Keine Kompromisse

Online seit dem 13.10.2009, Bibelstellen: 1. Könige 13,1-32

Was ich heute Abend sagen möchte, kann mit zwei Worten zusammengefasst werden: „Keine Kompromisse.” Das gefällt dem modernen Geist nicht, denn unter Menschen werden die besten Geschäfte durch Kompromisse abgeschlossen. Wir starten mit völlig gegensätzlichen Meinungen und nähern uns dann allmählich an. Wenn du allerdings auf deinem Standpunkt beharrst und ich auf meinem, werden unsere Meinungen unvereinbar bleiben.

Kompromisse sind verantwortlich für viele Erfolge in wirtschaftlichen und politischen Dingen, aber in den Dingen Gottes sind sie der Schlüssel zum Versagen. Wenn du dort Erfolg haben willst, musst du den göttlichen Weg herausfinden, und dann ohne die Spur eines Kompromisses daran festhalten. Ihr erinnert euch an die Worte des Apostels Paulus in 2. Korinther 6, wo er wünscht, dass die Gläubigen weit werden, und wo dann der bemerkenswerte Abschnitt folgt, der mit den Worten beginnt: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen.“ Er hatte im ersten Teil des Briefes in wunderbarer Feinheit über manche Themen zu ihnen gesprochen. Er hatte ihnen viele persönliche Informationen mitgeteilt. Er hatte Dinge gefunden, die ihn ermunterten, denn es gab Zeichen des Wirkens des Heiligen Geistes, und er empfand, dass es jetzt an der Zeit war, ihnen zu sagen, worin der Grund all ihrer Probleme lag.

Warum hatten sie so wackelig auf den großen Fundamenten der Lehre gestanden? Woher kam diese schlimme Unmoral in ihrer Mitte? Woher das Einführen der Weisen und Methoden der Heiden in die Versammlung? Der Grund lag darin, dass sie ihre Verbindungen zur Welt nicht abgeschnitten hatten. Sie hatten ihre Isolierung aufgegeben. Statt wie ein Stromkabel mit himmlischem Strom geladen und gegenüber der Welt isoliert zu sein, war die Isolierung kaputt gegangen und die Energie ging verloren. Sie erlaubten viele böse Dinge dieser Welt in ihrer Mitte, indem sie Kompromisse eingingen. Ich darf an das Wort aus dem Epheserbrief erinnern: „Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, vielmehr aber straft sie auch“ (Eph 5,11). Wenn es um Sünde, Böses oder die Welt geht, kann es für den Christen keine Kompromisse geben.

Im Alten Testament wird das wunderbar veranschaulicht. Der Mann, der vor Gott steht, ist einer, der eine kompromisslose Haltung gegenüber der Welt einnimmt. Vielleicht ist Henoch das erste große Beispiel. Wir wissen, dass er nur etwa ein Drittel der Lebensjahre vorsintflutlicher Tage erreichte. Sein Leben war kürzer als das seiner Zeitgenossen, und er wandelte mit Gott. Aber im Neuen Testament findet ihr, dass er ein kompromissloser Zeuge war. Die Welt wurde ein unbehaglicher Ort für Henoch.

Ist euch aufgefallen, dass es in Hebräer 11 heißt: „Durch Glauben wurde Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte“? Ich habe das schon oft gelesen, bis mir aufging, dass das eine erstaunliche Aussage ist. Normalerweise hätte er noch etwa 500 bis 600 Jahre zu leben gehabt. Ich glaube, dass Henoch, wenn er nicht entrückt worden wäre, zu Tode gebracht worden wäre wegen seines Zeugnisses in jenen gesetzlosen Tagen, in denen Verdorbenheit und Gewalt die Erde erfüllte. Er sagte ihnen, dass der Herr inmitten seiner Zehntausend kommen würde, um Gericht auszuüben. Ein Mann des Glaubens und der kompromisslosen Treue hinterließ seine Spuren zur Ehre Gottes. Vergleiche Abraham mit Lot. Bei ihnen findest du das Thema fast in Vollkommenheit veranschaulicht. Lot wurde zum warnenden Beispiel, Abraham wird der „Freund Gottes“ genannt.

