Kleine Füchse

Online seit dem 05.10.2005, Bibelstellen: Hohelied 2,15

Lied der Lieder, Kapitel 2,15: „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben; denn unsere Weinberge sind in der Blüte!“

Ist es nicht so, dass dann, wenn wir mit den unbedeutend erscheinenden Verfehlungen in unserem Christenleben nicht aufräumen, wir kaum Frucht hervorbringen können und ernstes Versagen vor der Tür lauert? Ja, diese „kleine Füchse“, die nicht gefangen und damit unschädlich gemacht werden, können der Auslöser sein, ein ganzes Christenleben zu ruinieren.

Salomo kam an dem Weinberg eines unverständigen Menschen vorbei, der so verwildert war, dass keine Frucht mehr hervorkommen konnte. Was für eine Schlussfolgerung zog Salomo daraus? „Ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer, ein wenig Händefalten, um auszuruhen – und deine Armut kommt herangeschritten, und deine Not wie ein gewappneter Mann.“ (siehe Sprüche 24,30ff).

Auch ist es so, dass eine einzige Untreue das Zeugnis für den Herrn sehr nachhaltig beeinträchtigen kann. Nehmen wir an, ein Christ ist selbstständig und wickelt über Jahrzehnte Millionengeschäfte in absoluter Ehrlichkeit ab – das spricht sich rum. Nun ist er einmal unehrlich bei einer Nebensächlichkeit. Das wird bekannt und sein guter Ruf ist dahin. Fliegen, diese kleinen Tierem verderben das Öl des Salbenmischers. Ein wenig Torheit wird oft mehr Bedeutung beigemessen als viel Weisheit. So wie ein Sünder viel Gutes vernichten kann, so auch eine Sünde im Leben des Gläubigen (siehe Pred 10,1 und Pred 9,18).

Vielleicht noch einen Gedanken in Bezug auf das gemeinschaftliche Leben. Nehmen wir an, jemand würde sagen: „Wir sind 200 Geschwister; davon lebt einer in Hurerei und einer macht die Gnade durch Gesetzlichkeit ungültig. Das sind nur 1% ungute Elemente. Wir sehen kein Handlungsbedarf!“ Das wäre natürlich fatal. Denn ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig (1. Kor 5,6 und Gal 5,9). Nun, das bedeutet m.E. nicht, dass dann, wenn kein Ausschluss erfolgen würde, auf die Dauer alle diese Sünde tun würden (auch wenn die Gefahr der Beeinflussung auf jeden Fall gegeben ist), sondern der Gedanke scheint folgender zu sein: Wenn eine Versammlung keine Zucht ausüben will, verliert sie den Charakter der Heiligkeit (dem herausragenden Wesensmerkmal des Hauses Gottes) und wird durch das Böse gekennzeichnet sein. Man kann dann einfach nicht mehr sagen, dass die Gläubigen, die diese Zusammenkünfte besuchen, den Wunsch haben, ihren Weg in Heiligkeit zu gehen – auch wenn es „nur“ ein oder zwei Personen sind, die im Bösen leben.

Gerrid Setzer