Bibel kontrastreich (11) - Ich komme zu euch/zu dir

Online seit dem 04.12.2008, Bibelstellen: Joh 14,18; Joh 17,11

Bibelverse sollten möglichst im Zusammenhang des Textes untersucht werden. Trotzdem stolpert man immer wieder über auf den ersten Blick überraschende „Gegensätze“ zwischen einzelnen Bibelstellen. Diese Kontraste fordern zum Nachdenken auf – und dazu soll diese kleine Reihe beitragen.

„Ich komme zu euch“ (Joh 14,18) 

In seinen letzten Worten vor seinem Tod bereitet der Herr Jesus seine Jünger auf einen großen Wechsel vor: Er würde sie verlassen, sie nicht mehr schützen und versorgen können. Aber dafür würde ein anderer Sachwalter, Tröster zu ihnen kommen, nämlich der Heilige Geist (Joh 14,16). Dieser Geist wird für immer bei und in den Jüngern bleiben. Als Geist der Wahrheit ist Er jetzt auf der Erde, empfängt vom Reichtum des Christus im Himmel und verkündigt Ihn durch sein Wort und seine Diener den Christen. Das ist ein so lebendiger, Christus präsentierender Dienst, dass der Herr Jesus sagen konnte: „Ich gehe hin, und ich komme zu euch“ (Joh 14,28). Obwohl Er die Welt verließ und beim Vater blieb, kam Er durch den Heiligen Geist doch zugleich wieder auf diese Erde. So mächtig ist die Wirksamkeit des Geistes! Lassen wir Ihm alle Freiheit, sie zu entfalten?!

„…und ich komme zu dir. Heiliger Vater!“ (Joh 17,11)

Die letzten Kapitel des Johannesevangeliums dokumentieren die große Freude des Herrn Jesus, bald wieder zum Vater zu gehen (vgl. Joh 14,28; 16,16.28). Im Wissen um diesen Weggang von der Erde betet Er zum Vater für das Wohl seiner Jünger, die Ihn ja jetzt nicht mehr bei sich haben würden (Joh 17,9–11). Christus hatte eine tiefe Sehnsucht, wieder beim Vater zu sein, als verherrlichter Mensch, bekleidet mit seiner ewigen, göttlichen Herrlichkeit (Joh 17,5). Jetzt ist Er dort im Haus des Vaters. Der Erlöser hat sich für die Erlösten geheiligt, d.h. in den Himmel abgesondert – eine Person, die das Denken und die Ausrichtung der Erlösten prägen, formen sollte (Joh 17,19). Jeder Christ darf sich freuen, dass sein Herr jetzt die Schaubühne der Sünde gegen die Herrlichkeit des Vaterhauses eingetauscht hat!

Der Geist Jesu bewirkt eine so starke Verkündigung von Christus, dass der Herr Jesus in Ihm, im Geist, wieder auf die Erde gekommen ist. Als Person, als verherrlichter Mensch, ist Christus jetzt beim Vater. Der Geist verherrlicht Ihn durch das Wort auf der Erde, und Christus selbst formt unser Denken und unser Leben – als die „Attraktion“ des Himmels. 

Martin Schäfer