Der Heilige Geist (03) - Sein lebendig machendes Werk

Online seit dem 29.09.2011, Bibelstellen: Johannes 3,1-16

Wir hatten die Persönlichkeit des Heiligen Geistes und haben uns auch mit seinem wunderbaren Werk in Bezug auf das Wort Gottes beschäftigt. Nun wollen wir Sein Werk in der Seele untersuchen, in der Er neues, göttliches Leben bewirkt, wo einst Sünde und Tod herrschten.

In Johannes 3 wird dies sehr einfach entfaltet. Nikodemus kam bei Nacht zu dem Herrn. Er war wie viele andere in Jerusalem zu jener Zeit äußerlich überzeugt von den Wundern, die der Herr wirkte (Joh 2,33). Er kam „bei Nacht“, weil er instinktiv fühlte, dass die Welt Jesus feindlich gesinnt war, und dass es ihm Verfolgung oder wenigstens Schande einbringen würde, wenn er mit Ihm gesehen würde. Er beginnt mit den Worten: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ Der Herr begegnet ihm sofort mit der ernsten Aussage: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“

Wie demütigend! Welch ein Prüfstein für die Gedanken dieses Lehrers der Juden! Wir lernen hier die ernste Tatsache, dass der Mensch in seinem natürlichen Zustand die Dinge Gottes nicht erfassen oder verstehen kann. Vorzüge oder Vorteile bilden da keine wirkliche Ausnahme. Nikodemus hatte viele Vorzüge. Er war weder ein gottloser, sittenloser Mensch noch ein Heide. Er war ein hochrangiger Jude als Lehrer seiner Zeitgenossen, vertraut mit dem Buchstaben der Schriften, und zweifellos moralisch und religiös. Könnte man sich ein besseres Exemplar der Gattung Mensch vorstellen?

Saulus von Tarsus war genau so einer. Lies, was er in Philipper 3 über sich selbst berichtet. Er besaß jeden natürlichen, haushaltungsmäßigen und religiösen Vorzug.

Mancher hätten es sicher besser verstanden, wenn der Herr in Johannes 4 von der neuen Geburt gesprochen hätte anstatt in Johannes 3. In Johannes 4 sehen wir sein Handeln mit einer offensichtlich bösen Frau am Brunnen von Sichar. Doch nicht dort sondern hier sagt der Herr Jesus: „Du musst von neuem geboren werden.“

Jeder muss früher oder später lernen, dass die Natur des Menschen Gott total entgegengesetzt ist – total schlecht und verdorben vor Ihm. Es ist nicht nur, dass Menschen böse Dinge getan haben, die ganze Natur ist schlecht und unverbesserlich. Nur wenige sehen das ein. Wir hören in unseren Tagen viel von der Verbesserung des Menschen, von dem Emporheben der Massen, usw. Doch zeigt das alles nur, dass die Menschen das Urteil Gottes über sie nicht anerkannt haben. Wenn sie sich nur darunter beugen würden, könnten sie dankbare Gegenstände der souveränen Gnade und Liebe Gottes sein.

Es bleibt also wahr, im Fleisch wohnt nichts Gutes. Seine Gesinnung ist Feindschaft gegen Gott, und die, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen (Rö 7,18; Rö 8,7–8). Das lässt keinen Raum für Einsprüche oder Veränderungen. Ein Mensch muss von neuem geboren werden, sonst kann er das Reich Gottes nicht sehen noch hineingehen.

Doch wie kann das geschehen? Nikodemus konnte es nicht sagen, auch heute kann das niemand, doch der Herr Jesus erklärt es: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde ...“ Hier haben wir es in kurzen Worten. Es ist das direkte Werk des Geistes Gottes, der durch das Wort Gottes an der Seele wirkt. Vielleicht muss ich kaum erklären, dass das „Wasser“ hier ein Bild des Wortes Gottes ist. Manche haben den Gedanken der Taufe in dieses Kapitel eingeführt und das Mahl des Herrn in Kapitel 4. Doch die christliche Taufe wurde erst nach der Auferweckung des Herrn eingesetzt und das Mahl des Herrn erst in der Nacht seiner Überlieferung. Folglich kann beides nicht in den ersten Kapiteln des Johannesevangeliums zu finden sein.

Das Wasser ist ein Bild des Wortes Gottes, was der jüdische Lehrer aus Stellen wie Hesekiel 36,25 und Psalm 119,9 hätte wissen sollen. Für Christen wird der Gedanke in Epheser 5,26 und Johannes 15,3 bestätigt. Der Geist Gottes wendet das Wort Gottes auf die Seele an, indem Er sie von der Sünde überführt und ihr den gestorbenen und auferstandenen Retter offenbart. Dies nimmt die Seele im Glauben an, und erhält dadurch neues Leben und eine neue Natur.

In 1. Petrus 1,23 lesen wir: „Die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.“ Das ist keine Verbesserung der alten Natur. Auf keinen Fall. Die bleibt so schlecht wie eh und je, wird aber unterdrückt durch die Seele, die die Befreiung durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi kennengelernt hat. Es ist ein verliehenes Leben, dass es vorher in der Person nicht gab. Es befähigt sie nun, über die Sünde so zu denken wie Gott, das Evangelium zu glauben, den Heiland zu lieben, zu beten und anzubeten, und die Wege der Heiligkeit und Wahrheit zu lieben. Es ist Teilhaber der Natur dessen, der die Quelle des Lebens ist – „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“

Das ist nichts spezifisch Christliches. Seit die Sünde in die Welt kam, tut der Heilige Geist dieses gnädige Werk an Seelen. Was spezifisch für die christliche Zeitperiode ist, ist die Innewohnung des Heiligen Geistes, von der wir bei anderer Gelegenheit sprechen werden. Doch sein lebendig machendes Wirken in der Seele ist zu jeder Zeit wahr, unabhängig von Unterschieden zwischen den Haushaltungen.

Doch in Johannes 3 sagt der Herr noch mehr als in alttestamentlichen Zeiten bekannt sein konnte. Er spricht von ewigem Leben. Er war vom Himmel gekommen, um Gott zu offenbaren und um zu zeigen, was der Gegenwart Gottes und Ihm selbst angemessen ist, und Er war die Offenbarung des ewigen Lebens. In Ihm war Leben, ja, Er war das Leben, ein dem Charakter und Ursprung nach himmlisches Leben, dessen eigentliche und geeignete  Sphäre der Himmel ist, das aber schon jetzt das kostbare Teil eines jeden ist, der an den Sohn glaubt. Der Sohn wurde erhöht, damit das Leben allen verliehen werden kann, die an seinen Namen glauben. Wir sagen nicht, dass nicht auch die alttestamentlich Gläubigen ewiges Leben hatten. Aber das Leben war noch nicht in seinem vollen und himmlischen Charakter offenbart, bevor der eingeborene Sohn von dem Vater in die Welt kam.

W.W. Fereday