Die Vermögenswerte des christlichen Lebens

Online seit dem 08.11.2008, Bibelstellen: Röm 5,1-2; Kol 1,19-21

In der Geschäftswelt gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wie ich annehme, sehr viel Angst bei der Erstellung von Bilanzen. Der Einbruch der Werte ist so groß, dass es sich für viele Geschäftsleute um eine sehr schwierige Zeit handelt. Sie haben auf der einen Seite das Vermögen und auf der anderen Seite die Verbindlichkeiten, und viele von ihnen ziehen lange Gesichter über die Höhe der Verbindlichkeiten. Ihnen gleichen viele Christen, die anscheinend irgendwie die Gabe haben, immer an die Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen zu denken, die auf ihnen lasten, und leider vergessen, die großen Vermögenswerte einzurechnen, mit denen sie begonnen haben.

Nun, ich bin sicher, dass das, was wir in diesem 5. Kapitel des Römerbriefes vor uns haben, geeignet ist, uns spüren zu lassen, welche immensen Vermögenswerte wir besitzen. Wir können zum Beispiel in den ersten zwei Versen drei große Elemente ausmachen, die wir sorgfältig in unseren Berechnungen berücksichtigen sollten. Diese zwei Verse sprechen in erster Linie von dem Frieden mit Gott, der jetzt unser ist.

Hier geht es nicht unbedingt darum, dass der Frieden am Kreuz gemacht worden ist. Das ist, Gott sei Dank, eine Tatsache, und wenn ihr das in der Schrift finden wollt, müsst ihr das erste Kapitel des Kolosserbriefs, Verse 19–21, aufschlagen, und ihr werdet dort etwas über die Art und Weise lesen, wie Gott eingriff, um das zu erreichen, wonach Er für sich selbst verlangte, zur Befriedigung seines großen Herzens der Liebe. Am Ende wird Er alle Dinge im Himmel und auf Erden mit sich versöhnen, und uns hat Er bereits versöhnt; aber beides, die Versöhnung, die wir, die Gläubigen heute, erlangt haben, und jene große Versöhnung aller Dinge, die noch kommen wird, findet seine Grundlage in dem „Blut Seines Kreuzes“. Dank sei Gott – ob wir es wissen oder nicht wissen, ob wir es fühlen oder nicht fühlen –, das Blut Seines Kreuzes ist eine herrliche, vollendete Tatsache, und diese Grundlage, auf der die Versöhnung ruht, ist so sicher wie die Tatsache, dass Gott im Himmel ist. Das Kreuz ist eine vollendete Tatsache, das Blut wurde vergossen; der Frieden ist gemacht.

Nun, was hier, am Anfang von Römer 5, gesagt wird, ist, dass wir ihn haben. Hast du ihn wirklich? Dies ist eine sehr wichtige Frage. Mein Freund, hast Du Frieden mit Gott? Kannst Du zu Gott aufblicken als einer, der zu Gott geführt ist und aus Gnade jetzt Sein Kind ist und sich daher mit kindlicher Ehrfurcht und Freude an Ihn wendet, in dem Bewusstsein, dass es nicht eine offene Frage mehr zwischen Deiner Seele und Ihm gibt, nicht eine Wolke an Deinem Himmel? Kannst Du sagen: Ich weiß, dass es, weil Christus meiner Übertretungen wegen dahingegeben und meiner Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist, absolut kein störendes Element zwischen meiner Seele und Gott gibt? Es ist eine wunderbare Sache, zu sehen, dass es sich hierbei um eine wahre christliche Segnung handelt, um den ersten Vermögenswert, den wir in unsere Bilanz eintragen. So kann der Gläubige durch unseren Herrn Jesus Christus niederschreiben: „Ich habe Frieden mit Gott“ –  in der Welt wahrscheinlich reichlich Probleme, aber mit Gott absoluten Frieden.

Dann geht es weiter mit der Tatsache, dass wir durch den Glauben Zugang haben zu dieser Gnade oder Gunst, in der wir stehen. Ich frage mich, ob es eine Neuigkeit für alle jungen Christen hier heute Abend ist, dass Ihr genauso vollkommen und sicher in der Gunst Gottes steht wie die Apostel Petrus und Paulus. Im Licht der Wahrheit, die in Epheser 1,6 vorgestellt wird, können wir sogar noch weiter gehen: Wir sind „angenehm gemacht in dem Geliebten“.

Im Frühjahr gibt es, wie Ihr wisst, bestimmte Feierlichkeiten im Palast in London. Ein „Salon“ wird für die Damen vorgehalten, und Menschen werden den Majestäten vorgestellt, und man kann in diese Gesellschaft am Hof nur eingeführt werden, wenn man einen mächtigen Gönner hinter sich hat. Sie müssen bei Hof durch jemanden eingeführt werden, der bereits über ein abgesichertes Ansehen in diesen hohen Kreisen verfügt. Wenn Ihre Majestät Königin Alexandra, die Königinmutter, den Wunsch äußert, vielleicht ohne erkennbaren Grund, eine sehr bürgerliche junge Dame mit einem sehr bürgerlichen Namen vorzustellen, könnt Ihr absolut sicher sein, dass sie hereingelassen wird. Warum? Aufgrund des Ansehens derjenigen, die sie vorstellt. Und wenn die Saaldiener die Tür öffnen und sie in die königlichen Kreise eintritt und die königlichen Hände küsst, dann tritt sie in der Akzeptanz derjenigen ein, die ihr Namenssiegel auf königliches Papier drückt und die die Verantwortung für sie übernimmt. Der König konnte sie nicht wegen ihrer eventuellen persönlichen Rechte begünstigen –  sie hat keine –, sondern er begünstigt sie in Anbetracht der Tatsache, dass sie in der Akzeptanz jener erhabenen Dame vor ihm steht, die seine Mutter ist.

Dies zeigt eine wunderbare Tatsache: Wenn jemand angenehm gemacht ist, dann ist er es „in dem Geliebten“, und es gibt keine andere Annehmlichkeit, in der Ihr stehen könnt. Manche sprechen rührselig davon, durch die Hintertür des Himmels einzugehen. Lasst mich sagen, dass es keine solche Hintertür für Euch gibt. Ihr werdet entweder durch Christus in den Himmel eintreten und in seiner Gunst und Seiner Annehmlichkeit stehen, oder ihr werdet gar nicht eintreten. Wir stehen in der Gunst Gottes, und die Gunst, in der wir stehen, ist die Annehmlichkeit des Herrn Jesus Christus selbst. Wir haben also durch den Glauben Zugang zu dieser Gunst, in der wir stehen. Wir wollen das als großen Vermögenswert eintragen. Wir gehen durch die Straßen von Edinburgh und vielleicht weht der Wind stark aus Osten, und wir schaudern und fühlen uns sehr unwohl und bemitleiden uns selbst wegen unserer Umstände, aber wir sind in der Gunst Gottes, und der Glaube gewährt uns Zugang zu ihr. Wir blicken auf Christus, unseren großen Repräsentanten, sitzend in der Herrlichkeit, und wir sagen uns durch den Glauben: „Sein Platz ist mein Platz; Seine Gunst ist meine Gunst; das Wohlgefallen, das auf Ihm ruht, und zu Recht auf Ihm ruht, ruht auch auf mir.“ Glaubt ihr, dass das kein Vermögenswert für einen Christen ist? Es ist ein wunderbarer Vermögenswert.

Dann heißt es weiter: „Wir ... rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“ – das ist unsere Bestimmung, das ist unsere Zukunft. Was für ein Vermögenswert ist es, eine Perspektive zu haben. Ich würde nicht viel auf die Aussicht dieser Welt geben. Ich erklärte vor kurzem einigen jungen Christen in Skandinavien, sie bräuchten sich keine Sorgen zu machen, da sie zu den kleineren Nationen in Europa gehören. Die Aussichten in Bezug auf künftige Konflikte zwischen den Nationen sind sehr düster, und für die kleineren Nationen ist es weniger wahrscheinlich, dass sie daran beteiligt sind. Menschen sind besorgt über die Entwicklung der chemischen Wissenschaft. Ach, diese menschliche Fähigkeit, dieses menschliche Wissen! Sie graben das Grab für diese Welt durch ihre wissenschaftlichen Untersuchungen. Wie sind die Aussichten? Geht und fragt die Politiker und ihr werdet einige schlimme Ausblicke zu hören bekommen. Aber der Christ hat Aussichten; Herrlichkeit ist die Aussicht des Christen: Wir rühmen uns „in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“.

Weiter lesen wir: „Wir … rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale.“ Nun, an diesem Punkt könnten viele von uns auf den ersten Blick geneigt sein, zu widersprechen. „Paulus“, könnte man sagen, „das funktioniert nicht. Du kannst unsere Prüfungen und Trübsale nicht unter unseren Vermögenswerten eintragen. Sie gehören auf die Schuldenseite der Bilanz. Das sind Dinge, die uns Schwierigkeiten machen; das sind Dinge, die uns etwas abverlangen.“ Doch hier trägt der Apostel Paulus unsere Leiden auf der Vermögensseite der Bilanz ein. Er schreibt sie als etwas auf, was für uns ist und nicht gegen uns, und Gott sei Dank wusste er, über was er schrieb, er schrieb unter der Inspiration des Geistes Gottes.

Er schreibt die Drangsale nicht einfach auf die Vermögensseite der Bilanz, sondern sagt uns auch, warum er das tut. Der Grund, warum wir uns der Trübsale rühmen, ist, dass wir die heilsame Wirkung der Trübsale für unsere Seelen kennen, wir wissen, was sie in unseren Herzen bewirken. Wir rühmen uns der Trübsale in dem Bewusstsein, dass Trübsal Geduld oder Ausharren bewirkt und dass Ausharren Erfahrung bewirkt. In dem Maß, wie wir erdulden, gewinnen wir an echten Erfahrungen, ohne Frage besonders über unsere eigene Torheit und Schwachheit und Dummheit und Unzulänglichkeit, aber in Verbindung damit auch an echten Erfahrungen über die Herrlichkeit und Hinlänglichkeit und Allgenügsamkeit des Herrn Jesus Christus – und diese Erfahrungen zu machen, lohnt sich wirklich.

Er erklärt uns weiter, dass die Erfahrung Hoffnung bewirkt – nicht auf diese Welt, sondern auf Gott. Erfahrungen bewirken in dieser Welt häufig Zynismus; sehr häufig bewirken sie eine Menge Sarkasmus, sie bewirken, nach den Worten des Psalmisten, die Vorstellung, dass alle Menschen Lügner sind (Ps 116,11); wir können niemandem trauen. Aber christliche Erfahrung bewirkt Hoffnung. Warum? Weil wir Gott vor uns haben; wir fangen an zu erkennen, wie Gott uns aus dem Wirrwarr befreien kann, in das wir kommen können, wir fangen an zu erkennen, wie Er die Dinge zum Guten für solche mitwirken lassen kann, die Ihn lieben, und so lehren uns eben diese Drangsale, was Gott für uns ist. Wir lernen hier Lektionen, die wir droben nie mehr lernen können.

Geprüfter Christ, wirst du diesen Gedanken heute Abend mitnehmen? Wenn Schwierigkeiten Dich bedrängen, ein schmerzlicher Verlust, Trauer, Ratlosigkeit, so dass Du oft niedergeschlagen bist, dann sind diese Dinge für Dich eine Gelegenheit, praktisch zu erfahren, was der Herr Jesus Christus für Dich sein kann, und zwar in einer Weise, wie Du es im Himmel nie mehr erfahren wirst. Wenn Du in den Himmel mit seinen dann anbrechenden goldenen Jahren eingehst – und es nie mehr ein Leid, nie mehr eine Erprobung, nie mehr eine Not geben wird –, wirst Du zurückblicken und sagen: „Ich danke Dir, Gott, ich danke Dir zehntausend Mal dafür, dass Du mir die Möglichkeit gegeben hast, Deine Gnade, Deine Liebe, Deine Hinlänglichkeit, Deine Zärtlichkeit kennenzulernen, wie ich sie erfahren habe, als ich versucht und beunruhigt war auf der Erde.“ O, welche Wunder können Trübsale in der Seele eines Gläubigen bewirken – sie bewirken geistlich genau das bei ihm, was körperliche Übung körperlich bei ihm bewirkt.

Auf einem Bürostuhl saß ein bedauernswert bleichgesichtiger junger Herr, der zur Armee eingezogen worden war. Seiner armen Mutter war nach Weinen zumute, als er abgeholt wurde. Der Ausbildungsoffizier nahm ihn unter seine Fittiche, und dort wurden seine Muskeln und sein Rücken strapaziert und er musste springen und laufen und exerzieren und Prüfungen bestehen und in einem sehr unbequemen Bett schlafen, so dass ihm sehr oft nach Weinen zumute war. Aber nach drei Monaten dieser Quälerei durfte er für drei Tage in Heimaturlaub. Er ging nach Hause, um seine Mutter zu sehen. Aber die liebe Dame kannte ihn kaum wieder, sein Brustumfang war um Zentimeter gewachsen und seine Wangen zeigten ein frisches Rot. Er war wie umgewandelt! So unangenehm die Ausbildung auch war, sie hatte ihm körperlich sehr gut getan, und so ist es auf geistlichem Gebiet auch bei Dir und mir. Wenn man es in diesem Licht betrachtet, ist Trübsal ein Vermögenswert.

Und einen weiteren Vermögenswert haben wir in Vers 11, und das ist der krönende Abschluss. Wie Vers 3, so beginnt auch Vers 11 mit den Worten „nicht allein aber das“. Die Argumentation lautet: „Wir … rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“, „nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale“, „nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Der krönende Abschluss ist also, dass wir nicht nur gerechtfertigt sind, nicht nur die Herrlichkeit vor uns haben, sondern dass wir zu Gott gebracht sind, dass wir Gott kennen und mit Gott leben und uns Gottes rühmen. Gott selbst wird unseren Seelen bekannt, in Seiner ganzen Liebe und Macht und Hinlänglichkeit. Was für eine wunderbare Sache ist es, ein Christ zu sein, bei solchen Vermögenswerten wie diesen!

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole