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Freitag, 01.07.2016  

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Im Focus: David, Nabal und Abigail

Bibelstellen: 1. Samuel 24

Das 25. Kapitel des ersten Buches Samuel berichtet von einer Begebenheit, die den bereits zum König über Israel gesalbten David in der Wüste Paran zeigt. Nach dem Tod Samuels und einem Friedensschwur an die Familie Sauls (vgl. 1. Samuel 24,22-1. Samuel 25,1) zieht dieser mit seinem Gefolge, etwa 600 Mann (vgl. 1. Samuel 25,13), aus. Um seine Anhänger zu versorgen, erbittet er von einem wohlhabenden Mann, dessen Hirten und Herde er zuvor in der Wüste beschützt hatte, Nahrung für sich und das Gefolge. Allerdings werden die entsandten Knechte schroff abgewiesen, woraufhin David diesen Mann namens Nabal töten will. Die Frau Nabals, Abigail, erhält Kenntnis von dem Vorfall und kommt David zuvor, indem sie ihm Essen überbringt und für ihren Mann Abbitte leistet.

Alle drei Protagonisten – David, Nabal und Abigail – halten wichtige Belehrungen für uns bereit, die im Folgenden Stück für Stück in chronologischer Abfolge der Verse erörtert werden sollen.
Zu Beginn des Kapitels (1. Samuel 25,3) zeigt uns die Bibel bereits einen Gegensatz zwischen dem Mann Nabal und seiner Frau Abigail. Von ihm wird gesagt, dass er hart und boshaft in seinem Handeln war, von ihr wird uns gute Einsicht und eine schöne Gestalt berichtet. Dass es sich bei der Härte Nabals um eine schlechte Eigenschaft handelt und bei Abigails Schönheit um etwas Gutes, zeigt sich jeweils darin, dass beide Eigenschaften in Verbindung mit einer klar negativen bzw. klar positiven anderen Eigenschaft genannt werden. Dass diese Informationen vorangestellt werden, stimmt uns als Leser bereits auf den Inhalt ein, und wir werden später erkennen, wozu diese Eigenschaften führen (können).

Nachdem David Kenntnis davon erlangt hat, dass Nabal in der Nähe ist, sendet er Boten aus, um Nahrung von ihm zu erbitten. In der Nachricht, die er ihnen mitgibt, finden wir seine gottgefälligen Wesenszüge. Denn obwohl er bereits zum König gesalbt wurde, fordert er nicht einfach ein, sondern bittet freundlich und bezeichnet sich selbst als den Sohn Nabals, was seine Demut ausdrückt (1. Samuel 25,8). Auch segnet er Nabal. Als die Knechte Davids seine Nachricht überbringen, werden sie hart von Nabal angegangen. Doch nicht nur versagt er Ihnen das erbetene Essen, er spricht abwertend von David als einem beliebigen Knecht, der seinem Herrn davongelaufen ist, wobei er sich auf dessen Fliehen vor Saul bezieht – ein klarer Affront gegen den Thronfolger, der zuvor bereits von Saul als solcher anerkannt worden war (1. Samuel 24,21). Dass David seine Knechte und seine Herden in der Wüste bewacht hatte, kommt ihm nicht in den Sinn oder wird nicht gewürdigt, (möglicherweise wusste Nabal davon sogar nichts, weil seine Knechte ihm dies nicht berichteten hatten). Die entsandten Knechte kehren zu David zurück und berichten ihm die exakten Worte des Nabal. Auch wenn es uns die Bibel nicht berichtet, ist erkennbar, dass David erbost ist, denn er lässt umgehend den Großteil seines Gefolges für einen Angriff rüsten.

Doch nun wird unser Blick zunächst auf Abigail gelenkt. Einer der Knechte Nabals informiert sie über das Gespräch zwischen Nabal und den Knechten Davids, über das provokante, aggressive Verhalten ihres Mannes und über die Fürsorge Davids in der Wüste. Auch wird uns wieder eine entscheidende Eigenschaft Nabals mitgeteilt: Man kann nicht mit ihm reden (1. Samuel 25,17). Diese Charakterisierung erfolgt im Zusammenhang mit dem Begriff „Sohn Belials“, der in der Schrift oft im Sinn eines bösen Menschen gebraucht wird. Man könnte es auch mit Gesetzloser, Nichtsnutz oder boshafter Mensch übersetzen. Diese Eigenschaft ist der Grund, warum der Knecht mit der Frau (und nicht mit Nabal selbst) spricht. Nabal ist stur und unbelehrbar, er ist rechthaberisch und ohne Erkenntnis des eigenen Versagens, dies ist in obiger Charakterisierung eingeschlossen.

Solche Menschen treffen wir auch heute immer wieder. Es sind Menschen, die andere vor den Kopf stoßen – oft ohne es selbst zu bemerken. Und wenn sie merken, dass der andere getroffen ist, dann hat er es ihrer Meinung nach verdient oder ist verweichlicht – das eigene Unvermögen wird nicht erkannt. Auf diese Menschen trifft zumeist auch das Wort aus Matthäus 7,3 zu: „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ Diese Menschen, die es auch unter den Christen gibt, werden in ihrem Verhalten oft dadurch gestärkt, dass sie keinen Widerspruch erfahren – der Grund dafür liegt in ihrer Härte, die in ihren Antworten zum Ausdruck kommt, und in ihrer Uneinsichtigkeit, weshalb sich niemand die Mühe machen will, mit solchen zu reden. Dieser Sachverhalt kann auch dazu führen, dass über solche hinterrücks geredet wird. Dies finden wir auch bei Nabal – in den Augen seines Knechts war er ein Sohn Belials und dies spricht er auch gegenüber seiner Abigail so aus. Dass die Frau Nabals dies ebenfalls so sieht, finden wir noch später in diesem Kapitel (1. Samuel 25,25). Auch sie, seine Ehefrau, weist ihn (Nabal) nicht zurecht, vermutlich, weil sie keine Hoffnung hat, Einsicht bei ihm zu finden.

