Hagar gebiert zur Knechtschaft

Online seit dem 16.10.2008, Bibelstellen: Galater 4,21-31

Dass ein Mensch nicht durch Gesetzeswerke gerechtfertigt werden kann, ist eigentlich jedem (wahren) Christen klar. Leider glauben viele Christen, dass das Gesetz vom Sinai aber die Lebensregel eines Christen sei.

Und das obwohl der Römerbrief als auch der Galaterbrief ganz klarmachen, dass ein Christ nicht unter Gesetz steht. Doch selbst dann, wenn man diesen Punkt verstehen durfte, macht sich doch immer wieder die fast unausrottbare gesetzliche Neigung unserer Herzen in der Praxis des Lebens bemerkbar.

Das sieht zum Beispiel so aus: Wir stellen uns einige Gebote zusammen, an die wir uns halten möchten. Haben wir es geschafft, sind wir sehr mit uns zufrieden. Haben wir es nicht geschafft, versuchen wir unser Versagen auszugleichen, indem wir dann etwas Besonderes für Gott tun. Außerdem haben wir Angst, einen Fehler zu machen, weil wir die Strafe des Herrn in unserem Leben fürchten.

Das ist Gesetzlichkeit pur. Und doch kommt es immer wieder (zumindest ansatzweise) vor.

Paulus schreibt an die Galater: „Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht?“ (Gal 4,21). Was Paulus in den folgenden Versen schreibt, ist sicher nicht so einfach zu verstehen; ich möchte aber dazu gern ein paar Punkte herausstellen:

Hagar, die Sklavin Abrahams aus dem ersten Buch Mose, bekam einen Sohn. Dieser Sohn konnte nur ein Knecht sein, da er von einer Magd geboren wurde. Hagar ist ein Bild des Gesetzes und das Gesetz kann (auch) nur zur Knechtschaft führen.

Sara, die Mutter Isaaks und die Frau Abrahams, war frei. Deshalb war auch ihr Sohn Isaak frei. Sara ist ein Bild von der freien Gnade Gottes, die bedingungslose Verheißungen gibt und zur Freiheit führt.

Der Unterschied zwischen einem Sohn und einem Sklaven verdeutlicht eindrucksvoll den Unterschied eines Lebens in der Gnade und eines Leben unter Gesetz. Der Sohn hat Gemeinschaft mit seinem Vater, kennt seine Gedanken, ist sich seiner Liebe bewusst und handelt aus Liebe, um dem Vater zu gefallen. Die Arbeit für den Vater bringt ihm Freude. Der Sklave aber kennt das Herz des Vaters nicht. Er versucht, einfach sein Programm abzuarbeiten.  Er wird motiviert, pflichtbewusst zu sein, weil er die Strafe fürchtet. So empfindet er die Arbeit oft als Zwang und Belastung.

Bist du in der Praxis deines Lebens ein Sohn oder ein Sklave? Was gefällt dir besser, das Leben Isaaks oder das Leben Ismaels? Willst du lieber Sara oder Hagar zur Mutter haben? Willst du lieber zum gesetzlichen irdischen Jerusalem gehören oder besser zum himmlischen Jerusalem? Wie sieht deine Wahl aus? Gesetz oder Gnade? Freiheit oder Knechtschaft?

„Deshalb Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien“ (Gal 4,31).  

Gerrid Setzer