Vierzehn Mal im Gebet

Online seit dem 19.06.2011, Bibelstellen: Lk 3,21.22; Lk 5,15.16; Lk 6,12.13; Lk 9,8; Lk 9,28.29; Lk 11,1; Lk 22,31.32; Lk 22,41

Im Lukasevangelium finden wir den Herrn Jesus vierzehn Mal im Gebet:

1. Lukas 3,21: „Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel aufgetan wurde …“ Nur in Lukas finden wir dieses Gebet anlässlich der Taufe des Herrn – vor seinem öffentlichen Dienst. Damit zeigt Er von Beginn an, dass Er der abhängige und demütige Mensch ist, der sich jeden Morgen das Ohr öffnen lässt (Jes 50,4).

2. Lukas 5,16: „Er aber zog sich zurück und war in den Wüsteneien und betete.“ Das zweite Gebet kommt nach der ersten Zeit der Wunderwirkungen. Und es steht zwischen zwei großartigen Wundern, die seinen Dienst ganz besonders kennzeichneten. So wie Er wirklich Gott ist, so war Er auch vollkommen Mensch, der nicht nur das Gesetz vollständig beachtete, sondern auch in völliger Abhängigkeit von Gott lebte – auch und gerade, wenn Er Wunder wirkte. Daran sehen wir die vollkommene Zusammengehörigkeit von Gebet und Dienst.

3. Lukas 6,12: „Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott.“ Die Menschen ratschlagten in dieser Zeit, den Herrn Jesus umzubringen, Ihm Böses zu tun. Und zugleich stand eine äußerst wichtige Aufgabe vor Ihm: die Erwählung der Jünger. Vor dieser Aufgabe nimmt sich der Herr eine ganze Nacht Zeit, um zu beten. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Jünger einzeln vor dem Herzen des Herrn standen: Petrus, Johannes, Jakobus, Andreas, Matthäus, Philippus … Besonders an Judas wird der Herr gedacht haben: Welche Empfindungen wird Er vor dem Vater ausgebreitet haben, als Er mit Ihm über Judas sprach?

4. Lukas 9,16 : „Er nahm aber die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie sie der Volkmenge vorlegten.“ Von diesem Vers können wir lernen, dass auch der Herr Jesus für die Speisen dankte. Er selbst ist der Schöpfer (Kol 1,16). Alle Dinge sind nicht nur von Ihm, sondern auch für Ihn, zu seiner ganz persönlichen Freude geschaffen. Aber wenn Er Speise zu sich nimmt, ja sogar, wenn Er diese an andere verteilt, dann dankt Er Gott im Gebet dafür.

5. Lukas 9,18: „Und es geschah, als er für sich allein betete, dass die Jünger bei ihm waren.“ Der Herr Jesus betete allein: Das ist auch für uns ein Vorbild. Nach großen Wundertaten ging Er immer wieder in die Stille zurück. Der Herr Jesus wusste auch, was nun vor Ihm lag: dieses großartige Bekenntnis von Petrus, dass Er der Sohn des lebendigen Gottes sei. Und der Herr wusste auch, dass Er in dieser Verbindung seine Leiden ankündigen würde.

6. Lukas 9,28: „Es geschah aber etwa acht Tage nach diesen Worten, dass er Petrus und Johannes und Jakobus mitnahm und auf den Berg stieg, um zu beten.“ Nur Lukas berichtet uns, dass der Herr Jesus auf den sogenannten „Berg der Verklärung“ ging, um zu beten. Diese Szene stellt uns „in Kleinformat“ das vor, was im 1000-jährigen Reich Realität werden wird: Der Herr Jesus wird als Herr und König anerkannt werden und inmitten himmlischer und irdischer Gläubiger, die seine Herrlichkeit betrachten, regieren. Man kann bei dieser Stelle aber auch an Psalm 110 denken: Der Herr durfte während seines leidvollen Weges auf dieser Erde aus dem erfrischenden Bach trinken, den Gott Ihm schenkte.

7. Lukas 10,21: „In derselben Stunde frohlockte er im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.“ Hier haben wir ein ganz erhabenes Gebet unseres Herrn vor uns. Gerade in einer Situation, in der die Jünger zeigen, dass sie den Herrn Jesus nicht wirklich kannten – und im Anschluss an sein Gebet bekräftigt der Herr sogar die Unmöglichkeit für Menschen, Ihn wirklich zu kennen (Lk 10,22) –, bringt der Herr eine himmlische Freude zum Ausdruck, die Ihn mit seinem Vater verband. Ob wir etwas von dieser überaus großen Freude verstehen können?

