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Mittwoch, 31.08.2016  

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Saul verliert sein Königtum

Bibelstellen: 1. Samuel 15

Im Rahmen dieser Betrachtung wird 1. Samuel 15 untersucht. Dies erfolgt chronologisch anhand der Abfolge der Darstellung in der Schrift.

Das Kapitel stellt uns Saul vor, nachdem sein Königtum über Israel gefestigt wurde (s. 1. Samuel 14, 47-48). Er erhält von Gott den Auftrag, ein verfeindetes Volk, die Amalekiter, vollständig auszulöschen. Saul kommt dieser Anweisung zunächst nach, führt sie jedoch nicht vollständig aus. Daraufhin muss der Prophet Samuel ihm mitteilen, dass Gott ihm das Königtum wegnimmt.

Wenn der Herr uns Menschen etwas mitteilt, ist es immer wichtig. Da er jeden Einzelnen kennt, weiß er auch, worin wir nachlässig sind - deshalb hat er für jeden die richtige Art und Weise, um zu uns zu sprechen. Weil er auch Saul kennt, lässt er durch Samuel extra betonen, dass Saul auf das Folgende hören soll (V. 1). Er erhält die eindeutige Anweisung, das gesamte Volk Amaleks auszurotten. Kinder, Frauen, Männer und sogar alle Tiere - weder Esel noch Kamel sollen am Leben bleiben (s. 1. Samuel 14,3). Das Wort ist absolut eindeutig. Saul ruft das Kriegsvolk zusammen und zieht los; zuvor lässt er noch das Volk der Keniter evakuieren.

Sein Feldzug ist zunächst sehr erfolgreich und es scheint, als ob er die Aufgabe des Herrn völlig erfüllen würde, denn er und das Heer Israels schlagen das gesamte Volk Amalek bis zur gegenüberliegenden Grenze zu Ägypten. Lediglich der amalekitische König Agag wird verschont und in Gewahrsam genommen. Doch nachdem der Sieg errungen ist, wird Agag nicht getötet und Saul und das Volk nehmen sich die besten Tiere (s. 1. Samuel 14, 9), nur die Tiere mit Makeln werden getötet - die Sehnsucht nach der Habe der Feinde war größer als der Wunsch, das Gebot Gottes zu beachten. Dass im Satzanfang von „Saul und dem Volk" gesprochen wird zeigt auf, dass Saul und das Volk sich hierin einig sind. Aber diese gleichrangige Erwähnung deutet auch an, dass Sauls königliche Macht hier bereits zu schwinden scheint, denn wie hätte das Volk diese Entscheidung im Angesicht eines von Gott eingesetzten Königs treffen können!? Deshalb setzt Gott ihn nun als König ab. Das Fehlverhalten Sauls, also das nicht vollständige Ausführen seiner Anweisung, reizte den Herrn so sehr, dass es ihn sogar reute, Saul als Herrscher über sein Volk eingesetzt zu haben (s. 1. Samuel 15, 11). Das nicht vollständige Ausführen wertet Gott so, dass Saul sich von ihm abgewandt hat.

Auch der Prophet Samuel ist erbost und zieht Saul entgegen, um ihm mitzuteilen, dass Gott ihm das Königtum wegnimmt. Unterwegs wird ihm berichtet, dass Saul sich ein Denkmal gesetzt hat. Hierin wird eine Veränderung des Charakters Sauls erkennbar: Als er von Gott eingesetzt wurde, finden wir noch Demut und Bescheidenheit (s. 1. Samuel 9,21 und 1. Samuel 10,16). Er war sich bewusst, dass er zu einem kleinen Stamm gehörte und aus einer wenig angesehenen Familie stammt. Und auch als er zum König gesalbt wurde, behielt er es für sich anstatt großzutun.

Als Samuel zu Saul kommt, wird er froh und herzlich mit einem Segenswunsch empfangen. Der König ist in bester Laune und meldet dem Propheten, dass der Auftrag erfüllt wurde. Saul ist von dieser Tatsache überzeugt, deshalb sagt er es mit Bestimmtheit. Wir sehen, dass er sich der Ungerechtigkeit nicht bewusst ist und sogar noch glaubt, er hätte Gutes getan. Das ist etwas, auf das wir unser Tun auch untersuchen müssen: Sind wir wirklich den Gedanken Gottes gefolgt, oder sind wir auf halbem Weg stehen geblieben und denken, es sei alles in Ordnung, weil es uns gerade gut geht!?

