Der Regenbogen

Online seit dem 06.02.2011, Bibelstellen: 1. Mose 9,16

Vater und Mutter machen mit den Kindern eine Autofahrt. Es hat geregnet, aber die Sonne kommt wieder durch. Plötzlich ruft der Jüngste der Familie: „Guck mal, Mama, was für tolle Farben!“ Alle gucken in die Richtung, in der das Kind zeigt. Vater, der am Steuer sitzt und deshalb nur kurz in die Richtung gucken kann, sagt achtlos: „Ach so, das ist ein Regenbogen“. Eines der älteren Kinder, das auf der Schule etwas von dem Brechen des Lichts gehört hat, versucht den anderen klarzumachen, wie dieses Naturereignis entsteht. Seine Ausführung verschwindet allerdings im Nebel, weil schon bald die Aufmerksamkeit der Kinder wieder durch etwas anderes angezogen wird. An den Regenbogen wird weiter nicht gedacht.

Keine Sintflut mehr

Diese erfundene Geschichte könnte ein aus dem Leben gegriffener Vorfall sein. Es ist nun einmal so, dass die meisten Menschen achtlos an dem Regenbogen vorbei gehen. Und als Christen denken wir oft ebenso wenig daran, was dieses Naturereignis uns zu sagen hat, während es doch so eine äußerst wichtige Botschaft beinhaltet.

Der Regenbogen ist nämlich das Zeichen des Bundes, den Gott vor Jahrhunderten mit der ganzen Menschheit geschlossen hat. In der Bibel wird von mehreren Bunden gesprochen. Die meisten davon wurden nur mit einem Teil der Menschheit geschlossen. Nur der Bund mit Noah, wovon der Regenbogen das Zeichen ist, wurde mit der ganzen Menschheit geschlossen. Ja, sogar alle lebenden Wesen haben damit zu tun. Der Inhalt dieses Bundes lautet nämlich, dass Gott die Erde mit allem, was darauf lebt, nicht mehr durch eine Sintflut vernichten wird. Dieser Bund gilt immer noch. Gott hält sich an sein Wort und sein Wort lautet: „Und der Bogen wird in den Wolken sein; und ich werde ihn ansehen, um zu gedenken des ewigen Bundes zwischen Gott und jedem lebendigen Wesen von allem Fleisch, das auf der Erde ist“ (1. Mo 9,16).

Gehen wir achtlos an dem Regenbogen vorüber, so tut Gott das nicht. Immer, wenn der Regenbogen erscheint, sieht Gott ihn und gedenkt an seinen Bund mit Noah. Macht der Mensch aus der Sintflut eine Legende und nimmt von dem Ereignis, das in 1. Mose 9 geschrieben steht, jeden Wert weg, so hält Gott sich doch an die Realität, dass es eine Sintflut gegeben hat und hält sich auch an sein Versprechen, nie mehr durch eine Sintflut alles Lebendige zu vertilgen.

Aber doch Gericht

Das Vorhergehende bedeutet aber nicht, dass Gott diese Welt für immer bestehen lassen wird und niemals eine Zeit der Abrechnung kommen wird. Im Gegenteil, die Bibel sagt sehr deutlich voraus, dass in der Zukunft etwas geschehen wird, das analog zu dem passieren wird, was bei der Sintflut stattgefunden hat. Es ist schon wichtig, diesen biblischen Aussagen einmal nachzugehen.

An erster Stelle vergleicht Gott sein Verhältnis zu Israel mit seiner Haltung zu der Menschheit nach Noah. Von Israel sagt er:

„Denn dies soll mir sein wie die Wasser Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs die Erde nicht mehr überfluten sollten; so habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich ergrimmen und dich nicht mehr schelten werde. Denn die Berge mögen weichen und die Hügel wanken, aber meine Güte wird nicht von dir weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht der HERR, dein Erbarmer“ (Jes 54,9.10).

In diesem Text wird nicht ein Vergleich in Bezug auf ein kommendes Gericht gezogen, sondern gerade ein Vergleich bezüglich des nicht mehr richtens. Es scheint widersprüchlich, dass Gott, so wie wir gleich sehen werden, einerseits die Tage Noahs gebraucht, um die zukünftigen Gerichte abzubilden und andererseits dieses Ereignis gebraucht, um zu zeigen, dass Er nicht mehr zornig sein wird. Das ist jedoch nur ein scheinbarer Widerspruch.

