Siebzig Jahrwochen

Online seit dem 13.08.2011, Bibelstellen: Daniel 9,24-27

Ein Schlüssel zum Verständnis (alttestamentlicher) Prophetie hängt in Daniel 9. In vier Versen wird Daniel mitgeteilt, dass über sein Volk 70 Wochen bestimmt sind, ehe sich die Prophezeiungen über das Friedensreich erfüllen und eine nationale Vergebung stattgefunden haben würde (Dan 9,24–27).

Diese Wochen sind keine buchstäblichen Wochen. Denn der Wiederaufbau Jerusalems konnte nicht innerhalb einer Woche bewerkstelligt werden; der Messias ist auch erst viele Jahre später gekommen. Und ein Bündnis zwischen Nationen (siehe Daniel 9,27) währt nicht nur sieben Tage lang.

Es ist eine Jahrwoche gemeint. Der Ausdruck „Woche“ meint einfach eine Siebener-Einheit: der Zusammenhang macht klar, dass eine Woche mit Jahren gemeint ist. Eine Jahrwoche sind 7 Jahre (wie ein Sabbatjahr in 3. Mose 25,7). Also sind insgesamt 490 Jahre über das Volk Daniels, über das Volk Israel, bestimmt – bis sie den Segen des Reiches erleben. Startpunkt für die Rechnung der 490 Jahre ist der Befehl, Jerusalem wieder aufzubauen (445 v. Chr., vgl. Nehemia 2).

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Gefangenschaft in Babylon siebzig Jahre dauerte. Das Volk hatte 490 Jahre lang die Jahressabbate nicht eingehalten (alle sieben Jahre sollten die Felder etc. in Israel nicht bestellt werden). Also wurde es 70 Mal versäumt, dem Land die vorgeschriebene Ruhe zu geben. Demgemäß musste das Volk 70 Jahre außerhalb des Landes sein, damit das Land die Sabbate „nachfeiern“ konnte (2. Chr 36,21). 490 Jahre waren sie untreu, bis es zur ersten Gefangenschaft unter Nebukadnezar kam. Wieder 490 Jahre würden vergehen, bis das Reich des Messias käme. Zunächst würde in 7 Jahrwochen Jerusalem unter Schwierigkeiten wieder aufgebaut werden (Dan 9,25). Dann würden weitere 62 Jahrwochen vergehen – an deren Ende die Verwerfung des Messias stand (Dan 9,26).

Die letzte Jahrwoche (die letzten sieben Jahre) schloss sich dann offenbar nicht an die verflossenen 69 Jahrwochen an. Denn es ist davon die Rede, dass etwas „bis zum Ende“ geschieht (Vers 26). Und die letzte Woche wird auch separat in Vers 27 behandelt. Es ist ganz einfach: Gott hat nach der Verwerfung des Messias Jesus Christus die „Uhr Israels“ angehalten. Denn jetzt sammelt er aus allen Nationen ein Volk für seinen Namen und beschäftigt sich nicht mehr mit Israel. Wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird, dann wird Gott die „Uhr Israels“ in Gang setzen und die letzten sieben Jahren werden kommen – das ist die siebenjährige Drangsalszeit vor der Aufrichtung des Reiches.

Das, was Daniel über die 70 Jahrwochen schreibt, gibt uns einen großartigen und gerafften Blick auf die Geschichte Israels – in der Vergangenheit und in der Zukunft.

Gerrid Setzer