Durch eine gezielte Frage nach den hintergründig hörbaren Tierlauten will Samuel Saul zur Erkenntnis überführen. Doch Saul schiebt die Verantwortung auf das Volk ab und will das Versagen noch schnell ins Gute verkehren, indem er behauptet, dies sei zur Ehre Gottes geschehen, um ihm zu opfern. Auch das offenbart uns viel von unserem eigenen Naturell: Obwohl wir in Verantwortung sind, wälzen wir diese gerne auf andere ab und machen uns selbst und anderen vor, wir seien auf einem guten Weg - im Licht des Wortes sollten wir uns immer wieder selbst überführen. Das ist vielleicht zunächst unangenehm, aber oft leichter als die Züchtigung, die Gott uns sonst angedeihen lässt (die Furcht vor Gott und seinem Gericht darf uns vor falschen Wegen bewahren). Wir müssen uns klar darüber sein, dass wir für jede unserer Handlungen verantwortlich sind, auch wenn es vielleicht ungünstige Umstände gibt. Deshalb ruft uns das Wort auch zu: „Du aber, ..." (s. z.B. 2. Timotheus 3,14) - was die anderen (Schlechtes) tun, ist keine Rechtfertigung für uns; und um beim Beispiel Sauls zu bleiben: Das Begehren des Volkes kann keine Rechtfertigung für eine Entscheidung des Königs gegen den Willen Gottes sein.

Da Saul uneinsichtig ist, stellt Samuel ihm vor, wer er war und woher Gott ihn geholt hat: Er war klein und unbedeutend, doch er wurde durch den Herrn erhoben zum König über Israel. Er zeigt Saul nochmals seine Aufgabe und erkundigt sich nach den Gründen für sein Versagen. Doch Saul ist immer noch davon überzeugt, den Willen Gottes ausgeführt zu haben und versucht Samuel von seiner eigenen verkehrten Sicht der Dinge zu überzeugen. Deshalb muss Samuel ihm einen göttlichen Grundsatz vor Augen führen: Dem Wort des Herrn zu gehorchen ist wichtiger, besser, als alles, was wir ihm vielleicht aus vermeintlich eigener Kraft geben könnten. Erst recht. wenn wir etwas für ihn erwerben oder tun, auf einem Weg, der nicht seinem Willen entspricht. Niemals kann Gott eine Spende aus hinterzogener Steuer segnen, niemals wir er die Heirat eines Christen mit einem Nicht-Christen segnen (auch wenn sie das Ausleben von Unzucht verhindert), nie wird ein inhaltlich überragender Vortrag eines Bruders an ihm gesegnet, wenn er ihn gehalten hat, um im Rampenlicht zu stehen - all das heißt nicht, dass Gott nicht Gutes aus diesen Dingen hervorgehen lassen kann, aber der Protagonist wird für diese Dinge keinen Segen erhalten. ‚Gehorsam‘ ist ein Opfer, das Gott wohlgefällig annehmen kann. Dagegen ist Ungehorsam (das Ausleben des Eigenwillens) in den Augen Gottes wie Abgötterei, also wie wenn wir uns von ihm abwenden - deshalb verwirft Gott Saul nun auch als König.

Als Saul erkennt, dass Samuel ihn nicht einfach nur belehrt, sondern ihm klarmacht, dass Gott sein Königtum wegnimmt, bekennt er sein Versagen und bittet um Vergebung, um der Strafe zu entgehen. Man kann von einem Lippenbekenntnis ausgehen, denn noch immer sieht er sein Versagen nicht völlig ein und entschuldigt sich mit dem Zwang durch den Willen des Volks - seit Adam und Eva hat sich die menschliche Natur nicht verändert (s. 1. Mose 3,12 und 1. Mose 3,13). So oder so, Sauls vermeintliche Einsicht kommt zu spät, Gottes Urteil steht fest und Samuel lässt sich nicht umstimmen. Saul kann nur noch den nach außen sichtbaren Schaden begrenzen, indem er außenwirksam mit Samuel zurückkehrt, um anzubeten. Gott ist nun nicht mehr der Gott Sauls (s. 1. Samuel 15,30), der er früher noch war (s. 1. Samuel 13,13), der Bruch ist vollzogen. Den Auftrag Gottes, das Volk Amalek vollständig auszulöschen, bringt Samuel deshalb selbst zu Ende, indem er den gut gelaunten König Agag eigenhändig zerstückelt.

Samuel muss sich nun vollständig von Saul abwenden. Einige Zeit hat er Saul innerlich begleitet, und auch wenn es an einigen Stellen den Anschein hat, als ob Samuel eher als der Lehrer Sauls bestellt war, bestand doch eine enge Verbindung, weshalb Samuel nun auch um ihn trauert (s. 1. Samuel 15,35). Doch Gott hält bereits einen neuen König bereit, einen Mann, der sich nicht nach menschlichen Kriterien als König qualifiziert, sondern der ein Mann nach dem Herzen Gottes ist (s. 1. Samuel 10,23-24, 1. Samuel 16,1 und Apostelgeschichte 13,22).
Aus der betrachteten Geschichte lernen wir zwei sehr wesentliche Dinge:
1. Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass wir durch etwas den Herrn ehren, dass entgegen seinem Wort ist.
2. Auch wir haben das Wort Gottes oft deutlich vernommen, aber setzen es trotzdem nicht um. Wir müssen uns in seinem Licht prüfen und aktiv werden, damit er uns nicht seinen Segen versagen muss.

Marc Schultz


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