Entwirrung

Online seit dem 28.12.2008, Bibelstellen: Matthäus 24,37-41+44-51; Matthäus 25,1-13

Die Welt ist politisch, industriell, sozial und in jeder anderen Hinsicht in einem Zustand hoffnungslosen Wirrwarrs. Jemand mag einwenden: „Ja, aber ihr seid Christen. Ihr Prediger seid Teil der christlichen Kirche und könnt es euch nicht leisten, Steine auf uns zu werfen, die wir uns nicht anmaßen, Christen zu sein, weil ihr Christen in dem allerschlimmsten Wirrwarr seid.“ Das müssen wir sofort und ehrlich zugeben. Es ist ein einziger Wirrwarr. Da hilft auch kein eifriges Bemühen. Es ist wie mit der Fliege, die sich im Spinnennetz verfängt. Je mehr sie sich anstrengt, umso fester ist sie gefangen. Ihre Anstrengungen führen nur dazu, dass sie sich noch mehr in der Sache verwickelt, aus der sie gerne freikommen würde. Auch die Welt hat ihre Anstrengungen, ihre Pläne und ihre Modelle, doch jedes Bemühen, wie gut gemeint es auch sei, wird den Wirrwarr nur vergrößern.

Ich möchte jetzt aber über den Herrn Jesus Christus und über Sein Kommen als die große Lösung für jedes Problem zu euch sprechen. Er ist der große Entwirrer jedes Wirrwarrs. Das Matthäus-Evangelium betont gerade diese Seite besonders. Ich denke, ihr habt eure Bibeln oft genug gelesen, um zu wissen, dass Matthäus 13 das große Kapitel der Gleichnisse ist, mit sieben Gleichnissen, angefangen bei dem Gleichnis vom Sämann. Ich möchte euch besonders an das Gleichnis von dem Unkraut und dem Weizen erinnern. Obwohl die gute Saat durch den Herrn Jesus Christus auf dem Feld der Welt ausgestreut worden war, ging der Teufel hin und säte Lolch, ein Unkraut, das dem Weizen im frühen Stadium sehr ähnlich sieht, aber eben kein Weizen ist. In diesem Gleichnis belehrt der Herr Jesus Christus uns, die wir in dieser Zeit seine Knechte sind, dass es nicht unser Auftrag ist, die Welt zu reparieren. Das Feld ist die Welt, nicht die Versammlung. In der Welt gibt es diese Vermischung. Wir schauen auf die Christenheit und sehen diese Vermischung überall. Das Unkraut ist hoffnungslos mit dem Weizen vermischt, und die Anweisung des Herrn an seine Knechte lautet nicht, zu versuchen, das Unkraut vom Weizen zu trennen, da sie sonst  den Weizen mit ausreißen würden. Wir haben nicht das nötige Urteilsvermögen für diese Aufgabe. Er zeigt uns, dass das, was der Mensch nicht zustande bringt, am Ende des Zeitalters von Gott selbst zustande gebracht wird. Dazu wird Er Engel gebrauchen.

Wenn du die Gleichnisse dieses Kapitels weiter durchgehst, findest du als Letztes der sieben das Gleichnis von dem Netz, das Fische von jeder Gattung zusammenbrachte. Manche davon waren gut zur Speise, manche waren völlig wertlos. Das Sortieren wird einmal stattfinden. Jeder gute Fisch wird aus der Masse aussortiert, damit die wertlosen weggeworfen werden können. Wir finden erneut den Gedanken der Entwirrung.

In Matthäus 24 wird dann das Kommen des Herrn eindeutig vorhergesagt. Und wenn Er kommt wird Er einen Unterschied machen. Dann werden zwei Männer auf dem Feld sein und zwei Frauen am Mühlstein mahlen, einer wird genommen und einer gelassen werden. Wer kann die Herzen lesen und dann so handeln, außer dem Herrn Jesus bei Seiner Ankunft? Er wird entwirren. Er stellt uns das Vorbild eines guten Knechts vor und zeigt uns dann den bösen Knecht. Dann erklärt Er uns, dass der Sohn des Menschen bei Seinem Kommen dem bösen Knecht und dem guten Knecht für immer ihren jeweiligen Platz zuweisen wird.

Wir lesen in Matthäus 25, dass das Reich der Himmel mit zehn Jungfrauen verglichen wird, die ausgingen, um dem Bräutigam zu begegnen. Fünf von ihnen waren klug und fünf waren töricht, doch das wusste bis jetzt niemand. Es musste erst eine gewisse Zeit verstreichen, bis es offenbar wurde. Äußerlich waren sie gleich. Der Unterschied lag darin, dass einige nur Lampen mit Docht hatten, während die Klugen „Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen“ hatten. Es gab noch keine Laternen aus Glas, wo man leicht erkennen kann, ob jemand Öl hat oder nicht. Es war nicht sichtbar. Es war eine innere Sache, die den Unterschied zwischen den Klugen und den Törichten ausmachte. Als der Ruf erging, der die Rückkehr des abwesenden Bräutigams ankündigte, kamen sie in Bewegung. Aufregung stand auf vielen Gesichtern geschrieben, und dann stellte es sich heraus. Die Klugen hatten Öl in ihren Gefäßen und die Törichten hatten kein Öl. Der Trennungsstrich war gezogen.

Jemand wird sagen: „Soll uns das nicht zeigen, wie der Herr zwischen den Treuen und den weniger Treuen Seines Volkes unterscheiden wird? Ist es nicht ein Bild von einem hingegebenen Christen einerseits und einem ungeistlichen und weltlichen andererseits?“ Meine Antwort lautet ohne Zögern: „Nein.“ Ich begründe das mit der Antwort, die der Herr selbst den törichten Jungfrauen in Vers 12 gibt. Sie kommen verspätet und sagen: „Herr, Herr, tu uns auf.“ Was antwortet Er? „Ich kannte euch zwar, aber jetzt habe ich euch vergessen“? „Ich kenne euch zwar, aber ich werde das nicht eher berücksichtigen, als bis ihr euch in euren Wegen und eurem Verhalten gebessert habt?“ Das würde zu manch einer Theorie passen, doch Er sagte: „Ich kenne euch nicht.“ Es gibt einen anderen Vers, der sagt: „Der Herr kennt, die sein sind.“ Sie standen also für solche, die nicht Sein sind. Viele maßen sich etwas an, was in Wirklichkeit gar nicht so ist. Es gibt viele Menschen, die den Namen Christ für sich beanspruchen, die aber keine Wurzel in sich haben. Lasst uns an dieser Stelle unsere eigenen Herzen überprüfen. Wie steht es damit bei uns? Wer von euch sagt vielleicht: „Ich bin Kirchenmitglied, ich bin Diakon, ich bin Sonntagschullehrer“? Ihr mögt euch auf äußerliche Dinge berufen, aber eine Sache, die nur äußerlich ist, wird in der Gegenwart Gottes keinen Bestand haben. Innere Echtheit und Aufrichtigkeit sind die Dinge, die der Herr Jesus anerkennen wird, wenn Er wiederkommt.

Wenn Jesus Christus wiederkommt, wird die große Masse der bekennenden Kirche entwirrt werden. Jedes Herz sollte sich in der Gegenwart Gottes prüfen, wie es damit bei ihm steht. Dann folgt das Gleichnis von den Knechten, und auch da findet man vom Grundsatz her das Gleiche. Dieses Gleichnis unterscheidet sich von einem ähnlichen Gleichnis im Lukas-Evangelium darin, dass die wahren und echten und treuen Knechte alle begrüßt und belohnt werden. Der, der fünf Talente hatte, gewann fünf Talente hinzu und trat in die Freude Seines Herrn ein. Aber es gab noch einen anderen Knecht, der seinen Herrn nicht kannte. Er unterlag einer schrecklichen Fehleinschätzung über den, von dem er bekannte, ihn zu kennen und ihm zu dienen. Seine eigenen Worte verurteilten ihn als böser und fauler Knecht. Der Herr wusste, wie Er mit einem Mann umgehen musste, der, obwohl er bekannte, Ihm zu dienen, überhaupt kein echter Diener war.

Irrt euch nicht, das Kommen des Herrn wird unter den bekennenden Knechten des Herrn eine vollständige Entwirrung bewirken. Es gibt tausende von Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, Diener Christi zu sein, doch welch eine Entwirrung wird folgen! Als Knechte Christi müssen wir uns alle der Tatsache bewusst sein, dass das Kommen Christi alles ans Licht bringen wird, und dass Er einen ganz klaren Trennungsstrich zwischen dem Wahrhaftigen und Echten und dem Falschen ziehen wird.

Das Ende des Kapitels, dieser wohlbekannte Abschnitt über den Sohn des Menschen, der in Seiner Herrlichkeit mit den heiligen Engeln erscheint, zeigt dieselbe ernste Tatsache. Vor Ihm werden alle Nationen versammelt werden, nicht die Toten, sondern die Nationen. Wenn der Herr Jesus in Seiner Herrlichkeit wiederkommt und öffentlich erscheint, werden die dann auf der Erde lebenden Nationen vor Ihm stehen müssen, und mit Meisterhand wird Er sie trennen, wie der Hirte die Schafe von den Böcken trennt. Es wird Ihm dabei kein Irrtum unterlaufen. Jeder Mensch bekommt den ihm zustehenden Platz zugewiesen. Alles wird mit unfehlbarer Wahrheit und Gerechtigkeit aufgedeckt werden. Der Wirrwarr auf der Erde wird entwirrt. Menschen sagen: „Wir wünschen, wir könnten Dinge klarstellen.“ Es wird eine ernste Angelegenheit sein. Du wirst deinen Platz bekommen und ich meinen. Alles wird in Seiner Gegenwart geklärt. Erkennst du die Grundlage, auf der der Herr Jesus die Schafe von den Böcken trennen wird? Alles wird davon abhängen, wie diese Menschen bestimmte Leute behandelt haben, die Er als Seine Brüder und Seine Boten anerkennt. Es wird eine vollkommen gerechte Grundlage für das Urteil sein. Er sagt gleichsam: „Ihr habt eure Einstellung mir gegenüber in eurem Verhalten gegenüber meinen Repräsentanten gezeigt.“ Das ist ein bekanntes Prinzip unter Menschen. Es ist eindeutig auch ein bekanntes biblisches Prinzip. Wie können wir unsere Einstellung gegenüber dem Herrn Jesus heute ausdrücken? Der überzeugte Atheist mag seine arme kleine Faust gegen den Himmel ballen, aber in der Regel wird er seinen Ärger an dem nächstbesten Christen Luft machen. Das ist auch alles, was er tun kann. Dem großen Meister kann er nichts anhaben, also wird er versuchen, einem Seiner demütigen Knechte einen Hieb zu versetzen. Das erklärt einen großen Teil der Feindseligkeiten gegenüber Christen heutzutage. Sie dürfen sich der Trübsale rühmen, wenn es um des Herrn willen ist. 

Der Herr Jesus wird einen Unterschied machen. Sein Evangelium wirkt schon heute nach diesem Prinzip, aber wir erwarten das Kommen des Meisters selbst, der die Sache dann zur Vollendung bringen wird. Dank sei Gott, das Höckerige wird zur Ebene werden. Die Berge menschlichen Stolzes werden erniedrigt und die Täler werden erhöht werden. Es kommt Einer, der mit allen Problemen der Erde fertig wird. Er wird die Welt instand setzen. Wo wirst du in diesem Augenblick stehen? Du musst nicht bis dahin warten, um es zu wissen. Du kannst es heute wissen, wenn du dein eigenes Herz fragst: „Wie stehe ich heute zu Christus?“

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole