Zwei Häupter

Online seit dem 03.01.2009, Bibelstellen: 1. Korinther 15,45-49

„So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde eine lebendige Seele“; der letzte Adam ein lebendig machender Geist. Aber das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistige. Der erste Mensch ist von der Erde, von Staub; der zweite Mensch vom Himmel. Wie der von Staub ist, so sind auch die, die von Staub sind; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.“ (1. Kor 15,45–49).

Zunächst möchte ich fragen: Weißt du, dass es in dieser Welt zwei Geschlechter gibt, zwei Völker ganz verschiedenen Ursprungs, mit ganz unterschiedlichen Häuptern, die in zwei unterschiedliche Richtungen unterwegs sind? Diese Tatsache geht aus den obigen Versen klar hervor. Es gibt einen ersten Adam und einen letzen Adam, einen ersten Menschen und einen zweiten Menschen.

Adam ist der große Stammvater unseres Geschlechts; die ganze Menschheit stammt von ihm ab; er ist ihr Ursprung und ihre Quelle und hat dem ganzen Geschlecht seinen Stempel aufgedrückt. Adam hat sich selbst offenbart, indem er alle seine Details in der Geschichte seiner Nachkommen enthüllt hat. Wenn wir also an Adam denken, denken wir an das große Haupt, dass dieses arme, gefallene Geschlecht beherrscht, und zu dem jeder von uns von Natur aus gehört. Und wenn wir an Jesus denken, denken wir an den letzten Adam. Beachte, dass Er der letzte ist, denn einen dritten gibt es nicht. Es macht mich glücklich, das es heißt: „der letzte Adam“, weil dadurch ganz deutlich wird, dass Gott in dem zweiten Menschen, dem letzten Adam, das Endgültige erreicht hat. Er ist der letzte – es gibt keinen Nachfolger, es ist kein Nachfolger erforderlich. Erst kam das Natürliche, dann kam das Geistige; und mit den Worten von Hebräer 10,9 können wir sagen: „Er nimmt das Erste weg, damit er das Zweite aufrichte.“

Wenn du die Inhalte des Alten Testaments einigermaßen kennst, wird dir auffallen, dass Gott immer wieder Andeutungen hierauf gemacht hat, indem Er den Zweiten vor dem Ersten erwählte – nicht Kain, sondern Abel, nicht Ismael, sondern Isaak, nicht Esau, sondern Jakob, Aaron nicht so sehr wie Mose, nicht Manasse, sondern Ephraim. Das sind nur die wenigen Fälle, die mir gerade einfallen, wahrscheinlich könntest du noch welche hinzufügen. Immer wieder macht Gott klar, dass nach Seinen Gedanken erst das Natürliche kam und dann das Geistige, dass es aber das Geistige war, was Er eigentlich im Blick hatte. So ist also der Herr Jesus der letzte Adam, das große Haupt eines neuen Geschlechts, das zwar immer noch aus Menschen besteht, aber dennoch neu ist und vollkommen Seinen Gedanken entspricht. Der Herr Jesus ist so vollkommen, dass es in Ewigkeit keines Dritten bedarf. Der Zweite ist der Letzte. Kain war nichts als das Abbild Adams in der nächsten Generation. Du und ich, wir sind Abbilder Adams in der vielleicht hundertfünfzigsten Generation. Du kannst den ganzen Strom der Zeit hinunterfahren und wirst nicht eher dem „zweiten Menschen“ begegnen, als bis du zu dem Herrn Jesus gekommen bist.

Hier liegt die große Bedeutung der Wahrheit von der Jungfrauengeburt unseres Herrn Jesus Christus. Manche sagen gedankenlos: „Was tut das zur Sache, ob wir es akzeptieren oder nicht? Müssen wir darauf wirklich als kardinale Wahrheit des christlichen Glaubens bestehen?“ Meine Antwort lautet: „In der Tat müssen wir das! Gib diese Wahrheit auf, und du gibst alles auf.“

Immer und immer wieder, im Ganzen zehn Mal, finden wir in 1. Mose die unveränderliche Gesetzmäßigkeit der Schöpfung Gottes, dass alles sich „nach seiner Art“ fortpflanzt. Es gibt nicht eine einzige Ausnahme.

Ich möchte deine Gedanken einen Augenblick auf dieses Thema richten. Als Adam ein gefallener Sünder wurde, nahm diese Gesetzmäßigkeit ihren tödlichen Verlauf für alle Nachkommen. Wir sind vielleicht, wie gesagt, die hundertfünfzigste Generation nach Adam, aber auch wir sind „nach seiner Art“, und wenn wir uns fortpflanzen, bringen wir auch nur den ersten Menschen und sein Geschlecht hervor, und dieser Prozess könnte sich endlos fortsetzen und doch nichts als gefallene Menschen hervorbringen. Selbst wenn die tausendste oder hunderttausendste Generation erreicht wäre, wäre es immer noch „nach seiner Art.“ Ihr merkt, worauf ich hinaus will. Das schreckliche Erbe der Sünde und des Todes, das dem ersten Menschen anhängt, hat alles ruiniert, was es mit seinen vernichtenden Händen angefasst hat. Und es gab keinen wahren und echten zweiten Menschen bis Jesus geboren war, erst dann wurde diese Erbfolge unterbrochen. Er wurde durch die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Verwirf die Jungfrauengeburt, und diese große Grundwahrheit des Evangeliums geht dir verloren.

Es ist also ein Anderer erschienen – der zweite Mensch ist vom Himmel – und Er erschien hier als wahrer Mensch, aber von einer anderen Ordnung, ein Mensch von einer himmlischen Ordnung, nicht nach Adams Art, vollkommen, ohne Fehl und ohne Flecken. Er betrat diesen Schauplatz und in Ihm gibt es, Gott sei Dank, Errettung für solche wie uns. Er ist der Gründer eines neuen Geschlechts, und ich möchte, dass ihr das alle versteht und lernt, den Herrn Jesus in diesem Licht zu betrachten.

Du fragst vielleicht, wie man dazu kommt, zu Seinem Geschlecht zu gehören. Nun, in Vers 45 lesen wir: „Der erste Mensch, Adam, wurde eine lebendige Seele.“ Seinen Geist bekam er durch Einhauchen des göttlichen Atems, wie wir es in 2. Mose 2 lesen. Aber was ihn kennzeichnete war, dass er eine lebendige Seele war, obwohl er Geist besaß, der ihn zu einem intelligenten und persönlichen Umgang befähigte. Wenn wir uns dem letzten Adam zuwenden, lesen wir nicht, dass Er eine lebendige Seele ist, sondern dass Er ein lebendig machender Geist ist. Der Herr Jesus betrat den Schauplatz – ein lebendig machender Geist, und wenn du und ich mit Ihm in Verbindung gebracht sind, sind wir, Gott sei Dank, durch Ihn lebendig gemacht – durch Ihn und in Ihm, der gelitten hat und gestorben und auferstanden ist. In Auferstehung ist Er das lebendig machende Haupt eines neuen Geschlechts geworden. Das zu erkennen ist eine große Sache! Das ist keine Phantasie; wir reden über Dinge, die tatsächlich auf der Grundlage des Todes und der Auferstehung Christi und durch die Kraft des Geistes Gottes geschehen sind. Wie wenig kennen wir ihre Kraft in unseren Seelen.

Du und ich, die wir zu Ihm als dem Heiland gekommen sind, wir sind also unter die lebendig machende Kraft des Herrn Jesus Christus gekommen, der der letzte Adam ist und wir leben jetzt in Ihm und gehören zu Seinem Geschlecht und Seiner Ordnung. Es ist wahr, dass das jetzt noch nicht so sichtbar wird. Weder dein noch mein Kopf sind von einem Heiligenschein umgeben. Wir gehen durch die Straßen von Edinburgh, ohne ein sichtbares Zeichen an uns, dass wir die Kinder Gottes sind. Der Apostel Johannes sagt uns, dass wir jetzt Kinder Gottes sind, aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir sind wie die Raupe, die auf der Ecke des Blattes kriecht und es frisst. Dann kommt ein anmutiger Schmetterling und lässt sich neben der Raupe nieder. Könnte er der Raupe ins Ohr flüstern, dass er auch mal auf einem grünen Blatt gekrochen ist, würde sie es wohl kaum glauben, und doch ist es wahr. Wir mögen noch im Raupenstadium sein, aber wir haben schon das Leben, das an dem kommenden Tag in Schmetterlingsfarben hervorkommen wird. Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Wir haben das Leben Christi, des letzten Adam, und so wird uns in diesen Versen gesagt, dass wir schließlich das Bild des Himmlischen tragen werden.

In Vers 47 sehen wir den ersten Menschen und sein Wesen – er ist von der Erde, von Staub. Dann sagt Paulus: „Wie der von Staub ist, so sind auch die, die von Staub sind.  Wir haben Teil an dem Leben und dem gefallenen Zustand Adams. Die hässlichen Eigenschaften, die in der adamitischen Natur schlummern, treten in dem einen mächtiger hervor als in dem anderen, aber sie schlummern alle in uns, um sich in der einen Person in dieser Zusammenstellung und in einer anderen Person in jener Zusammenstellung zu offenbaren, aber jeder von uns besitzt dieses verdammungswürdige Leben und seine verdammungswürdige Natur. Doch dann heißt es: „Der zweite Mensch ist vom Himmel“, und weiter: „Wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen.“ Diejenigen, die zu dem himmlischen Geschlecht gehören, haben Teil an dem Wesen ihres großen Hauptes. Und dann wird noch hinzugefügt: „Wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.“ Die unendliche Gnade Gottes hat uns einen Platz und ein Teil in dem himmlischen Menschen gegeben. Es kommt ein Tag, an dem wir in unserem wahren Wesen hervorkommen werden, wenn wir gleichsam dieses Raupenstadium hinter uns gelassen haben und wie der Schmetterling mit allen seinen herrlichen Farben sein werden. Die Larve ist dem Wesen nach ein Erdentier, es gehört zur Erde, es kriecht auf der Erde, es frisst die Blätter und vergräbt sich wahrscheinlich in der Erde, aber was hervorkommt ist ein perfektes Insekt, dessen Lebensraum die Luft ist. Das ist wohlgemerkt nur ein grober Vergleich, aber wir finden hier die große Wahrheit, dass wir Christen, die wir an Jesus geglaubt haben und Seine Liebe kennen, und deren Sünden alle vergeben sind, auch Sein Leben bekommen haben. Wir haben sein Auferstehungsleben, Er ist unser herrliches und erhöhtes Haupt.

Wenn du wissen willst, was der Christ sein wird, dann schau auf Christus, den auferstandenen, erhöhten, und schon verherrlichten, himmlischen Menschen. Wie wir das Bild dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Wir sollten schon jetzt den Stempel Seines Wesens tragen. Wir werden ihn dann vollkommen tragen, sogar was unseren Leib betrifft. Hierin und in allem ist Christus alles.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole