Die Bibel (Entstehung, Überlieferung, Übersetzung)

Online seit dem 31.01.2012

Im Zusammenhang mit dem Thema Bibelüberlieferung/-entstehung tauchen Begriffe auf, die nicht immer leicht zuzuordnen sind. Ich habe deshalb versucht, eine kleine Aufstellung zu dieser Thematik zu machen, und hoffe, dass das hilfreich ist. Für eine weitere Beschäftigung gibt es gute Literatur wie „Die Bibel im Überblick“ von Arend Remmers.

Urtext: Die von Gott inspirierten Schriften. Davon ist keine einzige Schrift mehr erhalten. Das AT wurde in Hebräisch und einige Teile in Aramäisch verfasst und das NT in Griechisch.

Handschriften: Die Bibel wurde natürlich fleißig vervielfältigt. Ungefähr 3.000 hebräische Handschriften (die von den Masoreten, den „Kopierern“, vervielfältigt wurde) sind heute bekannt. Die älteste vollständige Handschrift des AT, der Codex Leningradensis (1008 n. Chr.), gilt als so gut, dass er Wort für Wort in der wissenschaftlichen Ausgabe der Deutschen Bibelgesellschaft abgedruckt wurde. Vom NT gibt es über 5.500 Handschriften. Dazu zählen die 116 sehr alten Papyrushandschriften, die 278 Majuskelhandschriften (3. bis 11. Jahrhundert) und die 2765 Minuskelhandschriften [Stand 2012], von denen die meisten aus dem 9. Jahrhundert stammen. Dann gib es noch viele Bücher, die Bibeltexte für Lesungen enthalten (sog. Lektionare), und Zitate bei den Kirchenvätern.

Grundtext: Aus den Handschriften muss nun der Grundtext ermittelt werden (und es kann kein Zweifel bestehen, dass es theoretisch möglich ist, den exakten Wortlaut des Urtextes rekonstruieren zu können). Beim NT gestaltet sich das nicht so einfach, da die Vervielfältigung der Handschriften nicht so exakt wie beim Hebräischen vonstatten ging und es sehr viel Material gibt. Man kann drei Textgrundlagen im Neuen Testament unterscheiden: Textus Receptus (er war die Grundlage der Übersetzungen in der Reformationszeit, er basiert auf wenigen Handschriften und wurde mehrfach geändert; er ist nahe am Mehrheitstext); Mehrheitstext (die meisten Minuskelhandschriften haben diesen Text); wissenschaftlicher oder kritischer Text, besonders Nestle-Aland (Betonung der alten Handschriften).

Codex Sinaiticus: Das ist die älteste Handschrift der Bibel, die das NT vollständig und das AT teilweise hat. Der Codex Sinaiticus entstand in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Der Text wurde komplett eingescannt.

Kanon: Gott sorgte dafür, dass die inspirierten Schriften zum Kanon zusammengestellt wurden. Wir finden Beispiele in der Bibel, dass Bibelbücher kurz nach der Abfassung als kanonisch bzw. inspiriert beurteilt wurden. In Jeremia 26,18 wird Micha zitiert (Micha 3,12). Daniel verweist auf Jeremia (Dan 9,2; Jer 25,12). Und Paulus zitiert Lukas (1. Tim 5,18; Lk 10,7).  

Apokryphen (“geheim, verborgen“): Zu dem Kanon der Bibel haben manche nicht inspirierte Schriften hinzugefügt. Die Apokryphen des AT waren nie Bestandteil der hebräischen Bibel, sondern tauchten erstmalig in der Septuaginta auf. Jeder, der den Geist Gottes hat, wird leicht erkennen, dass diese Schriften nicht vom Geist inspiriert sind.

Septuaginta (“siebzig“): Die Entstehung der Septuginta (LXX) geht zurück ins 3. Jahrhundert vor Christus. Dort übertrugen Gelehrte (siebzig heißt auf lat. Septuaginta) den hebräischen Bibeltext und andere Schriften des Judentums ins Griechische.  Es ist die erste Übersetzung der hebräischen Bibel. Sie gilt als nicht sehr genau, aber der Sohn Gottes selbst hat daraus zitiert und uns damit eine Hilfestellung gegeben, wie wir mit Bibelübersetzungen umgehen können. Im Jahr 2009 wurde erstmals eine deutsche Übersetzung der Septuaginta von der Deutschen Bibelgesellschaft herausgebracht.

Targum: Als die Juden aus dem Perserreich nach Palästina zurückkehrten, brachten sie das Aramäisch nach Palästina. Deshalb wurde die hebräische Bibel ins Aramäische übersetzt – die Übersetzung nennt man Targum. Es gibt mehrere Targumim, die im Zeitraum von 200 v.Chr bis 800 n.Chr. entstanden. Teilweise finden sich auch Erklärungen neben dem Bibeltext

Vulgata („allgemein verbreitet“): Lateinische Bibelübersetzung. Herausgegeben von Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus. Es war nicht die erste Übersetzung ins Lateinische, aber im Mittelalter sehr verbreitet und bedeutend. Sie enthält einige Fehler.

Deutsche Bibelübersetzungen: Es gibt im Deutschen eine große Anzahl von Bibelübersetzungen, und ständig werden es mehr. Ich nenne zunächst einmal einige wortgetreue Übersetzungen, wie Elberfelder, Schlachter, Menge, Zürcher, Luther. Dann führe ich zwei sog. kommunikative Übersetzungen an: Neue Genfer Übersetzung (nur NT, gründlicher erarbeitet); Neue evangelistische Übertragung (weniger gründlich erarbeitet).

Die Elberfelder: Im deutschen Sprachraum sind momentan grundsätzlich drei verschiedene Varianten der Elberfelder – der genauesten Übersetzung – erhältlich. Erstens: Die alte Elberfelder. Sie ist auf dem Stand der Bearbeitung von 1927. Zweitens: Die Revidierte Elberfelder, sie erschien als Gesamtausgabe erstmalig 1985. Mehr als eine Ungenauigkeit war in dieser Übersetzung zu finden. Einige wurden aber im Lauf der Zeit korrigiert (gleichwohl gibt es weiter Problemstellen wie 2. Kor 5,19; 1. Pet 2,24; Jakobus 4,5 Anmerkung). Im Jahr 2006 kam eine weitere Revision heraus. Seit diesem Zeitpunkt wird die „Revidierte Elberfelder“ nur noch „Elberfelder Bibel“ genannt, wodurch offenbar der Eindruck erweckt werden soll, es sei die Elberfelder. Drittens: Im Jahr 2003 brachte die Christliche Schriftenverbreitung die Komplettausgabe der Elberfelder Übersetzung heraus. Diese Elberfelder Übersetzung geht in den Änderungen nicht so weit wie die Revidierte Elberfelder (und ist somit näher an der alten Elberfelder), klammert sich im NT nicht so stark an Nestle-Aland und hält sich im AT mehr an den masoretischen Text. (Auf dieser Internetseite wird aus der Elbefelder Übersetzung zitiert. Die Bibelstellen, die automatisch angezeigt werden, wenn man mit dem Cursor über eine Bibelstelle fährt, entstammen allerdings der alten Elberfelder, dies ist gegenwärtig – 2012 – nichts anders möglich.)

Gerrid Setzer