Zu meinem Gedächtnis

Online seit dem 30.08.2005, Bibelstellen: 1. Korinther 11, 23-25

Das Abendmahl des Herrn ist das köstliche und gesegnete Andenken an Ihn, der in Seiner wunderbaren Herablassung Wert darauf legt, daß wir uns Seiner erinnern. Wenn irgend etwas das Herz eines Christen rühren kann, so ist es dieses Mahl, das mehr als irgendein anderes Gnadenmittel von wirklichem und unmittelbarem Segen für den Gläubigen begleitet ist. Was mich betrifft, so kenne ich unter dem, was man die Einrichtungen des Christentums nennen kann, nichts, das meiner Seele mehr Freude bringt und sie in fruchtbringenderer Weise beeinflußt als das Abendmahl. Kein Christ, der seine Bedürfnisse oder seine Vorrechte kennt, wird die Predigt des Wortes verachten, ebensowenig die Unterweisung, die Ermahnung, das gemeinsame Lesen des Wortes, das gemeinschaftliche Danken und Bitten; er wird auch solche Hilfsmittel nicht verachten, die weniger unmittelbare Einrichtungen sind; aber in keiner von ihnen werden die Zuneigungen, die der Heilige Geist im Herzen des Gläubigen bildet, so völlig und auf eine so feierliche Weise aufgeweckt, wie im Abendmahl des Herrn. Da geziemt sich Feierlichkeit, Ernst und Selbstgericht. Das Christentum steht hier in unmittelbarem Gegensatz zum Aberglauben. Dieser sucht das, was uns Gott am meisten nahe bringt, stets mit Geheimnisvollem und Furchteinflößendem zu umgeben, wogegen wir durch das Wort Jesu volle Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum haben. Wir haben nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. Die vollkommene Liebe – denn es handelt sich hier um die Liebe Gottes – treibt die Furcht aus (1. Joh 4).

Kein wahrer Christ bezweifelt die Gottheit unseres geliebten Herrn und Heilandes; jedes Seiner Worte, jede Seiner Handlungen war der Ausdruck derselben göttlichen Person. Aber wie feierlich die Einsetzung des Abendmahls auch sein mochte, so entbehrt der Wunsch, irgend etwas Geheimnisvolles darin zu finden, doch jeder Grundlage. ja, wenn der Herr Jesus sagt: „zu meinem Gedächtnis“, so handelt es sich tatsächlich mehr um Ihn, betrachtet als Mensch, der Sich mit den Seinen auf der Erde unterhält, als um seine göttliche Natur. Die Worte: „Dies tut zu meinem Gedächtnis“, passen zu Seiner Gegenwart und Liebe hienieden; und wenn wir Seinen Tod betrachten, so ist es sicher, (obwohl der ganze Wert Seiner Gottheit an diesen Tod geknüpft ist; ja, nur als eine göttliche Person konnte Er das Werk tun,) daß Er als Mensch gestorben ist und nicht hinsichtlich Seiner göttlichen Natur. „Er ist ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt worden“. Und indem wir durchaus an der vollen Gottheit des Herrn als der eigentlichen Grundlage des Christentums festhalten, dürfen wir doch nicht vergessen, daß es einen Mittler gibt zwischen Gott und Menschen, den Menschen Christus Jesus. Seine Person war im Abendmahl nicht geheimnisvoller als zu jeder anderen Zeit, obwohl die Gelegenheit feierlicher war. Wenn es besonders geheimnisvolle Umstände in Seinem Leben gab, so zu der Zeit, da Er als ein kleines Kind in der Krippe lag. In Wirklichkeit war es aber immer dieselbe Sache.

Ferner war der Tod der Tod, und er konnte nur als Lohn der Sünde erreicht werden. Jetzt ist der Tod Leben und Gewinn; denn Christus hat in der ganzen Tiefe des Todes jenen Lohn bezahlt, und wir nähren uns nun davon als Leben. Das Gedächtniszeichen dessen, was uns diese Dinge erworben hat, ist unseren Seelen kostbar, gleich Seiner Liebe, die das Werk vollbracht hat. Die Gabe des Herrn, die wir im Abendmahl feiern, ist die Gabe Seiner Selbst – Seines Lebens, das Er in unendlicher Liebe auf dem Kreuz für uns dahingegeben hat. Wir kennen Ihn als Denjenigen, der jetzt in der Herrlichkeit lebt; wir nähren uns von Ihm als Dem, der einst für uns starb. Er ist jetzt in uns als unser Leben. Wir gedenken Seiner als eines ein für allemal dargebrachten Opfers, dessen Wert niemand ergründen kann, ebensowenig wie die Leiden und die Liebe, welche darin zum Ausdruck kommen. Seine Liebe ist göttlich und menschlich, und sie ist uns kundgetan worden; aber obwohl Er jetzt in der Herrlichkeit weilt, wünscht Er doch, daß wir an Ihn denken, so wie Er damals war, in jener Zeit Seiner Liebe, als Er Sich für uns dahingab ... Wir freuen uns, daß Er Wert darauf legt, daß wir uns im Grunde unserer Seele Seiner erinnern. Er wünschte es, als Er litt. Wir nähren uns davon. „Hieran haben wir die Liebe erkannt, daß er für uns sein Leben dargelegt hat“ (1. Joh 3,16). Das ist zu allen Zeiten unendlich kostbar; aber das Abendmahl des Herrn bietet uns eine besondere Gelegenheit, uns Seiner zu erinnern, und gibt uns eine Gedenkfeier, die Er Selbst ein/gesetzt hat, und zwar als Er im Begriff stand, Sein Leben hinzugeben, in eben der Nacht, in welcher Er überliefert wurde. – Daß der Herr Sich bei der Feier des Abendmahls in der Mitte Seines versammelten Volkes einfindet, ist unzweifelhaft.

John Nelson Darby