Der Heilige Geist (10) - Salbung, Siegel und Unterpfand

Online seit dem 13.10.2011, Bibelstellen: 2. Korinther 1,21-22; 1. Johannes 2,24+27; Epheser 1,13-14; Epheser 4,30; 2. Korinther 5,5

In 2. Korinther 1,21–22 wird uns der Geist Gottes in drei bemerkenswerten Bildern vorgestellt. „Der uns aber mit euch befestigt in Christus und uns gesalbt hat, ist Gott, der uns auch versiegelt hat und hat das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben.“ Der Apostel stellt hier den festen Platz des Segens vor, an den Gott jeden Gläubigen in Jesus gebracht hat. Wir sind nicht mehr in Adam, dem Tod und dem Gericht verfallen, sondern in Christus, und in Ihm ist uns jede für uns vorgesehene Segnung ewig sicher. Doch die Gnade unseres Gottes ist so überströmend, dass Er uns über das alles hinaus noch den Heiligen Geist als Salbung, Siegel und Unterpfand gegeben hat. Er wohnt in uns.

1. Die Salbung. Der Herr Jesus empfing den Geist auf diese Weis als Er als Mensch auf der Erde lebte. Wir lesen: „... deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast“, „Jesus, den von Nazareth, wie Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat“ (Apg 4,27; 10,38). Das war ein Ausdruck göttlichen Wohlgefallens an Ihm persönlich. Der Vater sah in Ihm vollkommene Abhängigkeit und fehlerlosen Gehorsam. Der Geist wurde auf Ihn gesandt als Zeichen der völligen Anerkennung und vollkommenen Zufriedenheit Gottes. Er war das wahre Speisopfer, „gesalbt mit Öl“ (3. Mo 11,4).

Gläubige werden auf einer völlig anderen Grundlage mit dem Heiligen Geist versiegelt. Nicht aufgrund dessen, was Gott in uns sieht, sondern was sein Auge gesehen und sein Herz gefunden haben in dem auferstandenen und erhöhten Christus. Ein großes Ergebnis der Salbung ist, dass wir Gemeinschaft haben mit dem Herzen Gottes. Der Heilige Geist führt uns in den Kreis der Gedanken Gottes ein, wie sein in seinem Wort offenbart sind. Es ist nicht genug, wiedergeboren zu sein, man muss den Heiligen Geist besitzen, ohne den keine Fortschritte in den Dingen Gottes gemacht werden können. Als der geliebte Apostel die Kindlein vor den vielen Antichristen warnte, die schon damals in der Welt ihr Unwesen treiben, stellt er ihnen daher zwei Dinge als Bewahrungsmittel vor. 1. Die Lehre der Apostel: „Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch“ (1. Joh 2,24). 2. Die Salbung: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch“ (1. Joh 2,27). Seelen, die davon Gebrauch machen und in dem Kreis der Belehrungen des Geistes bleiben, bleiben vor all den vielen Bemühungen des Feindes bewahrt. Unsere Herzen können dann das genießen, was der Geist mitteilt; und sind so in der Lage, die Nachahmungen des Feindes abzuweisen. Vielleicht ist die Fähigkeit nicht da, den vorgestellten Irrtum aufzudecken, aber es wird erkannt, dass es nicht die Wahrheit ist, und das ist ausreichend für die einfältige Seele (vgl. Joh 10,5). Die Salbung erinnert uns auch an unsere Stellung als Könige und Priester. Sowohl Könige als auch Priester wurden auf diese Weise in ihr Amt eingeführt. Beide Würden sind durch die Gnade Gottes unser Teil. Gläubige sind jetzt eine „heilige Priesterschaft“, die das Recht hat, Gott durch den Vorhang hin zu nahen. Und an dem kommenden Tag werden sie mit Christus herrschen, wenn Gott all Dinge seinen Händen übergeben hat. In der Zwischenzeit ist Leiden unser festgesetztes Los.

2. Das Siegel. „Der uns auch versiegelt hat.“ Der Herr Jesus konnte von sich sagen: „Diesen hat der Vater, Gott, versiegelt“ (Joh 6,27). Dasselbe gilt für die, die an seinen Tod und seine Auferstehung glauben. Versiegelung folgt auf Glauben. Das wird aus Epheser 1,13 klar: „In welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung.“ Wir erkennen also zwei bestimmte Handlungen des Geistes Gottes: erstens wirkt er in uns, um Glauben an Gott und seinen Sohn hervorzubringen und zweitens ist er uns als Siegel Gottes gegeben. Gläubige werden dadurch als solche gekennzeichnet, die Gott gehören. Unsere Verbindung mit der Welt ist abgebrochen. Die Fesseln, mit denen Satan uns gebunden hatte, sind durchtrennt, und wir sind nun das Besitztum unseres Gottes (1. Pet 2,9). Entsprechen alle unsere Herzen treu dieser Tatsache? Sind unser Leib, Seele und Geist Ihm ergeben, zu seinem Dienst und seiner Ehre? Wie oft wird von dem Kaufpreis beiseite geschafft (vgl. Apg 5,2–3)? Wie viel Eigenwille ist am Werk, wie sehr klammern  sich manche, die wirklich dem Herrn Jesus angehören, am die Welt? Lasst uns alle ernsthafter seine herrlichen Eigentumsansprüche anerkennen und uns Ihm völlig ausliefern.

Welch ein gewaltiger Trost, dass dieses göttliche Siegel von niemandem, nicht einmal dem schwächsten Gläubigen, je entfernt wird. Manche irren sich in diesem Punkt. Sie fürchten, dass der Heilige Geist wirklich wieder entzogen wird, wenn sie auf ihrem Weg fehlen. Nein. Gott gab mir seinen Heiligen Geist, wohl wissend, was ich für einer sein würde. Und Er gab Ihn mir nicht, weil Er etwas in mir sah, sondern aufgrund dessen, was Er in Christus sieht. Und das wird sich nie ändern. Trotzdem sollen wir sorgfältig und heilig leben. „Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, durch den ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung“ (Eph 4,30).

3. Das Unterpfand. „Und hat das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben.“ Dies wird mit Blick auf das zukünftige Erbteil gesagt. Gott beabsichtigt, alles im Himmel und auf der Erde seinem Sohn zu geben. Der Eindringling mag zurzeit noch an seinen Herrschaftsgebieten festhalten, aber göttliche acht wird sie ihm in Kürze entwenden und sie dem Herrn Jesus übergeben. Er wir dieses Universalerbteil mit uns teilen, das ist die Absicht seines Herzens. Aber es kann uns jetzt noch nicht gegeben werden. Es müssen noch Ratschlüsse vollbracht und Feinde besiegt werden. Der Geist Gottes wohnt daher als Unterpfand (oder Anzahlung) all dessen, was kommen wird, in uns. Er ist das Unterpfand unseres Erbes bis zur Erlösung des erworbenen Besitzes (Eph 1,14; 2. Kor 5,5). Wir warten also vertrauensvoll auf Gott, der all sein Wort erfüllen wird. Als das Siegel ist der Geist das Zeichen des Anspruchs Gottes an mich. Als das Unterpfand ist Er das Zeichen meines Anspruchs an Gott, den mir die göttliche Gnade gegeben hat.

Er ist nicht das Unterpfand der Liebe Gottes, auch nicht der Beziehung. Beides kennen und genießen wir schon jetzt. Wir sind bereits in dem Kreis grenzenloser, unwandelbarer Liebe, denn alle Zuneigungen des Vaterherzens ruhen in Christus auf uns, und wir sind bereits Kinder Gottes. Aber das Erbe besitzen wir noch nicht, denn es ist noch nicht den Händen Christi übergeben – daher das Unterpfand des Geistes. Er wartet zur Rechten des Vaters; wir warten hier unten auf dieselbe bestimmte Stunde. Der Heilige Geist ist solange die herrliche Verbindung.

W.W. Fereday