Bibel kontrastreich (03) - Widerstehen / nicht widerstehen

Online seit dem 11.09.2008, Bibelstellen: Matthäus 7,1; 1

Bibelverse sollten möglichst im Zusammenhang des Textes untersucht werden. Trotzdem stolpert man immer wieder über auf den ersten Blick überraschende „Gegensätze“ zwischen einzelnen Bibelstellen. Diese Kontraste fordern zum Nachdenken auf – und dazu soll diese kleine Reihe beitragen.

Widersteht! 

Der Teufel ist der große Gegner der Christen und will unseren Glauben zerstören. Sollen wir deshalb vor ihm fliehen? Ganz im Gegenteil: Es gilt, ihm zu widerstehen! Vielleicht sät er Zweifel an unserer Errettung – dann widerstehen wir ihm mit dem Wort Gottes (Eph 6,13). Oder er treibt uns durch äußere Umstände in die Ecke – dann dürfen wir ihm im Glauben, in dem festen Vertrauen auf den Herrn, widerstehen und so im Herzen überwinden (1. Pet 5,8.9). Manchmal stellt er uns auch die Welt in ihrer Attraktivität vor – jetzt gilt es, auf dem Positiven des Glaubens zu bestehen, Gott zu nahen; dann wird der Teufel von uns fliehen (Jak 4,7). Manchmal wird auch die Wahrheit des Evangeliums angegriffen, vielleicht sogar durch echte Christen – Paulus widerstand deshalb dem großen Apostel Petrus (Gal 2,10). Für alle diese Kämpfe benötigen wir die Nähe des Herrn und die Kraft seiner Stärke. Die dürfen wir für uns und für unsere Mitgeschwister in Kampfzonen erbitten (Eph 6,10).

Widersteht nicht!

Der Herr Jesus gibt uns in der Bergpredigt eine Warnung, die im Kontrast zu dem „Widersteht“ zu stehen scheint: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin“ (Mt 5,38.39). Was ist hier gemeint? Nun, das Böse im Herzen der Ungläubigen, vielleicht auch manchmal bei Gläubigen, äußert sich zuweilen in Attacken gegen den Nächsten. Soll ich dann in gerechtem Zorn zum Schlagabtausch ausholen? Ich bin doch im Recht, ich muss mich verteidigen! Ja, das mag so sein, aber als Jünger des Herrn Jesus sollen wir nicht auf Gerechtigkeit bauen, sondern „eins draufsetzen“ und mehr als Gerechtigkeit, nämlich Gnade ausüben! Gewinnen wir unser Gegenüber, wenn wir unser Recht durchsetzen? „Eine milde Antwort wendet den Grimm ab“ (Spr 15,1, s.a. Rö 12,19–21). Wenn wir so unserem Meister folgen und dem Bösen nicht widerstehen, wird es zum Segen für alle und zur Ehre Gottes sein. Dem Teufel widerstehen wir und erhalten uns so den Segen der biblischen Wahrheit; bösen Handlungen unserer Umgebung widerstehen wir nicht und sind so anderen zum Segen – beides nur in der Kraft unseres Herrn. 

Martin Schäfer