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Dienstag, 27.09.2016  

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David und Bethseba

Bibelstellen: 2. Samuel 11 - 12

Bei dieser Betrachtung werden des Zusammenhangs wegen die Kapitel 11 und 12 gemeinsam untersucht. Dies erfolgt chronologisch anhand der Abfolge der Darstellung in der Schrift.

Wir finden David, wie er einen Feldzug gegen die Ammoniter initiiert, aber selbst in Jerusalem zurückbleibt. Es wird oft gesagt, David hätte mitziehen sollen, doch dies ist nicht vordergründig das, was hier zum Ausdruck kommen soll. David war inzwischen im Amt des Königs. Es war zwar damals üblich, dass der König auch selbst mit in den Krieg zog, aber es war keine absolute Notwendigkeit bzw. konnte sogar auf Widerstand im eigenen Volk stoßen (s. 2. Samuel 18,3.4). Es geht vielmehr darum, dass es um seinen Herzenszustand nicht optimal bestellt war.

Möglicherweise sagt Vers 1 aus, dass David sein Heer ausziehen ließ, weil es zu dieser Zeit so üblich war oder dies so von ihm erwartet wurde; hieran ließe sich dann erkennen, dass er Gott nicht in diese Entscheidung involvierte. Dass er selbst mit in den Kampf hätte ziehen sollen wird aber zumindest dadurch gestützt, dass David am Nachmittag zunächst auf seinem Lager liegt, von dem aus er dann auf das Dach seines Hauses steigt. Grundsätzlich spricht nichts gegen einen erholsamen Mittagsschlaf, in diesem Zusammenhang ist es aber doch als Indiz für Trägheit zu sehen, die bei einem (durch Gott eingesetzten) König, der im Dienst des Volkes steht, nicht gefunden werden sollte. Er hätte seine Zeit sinnvoll einsetzen müssen.

Als Nächstes finden wir David umhergehend auf dem Dach des Königshauses, manche halten es für einen Zeitvertreib, manche denken, dass er dort etwas überlegt habe, für das Folgende ist es jedoch von untergeordneter Bedeutung: David erblickt die sich badende Bathseba. Eigentlich müsste er wegsehen und seinen Geist reinigen, doch er wendet seinen Blick nicht ab. Dies ist wohl ein Szenario, dass vielen Christen bekannt sein wird, werden wir doch laufend in den Medien (egal ob digital, im Print, o.a.) mit attraktiven und anzüglichen Darstellungen von Frauen und auch Männern konfrontiert, wo wir in Versuchung sind, unsere Gedanken schweifen und Sünde entstehen zu lassen - deshalb müssen wir unseren Geist stärken, um zu überwinden, Gott wird es belohnen. David ist in dieser Situation jedoch zu schwach. (Im Gegensatz zu Abigail, der Frau Nabals, finden wir hier die Schönheit einer Frau übrigens in einem negativen Zusammenhang, siehe. 2. Samuel 11,2 am Ende, was uns aufzeigt, dass es in unserer Verantwortung liegt, wie wir Gottes Gaben nutzen).

Und auch wenn David durch seine Macht und Autorität klar der Hauptverantwortliche ist, so muss doch gesagt werden, dass auch Bathseba große Schuld trifft, wenn sie freizügig draußen badet. Vielleicht geschah es aus Unüberlegtheit, vielleicht war es sogar Kalkül, darüber finden wir keine Aussage. Aber es ist doch eine wichtige Belehrung für unsere Zeit, wo Offenheit und Freizügigkeit als Errungenschaften der modernen Gesellschaft gelobt werden. Viele junge (und nicht mehr junge) Christinnen haben das Gespür dafür verloren, was Ihre Freizügigkeit für Auswirkungen auf die Männer hat, sei es in Sachen körperlicher Berührungen und sonstigen Kontakts oder einfach durch Kleidung, die Einblicke gewährt und die Gedanken des Mannes zum Schweifen anregt. Auch wenn der Mann in der Verantwortung ist sich zu beherrschen, machen sich so viele Schwestern unbewusst (schlimmstenfalls sogar bewusst) mit an der Sünde von Männern schuldig. In vielen Gemeinden wird auch der offene Umgang zwischen Männern und Frauen heute toleriert und niemand sagt etwas dazu. Wir müssen nicht prüde sein und wir dürfen freundschaftliche Verbindungen pflegen, die uns der Herr ja sogar geschenkt hat, doch wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass der Kontakt zwischen (nicht miteinander verheirateten) Männern und Frauen immer ein gewisses ‚geschlechtliches Potenzial‘ hat; dies kann bei dem „rituellen" Begrüßungskuss anfangen genau wie bei einem ungezwungenen Chat über die modernen Medien. Und auch wenn es keine direkten Auswirkungen auf die involvierten Protagonisten hat, kann es möglicherweise unterschwellige Eifersucht bei dem Partner oder Missfallen bei den Mitgeschwistern hervorrufen.