In der Begebenheit, die wir heute Abend gelesen haben, wird ein namentlich nicht genannter Mann Gottes aufgefordert, gegen eine große Krise in der Geschichte Israels zu zeugen. Die Trennung zwischen den zwei Stämmen und den zehn war soeben vollzogen worden. Mit großem weltlichen Weitblick hatte Jerobeam gesagt: „Im Grunde ist Religion ein nicht zu verachtendes Machtmittel und trotz aller Gefühle, die die Tyrannei in Salomos Tagen hervorgebracht hat, wird der Groll schließlich nicht für immer anhalten. Die alten Verbindungen und Beziehungen werden sich wieder behaupten und das Herz meines Volkes wird sich wieder dem König aus der Linie Davids zuneigen. Vor allem gibt es diese Feste des Herrn, woran jeder Männliche teilnehmen soll. Kann ich sie gehen lassen und sie damit wieder unter den Einflussbereich des großen Hauses, das Salomo gemacht hat, kommen lassen? Das wäre keine gute Taktik. Ich muss es irgendwie schaffen, sie zu einem neuem Zentrum umzulenken.“ Deshalb richtete er die Kälber in Bethel und Dan auf. Es zeigte die gewünschte Wirkung. Er sagte: „Siehe da, Israel, deine Götter.“ – Falsche Götter. Er machte ein Haus – einen falschen Tempel. Er bestellte Priester – falsche Priester. Er ordnete ein Fest an – ein falsches Fest. Er hatte falsche Opfer, einen falschen Altar und falsches Räucherwerk. Er verleitete die Masse des Volkes zu diesen falschen Dingen. Das war eine schlimme Krise. Weite Teile Israels wurden völlig von dem wahren Gott abgezogen.

Gott berief einen namentlich nicht genannten Mann. Bedenkt, dass nicht jeder Prophet Mann Gottes genannt wird. Es war nicht irgendjemand, auch wenn sein Name nicht genannt wird. Er hatte besondere Anweisungen, durfte kein Brot essen und kein Wasser trinken und nicht auf demselben Weg zurückkehren. Er sollte wie ein Meteorit am Himmel vorbeikommen, seine Botschaft übermitteln und keine Gemeinschaft mit der verhassten Sache haben. „Iss nicht einmal Brot und trinke kein Wasser. Geh nicht auf demselben Weg zurück, damit du nicht jemandem begegnest, der dich als den erkennt, der vor ein bis zwei Tagen vorbeikam.“ Er sollte direkt ins Wespennest stechen. Er sollte seine Botschaft ohne eine Spur von Kompromissen übermitteln und dann zurückkehren.

Der erste Test

Nun wurde er bitter geprüft. Ich glaube, dass ihr sehen werdet, wie sich der Test in vier Etappen gliedert. Der erste Test, der sehr ernst war, kam als er plötzlich vor Jerobeam stand, der dort an dem falschen Altar stand, und als er seine Botschaft übermittelte. Gott würde in zukünftigen Tagen einen Mann aus dem Haus Davids erwecken, der diesen Altar entweihen würde. Die Knochen der Männer, die darauf geräuchert hatten, würden auf ihm verbrannt werden. Er sagte ausdrücklich die totale Entweihung und den Umsturz dieser götzendienerischen Sache voraus, die Jerobeam eingeführt hatte.

Dann kam der Test. Jerobeam war ein energischer Mann. Er hatte eine Revolte angeführt, unmittelbar nach den friedlichen Tagen Salomos. Er muss ein Mann mit starkem Charakter gewesen sein. Er sagt: „Greift ihn!“ Da stand der Mann Gottes völlig schutzlos vor dem großen König. Er musste der Gewalttätigkeit der Welt begegnen. Das ist ein schwerer Test. Viele gute Menschen sind darin verzagt geworden. Die Gewalttätigkeit der Welt ist oft der erste Test. Doch der Mann Gottes gab nicht nach. Die Kraft Gottes war sichtbar mit ihm. Jerobeam streckte seine Hand aus, doch sie verdorrte. Es blieb keine Kraft mehr in diesem Körperteil. Jetzt stand der König da, völlig unfähig, seinen Arm wieder an sich zu ziehen. Nur einen Moment später liegt der König dem Propheten zu Füßen, und fleht ihn an, den Herrn zu bitten, dass ihm seine Hand wiedergegeben würde. Erfolgreich hatte der Prophet den Sturm der Gewalttätigkeit der Welt überstanden. Wir mögen vielleicht der Gewalttätigkeit der Welt begegnen, aber sehr oft stärkt sie unser Rückgrat, statt es zu brechen. Ich erinnere mich, dass ein Diener Gottes von einem jungen Mann erzählte, der sich bekehrt hatte. Seine alten Freunde, denen er es erzählte, schlugen ihn mit Fäusten ins Gesicht und sagten: „Wir werden dir das schon austreiben.“ Er sagte: „Sie versuchten es. Aber sie haben es nicht herausgeschlagen. Sie schlugen es hinein.“ Er war gekräftigt und die Gewalttätigkeit der Welt konnte ihn nicht abbewegen.