8. Lukas 11,1: „Und es geschah, als er an einem gewissen Ort war und betete, da sprach, als er aufhörte, einer seiner Jünger zu ihm: Herr lehre uns beten.“ Wenn Leute zu den Füßen des Herrn saßen, dann zeigte Er, dass zum Lesen des Wortes – denn das ist es, was wir zu seinen Füßen hören und lernen – in gleicher Weise das Gebet gehört. Das göttliche Wort bringt der Seele die Kenntnis von Jesus, so wie das Gebet das Herz zu Ihm hinführt, der uns Barmherzigkeit gegeben und gezeigt hat. Die Jünger fühlten, dass sie das Gebet nötig hatten. Und sie wussten nicht, wie sie beten sollten. So geht es ja letztlich uns allen, aber besonders unseren Kindern. Und ihnen oder anderen Menschen, die zum Glauben kommen, dürfen auch wir beibringen, wie und was man betet.

9. Lukas 22,17: „Und er nahm einen Kelch, dankte und Sprache: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch. … Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen.“ Auch bei der Einsetzung des Gedächtnismahls (Abendmahls) lesen wir, dass der Herr Jesus dem Vater für das Mahl dankte. Es fällt auf, dass von einer ganz schlichten Danksagung die Rede ist. Wofür dankte der Herr? Für das Brot und den Kelch. Und zugleich symbolisiert dieses Mahl, dass Er sterben würde. Welch ein Danken des Herrn!

10. Lukas 22,32: „Simon, Simon! Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre.“ Wir finden hier das Gebet für Petrus, der jedes Selbstvertrauen aufgeben musste. Wir kennen den Herrn Jesus als Hohenpriester (Heb 7,25.26) und Sachwalter (1. Joh 2,1.2). Genau diese Tätigkeit übt der Herr Jesus hier aus. Hier schon beginnt dieses Werk des Herrn an der Seele des Petrus: vor dem eigentlich Fall; dann die Ankündigung, dass er Christus verleugnen würde; dann der Blick in die Augen des Petrus; dann das persönliche Zurechtbringen unter vier Augen; schließlich die öffentliche Wiederherstellung vor allen Jüngern.

11. Lukas 22,41: „Und er zog sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurück und kniete nieder, betete und sprach: Vater, wenn du willst, so nimm diesen Kelch von mir weg – doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“ Dieses Gebet ist in seiner Art einzigartig, weil es den Willen des Herrn und den des Vaters direkt unterscheidet. Bei diesem Gebet in Gethsemane breitet der Herr die ganze vor Ihm stehende Not des Kreuzes und der sühnenden Leiden vor Gott aus. Insofern handelt es sich um eine Gelegenheit, in der der Herr Jesus einzigartig ist, nicht mehr unser Vorbild, wobei man natürlich eine Anwendung machen kann. Wir finden, dass der Herr Jesus die Jünger auffordert zu beten. Es wird uns aber nur von Ihm berichtet, dass Er ein Gebet gesprochen hat. Und obwohl das ganze Werk des Kreuzes vor seiner Seele stand, nennt Er Gott im Gebet vertrauensvoll seinen Vater.

12. Lukas 23,34: „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Das ist der erste von sieben Aussprüchen des Herrn am Kreuz. Und dieses gesprochene Wort ist ein Gebet. Wenn der Herr auch in seinem Gebet, das in der Mitte der sieben Aussprüche steht, zu „Gott“ betet („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“), so spricht Er doch in dem ersten und in dem letzten Gebet zu seinem Vater. Und Er denkt hier wieder nur an andere, nicht an sich selbst.

13. Lukas 23,46: „Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Als er aber dies gesagt hatte, verschied er.“ Dies ist das letzte Wort des Herrn am Kreuz. Und auch hier spricht der Herr Jesus wieder zum Vater. Es zeigt das unerschütterliche Vertrauen des Herrn zum Vater. Und es zeigt den Tod des Menschen, der ewig Mensch bleiben wird.

14. Lukas 24,30: „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch lag, dass er das Brot nahm und segnete; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie er-kannten ihn.“ Obwohl sich der Herr Jesus im Haus der sogenannten Emmaus-Jünger befand und somit Gast war, war Er zugleich der Gastgeber. Er ist es, der Gott für die Mahlzeit dankt. Wie oft hat Er während seines Dienstes für Mahlzeiten gedankt? Wir wissen es nicht. Aber seine Jünger kannten seine Danksagungen und auch den Charakter seiner Danksagungen so gut, dass die beiden Emmaus-Jünger Ihn an seinem Gebet erkannten. In gewisser Weise erkennt man den Herrn an seinen Gebeten.

Manuel Seibel