Kurz vor zwölf

Online seit dem 11.02.2018, Bibelstellen: 1. Thes 5,3

Viele Menschen schauen sorgenvoll in die Zukunft. Werden sich die Kriege ausweiten? Kommen Atomwaffen zum Einsatz? Wird die Welt untergehen, wird die Zivilisation ausgelöscht werden? So ganz unberechtigt sind diese Ängste nicht. Doch Christen haben eine andere Perspektive.

Kurz nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 erschien erstmalig das Bulletin of the Atomic Scientists (Berichtsblatt der Atomwissenschaftler). In diesem Blatt informieren Wissenschaftler über Atompolitik und Atomwaffen. Es enthält auch eine symbolische Uhr, die die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkrieges widerspiegelt. Diese Uhr knüpft an der Redewendung an, dass es „fünf vor zwölf“ ist, wenn ein schlimmes Ereignis vor der Tür steht.

Am Anfang wurde diese symbolische Uhr auf sieben vor zwölf gestellt. Danach ging es mal vor, mal zurück. Im Jahr 1991 wurde die Uhr auf siebzehn vor zwölf zurückgedreht, nachdem sich die USA und Russland auf umfangreiche Abrüstungsmaßnahmen geeinigt hatten. In den folgenden Jahren wanderte die Uhr aber – von einer Ausnahme abgesehen – kontinuierlich auf zwölf zu. Denn die Abrüstung geriet ins Stocken, die politischen Spannungen mehrten sich, und mehrere Staaten, die bisher keine Atomwaffen hatten, zündeten erfolgreich „die Bombe“. Im Januar 2017, nachdem Donald Trump das Ruder in den USA übernommen hatte, wurde die Wahrscheinlichkeit einer atomaren Katastrophe noch einmal als etwas wahrscheinlicher eingestuft: Die Uhr wurde auf zweieinhalb „Minuten“ vor „Mitternacht“ gestellt. Ein Jahr später, im Januar 2018, wurde die Uhr wieder eine halbe Minute nach vorne gedreht. Das vor allem deshalb, weil Trump und Kim Jong Un sich einer brachialen Kriegsrhetorik bedienen. Nur einmal stand die Uhr so dicht vor „Mitternacht“, vor der Katastrophe: Das war im Jahr 1953, als die Sowjetunion und die USA mehrere Wasserstoffbombentests durchführten.

Die symbolische Uhr des Bulletins wird interessanterweise Doomsday Clock genannt, was wörtlich übersetzt heißt: „Die Uhr des Jüngsten Tages“. Mit dem Jüngsten (oder letzten) Tag verbindet man allgemein die Vorstellung, dass es am Ende der Zeit eine große Katastrophe bzw. ein göttliches Gericht geben wird.

Die Bibel spricht oft von dem „Tag des Herrn“. Dieser „Tag“ der Herrschaft Christi wird eingeleitet und vorbereitet durch göttliche Gerichte. Bevor die Strafgerichte plötzlich über diese Erde hereinbrechen werden, wird eine kurze Phase der Ruhe eintreten. „Wenn sie sagen: Frieden und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen“ (1. Thes 5,3). In der schnell vorübergehenden Zeit des Weltfriedens werden die Zeiger der „Atomkriegsuhr“ wahrscheinlich ganz weit zurückgedreht werden – noch weiter zurück als im Jahr 1991, als die Uhr aufgrund von verheißungsvollen Abrüstungsverträgen auf siebzehn vor zwölf stand.

Doch schlagartig muss in naher Zukunft der Zeiger auf zwölf Uhr gestellt werden: Eine Nation erhebt sich gegen die andere, überall Kriege und Kriegsgerüchte (Mt 24,6.7). Ob und wie Nuklearwaffen eingesetzt werden, wissen wir nicht. Die Menschen werden jedenfalls nicht mehr selbstbewusst „Frieden und Sicherheit“ flöten, sondern in tiefste Verzweiflung versinken: „Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Starken und jeder Knecht und Freie verbargen sich in die Höhlen und in die Felsen der Berge; und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der große Tag seines Zorns, und wer vermag zu bestehen?“ (Off 6,15–17). Die schrecklichen Ereignisse werden sich derart überstürzen, dass Gott die Zeit der Drangsal abkürzen muss, damit nicht die ganze Menschheit vernichtet wird (Mt 24,22).

Die Zeit ist nahe (Off 1,3)! Was Gott vorhergesagt hat, wird bald eintreffen. Das plötzliche Verderben kommt; die schlimmsten Befürchtungen der Erdbewohner werden zur bitteren Realität! Doch wir Christen warten nicht auf ein globales Desaster. Wir schauen nach dem Herrn Jesus aus, der uns zu sich in die Herrlichkeit bringt. Er wird kommen vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis hereinbrechen wird (Off 3,10). Wir erwarten den Sohn Gottes aus dem Himmel, den Gott aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn (1. Thes 1,10). Eines Tages, ganz plötzlich, wird es so weit sein: Der Herr nimmt alle Gläubigen zu sich. Freust du dich darauf? Jeden Tag?

Gerrid Setzer