Zu einem Streit gehören zwei!?

Online seit dem 09.02.2018, Bibelstellen: 2. Mose 2,13

Wenn es Probleme im zwischenmenschlichen Bereich gibt, dann sagt man heute oft: Zu einem Streit gehören zwei. Die Schuld wird damit reflexartig gleichmäßig verteilt. Das zeigt sich bei Eheproblemen, bei Problemen unter Glaubensgeschwistern etc.

Das ist aber nicht gut und durch die Bibel nicht zu rechtfertigen. Als Mose auf zwei zankende Israeliten stieß, lesen wir Folgendes in der Schrift: „Und er ging am zweiten Tag aus, und siehe, zwei hebräische Männer zankten sich. Da sprach er zu dem Schuldigen: Warum schlägst du deinen Nächsten?“ (2. Mo 2,13). Die Schrift spricht hier eindeutig von einem Schuldigen.

Der Grund, warum man gerne Schuld gleichmäßig verteilt, liegt unter anderem darin, dass man zu bequem ist, eine Sache genau zu untersuchen. Also behauptet man lapidar, dass alle schuld seien.

Die Aufteilung oder auch die Aufsplitterung der Schuld hat manchmal zudem den hübschen Nebeneffekt, dass alle irgendwie schuld sind – und wenn alle schuld sind, dann stehen alle auf dem gleichen Level, dann braucht niemand mehr in sich zu gehen, um wirklich die eigene Schuld zu sehen und sich darunter (vor anderen) zu beugen.

Natürlich ist es wahr, dass niemand vollkommen ist und dass man darum auch keinen Vollkommenen finden kann, wenn es in der Ehe nicht so läuft oder wenn die Atmosphäre unter Glaubensgeschwistern nicht stimmt. Dennoch ist es weder fair noch gerecht, alle Beteiligten in derselben Weise und in demselben Maß die Schuld an der Situation zu geben.

Wenn ein Ehemann, nennen wir ihn Nabal, seine Ehefrau, nennen wir sie Abigail, verlässt und sich eine andere nimmt und die Scheidung einreicht, während seine Frau sich nach Leibeskräften bemüht, die Ehe zu kitten, dann ist eben der Mann an dem Bruch Schuld und nicht die Frau. Die Frau war sicher nicht vollkommen – aber sie hat sich bemüht und trägt insofern nicht die Verantwortung für das Scheitern der Ehe.

Wir finden in unserer Gesellschaft heute sehr oft, dass böse Taten relativiert werden und dass man die Schuld gerne verteilt und abwälzt. Wir sollten uns auch von dieser Tendenz nicht anstecken lassen und uns bemühen, gerecht zu urteilen, indem wir die Unschuldigen nicht verurteilen, aber die Schuldigen nicht schonen.

Gerrid Setzer