Doch zurück zu Bathseba und David: Zunächst erkundigt sich David nach ihr, offenbar sind noch gewisse Hemmungen vorhanden. Als klar ist, dass sie verheiratet ist, aber ihr Mann von einem möglichen sexuellen Intermezzo nichts mitbekommen würde, da er sich im Krieg befindet, verliert David die Scheu (man könnte auch sagen, er wird von seiner Lust überwunden) und nutzt seine königliche Macht, indem er Bathseba holen lässt, um der Versuchung nachzugehen. Was werden wohl die Abgesandten über ihren König gedacht haben und was wird David zu ihnen gesagt haben, um sie auszusenden!? Und was wird sich Bathseba gedacht haben, als sie vor dem König stand und ihr gewahr wurde, dass dieser unehelichen Geschlechtsverkehr mit ihr wollte!? Jedenfalls finden wir keine Anzeichen davon, dass sie sich zur Wehr setzte oder um Hilfe rief, vielleicht aber aus Furcht vor der Macht-Stellung des Königs. Der Gedanke ihrer Einwilligung wird zumindest dadurch gestützt, dass sie wieder ohne weiteres Aufheben in ihr Haus entlassen wird, was nahelegt, dass David davon ausging, dass sie nichts sagen würde, obwohl Bathseba sich mit der Verantwortung und Macht Davids für diesen Vorfall vor ihrem Mann hätte rechtfertigen können; wir finden außerdem in Klammern, dass sie sich von ihrer Unreinheit gereinigt hatte, ein Indiz, dass sie nun in der Zeit der Fruchtbarkeit und nach dem Gesetz rein war. Nach vollzogenem Ehebruch kehrt sie in ihr Haus zurück. Als sie ihre Schwangerschaft feststellt, sendet sie jemanden, um es David mitzuteilen; vermutlich handelte es sich dabei um einen Hausdiener, der sich vielleicht gefragt haben mag, warum Bathseba David mit dieser Neuigkeit konfrontiert. Für sie geht es nun um ihr Leben, denn Hurerei wurde nach dem Gesetz mit dem Tod bestraft (3. Mose 20,10).

Da David dies auch als Gefahr für sich selbst identifiziert, entwickelt er einen Plan, wie er möglichst unbeschadet aus der Sache herauskommt. Er lässt Urija von der Kriegsfront in seine Heimat rufen, damit er bei seiner Frau sein kann, so dass eine Schwangerschaft auf ihn zurückzuführen wäre. Doch Urija identifiziert sich zu sehr mit seinen militärischen Pflichten und will sich nicht irdischen Freuden hingeben, während seine Kameraden kämpfen. Davids Plan geht also nicht auf und er ergreift andere Maßnahmen, um zum Ziel zu kommen, indem Urija zu Tode gebracht werden soll - dies gelingt auch. Davids Versagen bleibt zunächst im Verborgenen, doch Gott wird noch aufdecken. Da bereits einiges über Urija geschrieben wurde (z.B. auf dieser Internetseite) soll hier nur festgehalten werden, dass Davids Urteilsvermögen völlig abwesend war, denn bei Urija handelte es sich um einen der Helden, einem treuen Anhänger Davids (1. Chronika 11,41). Es ist kaum zu glauben, dass der große König David, der Mann nach dem Herzen Gottes (s. Apostelgeschichte 13,22), diesen treuen Anhänger und geehrten Held um seiner eigenen Sünde willen auf perfide Art und Weise umbringt. Das führt uns vor Augen, dass in jedem von uns die Sünde noch wohnt und wir in starker Verbundenheit mit Gott unseren Weg gehen müssen, um nicht zu fallen - die alte Natur ist zu jeder Sünde fähig.

