Böcklein in der Milch der Mutter

Online seit dem 11.08.2008, Bibelstellen: 2. Mose 23,19; 2. Mose 34,26: 5. Mose 14,21

In 2. Mose 23,19 steht: „Du sollst ein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.“ Diese interessante Anweisung wird noch zweimal im AT vorgestellt: 2. Mose 34,26; 5. Mose 14,21). Was hat sie zu bedeuten?

Die Rabbis haben das interessant ausgelegt. Sie entnehmen aus dieser Vorschrift, dass Milch- und Fleischspeisen voneinander zu trennen sind. Und so praktizieren das orthodoxe Juden bis auf diesen Tag. Sie nehmen nicht dasselbe Besteck für Milchreis und für das Kalbsschnitzel; ein Rahmschnitzel steht überhaupt nicht auf dem Speiseplan ...

Doch das geht viel zu weit und hat mit der Stelle, nüchtern betrachtet, auch nichts mehr zu tun. Für einen Christen kommt eine buchstäbliche Beachtung ohnehin nicht in Betracht – wir fragen uns, was für sittliche Grundsätze wir daraus ableiten können.

Da kommt u.a. eine Überlegung in Frage. Es ist gesagt worden, dass das Kochen eines Böckleins in der Milch seiner Mutter ein kanaanitischer Brauch war. Auf diese Weise sollten böse Geister vertrieben werden. Die Israeliten sollten sich davon fernhalten, auch wenn diese Sache harmlos aussah. Es soll damals bei den Bewohnern Kanaans auch Brauch gewesen sein, Böckchen in Muttermilch zu kochen und diese Milch dann auf den Erdboden zu träufeln. Ziel dieser abergläubischen Aktion war, den Ertrag des Landes zu fördern. Das würde auch erklären, warum dieses göttliche Verbot in Verbindung mit der Darbringung der Erstlinge und des Zehnten genannt wird.

Wenn es auch plausibel ist, diese Anweisung mit den törichten, abergläubischen Ritualen in Verbindung zu bringen, so kann das doch kaum die einzige Erklärung sein. Wir müssen auch durch Nachdenken und Vergleichen mit anderen Stellen eine Belehrung daraus ziehen können.

Muttermilch ist die Nahrung des Böckchens, dadurch lebt es. Wenn es nun darin gekocht wird, so bedeutet gerade das für das Böckchen den Tod, was eigentlich das Lebenselixier ist. Das ist widernatürlich und abstoßend. Und das will Gott nicht. Wir dürfen doch sagen: Unser Gott handelt übernatürlich, aber nicht widernatürlich.

Manch einer hat auf übernatürliche Weise seinen Ehepartner gefunden. Aber dabei dürfte und sollte es nicht widernatürlich zugegangen sein. Gott wird nicht zwei Menschen zusammenführen, die sich völlig unsympathisch finden und nichts sehnlicher wünschen, als dass der andere wieder verschwindet. Wir sollten, grundsätzlich gesprochen, schon vorsichtig sein, einen Weg zu gehen, der gegen alle Empfindungen und alle Gesetze der Logik verstößt.

Gerrid Setzer