Zunächst gilt dieses Wort aus Jesaja 54 nur Israel und nicht der ganzen Menschheit. Zweitens bezieht es sich auf Israel, nachdem es die Urteile und Gerichte Gottes durchlebt hat. Dann wird nämlich Gott dieses Volk wiederherstellen und sein Zorn wird sich danach nicht mehr über Israel ergießen.

Die Ankunft des Sohnes des Menschen

Über die Welt kommen allerdings doch Gerichte, die mit dem Gericht der Sintflut vergleichbar sind. An erster Stelle steht die Erscheinung des Herrn Jesus Christus, die mit Gericht gepaart sein wird. Im Matthäusevangelium wird dieses Gericht mit dem der Sintflut verglichen. Matthäus 24,37–41 lautet nämlich:

„Denn wie die Tage Noahs waren, so wird die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wie sie in jenen Tagen vor der Flut waren: Sie aßen und tranken, sie heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging und sie es nicht erkannten, bis die Flut kam und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Dann werden zwei auf dem Feld sein, einer wird genommen und einer gelassen; zwei Frauen werden am Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine gelassen.“

Oft wird dieser Abschnitt mit 1. Thessalonicher 4,17 in Verbindung gebracht und man meint, dass „eine wird weggenommen“ auf die Aufnahme der Gemeinde hindeutet – jedoch völlig zu Unrecht. In Matthäus 24 ist nämlich überhaupt nicht die Rede von der Ankunft des Herrn Jesus in der Luft, um die Seinen zu sich zu nehmen, sondern von seiner Erscheinung zum Gericht, bei der Er von seiner Gemeinde begleitet wird. Die Gemeinde ist nämlich schon vor der Zeit aufgenommen.

Darüber hinaus macht der Zusammenhang sehr deutlich, dass das „Wegnehmen“, über das Matthäus 24,40 spricht, eine Gerichtshandlung ist. Die eine, die weggenommen werden wird, wird durch das Gericht weggenommen, genau wie die Sintflut die Ungläubigen wegnahm (vgl. V. 39). Dagegen sind die, „die gelassen werden“ diejenigen, die von dem Gericht verschont bleiben und die in das Königreich, das bei der Erscheinung von Jesus Christus aufgerichtet wird, hineingehen.

Das Gericht teilt sich in zwei Teile, nämlich in ein „Kriegsgericht“ und ein „Richterstuhl-Gericht“. Über das erste finden wir weitere Besonderheiten in Offenbarung 19,19–21. Diese Verse beschreiben, wie „das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere“ Krieg führen, „mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer“. Hier finden wir den Weltbeherrscher der Zukunft – und alle mit ihm verbunden Mächte – wie er sich gegen den Gesalbten Gottes wendet, der vom Himmel mit seinen Heeren herabkommt. Dabei wird das Tier mit dem falschen Propheten gegriffen und lebendig in den Feuersee geworfen und die übrigen werden getötet.

Über das „Richterstuhlgericht“ macht uns Matthäus 25,31–46 schlau. Aus diesem Abschnitt wird deutlich, dass sich der Sohn des Menschen auf den Thron der Herrlichkeit setzen wird und dass die Völker vor Ihm versammelt werden. Diese werden in Schafe und Böcke aufgeteilt werden. Die Schafe sind die, die nicht gerichtet werden, aber auf der Erde „zurückbleiben“ und in das Königreich eingehen, „das ihnen bereitet ist von Grundlegung der Welt an“.

Die Böcke dagegen werden durch das Gericht weggenommen. Und der Maßstab der Beurteilung ist die Art und Weise wie man sich denen gegenüber verhalten hat, die der Herr „diese meine Brüder“ nennt. Darunter müssen in Verbindung mit anderen Bibelstellen, z.B. Offenbarung 7, Gläubige aus Israel verstanden werden.

Das Endgericht

Nach der Zeit des Königreichs, anders gesagt, nach dem 1000-jährigen Reich wird noch einmal ein Gericht Gottes über diese Erde kommen. Das Gericht ist ausgebreiteter als das Gericht über die Lebenden, das bei der Erscheinung von Jesus Christus stattfindet. Es trifft nämlich nicht nur Menschen, sondern auch die Erde, so wie die Sintflut die Erde traf. Über dieses definitive Gericht spricht Petrus in seinem zweiten Brief. In Kapitel 3 von diesem Brief behandelt er die Spötter, die behaupten, dass sich in der Schöpfung nie etwas verändert hat. Der Apostel zeigt, dass diese Menschen wider besseres Wissen an dem Gericht der Sintflut vorbeigehen „durch welche die damalige Welt, von Wasser überschwemmt, unterging“ (V. 6). Und er bestätigt, dass der gegenwärtige Himmel und die Erde durch ein derartiges allgemeines Weltgericht getroffen werden. Dabei bleibt Gott dem Versprechen an Noah jedoch treu, dass er die Erde nicht wieder durch Wasser vertilgen wird.