Nachdem Urija getötet wurde, trauert Bathseba um ihren Mann. Nach dieser Zeit heiratet David sie und das eigentlich uneheliche Kind wird innerhalb dieser Ehe geboren. David glaubt, es sei nun alles in Ordnung, doch das Kapitel schließt mit Gottes Urteil: Was David getan hatte, war böse.

Zu Beginn des zwölften Kapitels tritt der Prophet Nathan in Erscheinung, um David zu überführen und ihn auf Gericht vorzubereiten. Dazu gebraucht er ein Gleichnis in dem ein sehr reicher Viehbesitzer einem armen Mann sein einziges Schaf wegnimmt, dass dieser mit viel Liebe und Aufopferung großgezogen hat und zu dem er eine enge Verbindung pflegt. Der Reiche nimmt es um es einem Gast als Mahl zuzubereiten, obwohl er ohne weiteres eines seiner eigenen Tiere hätte nehmen können, zu denen er keine Beziehung hat. David ist erbost über die Herzlosigkeit des Reichen und bezeichnet ihn als ein Kind des Todes (2. Samuel 12,5). Sein Gerechtigkeitssinn ist also noch immer vorhanden, hat nur ihn selbst bisher nicht überführt; allerdings muss man festhalten, dass ein Todesurteil wegen des Raubs eines Schafes etwas überzogen anmuten kann, doch es zeigt vor allem auf, dass wir leicht hart über andere urteilen, während wir uns selbst ohne weiteres größere Sünde durchgehen lassen. Dieses Prinzip wird uns auch im neuen Testament vor Augen geführt, wo es heißt, dass wir mit einem Balken im eigenen Auge nicht den Splitter im Auge eines anderen suchen können (Matthäus 7,3-5).

Nathan muss dem König also offenbaren, dass es sich bei dem Reichen im erzählten Gleichnis um ihn, um David, handelt. Doch wie passt das Beispiel von Schafen und dem Ehebruch mit einer Frau hier zusammen? Der Schlüssel ist wohl die große Viehherde des Reichen und die innige Liebe des Armen zu seinem einzigen Schaf. David der Reiche hatte mehrere Hauptfrauen aber noch mehr Nebenfrauen (2. Samuel 5,13 & 1. Chronika 14,3), also solche zu denen keine innige Beziehung bestand und die hauptsächlich der Befriedigung sexueller Bedürfnisse dienten (im Gegenzug wurden sie von David materiell versorgt). Urija der Hethiter, militärischer Held und Ehemann Bathsebas, den David ermordete, hatte nur eine Frau, bei der wir unterstellen dürfen, dass er sie sehr liebte und sie ihn auch. Nun kommt David, der viele (schöne) Frauen hatte und nimmt einem Mann seine einzig geliebte Frau weg für ein kurzes, sündiges Vergnügen - gleichsam wie der Reiche dem Armen sein einziges geliebtes Schaf weggenommen hat, nur um es einem Wanderer (nicht mal einem Freund) als Gastmahl vorzusetzen. Und durch Betrug und Mord geht die Sünde Davids ja noch wesentlich weiter.

Nathan muss ihm vorstellen, dass er der böse, reiche Mann aus dem Gleichnis ist. In diesem Zusammenhang stellt er ihm noch einmal das großartige Wirken Gottes auf seinem bisherigen Lebensweg vor und macht David deutlich, dass Gott ihm trotz dieser vielen Gaben noch mehr hinzugefügt hätte, wenn er sich nicht selbst genommen hätte, was seinem Fleisch Befriedigung geschafft hat. Dies ist wohl eine Belehrung, die vielleicht auch auf uns passt: Wie oft nehmen wir uns etwas, was wir wollen, ohne den Herrn auch nur zu fragen. Wären wir völlig frei von unserer Habgier, würde der Herr uns viel mehr geben können (sowohl geistlich als auch oft materiell). Nun, Davids Versagen ist in den Augen Gottes so groß, dass ihm mehrere Strafen angekündigt werden, erstens: David und seine Nachkommen sollen immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt werden. Zweitens: Aus seinem eigenen Haus wird jemand gegen ihn aufstehen und seine Frauen nehmen - im Gegensatz zur Sünde Davids wird dies jedoch nicht im Verborgenen, sondern ganz öffentlich geschehen (s. 2. Samuel 16,22). Drittens: Das Ergebnis der Sünde, das gemeinsame Kind mit Bathseba, muss sterben. David erkennt nun seine Sünde und der Herr kann ihm vergeben, doch das Gericht über sein Haus muss trotzdem folgen.

