Der Glaube – etwas Besseres

Online seit dem 26.08.2009, Bibelstellen: Hebräer 11

Der erste Vers von Hebräer 11 führt „den Glauben” ein; der letzte Vers spricht von „etwas Besserem”, das Gott für uns Christen im Vergleich zu den Gläubigen des Alten Testaments vorgesehen hat. Dieses bessere Teil, das wir besitzen, besteht nicht aus Dingen, die für unsere natürlichen Augen sichtbar sind, und deshalb ist der Glaube so elementar wichtig für uns.

Haben wir schon bemerkt, was für ein bemerkenswertes Kapitel Hebräer 11 ist? Das Wort „Glaube“ kommt im ganzen  Alten Testament nur einmal vor. Und doch offenbart uns der Geist Gottes in Hebräer 11, dass alles Lebendige in diesen Gläubigen vorchristlicher Tage die Frucht des Glaubens war. Das, was in früheren Zeiten im Wesentlichen verborgen war, wird jetzt klar offenbart. Dieses Kapitel kann unter drei Überschriften zusammengefasst werden:

1. Der Glaube rettet.

 Das Opfer, das Abel brachte, war nicht das Ergebnis einer zufällig richtigen Vermutung, sondern die Frucht des Glaubens, der empfand, dass auf ihm als Sünder das Todesurteil lastete, und er Gott daher nur auf der Grundlage des Todes nahen konnte. Dadurch erlangte er Zeugnis, dass er gerecht war, und er wusste es. Auch Henoch wurde durch den Glauben befähigt, mit Gott zu wandeln, obwohl er von erschreckenden Übeln umgeben war. Der Glaube befähigte ihn schließlich, dem Tod durch die Entrückung zu entgehen. Und wodurch wurde Noah befähigt, Jahr um Jahr mit dem Bau der Arche auf trockenem Land fortzufahren, was den Menschen seiner Tage lächerlich vorgekommen sein muss? Es war Glaube, der daran festhielt, dass Gott tun würde, was Er angekündigt hatte. Die Folge war Rettung, als die vorsintflutliche Welt vernichtet wurde. Ja, es ist der Glaube, der rettet.Doch dann kommen wir zu Abraham und der mittlere Teil des Kapitels zeigt uns, dass

2. Der Glaube sieht,  

denn er vermittelt uns eine geistliche Vorstellung von Dingen, die außerhalb unserer natürlichen Wahrnehmung liegen. Abraham verließ Ur in Chaldäa, obwohl es keine unbedeutende Stadt war, wie moderne Ausgrabungen zeigen, um in ein unbekanntes Land zu ziehen. Sein Glaube befähigte ihn, eine Stadt vorauszusehen, die Grundlagen hatte, die von Gott selbst gelegt waren. Und so gehen wir weiter, vorbei an allen Patriarchen, bis wir in Mose einen Mann finden, der standhaft aushielt, „als sähe er den Unsichtbaren.“ So wird deutlich, dass es der Glaube ist, der sieht.Im letzten Teil des Kapitels finden wir dann, dass

3. Der Glaube leidet.

Wer ihn besitzt, hat die Kraft zu erdulden. Wir können sogar sagen, dass der Glaube nie heller erstrahlt, als wenn er mit feindlichen Mächten konfrontiert wird. Mose „wählte lieber, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben.“ Und dann folgt eine lange Liste solcher, die Verfolgung und Leiden in der Energie des Glaubens erduldeten.

So zeigt uns Gott, dass schon in diesen früheren Tagen, als die Offenbarungen oft mit sichtbaren, hörbaren und betastbaren Dingen in Verbindung standen, der Glaube von größter Wichtigkeit war. Genauso und noch mehr gilt das auch für uns heute, die wir erkennen, dass das „Bessere“, das wir kennen und genießen sollen, außerhalb unserer natürlichen Fähigkeiten liegt.

Wir haben also etwas Besseres. Wir wollen uns überblicksartig ansehen, wie das Wort „besser“ im Hebräerbrief vorkommt. Zuerst finden wir es in Hebräer 1,4. Der Sohn, der der Schöpfer war, war der Offenbarer und der Erlöser geworden, und wird als „viel besser als die Engel“ vorgestellt. Das Gesetz war durch die „Anordnung von Engeln“ gegeben worden, wie es Stephanus in seiner letzten Rede in Apostelgeschichte 7 ausdrückt, und darauf spielt Hebräer 2,2 an. Das ist der erste große Gegensatz in diesem Brief. Das Gesetz vermittelte eine gewisse Offenbarung der Gedanken Gottes, und es erreichte die Menschen durch Engel. Die volle Offenbarung Gottes, die diesem „Besseren“ zugrunde liegt, ist in dem Sohn zu finden, der weit höher steht und viel besser ist als Engel.

Das Wort „besser” kommt dann erst wieder in Hebräer 7 vor, dort aber dreimal. Zuerst steht es mit einem Vorbild in Verbindung. Das Priestertum Christi ist „nach der Ordnung Melchisedeks“ und ewig. Nun segnete Melchisedek aber Abraham, den Stammvater der aaronitischen Priesterschaft, und der, der segnet, steht über dem, der gesegnet wird. Das Priestertum Christi ist ewig und besteht weit über dem unter Gesetz eingeführten Priestertum Aarons und seiner Familie.

Dann erinnern uns die Verse 18 und 19 daran, dass das Gesetz nichts zur Vollendung gebracht hat, und daher wurde das vorhergehende Gebot abgeschafft und eine bessere Hoffnung eingeführt. Warum wird das Bessere hier als Hoffnung bezeichnet? Unsere Antwort ist, dass wir nach Hebräer 3,1 eine „himmlische Berufung“ haben, die nicht völlig erfasst werden kann, bevor der Himmel selbst erreicht ist. So hält die Hoffnung weiträumigen Einzug in die christliche Berufung und übertrifft in ihrem Charakter die mit der Berufung Israels verbundene Hoffnung. Doch obwohl dies der Fall ist, ist ihre gegenwärtige Wirkung, dass sie uns Gott nahe bringt. Bevor Christus kam und das Erlösungswerk vollbrachte, war der Weg in das Heiligtum noch nicht offen. Jetzt ist er geöffnet und wir haben Freimütigkeit, Gott zu nahen, wie es Hebräer 10 zeigt.

Vers 22 macht das klar, denn ein neuer „Bund” ist errichtet worden, und der Herr Jesus ist der „Bürge” dieses Bundes. Wenn der Leser jetzt 1. Mose 43 aufschlägt und besonders den Vers 9 beachtet, wird die Bedeutung des „Bürgen“ klar. Der neue Bund ist eine Erklärung der Gnade Gottes, und es ist, als ob unser Herr sagte: „Wenn er nicht unverlierbar und für immer besteht, will ich für immer die Schuld dafür tragen.“ Er wird bestehen, denn es ist der „ewige Bund“, wie Hebräer 13 sagt. Und wie viel besser er ist als der alte Bund vom Sinai, ist überaus deutlich. Das wird in Hebräer 8,6 bestätig, wo die Verheißungen, die damit verbunden sind, erwähnt werden. An die Hoffnung, die mit diesen Verheißungen verbunden ist, haben wir gerade gedacht.

Wenn wir jetzt zu Hebräer 9,23 kommen, finden wir die Aussage, dass die himmlischen Dinge selbst durch Schlachtopfer gereinigt würden, die besser waren als jene, die unter Gesetz geopfert wurden, um die Vorbilder dieser himmlischen Dinge zu reinigen. Das Wort „Schlachtopfer“ steht hier in der Mehrzahl, weil der hebräische Leser, wie wir glauben, an 3. Mose 1 bis 5 erinnert werden soll, wo verschiedenste Opfer angeordnet werden, die alle eine vorbildliche Bedeutung in Bezug auf Christus haben. Sein ganzer Weg war ein beständiges Opfer, das in dem einen großen, sühnenden Opfer am Kreuz gipfelte, von dem der Rest von Hebräer 9 spricht. Das war wirklich ein Opfer von so unendlichem Wert, dass es die vorher bekannten Opfer weit in den Schatten stellt.

Der Anfang von Hebräer 10 führt dieses Thema fort und zeigt, dass der Gläubige, nachdem die Sünde durch das Opfer Christi weggetan ist, nun Freimütigkeit hat zum Eintritt in das Heiligtum – die unmittelbare Gegenwart Gottes. Später in Kapitel 10 lernen wir dann, dass wir infolgedessen eine „bleibendere Habe“ besitzen, die „besser“ ist als alles, was Israel unter Gesetz verheißen war. Wären sie gehorsam gewesen, hätten sie Gedeihen gehabt und ihre Familien und ihre irdischen Besitztümer hätten sich vermehrt. Der hebräische Christ hatte ein Habe, die fernab von irdischen Dingen lag, entsprechend der Aussage in Hebräer 3,1, dass sie – und auch wir – „Genossen der himmlischen Berufung“ sind.

Das Erfassen dieser Tatsachen befähigte die hebräischen Gläubigen, „den Raub“ ihrer „Güter“ mit Freuden aufzunehmen. Es wäre schon besonders gewesen, wenn sie den Verlust, den die Zerstörung ihrer Häuser durch einen feindlichen Pöbel mit sich brachte, mit Resignation und Sanftmut hingenommen hätten, doch sie nahmen es mit Freuden hin. Es diente dazu, in ihren Gedanken die Tatsache zur Geltung zu bringen, dass ihr wahres Teil außerhalb der Erde im Himmel lag, unerreichbar für die Macht aller ihrer Widersacher.

Und was machte ihnen dieses himmlische Teil, das ihnen gehörte, so real? Die Antwort findet man natürlich in Hebräer 11: „Der Glaube ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht.“ Die bessere und bleibendere Habe, wurde diesen hebräischen Christen durch Glauben Wirklichkeit.

Genauso geht es auch uns heute. Wir Christen leben wie in einem Wald voller angenehmer und attraktiver Dinge. Die wenigen von uns, die sich noch sechzig oder sogar siebzig Jahre zurückerinnern, können berichten, wie groß der Fortschritt in angenehmen und nutzbringenden menschlichen Erfindungen seitdem gewesen ist. Im Moment schwimmen wir im Geld und in jeder Art von Entdeckung und Erfindung [geschrieben vor einigen Jahrzehnten]. Oft sind sie nützlich und immer sehr attraktiv und verlangen daher nach unserer Aufmerksamkeit. Unsere modernen „Güter“ sind von sehr faszinierender Art und den „Raub“ dieser Güter durch Feinde muss zurzeit niemand befürchten. Doch was ist mit der unsichtbaren und doch besseren und bleibenderen Habe im Himmel, die wir besitzen? Ist unser Glaube in uns tätig, sodass die unsichtbare, himmlische Habe wirklich unsere Gedanken erfüllt und unser Leben beherrscht?

Verglichen mit dem, was den Gläubigen vorchristlicher Tage offenbart war,  wurde für uns also etwas „Besseres” bereitgestellt, und die Kenntnis davon, die wir durch den Glauben haben können, soll unser Leben beherrschen. Aber in den vollen Genuss unseres jeweiligen Teils sollen wir alle zusammen eingeführt werden. Sie werden nicht „ohne uns vollkommen gemacht werden“, und wir mögen hinzufügen, wir auch nicht ohne sie, denn wir werden die endgültige Vollkommenheit zusammen erreichen, und zwar am Tag der Auferstehung und der Herrlichkeit, wenn der Her Jesus wiederkommt.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole