fester, sicherer Boden, auf den man sein ewiges Heil und Ruhe gründen könnte, wäre nicht mehr da. Wer wollte aber sein Haus auf ein Land setzen, wo dicht neben Felsengrund unsicherer Sumpf- und Moorboden liegt und niemand weiß, wo der eine aufhört und der andere anfängt. Dr. Ebeling sagt in seiner Schrift Die Bibel Gottes Wort mit Recht: „Eine Bibel mit Irrtümern“ hätte ebenso wenig Wert wie ein Testament, das nur teilweise vom Erblasser selbst oder in dessen Auftrag geschrieben, größtenteils aber Fälschung von Unbekannten wäre. Noch weniger aber wird der Richter demjenigen das Erbe, das ewige Leben, zuerkennen, der das Testament nur teilweise annimmt, unbequeme Bedingungen aber ablehnt.

Jesus Christus und Seine Apostel und vor ihnen die Propheten haben es anders gemacht. Sie haben alle Schriften, zunächst natürlich die des Alten Bundes, als das Wort Gottes bezeugt und haben sie einheitlich als „die Schrift“ oder „die Schriften“ bezeichnet. Der Herr der Herrlichkeit sagt von ihnen: „Die Schrift kann nicht aufgelöst – gebrochen – werden“ (Joh 10,35). Und der Apostel Paulus bezeugt: „Aber dies bekenne ich dir, dass ich … allem glaube, was in dem Gesetz und in den Propheten [also im ganzen Alten Testament] geschrieben steht“ (Apg 24,14). Und dem Alten Testament werden die Schriften des Neuen Testaments gleichgestellt. Darum sagt der Apostel Petrus von den Briefen des Apostels Paulus, dass „die Unwissenden und Unbefestigten [sie] verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben“ (2. Pet 3,15.16). Die nur für das Alte Testament gebräuchliche Bezeichnung „Schrift“, „Schriften“ wird hier also auf die Briefe des Apostels angewandt. Und wer sie verdreht, tut es zum Verderben (vgl. hierzu Jer 23,36).

Wenn man uns nun zum Schluss fragt: „Gibt es denn in der Bibel keine Irrtümer?“, so sagen wir: „Nein!“ Allerdings sind die Übersetzungen nicht durchweg fehlerfrei oder treu. Und selbst die Handschriften des Urtextes – die Originalhandschriften der Bücher des Alten und Neuen Testamentes sind selbst nicht mehr erhalten – enthalten einige Mängel, und die des Neuen Testaments bieten viele durch Abschreiber entstandene voneinander abweichende Lesarten, aber diese sind alle unwichtiger Art und für den Inhalt so gut wie belanglos; auch sind durch sorgfältigen Vergleich der einzelnen Handschriften miteinander die richtigen, ursprünglichen Lesarten so ziemlich alle wieder mit Sicherheit hergestellt. – Gott hat seine Offenbarung in die Hände der Menschen – zunächst des Volkes Israel und dann der Kirche –  gelegt, um sich ihrer zu bedienen. Und leider haben die Menschen nie ein anvertrautes Gut so treu und absolut vollkommen bewahrt, wie es hätte geschehen sollen. So mag es sein, dass durch die Nachlässigkeit und Untreue der Menschen sich einige Fehler in die Texte der Offenbarung eingeschlichen haben, aber das ändert Gottes Treue nicht. Und dies alles berührt nicht die ernste Frage der Inspiration der ganzen Bibel noch auch die kostbare Tatsache, dass es Gott in Seiner Gnade und großen Liebe zu uns wohlgefallen hat, uns durch Seinen Heiligen Geist ein untrügliches Buch zu geben: die Bibel, Sein Wort.

Seitens der Zweifler und Leugner gibt es noch viele Einwände gegen die Bibel und ihre göttliche Eingebung. So sagen sie zum Beispiel auch: „Wenn denn die Bibel inspiriert ist und nicht die Übersetzungen, warum haben denn Christus und seine Apostel zumeist aus der griechischen Übersetzung (der Septuaginta) die Bibelstellen angeführt? Und warum macht man überhaupt Übersetzungen?“

Wir antworten darauf: Eine gute Übersetzung gibt uns Gottes Wort und Wahrheit möglichst treu wieder. Übrigens haben die Apostel nicht immer die Stellen des Alten Testamentes aus der Septuaginta angeführt; gut die Hälfte ihrer Anführungen ist aus dem Hebräischen, so zum Beispiel Matthäus 2,15: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Hos 11,1). Im Urtext steht „Sohn“, aber in der Septuaginta fälschlicherweise „Söhne“.