Das Gericht wird nämlich durch Feuer ausgeübt werden (V. 7). Auch hierzu finden wir im Buch der Offenbarung weitere Einzelheiten. Nach der Ankündigung der 1000jährigen Regierung von Christus beschreibt der Apostel Johannes, wie Satan für eine kurze Zeit losgelassen wird und die Völker noch einmal in Aufstand zu Gott bringt. Dann wird Feuer vom Himmel fallen und diese Aufständischen verzehren (Off 20,7–10), danach verschwinden die Erde und der Himmel (V. 11). Anschließend sieht der Prophet einen neuen Himmel und eine neue Erde, „denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr“ (Off 21,1).

Arche und Kreuz

Angesichts der beiden oben genannten Gerichte ist zum Glück noch ein Vergleich mit dem Gericht in den Tagen Noahs möglich.

So wie damals, ist auch angesichts dieser Gerichte Rettung möglich. Noah bekam nämlich den Auftrag, eine Arche zu bauen und in dieser Arche fanden er und die Seinen einen Schutz. Das Bauen dieser Arche war eine Tat seines Glaubens (Heb 11,7). Dass nur wenige, das ist acht Seelen (1. Pet 3,20), gerettet wurden, war nicht Gottes Schuld. Die Arche war groß genug, mehr aufzunehmen. Die anderen Menschen wollten aber nicht hineingehen und kamen deswegen um. So ist auch Rettung möglich angesichts der Gerichte Gottes, die kommen werden. Die Annahme dieser Rettung ist jedoch ebenso eine Sache des Glaubens. Glaube an Jesus Christus, der für uns in das Gericht gehen wollte. Auch hier müssen wir leider feststellen, dass viele, jetzt und in der Zukunft, diese Rettung nicht annehmen wollen. Dass es nur wenige sind, die den schmalen Pfad wählen, ist ebenso wenig die Schuld Gottes. Das Opfer von Jesus Christus ist wertvoll genug, um alle zu retten. Der Aufruf zur Rettung geht ebenso zu allen aus. Es ist jedoch die Schuld des Menschen selbst, wenn er sich weigert, sich zu bekehren und er deswegen durch das Gericht getroffen werden wird.

Die Worte: „Wenn... ich... sehe“ kommen noch einmal in der Schrift in Verbindung mit einem Zeichen vor. Wir lesen darüber im zweiten Buch Mose. Israel musste in Ägypten Blut an die Türpfosten der Häuser streichen, in denen sie sich befanden. Und dort, wo Blut gestrichen wurde, ging der Verderberengel, der die Erstgeburt schlagen musste, vorüber. Von diesem Blut sagte der Herr:

„Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen“ (2. Mo 12,13).

Israel konnte auf dieses Wort des Herrn zählen. Wichtig war nicht, ob Israel das Blut sah, ob jeder Israelit in dieser denkwürdigen Nacht wohl jeden Moment an das Blut dachte oder dergleichen. Das Wichtigste war, dass Gott das Blut sah. Aber um Blut sehen zu können, musste es natürlich schon an die Türpfosten angebracht werden. Das Blut an den Türpfosten spricht genauso wie die Arche Noahs von Rettung, die es durch das Kreuz von Jesus Christus gibt. Wer im Glauben Jesus Christus angenommen hat, darf wissen, dass er durch das Blut geschützt ist. So wie Gott den Regenbogen sieht und an seinen Bund mit Noah denkt, so sieht Gott immer das Blut, das auf Golgatha vergossen wurde und gedenkt an alle, die dadurch Schutz gesucht haben.

Wir verlieren den Bogen und das Blut schon mal aus den Augen. Wir denken nicht immer an deren Wert. Wir hören nicht immer „die Sprache, die sie sprechen“. Der Herr tut das aber sehr wohl. Er sieht und Er gedenkt... Lasst das zu unserer Ermunterung dienen!

[Aus dem Holländischen übersetzt]