Die letzte Prophezeiung, der Tod des unehelichen Kindes, tritt nach der Ankündigung durch Nathan bald ein. Zunächst wird es „geschlagen" und wird todkrank. Obwohl das Kind eigentlich das Resultat schnellen, lieblosen Vergnügens ist, scheint David doch väterliche Gefühle für es zu hegen. Da er die Güte Gottes und seine Vergebung kennengelernt hat, betet und fastet er trotz der prophetischen Ankündigung des Kindstodes, um von Gott Gnade für dieses Leben zu erbitten. Doch in dieser Sache wird Gott sein Bitten nicht erhören und nach einer Woche stirbt das Kind. Die Knechte Davids scheuen sich jedoch zunächst, ihm dies mitzuteilen, da sie Sorge um ihren König haben. Doch aufgrund ihres Verhaltens erkennt David, dass dieses Teilgericht endgültig vollzogen wurde. Für seine Diener und vielleicht auch den Leser handelt David nun unerwartet: er beendet sein Fasten und seine Trauer, indem er sich wäscht, frisch einkleidet und im Haus des Herrn Gott anbetet. Er hat die Strafe Gottes für sein Handeln angenommen und akzeptiert die Konsequenzen. Sein Handeln ist richtungsweisend, denn er sieht nun nach vorn auf einen Weg, auf dem er sich wieder von seinem Herrn und Gott leiten lassen will. Er ist von dieser düsteren Episode seines Lebens befreit und blickt nicht mehr zurück, um sich nicht von den Ereignissen in seinem wieder aufgenommenen Glaubensleben herunterziehen zu lassen (2. Samuel 12,23) - analog zu Matthäus 6,27, wo uns gesagt wird, dass Sorgen (und gleicherweise auch Trauern) uns nicht weiterbringt.

Dass diese Veränderung in dem Leben Davids nachhaltig ist, zeigen uns die nachfolgenden Abschnitte, denn Gott kann ihn wieder reichlich segnen. Nachdem David Bathseba, die nun seine Frau war (s. 2. Samuel 12,24) getröstet hatte, zeugte er mit ihr Salomo. Durch Nathan erhielt dieser den Zusatznamen „Geliebter Jahs". Dieser Sohn konnte von Gott geliebt und reichlich gesegnet werden, er würde nicht nur Davids Thronfolger werden, sondern auch an Reichtum und Weisheit unübertroffen sein und Gott den Tempel bauen dürfen. Hieran wird deutlich, dass der Herr das Schlechte ins Gute wandeln kann. Natürlich dürfen wir deshalb nicht nachlässig sein, dass Böse hinauszutun, aber es darf uns trösten zu sehen, dass der Herr trotz unseres Versagens vieles wieder gutmacht und uns nach echter Umkehr über die Maßen segnen will.

Zuletzt finden wir David, wie er nun mit Gefolge auf den Ruf Joabs hin in den Krieg zieht, den er zu Beginn von Kapitel elf zwar initiiert, aber nicht selbst geführt hat. Er wird aktiv und lässt seinen Müßiggang hinter sich. So gibt ihm der Herr nun einen großen Sieg und reiche Beute (2. Samuel 12,30). Es zeigt uns, dass der Herr Kraft, Gnade und Gelingen auf dem Weg schenkt, den er für uns vorgesehen hat. Aber diesen Weg müssen wir auch gehen, wir müssen handeln, aktiv sein. Wie der Müßiggang ein Weg zur Sünde wird, das wurde uns hier sehr deutlich vor Augen geführt. Aber wieviel mehr zeigt sich hier die Gnade unseres Herrn, der segnen möchte und nur unser Bestes will. Wenn wir es nicht recht machen, muss er vielleicht richten, aber wenn wir umkehren, werden wir immer seine reiche Gnade erfahren (s. Römer 5,20).

 

 

Marc Schultz


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