Weiter sagen die Zweifler: „Warum sind die Stellen aus dem Alten Testament, wenn es inspiriert ist, oft frei angeführt?“ Nun, weil der Geist Gottes, der durch die Propheten weissagte, auch wieder in der Inspiration die Apostel und Schreiber dahin leitete, den Stellen neue Klarheit oder eine weitere Bedeutung zu geben (vgl. zum Beispiel Jes 8,12.13 mit 1. Pet 3,15). – Weiter führen solche Zweifler gerne 1. Korinther 7,12 an, wo Paulus sagt: „Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr …“ Sie meinen nun, dass Paulus hier die Inspiration leugnen würde. Aber im Gegenteil bestätigt diese Stelle gerade die Inspiration: Paulus will uns als ein treuer Knecht Gottes sein Urteil in einer bestimmten Sache mitteilen, und da wird er vom Geist Gottes inspiriert, uns zu sagen, dass dies seine Meinung und kein Gebot vom Herrn ist, wie das Wort vorher in Vers 10, nach Matthäus 5,32!

Auf den Blättern der 66 Bücher der Heiligen Schrift – die im Lauf von fünfzehn Jahrhunderten geschrieben wurden, und zwar von Männern der verschiedensten Länder dreier Erdteile und in den verschiedensten Berufsarten und Lebensstellungen von Propheten, Heerführern, Königen, Hirten, Priestern, Fischern, Ärzten, Handwerkern und Zöllnern – existieren keine Widersprüche mit sich selbst noch mit den sicheren Ergebnissen der Wissenschaft. Und wenn es noch so oft behauptet wird, so fehlen dafür die Beweise. Vieles, was die Bibel sagt, wird von den Zweiflern nicht verstanden oder falsch gedeutet, und viele Dinge, die die sogenannte Wissenschaft lehrt, sind nichts als kühne Behauptungen, unbewiesene Lehrsätze, die darum auch von anderen Vertretern der Wissenschaft nicht angenommen werden. Gott aber sei ewig Ruhm für den Schatz Seines Wortes, das für uns eine untrügliche Autorität ist!

„Die göttliche Vollkommenheit der Heiligen Schrift tritt“, wie J. N. Darby in Die Inspiration der Heiligen Schrift schreibt, „dem Gläubigen, der geistlich ist, auf allen Blättern entgegen, und die Einheit des Ganzen, die Vollkommenheit der Verbindung der Einzelheiten unter sich und mit allen Wegen Gottes, mit der Person Christi, mit dem Alten Testament, mit dem Herzen des wiedergeborenen Menschen, mit den Bedürfnissen des sündigen Menschen, mit den Gefahren und Schwierigkeiten, die doch erst später entstanden sind: Alles vereinigt sich, um den Beweis des Buches, in dem sich diese Dinge finden, mit einer göttlichen Herrlichkeit zu krönen. Der Verfasser ist umso offenbarer Gott selbst, als der menschlichen Werkzeuge mehrere und verschiedene sind. Aber seine Einheit und ganz besonders die innige Einigkeit seiner verschiedenen Teile zeigen ein vollständiges und vollkommenes Ganzes, an dem nicht ein Teil fehlen dürfte.“

Darum sagen wir mit dem Apostel Paulus mit dankbaren Herzen: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt“ (2. Tim 3,16).

Auch diese herrliche Stelle, welche die göttliche Eingebung der ganzen Bibel in kurzen Worten klar bezeugt und damit auch die ganze Heilige Schrift als Gottes Wort, wird von vielen angegriffen. Sie übersetzen, weil im Griechischen die Copula (das Wörtchen „ist“) fehlt, die aber doch irgendwo im Satz ergänzt werden muss: „Alle von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich usw.“ Diese Übersetzungsvariante soll also nur sagen, dass alle Schrift, soweit sie eingegeben ist, auch nützlich sei usw. Aber abgesehen davon, dass diese Übersetzung gegen den griechischen Wortlaut ist, wäre das Gesagte selbstverständlich, also eine ganz unnötige Bemerkung. Und wie man auch an dem Vers 16 herumdeuteln mag, so bezeugt er doch in Verbindung mit dem vorhergehenden Vers, welcher sagt, dass die heiligen Schriften „weise machen zur Errettung“, klar, was wir oben behaupteten, dass die ganze Heilige Schrift das Wort Gottes ist.

In diesen „letzten Tagen“, den Tagen des Unglauben und des sich anbahnenden Abfalls, teurer Leser, sind es besonders zwei Grundwahrheiten, die Satan angreift und gegen die der Kampf der Ungläubigen sich richtet: die göttliche Eingebung der Heiligen Schrift und die Gottheit Christi. Aber bis zum Ende, bis zur nahen Ankunft des Sohnes Gottes, wird Gott auf der Erde Herzen haben, die Seine Zeugen sind, die unentwegt an Seiner Wahrheit festhalten, die treu zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, und zu Seinem Wort stehen. Ihnen ruft der Herr Jesus ermunternd zu: „Du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet … Ich komme bald; halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme“ (Off 3,8-11). Mögen Schreiber und Leser durch Gottes Gnade bei der Ankunft des Herrn unter Seinen treuen Zeugen gefunden werden!

Emil Dönges



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