Die Wunder des Herrn (6) – Der Gelähmte

Online seit dem 17.07.2009, Bibelstellen: Matthäus 9,2-8; Lukas 5, 17-26

Dieses Heilungswunder fand in Kapernaum statt. Das ist die Stadt, die der Heiland als Seine Heimat angenommen hatte, nachdem Er Nazareth verlassen hatte. Die Begebenheit erfolgte nicht nach Seiner Rückkehr von Gadara, obwohl uns davon in den Anfangsversen von Matthäus 9 berichtet wird, sondern sie fand unmittelbar nach der Reinigung des Aussätzigen statt, die in Matthäus 8,2–5 beschrieben wird.

Jede körperliche Krankheit, die der Heiland geheilt hat, symbolisiert in verschiedener Art und Weise die moralischen Auswirkungen von Sünde. So ist Aussatz ein Bild von dem Sünder in seiner Unreinheit; Fieber zeigt ihn in seiner Ruhelosigkeit und Lähmung ist ein klares Bild von äußerster Hilflosigkeit. Hier werden wir an Römer 5,6 erinnert: „Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben.“ Eine absolut gnädige Vorsorge für ein „gelähmtes Geschlecht“!

Vier Freunde brachten den Leidenden zu Jesus. In ihrer Zielstrebigkeit ließen sie sich nicht von den Menschen abhalten, die die Türen versperrten. Sie ließen das Bett durch das Dach zu den Füßen des Herrn herab. Seine ersten Worte zu dem Gelähmten waren nicht Worte der Heilung, sondern der Vergebung: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.“ Ohne Frage ist die Seele wichtiger als der Körper. Die Vergebung der Sünden ist ein viel gewaltigerer Segen als die vollkommene körperliche Gesundheit. Die Worte unseres Herrn riefen bei Teilen Seiner Zuhörerschaft unausgesprochene Kritik hervor: „Dieser lästert.“ Seine Allwissenheit las ihre Gedanken und Er tadelt sie sofort: „Wer kann Sünden vergeben, außer Gott allein?“ Diese Frage war angemessen. Welcher sterbliche Mensch hat jemals eine solche Autorität von Gott übertragen bekommen? Aber der Herr, der von den Schriftgelehrten falsch beurteilt worden war, verdeutlichte sogleich, dass Er wahrhaft Gott war, indem Er den Mann aufforderte, sein Bett aufzuheben und in sein Haus zu gehen. „Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben.“ Jeder jüdische Leser von Daniel 7 hätte wissen können, dass der Sohn des Menschen identisch mit dem Alten an Tagen ist (vergleiche Daniel 7,9.13.22). Wenn Er wirklich der Sohn des Menschen aus der Prophezeiung ist, dann ist Er wahrhaft göttlich.

Seine weniger kritischen Beobachter gingen nach Hause, indem sie sagten: „Wir haben heute außerordentliche Dinge gesehen.“ Wäre ihre geistliche Einsicht nicht verblendet gewesen, so hätten sie erkannt, das Psalm 103,3 vor ihren Augen erfüllt wurde: „Der da vergibt alle deine Ungerechtigkeiten, der da heilt alle deine Krankheiten.“ Jede Zunge hätte verkündet: „Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten!“ Der Unglaube der Menschen angesichts der Wunder, die so oft im geliebten Kapernaum geschahen, war es, was den Herr später zu der Aussage veranlasste: „Du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. Doch ich sage euch: Dem Land von Sodom wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir“ (Matthäus 11,23.24). Ungewürdigte Vorrechte bedingen strengstes Gericht durch Gott. Inwieweit bezieht sich dieser Grundsatz auf unser geliebtes Land?

[Übersetzt von Benjamin Runkel]                                                                   

W.W. Fereday