Der zweite Test

Nur wenige Minuten später kam für den Propheten ein noch ernsterer Test. Vers 7 zeigt die Gönnerschaft der Welt. Nun da der der König in einer gewissen Schuld stand, weil er ihn geheilt hatte, änderte sich die Situation. Der König sagte: „Komm mit mir ins Haus und stärke dich, und ich will dir ein Geschenk geben.“ Mann Gottes, sei auf der Hut! Er war auf der Hut und gab die bemerkenswerte Antwort: „Wenn du mir die Hälfte deines Hauses gäbest, so würde ich nicht mit dir hineingehen.“ Die Welt hofiert ihn und lächelt ihn an. „Komm und setz dich an meinen königlichen Tisch“, sagt der König, „ich will dir ein Geschenk geben.“ Ein solches Angebot abzulehnen, ist nicht einfach, aber er lehnte es ab. Er bestand den Test.

Manchmal schwenkt die Welt um und möchte uns gerne gönnerhaft behandeln. Das ist viel schwieriger. Mancher Christ wäre gefallen, als der Apostel Paulus standhaft blieb in Apostelgeschichte 16. Eine Magd mit einem Wahrsagergeist begegnete ihm und klopfte ihm gleichsam moralisch auf die Schulter. Sie sagte: „Diese Menschen sind Knechte Gottes, des Höchsten, die euch den Weg des Heils verkündigen.“ Das war eine schöne Empfehlung vom Teufel, doch die Empfehlungen des Teufels helfen dem Werk Gottes nicht. Keinem Diener Gottes werden sie helfen. Wenn du bei einem Arbeitgeber wegen einer Anstellung vorsprichst und gerade dann ein höchst zwielichtiger Mann hereinkommt und dich überschwänglich begrüßt, werden sich deine Chancen auf die Stelle in Luft auflösen. Der Arbeitgeber wird sich sagen: „Der ist wohl per du in diesem Milieu”, und du bekommst den Job sicher nicht. So ist auch die Gönnerschaft des Teufels für dich und mich nicht gut.

Der dritte Test

In Vers 15 haben wir dann den dritten Test durch den alten Propheten, der die Einladung des Königs fast wörtlich wiederholt. „Komm mit mir nach Hause und iss Brot.“ Das ist der Test religiöser Verbindungen. Da kommt ein Prophet, ein Stern am religiösen Himmel, ein Mann, der allem Anschein nach, im Namen Gottes spricht, und der doch unbekümmert inmitten all diesen Götzendienstes wohnt, denn wir hören kein Wort des Protests aus seinem Mund. Vielleicht hieß er die Dinge innerlich nicht gut, aber es ist ziemlich deutlich, dass er nichts dagegen sagte. Man wundert sich, wie man inmitten all dieser Dinge leben kann, wenn man sich nur etwas um die Dinge Gottes kümmert. Er lädt den Mann Gottes ein mit ihm nach Hause zu kommen und Brot zu essen. „Ich bin religiös. Ich bin kein götzendienerischer König.“

Erneut widersteht der Mann Gottes der Versuchung. Er wird mit diesem Test der religiösen Verbindungen konfrontiert. Dieser Test begegnet uns immer wieder. „Es ist für einen guten Zweck“, sagen sie, „es ist religiös.“ Hüte dich vor Religion, die Kompromisse mit der Welt eingeht. Noch einmal hat der Prophet die Gnade, mit dem Kopf zu schütteln und Nein zu sagen. Doch er tut es nicht so gut und entschieden wie bei dem König. Zu dem alten Propheten sagt er: „Ich kann nicht“, als wenn er es gerne gewollt hätte. Er sagte nicht: „Ich will nicht“, als ob es sein Wille gewesen wäre. Zu dem religiösen Menschen sagt er: „Ich kann nicht. Es wäre sehr nett, aber ich bin nicht frei.“

