Kaleb - völlig nachgefolgt

Online seit dem 06.07.2006, Bibelstellen: 4. Mose 14,24; Josua 14

Nur wenig wird in Gottes Wort von Kaleb berichtet, aber das Wenige, was wir von ihm wissen, wird in den Worten zusammengefaßt, daß er seinem Gott „völlig nachgefolgt“ ist. Insgesamt fünf Mal wird ihm dieses Zeugnis gegeben, und einmal sagt er es von sich selbst (4. Mo 14,24; 32,12; 5. Mo 1,36; Jos 14,8.9.14). Wir wollen uns jetzt nur mit der ersten und der letzten Bekundung dieser Anerkennung Gottes beschäftigen.

Kaleb war einer der zwölf Kundschafter, die auf Wunsch des Volkes Israel und unter der Zulassung Gottes aus der Wüste Paran in das Land Kanaan zogen, um es auszuspähen (4. Mo 13 und 14). Nach vierzig Tagen kehrten sie ins Lager zurück und konnten köstliche Zeugnisse der Güte des Landes, das Gott ihnen verheißen hatte, vorweisen. Aber zehn von ihnen waren von den befestigten Städten und den mächtigen Einwohnern mehr beeindruckt als vom Reichtum des Segens Gottes. Durch ihre Furcht und ihren Unglauben machten sie das ganze Volk verzagt. Zur Strafe für ihre Verachtung Gottes und Seines Wortes mußten die zehn Kundschafter sterben, und Israel mußte vierzig Jahre in der Wüste umherwandern, bis die ganze Generation der Erwachsenen, die aus Ägypten gezogen waren, gestorben war.

Nur Kaleb und Josua blieben von diesem Strafgericht Gottes verschont, weil sie auf Seine Verheißung und Hilfe vertrauten. Von Kaleb, der als erster seine Stimme gegen die zehn glaubensschwachen Kundschafter erhoben hatte, bezeugt Gott in 4. Mose 14,24: „Aber meinen Knecht Kaleb, weil ein anderer Geist in ihm gewesen und er mir völlig nachgefolgt ist, ihn werde ich in das Land bringen, in welches er gekommen ist; und sein Same soll es besitzen.“ Im Gegensatz zu Josua war Kaleb, obwohl er schon vierzig Jahre alt war, bis zu diesem Zeitpunkt noch nie hervorgetreten. Keine frühere Glaubenstat ist von ihm bekannt. Aber jetzt steht sein Name plötzlich im Vordergrund. Warum? Weil ein anderer Geist in ihm war als in den übrigen Kundschaftern. Er war nicht von einem „Geist der Furchtsamkeit“ beseelt, sondern, um es mit den Worten des Apostels Paulus an seinen jungen Vertrauten Timotheus auszudrücken, vom Geist der „Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7). Die völlige Nachfolge Kalebs hatte sich noch nicht in hervorragenden Glaubenstaten offenbart, sondern zeigte sich jetzt darin, daß er bei der ersten großen Prüfung Glauben bewies. Er hatte die Schönheit des Landes Kanaan mit eigenen Augen gesehen und die Verheißung bestätigt gefunden, daß Israel in ein Land kommen würde, das von Milch und Honig floß. Alle Schwierigkeiten mußten vor dieser Erkenntnis verblassen. Er war bereit, dem Wort seines Gottes zu vertrauen und zu gehorchen. Nur in diesem festen Glauben offenbarte sich hier seine völlige Nachfolge, und es zeigt sich, daß es nicht eine bloße Gefühlsaufwallung, sondern sein Herzensentschluß war.

Fünfundvierzig Jahre vergingen. Die Wüstenwanderung Israels war zu Ende. Sie hatten den Jordan durchschritten und begonnen, das Land Kanaan, das in seiner ganzen Schönheit vor ihnen lag, zu erobern. Nur zwei von den über Zwanzigjährigen, die damals aus Ägypten gezogen waren, lebten noch. In Josua 14 sehen wir sie beieinander stehen. Kaleb erinnert seinen Mitkämpfer Josua an jenen denkwürdigen Tag, an dem sie gegen den Widerstand der anderen zehn Kundschafter versucht hatten, das Volk zum Einzug in das Land zu bewegen. Nur ihm und Josua hatte Gott es vergönnt, dies zu erleben. Jetzt bittet er ihn, ihm sein Erbteil im Land der Verheißung zu geben. Und bei dieser Gelegenheit läßt Gott nochmals bezeugen, daß Kaleb Ihm, seinem Gott, völlig nachgefolgt war.

Welch einen anderen, tieferen Inhalt besitzen diese Worte jetzt! Es ist dasselbe Zeugnis wie am Anfang. Aber dazwischen liegen Jahre der Prüfung, Zeiten von Hunger und Durst, immer begleitet von dem sehnlichen Verlangen nach dem Augenblick, wo diese Zeit zu Ende gehen würde. Während der ganzen Zeit war Kaleb „dem HERRN, dem Gott Israels, völlig nachgefolgt“. Jetzt ist dieses Urteil ein Rückblick auf ein langes Leben des Glaubens, des Gehorsams und des Vertrauens, nicht nur auf den HERRN als seinen persönlichen Gott, sondern als den Gott Israels, der Seine Verheißung wahr gemacht hatte.

Arend Remmers