Wir sehen nun, wie Abigail weise handelt, um Schaden von Ihrem Mann und ihrem Haus abzuwenden. Dies korrespondiert mit ihrer guten Einsicht (1. Samuel 25,3): Sie handelt nicht nur klug, sondern auch schnell. Diese Handlung kann ihrem fleißigen und intelligenten Naturell entspringen oder durch den Geist gewirkt worden sein; so oder so, ist sie vorbildlich. Dass sie ihrem Mann nicht davon berichtet, unterstreicht nochmals, dass sie von ihm keine Unterstützung oder gar Einsicht erwartet, sondern eher Ablehnung und Zorn – ihr Mann ist nicht der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, Gutes zu wirken. So zieht sie mit ihren Knaben und einer Menge an guter Nahrung allein in die Wüste, David entgegen. Als sie auf David trifft, fällt sie vor ihm auf die Knie. Sie nimmt nicht nur gleichsam die Schuld ihres Mannes auf sich, sondern sie ehrt David und erkennt sein Königtum über Israel, im Gegensatz zu ihrem Mann, an (1. Samuel 25,23.24.30). Sehr schwer wiegt Vers 25: Abigail bezeichnet ihren eigenen Mann als Tor, einen gemeinen Menschen. Wie sehr muss es sie geschmerzt haben, dieses Zeugnis über den Mann abzulegen, den sie liebte und ehelichte. Dies darf allen Verheirateten zum mahnenden Beispiel sein. Aber diese Mahnung gilt nicht nur Eheleuten, sondern auch Unverheirateten: Ist es nicht beschämend, wenn Menschen, die uns nahestehen, über uns ein Zeugnis wie über Nabal ausstellen müssen? Wie sehr betrübt das auch unseren Herrn. Lasst uns immer wieder im Licht des Wortes prüfen, ob bei uns Schatten von Uneinsichtigkeit, Boshaftigkeit und ungerechter Härte vorhanden sind.

Abigail ist sich auch bewusst, dass sie ein Werkzeug Gottes ist, denn sie selbst spricht davon, gesendet worden zu sein, um Blutschuld Davids zu verhindern. Ein wunderbarer Teil des Plans Gottes für David, der ihn (und auch uns) vor Sünde bewahren will. David erkennt diese Handlung an. Es wird auch berichtet dass er sie ansieht – er achtet diese Frau und erkennt ihre wertvollen, eingangs erwähnten Charakteristiken ‚Einsicht‘ und ‚Schönheit‘. Und so lässt er ab von seinem Plan gegen das Haus Nabals und entlässt sie in Frieden.

Auch die Rückkehr Abigails enthält für uns Belehrung: Abigail findet Nabal bei einem Festmahl. Man könnte auch von einem Gelage sprechen, denn ihr Mann ist „über die Maßen betrunken“(1. Samuel 25,36). Dies zeigt uns nicht nur die Zügellosigkeit Nabals, sondern sagt auch etwas über sein Verhältnis zu seiner Frau aus: Offenbar vermisste er sie entweder nicht oder ihr Verbleib war ihm egal – ein erschreckendes Bild der von Gott eingesetzten Ehe. Sein Fehlverhalten zu Beginn des Tages ist für ihn überhaupt kein Thema mehr, er setzt seinen falschen Weg unbeirrt fort. Dass Abigail ihn in dieser Situation und diesem Zustand nicht anspricht, zeugt auch von ihrer Weisheit, denn sie ist in der Lage, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Erst als Nabal wieder nüchtern war, berichtet sie ihm davon was sie getan hat und was David vorhatte, ihm zu tun. Jetzt, zu bestimmter Zeit, folgt das Gericht. Gott hatte sein Urteil über Nabal gefällt: Er sollte sterben und der Ausführende war Gott selbst – es war also nicht Gottes Wille, dass David Gericht üben sollte; sein reaktiver Entschluss eines Feldzuges war demnach falsch, denn wir finden auch nichts davon, dass David Gott dazu befragt.

David erkennt Gottes Wirken im Tod Nabals und lobt ihn. Auch nimmt er Abigail zur Frau – als er sie ansah, haben Schönheit und Einsicht sein Herz gewonnen. Von ihr finden wir, dass sie sich schnell aufmachte – ein wiederkehrender Wesenszug, der uns auf ihren Fleiß nochmals aufmerksam machen soll. Auch finden wir in ihrer Einwilligung zur Ehe mit David Parallelen zu dem „Wettlauf“ des Christen (Hebräer 12,1-3): David war noch nicht König. Zwar wusste sie, dass er es einmal sein würde und sie dann eine Frau des Königs wäre, doch zunächst würde sie mit ihm noch in der Wüste leben müssen. Trotzdem verlässt sie ihre reichliche Habe, hinblickend auf das vor ihr liegende Leben an der Seite des Königs von Israel. Dieses Bild darf uns auch als Überleitung zur finalen Betrachtung dienen. Wie an vielen Stellen ist David auch in diesem Kapitel Vorbild von unserem Herrn Jesus: In Liebe und Freundlichkeit bittet er um die Unterstützung durch Nabal. Auf diese Weise ‚bittet‘ uns auch der Herr Jesus, dem alle Macht gegeben ist, um unseren Dienst. Und wir sollten ihm keine törichte Antwort geben, sondern ihm willig dienen.

Marc Schultz


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