Baruch

Online seit dem 28.09.2012, Bibelstellen: Jeremia 36,1-4; Jeremia 45,1-5

Jeremia war viel allein. Doch ein treuer Mann stand ihm in seinem Dienst zur Seite: Baruch, der Schreiber.

Entmutigt und ermutigt (Jeremia 36,1–4 und 45,1–5)

Man schreibt das Jahr 605 v. Chr.: König Jojakim regiert in Juda. Das Volk wird von den Babyloniern sehr bedrängt und ist in großer Not. Da empfängt Jeremia eine Botschaft von Gott, die er von Baruch in eine Buchrolle schreiben lässt (Jer 36,1–4). In diesen Worten drückt Gott seinen Zorn über sein Volk aus, das so sehr gegen ihn gesündigt hatte (Jer 36,7). Unter anderem soll Baruch aufschreiben: „Der König von Babel wird gewiss kommen und dieses Land verderben und Menschen und Vieh daraus vertilgen“ (Jer 36,29).

Als Baruch diese Gerichtsbotschaft aufschreibt, wird er ganz entmutigt. Er ruft aus: „Wehe mir, denn der Herr hat Kummer zu meinem Schmerz hinzugefügt! Ich bin müde von meinem Seufzen und Ruhe finde ich nicht“ (Jer 45,1–3). Solche Empfindungen kennen wir auch von Jeremia (Jer 8,21–23; 14,17.18; 15,10.17.18). Doch Baruchs Seelenschmerz rührt gerade auch daher, dass die kommende Katastrophe seine ehrgeizige Lebensplanung über den Haufen werfen würde: Er trachtete nämlich nach „großen Dingen“ (Jer 45,5). Gott gibt ihm durch Jeremia eine zweifache Botschaft: Er soll akzeptieren, dass das heranrollende Gericht hart und umfassend ist und darum hochfliegende Gedanken unpassend sind. Aber er darf darauf vertrauen, dass er in der Krise sein Leben nicht verlieren wird (Jer 45,4–5). Diese Zusage ermutigt ihn, für Gott einzustehen und auf seinen Schutz zu zählen.

Baruch musste seine Prioritäten prüfen. Das sollten wir auch tun und uns fragen: Wollen wir es in unserem Leben zu „etwas bringen“, oder möchten wir lieber das „wirkliche Leben“ (das Leben mit Christus!) ergreifen (1. Tim 6,17–19)? Die „Gestalt der Welt“ vergeht (1. Kor 7,12), und darum kann jeder weltliche Erfolg nur vorübergehend sein. Das sollte uns beflügeln, für die unvergängliche Krone zu laufen (1. Kor 9,25), anstatt nach großen Dingen in dieser Welt zu trachten. Wir dürfen auf dem Weg des Glaubens und der Treue mit der helfenden und bewahrenden Gnade des Herrn rechnen.

Unerschrocken und unermüdlich (Jeremia 36,5–32)

Jeremia, der unpopuläre Predigten im Tempel gehalten hatte (Jer 7,1–15; 26,1–19), darf den Tempel nicht mehr aufsuchen. Deshalb will er, dass Baruch dorthin geht und die aufgeschriebene Botschaft vorliest. Baruch soll damit warten, bis ein Fasten ausgerufen wird und sich möglichst viele bußfertige Leute im Tempel versammeln. Vielleicht werden die Juden den HERRN anflehen und von ihren bösen Wegen umkehren (Jer 36,7).

Als die Gelegenheit gekommen ist, geht Baruch unerschrocken in den Tempel und liest die Gerichtsbotschaft vor (Jer 36,8.10). Ein Zuhörer namens Mikaja wird durch diese Botschaft getroffen und sorgt dafür, dass Baruch die Worte auch den Fürsten des Landes vorliest. Baruch, der alles exakt aufgeschrieben hatte, was Gott durch Jeremia sagen ließ, trägt nun alles so vor, wie es in der Rolle steht (Jer 36,4.15.18). Er fügt nichts hinzu und lässt nichts weg. Die Fürsten sind erschüttert und beschließen, dass auch der König Jojakim, der Sohn Josias, diese Prophezeiung hören sollte. Als Jehudi die Worte der Rolle vorliest, zerschneidet der König jedoch dreist die Rolle und wirft die Teile nacheinander ins Feuer. Jeremia und Baruch will er gefangen nehmen, aber der HERR hält seine schützende Hand über seine beiden Diener (Jer 36,21–26). Dann empfängt Jeremia den Auftrag, eine neue Rolle zu nehmen und die Worte darauf zu schreiben, die auf der vorigen Rolle standen. Aber nicht nur das – er soll noch andere Worte hinzufügen. Baruch, der unermüdliche Schreiber, ist zur Stelle und führt diese Aufgabe aus.

Wie sieht es mit unserem Zeugnis vor der Welt aus? Sagen wir die Botschaft weiter? Reden wir auch von dem kommenden Gericht, oder machen wir um dieses unbeliebte Thema lieber einen weiten Bogen? Sind wir in unseren Dienst auch dann unermüdlich, wenn alles vergeblich erscheint? Einige Worte aus dem zweiten Timotheusbrief spornen uns an: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn ... Befleißige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt ... Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit ... tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst“ (2. Tim 1,7.8; 2,15; 4,2.5)

Vertrauenswürdig und vertrauensvoll (Jeremia 32)

Man schreibt nun das Jahr 587 v. Chr.: Das Heer Nebukadnezar steht vor den Toren Jerusalems, wo Judas letzter König, Zedekia, regiert. Der gefangene Jeremia bekommt Besuch von seinem Cousin Schallum, der ihm sein Feld in Anatot zum Kauf anbietet. Anatot liegt im Gebiet des Stammes Benjamin, das von feindlichen Truppen besetzt ist. Dennoch zögert Jeremia nicht, sich darauf einzulassen, da er weiß, dass die Sache von Gott ausgegangen ist und dass durch den Kauf prophetisch auf eine bessere Zukunft hingewiesen wird: „So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Es werden wieder Häuser und Felder und Weinberge in diesem Land gekauft werden“ (Jer 32,15). Beim Kauf des Grundstücks sind Zeugen zugegen, zu denen auch Baruch gehört. Weil er vertrauenswürdig ist, werden ihm die beiden Kaufbriefe gegeben; und nur weil er vertrauensvoll zu Gott aufsieht, ist er überhaupt bei dieser erstaunlichen Transaktion dabei. Baruch weiß: Gottes Wort trifft ein, und das Volk hat eine Zukunft!

Christen sollen vertrauenswürdig in allen Bereichen sein. „Im Übrigen“, schreibt der Apostel Paulus, „sucht man hier an den Verwaltern, dass einer für treu befunden werde“ (1. Kor 4,1). Auch sollten wir uns vertrauensvoll auf die Aussagen Gottes stützen. Das mag uns dahin führen, Dinge zu tun, die der Unglaube als unlogisch und dumm abtut. Der Glaube aber weiß, dass auf Gott Verlass ist und dass seine Pläne sich erfüllen.

Verachtet und verschleppt (Jeremia 43,1–7)

Ungefähr vier Jahre später (583 v. Chr.): Jerusalem ist zerstört, wie Jeremia und Baruch es angekündigt hatten. Viele Juden sind in die Gefangenschaft nach Babel gebracht worden. Einige von denen, die in Israel geblieben sind, wollen nach Ägypten fliehen und fragen bei Jeremia an, ob das Gottes Plan entspricht. Als Jeremia dies verneint, werden sie wütend. Sie behaupten, Jeremia sei ein falscher Prophet und Baruch hätte ihn gegen sie aufgehetzt. Ihrer Meinung nach wollte Baruch sie nur im Land halten, um sie den Babyloniern auszuliefern zu können. Was für eine Unterstellung! Doch dabei bleibt es nicht: Die Männer, die nicht auf Jeremia hören wollen, zwingen Jeremia und Baruch, mit nach Ägypten zu ziehen. Dort verliert sich die Spur der beiden Knechte Gottes.

Wenn wir treu für unseren Herrn einstehen, können wir nicht erwarten, dass wir auf Rosen gebettet werden. Der Herr hat gesagt: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Mt 5,11–12). Sind wir wirklich bereit, Verachtung und Leid um des Herrn willen in Kauf zu nehmen?

Gerrid Setzer