Warum starb Christus für uns (Teil 3)?

Online seit dem 22.10.2008, Bibelstellen: 1. Petrus 3,18; Galater 1,3-4; 2. Korinther 5,15; Titus 2,13-14

… damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden

Nun zum dritten Bild. Ich denke, dass es verständlicher ist als das vorherige. Es geht jetzt nicht mehr um meine Beziehungen als Gläubiger zu Gott oder zu der Welt. Wir lesen, dass Christus gestorben ist und somit alle gestorben sind – tot für Gott. Christus ist für alle gestorben und als Ergebnis Seines Sterbens gibt es solche, die leben. Wer ist das? Das sind die, die an Seinen Namen glauben. Der jüngste Gläubige hat ein neues Leben, und dieses neue Leben ist wie ein kleiner Strom, der in eine ganz neue Richtung fließen wird. Die, die leben, sollen – von dem Augenblick an, wo sie anfingen zu leben – nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt worden ist.

Natürlich habt ihr bemerkt, dass wir wieder zu dem Ausgangspunkt unserer Operationen, dem Tod Christi, zurückgekehrt sind. Doch wir unternehmen jetzt eine andere Exkursion in eine neue Richtung, denn sie führt uns in das Verborgene unseres persönlichen Lebens. Wir sollen jetzt nicht mehr uns selbst leben. Was bedeutet dieser kleine Ausdruck „uns selbst“? Wir sind zu Gott gebracht worden. Als wir noch nicht bekehrt waren, lebten wir uns selbst und es lag in der Natur der Sache, dass wir auch gar nicht anders konnten. Wir waren von der Sünde beherrscht, und daher war unser „Ich“ Gegenstand und Ziel unserer Existenz. Denkt darüber nach! Natürlich war das so! Wie haben wir alles beurteilt, als wir noch nicht bekehrt waren? Folgendermaßen: Gefällt es mir? Schmeckt es mir? Finde ich das gut? Wird es meinen Interessen dienen? Wird es mich großmachen? Aber wir dachten doch auch an die Gemeinschaft, als wir noch nicht bekehrt waren! Ja, wenn wir Teil dieser Gemeinschaft waren. Unser Verein, unsere Gesellschaft und so weiter waren für uns von Interesse. Ich, ich, ich, war das große Thema unserer Existenz. Es war ein kleine Pfütze, in die unser kleines Rinnsal mündete, und anders als beim Toten Meer (in dem sich sehr viele wertvolle Dinge befinden) gab es dort nichts – in dieser schmutzigen kleinen Pfütze, die „Ich“ heißt.

Liebe junge Freunde, wir haben hier etwas Wunderbares. Unser Heiland ist gestorben, damit wir von dem Leben nach der alten Ordnung vollständig getrennt würden und ein Leben mit einem ganz anderen Gegenstand und Ziel fänden und nicht mehr uns selbst lebten, sondern dem, der für uns gestorben ist und auferweckt worden ist. Vor uns entfaltet sich das Bild unseres lebenden Heilands, der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat. Er lebt, um der dominierende Faktor, das neue Ziel im Leben des Gläubigen zu sein. Statt dass sich unser Leben nur um uns selbst dreht, soll es sich um diesen neuen Gegenstand drehen, um den, der für uns gestorben ist und auferweckt worden ist. Es gibt, glaube ich, keine größere Befreiung für den Christen, als von sich selbst und der Selbstsucht mit ihren Vorlieben und Abneigungen frei zu werden, sodass ihr, statt auf euch selbst ausgerichtet zu sein, auf einen Anderen ausgerichtet seid. Und dieser Andere ist ein würdiger Mittelpunkt, ein göttlicher Mittelpunkt, ein ewiger Mittelpunkt. Wenn ich euch ein Gebet vorschlagen darf, dann betet, dass ihr in dem Herrn Jesus Christus schon früh nicht nur einen Heiland seht, der von der Bestrafung der Sünde befreit (und das ist er wirklich), sondern einen Gegenstand unendlicher Liebe, Schönheit, Herrlichkeit und Würde, der euer Leben regieren und eure Herzen erfüllen soll. Wie wunderbar ist es, von sich selbst befreit und auf Ihn ausgerichtet zu sein.

Etwas Vergleichbares könnt ihr auch im alltäglichen Leben sehen. Ihr wisst, wie äußerst anstrengend Personen sind, die nur mit sich und ihrem Körper beschäftigt sind. Es gibt viele, die körperliche Probleme haben und deren Leben sich darin erschöpft, dass sie von einer Kur zur anderen gehen, Wasser trinken, dass nach Tinte oder Schwefel schmeckt, und den ganzen Tag über Krankheiten, Symptome und Fieber diskutieren, bis das solche Formen annimmt, dass ihre Gesellschaft unzumutbar wird. Es ist schlecht, immer mit dem eigenen Körper beschäftigt zu sein. Das ist leicht einzusehen. Es ist vielleicht nicht so leicht, einzusehen, dass es genauso schlecht ist, in geistlicher Weise mit sich selbst beschäftigt zu sein, das „Ich“ zum Mittelpunkt zu machen, um den sich alles drehen muss. Aber es ist herrlich, von sich selbst loszukommen und seinen Mittelpunkt in Christus zu finden.

Vor vielen Jahren, im Mittelalter, studierten die Astronomen schon den Himmel und schon bevor das Teleskop erfunden wurde, entdeckten sie vieles, aber die Bewegungen der Planeten haben sie nicht verstanden. Sie glaubten, diese Erde sei das Zentrum von allem und Sonne, Mond und Sterne würden sich um unsere Erde drehen. Aber das Modell funktionierte nicht. Irgendwo war eine Schraube locker. Eines Tages stand ein Querdenker auf und wagte es zu behaupten, dass diese Erde nicht das Zentrum von allem ist. Er ging sogar so weit zu sagen, dass die Sonne der Mittelpunkt ist und dass sich die Erde und andere Planeten um die Sonne drehen. Und sobald sich diese Meinung etabliert hatte, verschwand die alte Unordnung und Ordnung kehrte ein. Genauso geht es auch uns. Es ist wunderbar, wie alles an seinen Platz gerückt wird, wenn wir diesen göttlichen Mittelpunkt gefunden haben und erkannt haben, wozu wir hier sind.

Wenn wir im Himmel sind, wird Christus der Gegenstand sein, der unsere Herzen erfüllt. Seine Knechte werden Ihm an jenem Tag dienen. Wir werden hier ausgebildet, damit wir, wenn der große Tag gekommen ist, Ihm vollkommen, glücklich und freudig dienen. Das Problem ist nur, zumindest mein Problem, dass dieses abscheuliche „Ich” ständig versucht, sich einzuschleichen – in diese Predigt, während ich spreche, und immer und überall –, wenn wir es nicht zurückweisen. Die alten Neigungen des Fleisches sind in uns. Aber wir lernen hier, dass der Eine starb, um unsere Herzen gefangen zu nehmen und uns von dem alten, auf uns selbst ausgerichteten Leben zu lösen, damit wir in unserem Herrn unseren Mittelpunkt finden. Was für eine Befreiung, wenn wir anfangen, das zu verinnerlichen.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole