Stellung, Zustand und Dienst

Online seit dem 06.09.2009, Bibelstellen: Römer 5

Dass die Schöpfung ins Dasein gerufen wurde, um dem Willen und Wohlgefallen des Schöpfers zu dienen, ist eine Feststellung, die kaum bewiesen werden muss, dennoch wird die Tatsache klar in der Schrift bezeugt: „Du hast alle Dinge geschaffen, und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden“ (Off 4,11). Wenn wir darüber nachsinnen, wird uns klar, wie groß die Verwüstung ist, die die Sünde in jener Ecke des Universums angerichtet, in der sie Einzug genommen hat.

Nun ist Sünde nach 1. Johannes 3,4 „Gesetzlosigkeit“. Es ist das Geschöpf, das sich gegen den Schöpfer erhebt, das sich weigert, unterwürfig zu sein und das immer darauf aus ist, seinen eigenen Willen und sein Vergnügen zu suchen. Von Anfang an und über viele Jahrhunderte blieb der rebellische Mensch sich selbst überlassen, bis er in einen so gewalttätigen und verdorbenen Zustand verfiel, dass die Erde durch die Flut gereinigt werden musste. In den nachfolgenden Jahrhunderten verschlechterte sich der Zustand zusehends und hinzu kam die Gefahr des Götzendienstes. Dem begegnete Gott mit der Berufung eines Mannes – Abraham –, den Er zu einer Nation machte, die unter Seiner besonderen Weisung stehen sollte.

Als Er Mose sandte, um Israel aus Ägypten zu befreien, sagte Gott zu ihm: „Ihr werdet  auf diesem Berg Gott dienen“ (2. Mo 3,12). Während der Auseinandersetzung mit dem Pharao hieß es wiederholt: „Lass mein Volk ziehen, damit sie mir dienen.“ Und als das Volk am Sinai ankam, hieß es: „Ihr sollt dem Herrn, eurem Gott, dienen” (2. Mo 23,25). Das Gesetz wurde gegeben, damit sie Seinen Willen kennenlernten und Ihm durch das Befolgen der Gebote dienten.

Aber eins konnte das Gesetz nicht tun. Es gab ihnen zwar eine gewisse Stellung als das anerkannte Volk Gottes, aber es konnte in ihnen nicht den Zustand bewirken, der sie befähigte, zu gehorchen. Der Apostel Paulus schreibt: „Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig zu machen vermöchte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz“ (Gal 3,21), und es gibt in dem Geschöpf keine Gerechtigkeit außer durch Gehorsam gegenüber dem Schöpfer. Wenn wir also Gott dienen sollen, benötigen wir nicht nur eine sichere Stellung vor Ihm, sondern auch einen geistlichen Zustand, der uns befähigt, Seinen Willen zu tun.

Was dem Gesetz unmöglich war, ist denen von uns geworden, die das Evangelium unseres Heils geglaubt haben und infolgedessen mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden sind (Eph 1,13). Wir wollen uns anschauen, wie dieses im Römerbrief herausgearbeitet wird.

Die ersten Verse von Römer 5 zeigen uns nicht nur unsere Rechtfertigung aus Glauben kraft des Todes und der Auferweckung Christi und die damit verbundene Befreiung von jeder Zurechnung von Schuld vor dem Thron Gottes, sondern sprechen auch von „der Gnade [o. Gunst] Gottes, in der wir stehen.“ Unsere Stellung ist in der Gunst Gottes, doch weil wir weder in uns noch außerhalb von uns etwas sehen können, was diese wunderbare Tatsache bestätigt, haben wir im Moment nur durch Glauben Zugang dazu. Wenn der Herr gekommen ist und wir mit Ihm verherrlicht sind, wird die Gunst, in der wir stehen, für alle sichtbar werden.

Der letzte Teil von Römer 5 wirft weiteres Licht auf diese Gunst, in der wir stehen. Wir haben durch unseren Herrn Jesus Christus die Versöhnung empfangen und darüber hinaus ist Er für uns eine neue Quelle des Lebens geworden. Vor unserer Bekehrung lebten wir das natürliche Leben, das wir durch Abstammung von Adam empfangen haben. Jetzt sind wir zu der „Rechtfertigung des Lebens“ gebracht, von der Vers 18 spricht, und werden einmal „im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus (Vers 17). Kurz gesagt ist unsere Stellung vor Gott jetzt „in Christus Jesus“. So wird es auch in Römer 8,1 ausgedrückt. Unsere Stellung ist ein überaus großes Wunder: „begnadigt in dem Geliebten“ (Eph 1,6). Ohne Zweifel sollte dann auch unser Dienst so erhaben sein, dass er dieser Stellung entspricht.

Deshalb werden wir schon in den ersten Versen von Römer 6 mit der Verpflichtung konfrontiert, in „Neuheit des Lebens“ zu wandeln (Vers 4). Wenn wir zu Römer 7 weitergehen, finden wir, dass wir „in dem Neuen des Geistes“ dienen sollen (Vers 6). Das ist die Pflicht, die uns auferlegt ist, und die Grundlage ist sowohl in Römer 6 als auch in Römer 7 der Tod und die Auferstehung Christi. Wir sind befreit von der Sklaverei der Sünde und der Knechtschaft des Gesetzes. Wir sind zu „Sklaven der Gerechtigkeit“ und „Sklaven Gottes“ geworden.

Dieser neue und heilige Dienst entspringt unserer neuen Stellung in Christus. Jeder von uns wird das ohne Frage anerkennen, und doch müssen wir gleichzeitig bekennen, dass wir anfangs schmerzlich verspüren, wie unfähig wir sind, so zu dienen, wie wir es eigentlich wünschen. Daher schildert uns der Apostel diese Erfahrungen im zweiten Teil von Römer 7. Das Fleisch ist immer noch in uns und beweist seine Stärke, sodass wir sagen müssen: „Also finde ich …, der ich das Rechte ausüben will, dass das Böse bei mir vorhanden ist.“ Es ist jetzt nicht unser Gegenstand, länger bei dieser schmerzlichen Erfahrung zu verweilen, sondern wir wollen uns das achte Kapitel anschauen, wo der christliche Zustand vorgestellt wird, der mit unserer christlichen Stellung einhergeht und verbunden ist.

Die Befreiung aus dem Zustand des „elenden Menschen” aus Römer 7 geschieht „durch Jesus Christus, unseren Herrn“, doch sie wird auch bewirkt in der Kraft des Geistes Gottes. Der Gläubige empfängt den Heiligen Geist, damit dieser die Leitung übernimmt. Allzu oft sehen wir in Ihm nur den Sachwalter und Helfer in unseren Schwachheiten. Das alles ist Er, aber Er ist noch mehr. So wie Christus unserer souveräner Herr in der Höhe ist, so besitzt der Geist souveräne Rechte in uns. Das Wort „Gesetz“ in Römer 8,2 ist so zu verstehen, wie wenn wir von „Naturgesetzen“ sprechen, womit wir bestimmte Gesetzmäßigkeiten meinen, die der Schöpfer angeordnet hat, und die immerwährend und gleichmäßig in Kraft sind.

Wir haben ein neues Leben – „Leben in Christus Jesus.“ Doch nicht nur das, sondern wir haben auch den Geist, der diesem Leben die Kraft gibt, indem er in uns wohnt. Und es ist seine lenkende Macht, die uns in unserer Erfahrung und Praxis von der Macht der Sünde und des Todes freimacht, die uns lenkte als wir noch ungläubig waren, und die, wenn der Geist uns nicht lenken würde, immer noch Chaos in unserem Leben des Dienstes für Gott, zu dem wir bestimmt sind, anrichten würde.

In Übereinstimmung damit finden wir in Römer 8 eine weitere Aussage. Während die, die „im Fleisch sind“, „Gott nicht zu gefallen“ vermögen, sind wir „nicht im Fleisch, sondern im Geist“, wenn Gottes Geist in uns wohnt (Rö 8,8–9). Er wohnt in uns, um uns zu leiten und uns die Fähigkeit zu geben, in Neuheit des Lebens zu wandeln und in dem Neuen des Geistes zu dienen. Dadurch bewirkt Er in uns einen Zustand, der mit unserer Stellung übereinstimmt. „In Christus Jesus“ bezeichnet unsere Stellung, während „in dem Geist“ unseren Zustand beschreibt.

Das Fleisch ist noch in uns und wir können ihm allzu leicht Raum geben und so den Heiligen Geist betrüben, durch den wir versiegelt sind auf den Tag der Erlösung. Das wäre zu unseren geistlichen Schaden. Wir können auch das Bewusstsein und die Gewissheit über unsere Stellung in Christus verlieren, was auch zu unserem geistlichen Schaden wäre, aber kein Versagen dieser Art auf unserer Seite kann das mindern, was Gott in Seiner wunderbaren Gnade gewirkt hat. Wir sind in Christus, ganz gleich, welche Gefühle uns bewegen mögen. Wenn wir für das Fleisch säen, werden wir von dem Fleisch Verderben ernten, aber der Geist als der Sachwalter wird bei uns sein in Ewigkeit, und wenn wir im Geist wandeln, werden wir die Lust des Fleisches nicht vollbringen. In Ihm besitzen wir die Kraft, die uns befähigt, Gott in der rechten Weise zu dienen.

Daher wird zwar unser Dienst bereits in Römer 6 und 7 erwähnt, aber erst nachdem der rechte christliche Zustand in Römer 8 offenbart ist, wird der Gedanke unseres Dienstes im Detail entfaltet. Wenn wir Römer 12 erreichen, kommt er sofort vor unsere Blicke. Der erste Schritt ist die Darstellung unserer Leiber als ein „lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer“, was als unser „vernünftiger“ oder „verständiger“ Dienst bezeichnet wird.

Jeder von uns benötigt seinen Körper zum Denken, Reden und Handeln. Aber es ist der Geist Gottes, der uns leiten soll, nicht unser Körper. Der Körper soll lebendig Gott hingegeben werden, wie damals die Opfer Ihm gebracht wurden. Wenn wir so hingegeben sind, wird die Weise der Welt uns immer weniger formen und unsere Sinne werden erneuert werden. Und indem wir den Willen Gottes tun, beweisen wir, wie gut und wohlgefällig und vollkommen dieser Wille ist. Es ist immer die Weise Gottes, von innen nach außen zu wirken. Die Trennung von der Weise der Welt, um den guten Willen Gottes zu beweisen, ist nicht etwas, das uns von außen auferlegt ist, sondern etwas, das in uns als die Frucht der Erneuerung des Sinnes bewirkt wird.

Der Rest von Römer 12 sowie Römer 13 und 14 bis zu den Anfangsversen von Römer 15 zeigen uns die verschiedenen

Formen, die der Dienst für Gott annehmen kann in Bezug auf uns selbst, auf unsere Mitgeschwister, auf die Regierung und auf die Welt im allgemeinen. Römer 14,18 kann auf alle diese Formen des Dienstes angewendet werden, da sie alle praktisch zu „Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist´“ führen, als Ergebnis des Dienstes für Christus.

Wenn schon die christliche Stellung so erhaben in ihrem Wesen ist, und der christliche Zustand alles weit übersteigt, was vor dem vollbrachten Werk Christi und der Innewohnung des Heiligen Geistes in dem Gläubigen möglich war, dann überrascht es nicht, dass uns auch der Dienst in einem Charakter vorgestellt wird, der in früheren Zeiten nicht bekannt war. Wie die Thessalonicher dienen wir „dem lebendigen und wahren Gott“, der uns in dem Herrn Jesus Christus offenbart worden ist.

 Wir wollen uns daran erinnern, dass wir zwar zwischen unserer Stellung und unserem Zustand unterscheiden und sie separat betrachten, sie aber nicht voneinander trennen, als wäre es möglich, das eine ohne das andere zu haben. Sie gehören zusammen. Der Einzug der Sünde zerstörte die ursprüngliche Stellung des Geschöpfes vor seinem Schöpfer. Es zerstörte den Menschen auch innerlich: er verlor seine Unschuld und die Sünde begann, in seinem sterblichen Körper zu herrschen. In dem Werk Christi und in der Gabe des Geistes ist Gott diesen beiden Katastrophen begegnet – und mehr als begegnet.Wir wollen dafür sorgen, dass in der Gnade und Kraft dessen, was Gott bewirkt hat, unser Leben dem Dienst unseres Herrn geweiht ist.

F.B. Hole