Der Prophet Maleachi - Kapitel 3,19-24

Online seit dem 11.03.2013, Bibelstellen: Maleachi 3,19-24

Im ersten Teil des dritten Kapitels (Vers 2 und 17) haben wir den Unterschied zwischen dem schrecklichen Tag des Gerichts und dem „Tag, den der HERR machen wird“ gesehen.1) Im zweiten Teil kommt der Prophet nun auf den Tag der Rache zurück: „Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, sodass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird“ (Vers 19). Die Übermütigen und die Gesetzlosen, die das moralisch gleichgültige Volk für glücklich hielt (Kap. 3,15), werden durch die Erscheinung des Herrn verzehrt und völlig vernichtet werden. „Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Und ihr werdet ausziehen und hüpfen gleich Mastkälbern“ (Vers 20). Ja, für die, die Seinen Namen fürchten, die Seine Autorität anerkannt und das Knie vor Ihm gebeugt haben, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen. Aber dieselbe Sonne wird mit ihrem brennenden Feuer die Aufrührer für immer verzehren. Dann wird die Gerechtigkeit herrschen und mit ihren Strahlen das Volk Gottes erleuchten und heilen.

Welch ein gesegneter Augenblick, voller Freude und Frische! „Und er wird sein wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanz nach dem Regen sprosst das Grün aus der Erde“ (2. Sam 23,4). Die den HERRN fürchten, werden dann hüpfen wie die Mastkälber. Ein Leben voller Wachstum und Jugendfrische, Gesundheit und Kraft, wird ihr Teil sein. Sie werden die neue Herde Israel bilden, das Volk des Herrn am Tage Seiner heiligen Pracht ausmachen. „Und ihr werdet die Gesetzlosen zertreten, denn sie werden Asche sein unter euren Fußsohlen an dem Tage, den ich machen werde, spricht der HERR der Heerscharen“ (Vers 21). Wie noch viele andere Stellen beweisen, wird der Überrest die Rache Gottes an seinen einstigen Unterdrückern ausführen. All das bezieht sich natürlich auf den jüdischen Überrest. Doch es ist nicht weniger wahr, dass die verherrlichten Heiligen im Gefolge des Sohnes des Menschen sein werden, wenn Er aus dem Himmel kommen wird, um das Gericht auszuüben (Off 19,11–16).

„Gedenkt des Gesetzes Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf Horeb an ganz Israel geboten habe – Satzungen und Rechte“ (Vers 22). Zum Schluss lenkt der Prophet die Gedanken des Volkes auf das unveränderliche Wort zurück, das Gott durch Mose mitgeteilt hatte. Ist es nicht bemerkenswert, dass das ganze Alte Testament damit schließt, dass Israel an das Wort als seine einzige Hilfsquelle erinnert wird? Dieser Hinweis ist auch in unseren Tagen sehr angebracht; und das um so mehr, als es sich heute nicht mehr um das Gesetz, sondern um das Wort der Gnade handelt. Das lässt die Menschen ohne jede Entschuldigung. Aber besonders für uns Christen gilt es, dieses Wort sorgfältig zu bewahren, und zwar ganz zu bewahren, so wie Gott es uns gegeben hat! Die Welt setzt es immer mehr beiseite. Wir dagegen sollen das, was wir von Anfang gehört haben, bewahren und uns auf den einmal den Heiligen überlieferten Glauben erbauen. Nicht ein Jota dürfen wir uns davon rauben lassen. Nach den Worten des Apostels Paulus soll es unser Führer sein: „Ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das vermag aufzuerbauen und euch ein Erbe zu geben unter allen Geheiligten“ (Apg 20,32). Lasst uns viel den 119. Psalm betrachten, der uns das Wort Gottes als Zuflucht, Ermunterung und Führer des Gläubigen vorstellt, das ihn inmitten des immer größer werdenden Verfalls aufrechterhält. Sein Wort ist „die Wahrheit“, wenn alles andere Lüge ist. In ihm können wir Christus erkennen, Seine gesegnete Person, und Sein Werk mit allen seinen Folgen. Wie wir gesehen haben, offenbart sich wahre Gottesfurcht in dem Festhalten an Seinem Wort. Als der Herr Jesus von Seinen Jüngern zu dem Vater redete, sagte Er: „Sie haben dein Wort bewahrt“ (Joh 17,6).

„Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten, ehe der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare“ (Vers 23). Hier ist nicht, wie zu Anfang des dritten Kapitels, von Johannes dem Täufer die Rede. Wenn das Volk Israel die Worte des Herrn Jesus angenommen hätte, wäre Johannes in der Tat der verheißene Elia gewesen (Mt 11,14; Mk 9, 11–13), und der Herr der Herrlichkeit hätte Sein Reich aufrichten können. Aber Johannes der Täufer ist wie sein Herr, dessen Vorläufer er war, verworfen worden. Für das Volk blieb nun nur noch „der große und furchtbare Tag des HERRN“ übrig. Aber die Gnade Gottes kündigt durch den Propheten Maleachi die Sendung eines neuen Elia an, der das Volk für das zweite Kommen des Herrn zubereiten wird. Wäre Johannes der Täufer angenommen worden, würde die Rolle dieses zweiten Elia überflüssig sein. Da er aber aufgrund der Untreue des Volkes verworfen wurde, wird Elia wiederkommen und das Kommen des Herrn im Gericht ankündigen, „dessen Worfschaufel in seiner Hand ist, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen“ (Mt 3,12). In Offenbarung 11,4–6 haben die beiden Zeugen die Charaktere Elias und Moses. Ich denke dabei nicht an ein persönliches Wiederkommen des Propheten Elia, der einst, ohne durch den Tod zu gehen, in den Himmel aufgenommen wurde. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein geistliches Kommen. Der Überrest Israels (ob es nun tatsächlich zwei oder auch mehr Zeugen sind, sei dahingestellt) wird den Charakter des Elia in der Kraft des Heiligen Geistes offenbaren.

„Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Banne schlage“ (Vers 24). Durch den Dienst dieses zweiten Elia werden die von Gott verordneten Beziehungen in Israel wiederhergestellt werden. Den Kindern wird die erforderliche Liebe, den Vätern der gebührende Gehorsam entgegengebracht werden. Auf diese Weise wird der Fluch vom Land abgewandt werden.

Wir haben nun das Ende unserer Betrachtung erreicht. Möchten wir die Gedanken, die das Buch Maleachi vor unsere Herzen und Gewissen stellt, mit allem Ernst beachten. Es fordert uns auf, den Herrn zu fürchten, an Ihn zu denken und auf Ihn zu warten, indem wir miteinander von Ihm reden und Sein Wort treu bewahren! Von einem Augenblick zum anderen kann unser Heiland als der glänzende Morgenstern erscheinen, um uns zu Sich in Seine Herrlichkeit zu nehmen!

1) Dieser Unterschied bezieht sich natürlich nicht auf zwei verschiedene Tage. Es ist derselbe Tag, aber in verschiedenen Charakteren. Für die Ungläubigen ist es der Tag des Gerichts, für den Überrest der „Tag, den der HERR machen wird“. Der Übersetzer.

Henri Rossier