Der vierte Test

Er lehnt ab, bis der alte Prophet in seiner List entgegnete (Vers 18): „Auch ich bin ein Prophet, wie du; und ein Engel hat zu mir geredet durch das Wort des Herrn und gesagt: Bringe ihn mit dir in dein Haus zurück, dass er Brot esse und Wasser trinke.“ Er belog ihn. Diesmal wurde er genau in der Sache getestet, gegen die er zeugen sollte – falsche religiöse Imitation. Der Mann hatte alle äußerlichen Zeichen eines wahren Propheten. „Ich bin auch Christ“, sagen sie, „und ich fühle mich hier ganz wohl. Ich kann gut bei diesen Leuten wohnen. Ich habe ein Wort des Herrn. Ich habe einen Engel gesehen.“ Er log. Ob er bewusst log ist fraglich. Er mag sich alles das eingebildet haben. Jedenfalls sah er keinen Engel vom Himmel. Vielleicht war es ein Engel aus dem Abgrund. Der Mann Gottes hätte sagen müssen: „Gott korrigiert niemals seine Anweisungen.“ Er beginnt kein Vorhaben, ohne alle Eventualitäten vorauszusehen, um dann mittendrin Seinen Plan rückgängig zu machen. Gott sieht alles voraus, wenn Er eine Sache beginnt, und Seine anfänglichen Anweisungen haben bis zum Ende Bestand. Er hätte wissen müssen, dass Gott das, was Er beginnt auch zu Ende bringt.

Als er auf den Boden religiöser Imitation gezogen wurde, fiel der Mann Gottes. Gott griff ein und benutzte jene Lügenzunge, um dem Mann Gottes seinen Untergang anzukündigen – einen Untergang, der in den Regierungswegen Gottes über ihn kam. Wir sehen, wie Gott am Anfang einer Epoche an bestimmten Personen Exempel statuiert. Davon gibt es zahlreiche Beispiele: Achan in den Tagen Josuas am Anfang der Eroberung des Landes; Ananias und Sapphira am Anfang der Kirchengeschichte. Obwohl der Mann Gottes im vierten Test versagte, gefiel es Gott in Seiner Regierung doch, ihn als Beispiel hinzustellen, damit du und ich lernen möchten, keine Kompromisse einzugehen.

Hüte dich vor der Gefahr der Kompromisse im Bereich religiöser Imitation. Es mag so jemand wie der alte Prophet in Bethel sein. Vielleicht waren es einmal treue Propheten Gottes, die aber abgewichen sind und jetzt Gefallen daran haben, andere ebenfalls abzuziehen. Es beruhigt ihr Gewissen, wenn sie auch andere für den Weg der Kompromisse zurückgewinnen können. Vielleicht wirst du durch einen armen, abgewichenen Gläubigen in dieser Weise geprüft, oder möglicherweise – ich möchte das nicht auf den alten Propheten aus Bethel beziehen – durch jemanden, der nur ein religiöses Bekenntnis hat.

Du hast schon viel von der Wahrheit des Wortes Gottes gehört. Mein Appell an dich ist: Wenn du wünschst für den Herrn da zu sein und zu leben, dann sieh zu, dass du nicht durch Kompromisse abgezogen wirst. Auf deinem Weg durch die Welt wird es Menschen geben, die dir sagen: „Wir haben die gleiche Erkenntnis wie du. Wir sind genauso Christen wie du.“ Und doch machen sie gemeinsame Sache mit der Welt, heißen die Welt gut, sagen Dinge, die die Welt liebt und führen solche falschen Dinge ein, die die bekennende Christenheit wegziehen. Gebe Gott Gnade, dass „Keine Kompromisse!“ unsere Losung sei. Lasst uns den Anweisungen, die Gott uns in Seinem Wort gegeben hat, gehorchen. Gehorsam hätte den Mann Gottes aus Juda bewahrt.

[Übersetzt von Marco Leßmann]

F.B. Hole