Betrachtung 2. Thessalonicher (1)

Online seit dem 08.10.2013, Bibelstellen: 2. Thessalonicher 1

Aufzeichnungen aus der Betrachtung über den 2.Thessalonicher-Brief


Der 2.Thessalonicher-Brief ist wohl nur wenige Monate nach dem ersten Brief auch noch im Jahr 52 n.Chr. geschrieben worden, wahrscheinlich auch wie der erste Brief aus Korinth, denn Silvanus und Timotheus waren noch bei dem Apos-tel Paulus (Vers 1). Die Thessalonicher wurden immer noch verfolgt (Vers 4); und außerdem waren sie auch verführt worden durch jüdische Lehrer, die ihnen gesagt hatten, dass der Tag des Herrn schon da sei (2. Thes 2,2). Diese Ver-führung war offenbar nicht nur mündlich geschehen, sondern wohl auch mit Hilfe eines gefälschten Briefes, in dem die Verführer vorgegeben hatten, dass er von dem Apostel selbst stammen würde. Deshalb schreibt Paulus ihnen dann auch in 2. Thes 3,17, dass seine Briefe als Zeichen immer den Gruß mit seiner eigenen Hand tragen. Bei diesem gefälschten Brief fehlte wohl dieses Echtheitszeichen.

Dieser Hintergrund war der Anlass zum Schreiben dieses Briefes:
• weil sie verfolgt wurden, brauchten sie Ermunterung; und Paulus zeigt ihnen in Kapitel 1, dass Gott diese bedrängenden Verhältnisse einmal umkehren würde – Trost für Leidende
• weil sie verführt wurden, brauchten sie Belehrung; das finden wir in Kapitel 2 – Belehrung für Irrende; Kapi-tel 2 ist eine der klarsten Übersichten über die Reihenfolge der zukünftigen Ereignisse im ganzen Neuen Tes-tament
• weil sie nachlässig geworden waren und sich falsch verhielten, brauchten sie Korrektur und Ermahnung; das finden wir in Kapitel 3 – Zucht über Unordentliche
In 1. Thes 5,27 hatte der Apostel nachdrücklich betont, dass sein Brief allen vorgelesen oder zugänglich gemacht wer-den sollte. Und aus dem Verlauf dieses zweiten Briefes erkennen wir mehr, warum ihm so viel daran gelegen war, dass die Thessalonicher die Belehrungen des ersten Briefes unbedingt aufnehmen sollten. Mehrmals erinnert er sie an seine mündlichen und schriftlichen Belehrungen (2. Thes 2,5+15).

Auf solche Weise wurden sehr viele Briefe geschrieben. Der momentane Zustand oder die jeweilige Situation in den verschiedenen Versammlungen war Anlass für den Apostel – natürlich unter der Leitung des Heiligen Geistes – diesen Situationen zu begegnen. Aber die Belehrungen, die er dann darüber gibt, sind nicht nur eine Hilfe für die damalige Si-tuation, sondern sind auch für uns heute noch maßgebende Richtlinien und Hilfen für unsere heutigen aktuellen Um-stände.

Einige Unterschiede zwischen dem 1. und dem 2.Thessalonicher-Brief:

1.Thessalonicher-Brief 2.Thessalonicher-Brief
• Unwissenheit der Thessalonicher über die Entschla-fenen • Unwissenheit der Thessalonicher über die noch leben-den Gläubigen
• Die Entrückung der Gläubigen, das Kommen des Herrn für die Gläubigen, steht schwerpunktmäßig im Vordergrund, durch die die Gläubigen aus der Welt genommen werden, um dann in die Herrlichkeit ge-führt zu werden • Die Erscheinung des Herrn in Macht und Herrlichkeit, Sein Kommen mit den Heiligen steht im Vordergrund, wo sie also mit Ihm zurück in die Welt gebracht wer-den, um dann mit Ihm über die Welt zu herrschen
• Glaube, Liebe und Hoffnung der Thessalonicher werden gelobt (1. Thes 1,3) • nur noch Glaube und Liebe der Thessalonicher werden gelobt (2. Thes 1,3); Glaube und Liebe hatten gegen-über dem ersten Brief sogar noch weiter zugenommen, aber von der Hoffnung ist nicht mehr die Rede.

Die allererste Frische der Thessalonicher hatte wohl in dieser Komponente der Hoffnung nachgelassen, und das lag na-türlich auch an der falschen Belehrung, dass ihnen gesagt worden war, der Tag des Herrn sei schon da. Damit war die Hoffnung auf das Wiederkommen des Herrn in den Hintergrund gedrängt worden. Wir lernen daraus, wie fatal falsche Lehre ist! Sie führt zu verkehrtem Verhalten bis hin zu Zweifel am Heil. Es ist deshalb von fundamentaler Bedeutung, die Lehre insgesamt gut zu kennen, sonst zerrinnt uns alles zwischen den Fingern. Im ersten Brief haben wir schon ge-sehen, dass Paulus ihnen klar gesagt hatte, dass die erste Erwartung der Gläubigen das Kommen des Herrn zur Heimho-lung der Gläubigen ist (1. Thes 1,10); und er hatte ihnen auch mitgeteilt, dass es hier auf der Erde ein sichtbares Reich unter der Herrschaft des Herrn Jesus geben würde, zu dem Er mit den Heiligen aus dem Himmel herabkommen würde (1. Thes 4,14). Die Thessalonicher wussten eigentlich schon eine ganze Menge an christlichen Wahrheiten; und die einzige Lücke bei ihnen war, dass sie nicht wussten, was mit den schon Entschlafenen war (1. Thes 4,13–18). Aber wenn gekannte Wahrheiten nicht durch praktische Erfahrungen gefestigt werden, dann ist die Gefahr groß, dass alles nur Theorie bleibt und wir – wie die Thessalonicher – von jedem Wind der Lehre hin und her geworfen werden!

„Paulus und Silvanus und Timotheus der Versammlung der Thessalonicher in Gott, un-serem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (Vers 1)

Aufs Neue verbindet sich Paulus mit seinen beiden Begleitern und Mitarbeitern Silvanus und Timotheus. Timotheus kennen wir ja relativ gut, aber wer war Silvanus oder Silas? War er nur ein Reisebegleiter des Paulus, der z.B. mit ihm in Philippi im Gefängnis gewesen war? Wenn wir mal das Neue Testament dahingehend untersuchen, was sonst noch über ihn gesagt wird, finden wir, dass er doch weit mehr war als nur ein Reisebegleiter.
Apg 15,22 zeigt, dass er ein Führer unter den Brüdern war, einer, der voranging, der Vorbild war.
• In Apg 15,32 wird er dann auch noch als Prophet bezeichnet; einer, der vor dem Angesicht Gottes stand und dem Gott etwas geben konnte, dem Gott sich offenbaren konnte, der in Gemeinschaft mit Gott lebte.
• Petrus bezeichnet ihn als einen treuen Bruder (1. Pet 5,12), er war ein zuverlässiger Mann, auf den man bau-en konnte.
• Und in 2. Kor 1,19 wird er von Paulus als ein Prediger bezeichnet, der den Sohn Gottes gepredigt hatte.
Das sind vier Attribute, denen auch wir nachstreben sollten.

Timotheus war viel jünger als Paulus, Silas sicherlich auch; trotzdem stellt sich der Apostel neben diese jüngeren Brü-der und erkennt auch ihre Bedeutung für das gemeinsame Werk an. Was für eine schöne Harmonie zwischen dem älte-ren Apostel und den jüngeren Mitarbeitern Silvanus und Timotheus. Und wie stärkt und ermuntert ein solches Vertrau-en gerade jüngere Brüder!

Bevor Paulus auf das eigentliche Thema seines Briefes zu sprechen kommt, stellt er den Thessalonichern eine Ermuti-gung vor ihre Herzen. Dadurch werden sie in die Lage versetzt, einen festen Standpunkt einzunehmen und frei zu wer-den, die Belehrungen in Bezug auf ihr Problem auch aufnehmen zu können. Er bezeichnet sie noch einmal als Ver-sammlung der Thessalonicher; damit spielt er nicht so sehr auf die Lehre von der örtlichen Versammlung an, sondern dass jeder einzelne Gläubige in Thessalonich als Teil dieser Einheit der Versammlung angesprochen wird. Könnte auch das örtliche Zeugnis von der Versammlung, wo wir uns versammeln, als eine Einheit angesprochen werden?

Und dann wird ihre Beziehung zu Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus vorgestellt. In dieser bewahrenden Atmosphäre von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus hatten sie ihre Sicherheit. Im Gegensatz zum ersten Brief wird hier Gott zweimal unser Gott genannt, was auf eine bewusste und genossene Beziehung hindeutet. Zugleich wurden sie damit auch mit Paulus und seinen beiden Mitarbeitern verbunden, es war ihr gemeinsamer Vater.

Eine ähnliche Anrede finden wir im Judas-Brief, der nicht an eine Versammlung sondern an einzelne Gläubige in einer Endzeit gerichtet ist. Wir lernen aus diesem Vergleich, dass es die gleiche Bewahrung und die gleichen Hilfsquellen sind, ob wir jung im Glauben sind, am Anfang des Glaubenslebens stehen, oder ob es Gläubige in einer Endzeit sind.

Durch diese Anrede erinnert Paulus die Thessalonicher daran, dass sie, die erst vor ganz kurzer Zeit aus dem Heidentum zum Glauben gekommen waren, nun etwas total Neues und Göttliches bildeten. Vielleicht erst einige Monate waren sie in diesem Stand, und trotzdem erkennt er sie in dieser einzigartigen Weise als Versammlung an, zu der jeder Einzelne von ihnen gehörte. Es war eine buntgemischte Gesellschaft von Griechen gewesen, die nicht arbeiten und sich ein schö-nes Leben machen wollten und anderen auf der Tasche lagen. Aber nun waren sie Versammlung, und welche Übungen mochten das für sie bedeutet haben, diese alten Gewohnheiten und Verhaltensmuster abzulegen.

„Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (Vers 2)

Der Apostel wünscht den Thessalonichern Gnade und Friede; Gnade für ihren Weg trotz ihrer Verfolgungen (vgl. 2. Thes 2,16), und Frieden für das Herz trotz dieser Drangsale und widrigen Umstände (vgl. 2. Thes 3,16). Und diese Gnade und dieser Friede kommt von Gott, unserem Vater, was mehr ein Hinweis auf die Liebe ist; und er kommt von dem Herrn Jesus Christus, was mehr ein Hinweis auf die Macht ist. Die Liebe des Vaters und die Macht des Herrn Jesus stehen den Thessalonichern und auch uns zur Verfügung. In allen Briefen ist es so, dass der Friede immer auf die Gnade folgt, nie umgekehrt. Erst das Bewusstsein der Gnade gibt Frieden für das Herz.

„Wir sind schuldig, Brüder, Gott allezeit für euch zu danken, wie es angemessen ist, weil euer Glaube überaus wächst und die Liebe jedes Einzelnen von euch allen zueinander überströmend ist“ (Vers 3)

Paulus spricht in seiner Einleitung nicht sofort das eigentliche Problem bei den Thessalonichern an; nur im Galater-Brief als einziger Ausnahme kommt er direkt und unmittelbar auf die dortigen schwerwiegenden Mängel und Irrlehren zu sprechen. Eine beeindruckende Weisheit und für uns heute sehr vorbildlich ist diese Vorgehensweise. Wenn wir heu-te irgendwelche Probleme zu besprechen oder zu ordnen haben, sollten wir uns an dieser Vorgehensweise orientieren. Er lobt sie dahingehend, dass sie in der relativ kurzen Zeit schon eine gewisse Stabilität und Ausrichtung bewiesen hat-ten, die eigentlich Grundlage sein könnte für ihr weiteres Wachstum im Glauben. Trotz ihrer Unklarheiten, ihrer Irrtü-mer und Unordnung lobt der Apostel sie zuerst. Aber dann muss doch trotz aller Anerkennung des Guten in geistlicher Ausgewogenheit auch das Bedenkliche zur Sprache kommen, denn niemals kann mit einer halben Methode ein ganzes Werk getan werden.

Paulus und seine Begleiter achteten sich für schuldig, Gott Dank zu sagen, weil Gott ihre Gebete erhört hatte. Auf ihnen lag eine tiefe Verpflichtung, angesichts der Entwicklung der Thessalonicher Gott zu danken. Diese Danksagung war für sie keine bloße Pflichtübung, obwohl mit dieser Ausdrucksweise doch eine nicht so tiefe Freude zum Ausdruck ge-bracht wird, wie es z.B. bei den Philippern der Fall war (Phil 1,4). Es war angemessen, ihrem Zustand entsprechend, sie waren es auch wirklich wert und es war erforderlich, dass für sie gedankt wurde. Und doch scheint es mehr der Aus-druck einer moralischen Verpflichtung zum Dank vor Gott zu sein, und nicht eines übersprudelnden Herzens, wie bei den Philippern. In dem Augenblick des Schreibens dieses Briefes konnte er es wohl nicht hundertprozentig mit Freuden tun, nicht aus dem vollen Impuls seines geistlichen Empfindens. Der Ton des Apostels wird etwas ernster gegenüber dem ersten Brief. Dort war noch Unwissenheit bei ihnen vorhanden, hier aber waren sie verführt worden, und das erfüll-te ihn mit großer Sorge. Es wäre nicht angemessen gewesen, in gleicher Weise zu danken wie im ersten Brief – denn er muss die Hoffnung weglassen. Aber wir lernen daraus, dass auch in solchen Umständen, wo wir mehr Anlass zur Für-bitte sehen würden, wir doch das Danken nicht außer Acht lassen dürfen. Und diese Danksagung war keine einmalige Freude oder momentane Gemütswallung, sondern es war eine beständige, dauerhafte Danksagung. Wie beglückend wä-re es, wenn es auch heute bei den Dienern eine solche Dankbarkeit geben könnte über das Verhalten und den Zustand derer, denen gedient wird!

Wenn Paulus hier die Liebe jedes Einzelnen von den Thessalonichern anspricht, dann schließt er damit auch ausdrück-lich diejenigen mit ein, von denen er sagen muss, dass sie unordentlich wandelten. Er fasst damit alle Gläubigen in Thessalonich ohne Ausnahme zusammen. Ähnlich wie im Brief an die Philipper gab er damit seiner Zuversicht Aus-druck, dass der, der ein gutes Werk in ihnen angefangen hatte, es auch vollenden würde (Phil 1,6). Auch Barnabas hatte dieses geistliche Verständnis, bei den Gläubigen in Antiochien nicht zuerst alles das zu sehen, was noch mangelte, son-dern er sah die Gnade Gottes in ihnen wirken und freute sich darüber (Apg 11,23).

Praktischer Hinweis: Wir brauchen alle Ermunterung, auch im Miteinander als Geschwister, und wir haben oft die Be-fürchtung, dass eine Anerkennung einem unserer Geschwister gegenüber gleich dazu führt, dass derjenige hochmütig wird. Diese Gefahr besteht natürlich, aber wenn wir eine Anerkennung auf die richtige Weise ausdrücken – wie Paulus es hier tut – dann kann das doch etwas Wertvolles und Ermutigendes sein. Paulus sagt den Thessalonichern, dass er Gott für etwas dankt, was Er in den Thessalonichern gewirkt hatte. Er anerkennt also die positive Entwicklung bei den Thessalonichern, aber er zeigt ihnen auch die Quelle an, aus der heraus sie das getan hatten. So können wir auch einmal junge Brüder, die vielleicht zum ersten Mal öffentlich etwas sagen, dadurch ermuntern, dass wir ihnen sagen: „Ich habe Gott dafür gedankt, dass Er dich gebrauchen konnte“. Dann würde ein solcher junger Bruder nicht übermütig werden, weil er erkennt, dass er das nicht aus sich selbst heraus getan hatte; und trotzdem ist es eine Ermunterung für ihn.

Wenn Paulus dann sagt, dass ihr Glaube überaus wächst, dann meint er damit wohl nicht, dass sie einzeln stark im Glauben wurden, sondern dass das, was sie glaubten, sich durch ihr Zeugnis weiter verbreitete (1. Thes 1,8). Er dankt nicht für die Kenntnis der Wahrheit, die sie hatten, sondern für die Früchte, die daraus hervorgekommen waren. Sowohl im Blick auf die Liebe als auch im Blick auf den Glauben dankt der Apostel auch für die Erhörung seiner Gebete aus dem ersten Brief (1. Thes 3,10+12). Es gab also schon Wachstum statt Stillstand in dieser relativ kurzen Zeit von unge-fähr einem halben Jahr zwischen den beiden Briefen bei den Thessalonichern.

Überaus wachsender Glaube und überströmende Liebe sind doch beeindruckende Kennzeichen einer geistlichen Ent-wicklung. Wir haben auch den ersten Brief vor einem halben Jahr betrachtet; ist bei uns der Glaube seitdem überaus gewachsen? Ist unsere Liebe seitdem überströmend geworden? Hat es bei uns überhaupt eine Entwicklung zum Guten gegeben? Die Thessalonicher hatten daneben noch Verfolgungen zu erdulden – wir nicht! Sind Glauben und Liebe im letzten halben Jahr im praktischen Versammlungsleben bei uns gewachsen? Haben wir mehr Anteil aneinander ge-nommen, uns mehr konkrete Hilfestellungen gegenseitig gegeben? Wir müssen uns in das Licht dieser Fragen stellen!

Gott zeigt uns auch im Alten Testament bei der Musterung der Stämme, wie Er auf Wachstum und Niedergang achtet. Wir finden bei den verschiedenen Zählungen der 13 Stämme des Volkes am Anfang und am Ende achtmal Wachstum und fünfmal Niedergang (4. Mo 1,20–46; 26,5–51). Simeon z.B. hatte 37.100 Mann weniger als am Anfang, Manasse dagegen hatte ein Wachstum, das alle anderen weit übertraf, 20.500 Mann mehr als am Anfang. Insgesamt gab es am Ende aber Rückgang unter dem Volk. Bei den Thessalonichern konnte Paulus Wachstum feststellen. Jeder Einzelne von uns steht in diesem Licht! Begehren wir Wachstum für uns nach den Gedanken Gottes? Wachstum setzt Leben voraus, ohne Leben gibt es kein Wachstum (Spr 4,18).

Es war dem Feind nicht gelungen, die Liebe der Thessalonicher zueinander und untereinander zu beeinträchtigen, weder durch die äußere Verfolgung noch durch die falsche Belehrung. Sie hatten sich auch nicht einzelne Lieblingsgeschwis-ter rausgesucht und die übrigen links liegen gelassen, sondern alle zu allen ausdauernde Liebe bewiesen. Druck durch äußere Verfolgung führt oft zusammen, aber bei falscher Belehrung besteht die Gefahr des Auseinanderdriftens. Bei den Thessalonichern hatte diese Verwirrung nicht dazu geführt, dass die Liebe abgenommen hatte.

Das Fehlen der Hoffnung hier in diesem zweiten Brief ist keine Kleinigkeit! Der überaus wachsende Glaube und die überströmende Liebe können die fehlende Hoffnung nicht ersetzen. Diese fehlende Hoffnung öffnete die Tür dafür, dass Furcht und Schrecken hineinkommen konnten. Auch heute können wir uns nicht darauf ausruhen, dass es ja im Großen und Ganzen noch stimmt; wir müssen mit Ernst sehen, dass alles in Gefahr ist, wenn es nur in einem mangelt.

„...so dass wir selbst uns euer rühmen in den Versammlungen Gottes wegen eures Aus-harrens und Glaubens in allen euren Verfolgungen und den Drangsalen, die ihr erdul-det“ (Vers 4)

Eine weitere Einschränkung gegenüber dem ersten Brief; dort konnte Paulus sagen, dass die umgebenden Nationen da-von geredet hatten, welchen Eingang sie bei ihnen gefunden hatten; hier rühmt er selbst sich der Thessalonicher in den Versammlungen. Mindestens in der Versammlung in Korinth, von wo aus diese Thessalonicher-Briefe geschrieben wurden, hatte sich Paulus dieser positiven Entwicklungen unter den Thessalonichern gerühmt. Auch sehr weise von ihm, dass er offenbar nicht über die sorgenvolle Entwicklung und das Negative unter ihnen vor den Geschwistern von Korinth gesprochen hatte.

Vor dem Hintergrund der Verfolgungen und Drangsale wuchs der Glaube der Thessalonicher, sie lebten in ganz ande-ren Umständen als wir heute. Von Anfang an hatten sie Verfolgungen zu erdulden (Apg 17,1–9; 1. Thes 1,6; 3,3), und der zweite Brief erweckt den Eindruck, dass sich diese Drangsale noch verstärkt hatten. Und in diesen Verfolgungen hatten sie Ausharren und Glauben bewiesen. Ausharren bedeutet, dass sie darunterblieben, dass sie sich nicht dagegen auflehnten; und Glauben bedeutet, dass sie auch treu blieben und still hielten in diesen Schwierigkeiten. Ihr Problem war nur, dass sie diese Schwierigkeiten falsch deuteten, dass sie wegen der verkehrten Belehrungen durch die Verführer die falschen Schlussfolgerungen daraus zogen; sie glaubten nämlich, dass diese Drangsale schon ein gewisser Anfang des Tages des Herrn seien.

Zwei Stellen im Neuen Testament zeigen zwei völlig entgegengesetzte Wertungen über Gläubige, die hier für ihr treues Zeugnis Leiden und Verfolgungen erdulden: Apg 22,22 zeigt das Urteil der Menschen über solche treuen Gläubigen: in ihren Augen haben diese Gläubigen nicht den Wert, hier auf der Erde am Leben bleiben zu dürfen. Demgegenüber zeigt Heb 11,37+38, dass nach dem Urteil Gottes die Erde es nicht wert ist, dass solche treuen Gläubigen auf ihr leben. Er erachtet sie gleichsam für würdig, an einer anderen Welt teilzuhaben.

„...ein offenbares Zeichen des gerechten Gerichts Gottes, dass ihr für würdig erachtet werdet des Reiches Gottes, um dessentwillen ihr auch leidet“ (Vers 5)

Die Tatsache, dass die Thessalonicher jetzt durch Verfolgungen und Drangsale gingen, war der Beweis (das offenbare Zeichen, s. Anmerkung) dafür, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen war. Denn wenn dieser Tag kommen würde, dann würden die Rollen vertauscht (Vers 6–8). Dann würden nämlich die jetzigen Verfolger die dann Unter-drückten werden, und die jetzigen Verfolgten würden dann zur Herrschaft kommen. Das ist der Blick in die Zukunft. Also waren die jetzigen Drangsale ein offenbares Zeichen der gerechten Beurteilung Gottes, dass die gläubigen Thessa-lonicher – und auch wir – würdig erachtet würden des Reiches Gottes. Das Gericht am Tag des Herrn wird nur Ungläu-bige treffen; wenn also jetzt Gläubige Verfolgungen und Drangsale zu erdulden haben, ist das ein deutlicher Beweis da-für, dass das eben nicht der Tag des Herrn sein kann. Wenn die Thessalonicher das jetzt erdulden mussten, war das also ein Zeichen dafür, dass das eben noch nicht das Gericht am Tag des Herrn sein konnte. Jetzt erduldeten sie in der Kraft des Herrn um des Reiches willen, und später dann würde es einen Wechsel geben. Ähnlich konnte der Apostel auch den Philippern schreiben, die sich auch nicht erschrecken ließen durch ihre Widersacher, was für diese ein Beweis ihres Verderbens war (Phil 2,28).

Die Jünger in Apg 5,41 freuten sich, dass sie für würdig erachtet wurden, für den Namen des Herrn Schmach zu tragen. Das sind dieselben Personen, die von Gott würdig erachtet werden des Reiches Gottes. In 1. Thes 2,12 wird von Gott gesagt, dass Er uns zu Seinem eigenen Reich und Seiner eigenen Herrlichkeit beruft; in Lk 20,35 heißt es von den Söh-nen Gottes, dass sie für würdig erachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten. In Apg 14,22 finden wir, dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. Jetzt ist die Zeit, wo wir die Schmach des Herrn Jesus und die Verachtung mit Ihm teilen, aber Gott erachtet uns würdig Seines Reiches – nicht des Himmels, sondern Seines Reiches auf dieser Erde (1. Thes 2,12). Für uns gibt es also verliehene Würden; es gibt nur einen, der würdig ist in sich selbst!

Das Erdulden von Drangsalen und Leiden ist allerdings keine notwenige Vorbedingung, die wir erfüllen müssten, damit wir des Reiches Gottes teilhaftig werden können; aber wenn sie uns widerfahren, ist es nach Gottes Gedanken (2. Tim 3,12). Wir müssen bei Verfolgung auch nicht nur an direkte Drangsale denken, Verfolgung kann auch einen anderen Charakter haben. In Gal 4,29 wird von Ismael gesagt, dass er den Isaak verfolgte, und aus dem geschichtlichen Bericht in 1. Mo 21,9 lernen wir, dass Ismael den Isaak verspottet hat. Spott ist also auch eine Form der Verfolgung. Je konse-quenter wir uns jetzt auf die Seite des abgelehnten Herrn stellen, werden wir in dem Maß auch Spott erleben; das gilt für die Kinder in den Schulen, für die jungen Leute in den Universitäten, und auch für diejenigen im Berufsleben. Da müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob wir so wenig Leiden zu erdulden haben, weil wir uns zu wenig direkt auf die Seite des Herrn Jesus stellen? Wenn wir wirklich dem Herrn folgen wollen, dann gibt es auch in unserem Land Fäl-le, wo Gläubige schwere Drangsale durchmachen müssen. In Ostwestfalen haben Eltern ihre Kinder aus religiöser Überzeugung nicht am Sexualkunde-Unterricht teilnehmen lassen und mussten dafür ins Gefängnis gehen. Wir wollen nicht vorschnell über solche Gläubigen urteilen, die aus ihrer inneren Überzeugung heraus solche Wege gehen. Wo wir heute nicht in die politische Korrektheit hineinpassen und wo es deshalb Anfeindung und Widerstand gibt, werden wir schnell als Fundamentalisten bezeichnet. Haben wir Angst davor? Oder sagen wir schnell, dass man der Obrigkeit un-tertan sein muss?

Die Belehrungen dieses Verses haben an den konkreten Drangsalen der Thessalonicher absolut nichts geändert, die Ver-folgungen blieben dieselben. Aber ihnen wurde jetzt klar, dass ihre Leiden einen ganz anderen Charakter hatten, als sie fälschlicherweise gemeint hatten, und so konnten sie diese jetzt besser verstehen.

„... – wenn es denn bei Gott gerecht ist, denen, die euch bedrängen, mit Drangsal zu vergelten“ (Vers 6)

Die Welt, die heute diese Drangsal ausübt, wird von dem Gericht erfasst werden, wenn der Herr Jesus erscheint. Gott wird es nicht zulassen, dass Sein Sohn hier auf der Erde nur Verachtung erfährt – einmal wird Er volle Anerkennung haben. In diesem Kapitel geht es überhaupt nicht um den Himmel, alles wird sich auf der Erde abspielen. Die Rollen zwischen Bedrängern und Bedrängten werden dann tatsächlich völlig vertauscht sein. Aber wir werden uns über diesen Rollentausch keine Schadenfreude empfinden.

Der Ausdruck wenn bedeutet so viel wie da es gewiss ist, dass... Es ist bei Gott gerecht, dass die, die jetzt die Gläubi-gen bedrängen, einmal von Ihm die Vergeltung dafür bekommen. Auch in Off 16,5+6 wird Sein Gericht als gerecht bezeichnet; und solche, die das Blut der Heiligen vergossen haben, sind es wert, dieses Gericht zu empfangen. Der ge-rechte Gott übersieht kein einziges Unrecht, dass heute den Seinen angetan wird, aber bei uns sollte dabei kein Gefühl der Genugtuung aufkommen, vielmehr sollten wir für die beten, die uns verfolgen (Mt 5,4). Würden wir so denken, wä-re das wieder auf unserer Seite Unrecht. Wir überlassen die Vergeltung Ihm, dem die Rache zusteht (Rö 12,19; Heb 10,30).

Dann gibt es übrigens Vergeltung in doppelter Hinsicht: Vergeltung für die Ungerechten durch Gericht (Vers 6) und Vergeltung für die Gläubigen durch Ruhe (Vers 7). Wenn es um die Drangsale der Thessalonicher geht, benutzt der Apostel in Vers 5 einen anderen Ausdruck, als hier bei den Drangsalen ihrer Bedränger. Die Thessalonicher erduldeten Drangsale, ihren Bedrängern wird mit Drangsalen vergolten werden; bei den Thessalonichern waren die Drangsale kei-ne Vergeltung, keine Strafe. Was wir jetzt erdulden, dient zu unserer Züchtigung oder Erziehung (Heb 12,7); aber was die Ungläubigen angeht, wird der Gott der Vergeltung (Jer 51,56) ihnen das heimzahlen, was sie hier an Schuld aufge-häuft haben. „Ja, es gibt Lohn für den Gerechten; ja, es gibt einen Gott, der auf der Erde richtet“ (Ps 58,12). Er wird dann einen deutlichen Unterschied machen zwischen den Gerechten und den Ungerechten (1. Mo 18,25; Jer 46,28; Mal 3,17+18).

„...und euch, die ihr bedrängt werdet, Ruhe mit uns zu geben bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her, mit den Engeln seiner Macht“ (Vers 7)

Nicht nur den Thessalonichern wird diese Ruhe gegeben werden, sondern allen Gläubigen, denn Paulus schließt sich und seine Begleiter darin mit ein. Dabei geht es nicht um den Himmel selbst, sondern um den himmlischen Teil des Reiches. Das Gericht und die Vergeltung wird die Ungläubigen hier auf dieser Erde treffen, aber wir sind an der Seite des Herrn Jesus als Mitherrschende in dem Reich ihres Vaters; die Ausführer dieses Gerichts werden die Engel sein (Mt 13,41–43).

Der Ausdruck Ruhe wird auch gebraucht, um ein Ackerfeld zu beschreiben, das nach jahrelanger Bearbeitung mal für eine Zeit brach liegengelassen wird. Ein schöner Hinweis für diejenigen, die heute verfolgt und bedrängt werden – sie werden einmal Ruhe haben! Und wenn Paulus sagt: Ruhe mit uns, dann verbindet er sich mit den Thessalonichern, denn auch er wurde verfolgt.

Die Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her ist eindeutig Sein öffentliches Erscheinen in Macht und Herrlichkeit (Mt 24,30; Mk 13,26; Lk 21,27). Offenbarung heißt, dass etwas sichtbar wird, was vorher verborgen war. Als der Herr Jesus zum ersten Mal auf diese Erde kam, war das auch eine Offenbarung, eine Offenbarung in Gnade und Wahrheit (Joh 1,17). Bei Seiner bevorstehenden Erscheinung in Macht und Herrlichkeit werden die Engel das Instrument Seiner Macht sein, und Seine Heiligen das Instrument Seiner Herrlichkeit (Vers 10). Die Offenbarung Seiner Macht steht in Verbindung mit den Engeln, und die Offenbarung Seiner Herrlichkeit in Verbindung mit uns, Seinen Heiligen.

Es ist auch Seine Offenbarung als Herr. Er kommt als derjenige, der die Herrschaft antreten wird als König der Könige und Herr der Herren (Off 19,16). Und diese machtvolle und erhabene Person ist auch derjenige, der einmal als niedri-ger Mensch hier auf dieser Erde war und abgelehnt wurde. Und genau auf dieser Erde, wo einmal Sein Kreuz stand, wo Er als der Jesus von Nazareth einmal am Kreuz hing, wird Er Seine Herrschaft antreten in Macht und in Herrlichkeit – was für ein Lohn wird das für Ihn sein!

„...in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen“ (Vers 8)

Es geht hier also nicht um das Gericht der Toten am großen weißen Thron (Off 20,11–15), sondern um das Gericht über die Ungläubigen, die dann noch auf der Erde leben. Und das wird eine unvorstellbar schlimme Zeit werden für die zwei Gruppen, die in diesem Vers angesprochen werden, flammendes Feuer, Drangsal wie niemals zuvor (Mt 24,21):
• die Gott nicht kennen: die Heidenwelt, die Gott als Schöpfer schuldhaft nicht anerkannt haben (1. Thes 4,5; Rö 1,28+19); Gott gibt ihnen Vergeltung, weil sie sich stattdessen den Götzen zugewandt habe(vgl Ps 79,6)
• die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen: im engsten Sinn die Juden damals, die den Herrn Jesus verworfen haben; im weiteren Sinn aber auch alle, die das Evangelium der Gnade gehört und nicht angenommen haben (vgl. Ps 79,6).

Das Evangelium ist nicht irgendwie nur so ein Angebot Gottes, sondern es ist der Befehl Gottes, Buße zu tun (Apg 17,30); wer das ablehnt, wird dieses furchtbare Gericht erleiden müssen. Wenn ein Mensch Buße tut, kommt er Gott nicht freundlich entgegen, sondern er gehorcht er dem Gebot Gottes; wenn er es nicht tut, ist er ungehorsam, und das lässt Gott nicht ungestraft (1. Pet 4,17)!

Dieser kommende Tag des Gerichts wird brennen wie ein Ofen (Mal 3,19) und dieses gerechte Gericht bei der Offenba-rung des Herrn Jesus mit den Engeln Seiner Macht und auch mit den Gläubigen wird ganz konkrete Formen annehmen, die in der Heiligen Schrift beschrieben werden (Off 19,11 ff.; Mt 25,31 ff.). Es wird Krieg in Gerechtigkeit sein. Da-bei werden auch das Haupt des römischen Reiches und der Antichrist ihr gerechtes Gericht empfangen und in den Feu-ersee geworfen. Und die Kriegsheere dieser beiden Häupter werden alle vernichtet durch das Schwert dessen, der auf dem Pferd sitzt (Off 19,19–21), sie werden allerdings dann noch nicht in den Feuersee geworfen, sondern den leibli-chen Tod erleiden und dann am großen weißen Thron wieder auferstehen zum ewigen Gericht.

Dann gibt es auch noch einen weiteren Feind Israels und Gottes, den König des Nordens, der gegen Israel ziehen und die heilige Stadt erobern wird. Danach wird er weiterziehen gegen Ägypten, aber Gerüchte von Norden und von Osten werden ihn zur Umkehr bewegen – möglicherweise die Gerüchte von der großen Niederlage von Off 19,19–21 – und auch er wird dort zu seinem Ende kommen (Dan 11,41–45). Hier muss nur unterschieden werden zwischen den Heeren dieser großen feindlichen Mächte, und den einfachen Menschen aus den Völkern, die nicht als Soldaten bei diesen Ar-meen sind. Sie werden bei der Gerichtssitzung in Mt 25,31 ff. vor dem Herrn erscheinen, bei dem Gericht der Lebendi-gen. Sie werden nicht durch diese Vernichtungsschläge des Herrn gerichtet werden, sondern Er wird sie scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und das Kriterium dabei wird sein, wie diese Menschen Seine Boten be-handelt haben und ob sie das Evangelium des Reiches (Mt 24,14) angenommen haben. Und die als die Schafe zu Seiner Rechten stehen und das Reich ererben werden, bilden die Anfangsbevölkerung des 1000-jährigen Reiches.

Wir Gläubigen der Gnadenzeit werden das alles mitanschauen und miterleben (1. Kor 6,2). Wohl werden wir dabei kei-ne aktive Richter-Funktion ausüben, aber wir werden mit dem Herrn in gleicher Weise Seine Gedanken und Sein Urteil teilen und mit Ihm richten und dann auch mit Ihm herrschen.

„...die Strafe erleiden werden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke“ (Vers 9)

Hier wird jetzt die Strafe in ihrem Endergebnis gezeigt: „Geht von mir, Verfluchte“ (Mt 25,41). Dieses ewige Verder-ben ist ein Hinweis auf die Hölle, wo Gott nicht mehr hinsieht, ewige Entfremdung vom Angesicht Gottes, wo kein Strahl der Liebe und des Lichtes mehr hineinstrahlt (Mt 25,46). Die Vergeltung besteht also in der Strafe, die sie erlei-den werden: ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn! Dieser Tag des Herrn hat also einen zweifachen Charakter:
• Ruhe für diejenigen, die heute bedrängt werden, Ruhe auch für die Thessalonicher (Vers 7)
• Gericht für diejenigen, die die Gläubigen heute bedrängen; und zwar durch Kriegsgerichte der feindlichen Heere und das Sitzungsgericht über die lebenden Menschen (Vers 7–9)

Wenn es keine ewige Pein gäbe, so gäbe es auch kein ewiges Leben. So wahr, wie das Leben der Gläubigen in Ewigkeit ist, so real ist auch das Weiterleben der Ungläubigen ewig in den Qualen der Hölle. Bruder Adolf Henrich hat einmal gesagt: Die Hölle ist da, wo Gott nicht mehr hinschaut!

„...wenn er kommt, um an jenem Tag verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und be-wundert zu werden in allen denen, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis bei euch ist geglaubt worden“ (Vers 10)

Dem schrecklichen Teil der Ungläubigen steht jetzt in Vers 10 das Teil der Gläubigen gegenüber. Wir haben bei Vers 7 schon gesehen, dass die Offenbarung der Macht des Herrn Jesus in Verbindung steht mit den Engeln, und die Offenba-rung Seiner Herrlichkeit in Verbindung steht mit uns, Seinen Heiligen. Das sind alle Gläubigen des Alten und des Neu-en Testaments – einschließlich der Märtyrer aus der Drangsalszeit zwischen Entrückung und Aufrichtung des 1000-jährigen Reiches, die in dieser Zeit ihr Leben für Christus gelassen haben und dann vor Aufrichtung des Reiches aufer-weckt werden (Off 20,4). Bruder Kelly sieht in den Ausdrücken seine Heiligen die Gläubigen des Alten Testaments und in denen, die geglaubt haben die Gläubigen des Neuen Testaments. Das findet auch eine gewisse Bestätigung in dem Nachsatz, wo der Apostel noch einmal den Glauben der Thessalonicher erwähnt. Jedenfalls geht der Ausdruck be-wundert werden auch weiter als der Ausdruck verherrlicht werden.

Dann wird Seine Herrlichkeit in uns, den Seinen, gesehen werden (Kol 3,4), Seine Wesenszüge werden in uns eine Wiederspiegelung finden. In jedem einzelnen Gläubigen wird etwas gesehen werden von der Herrlichkeit des Herrn Je-sus. In uns wird Christus gesehen! Aber wir müssen doch sorgfältig unterscheiden zwischen der Ihm eigenen ewigen, göttlichen Herrlichkeit (Joh 17,5), die Er jetzt als Mensch erbittet und die Er nicht mit uns teilen wird, und der Herr-lichkeit, die Er wohl mit uns teilen wird. Seine ewige göttliche Herrlichkeit werden wir wohl schauen (Joh 17,24), aber nicht mit Ihm teilen. Die Herrlichkeit, die Er mit uns teilen wird, finden wir in Joh 17,22; diese Herrlichkeit werden wir wiederspiegeln bei Seiner Offenbarung.

Diese Herrlichkeit wird der Herr Jesus mit den Seinen teilen, und dann werden alle Seine herrlichen Eigenschaften ge-schaut werden. Dann werden wir Seine Heiligen sein – sowohl der Stellung nach als auch der Praxis nach. Wir werden das Instrument sein, durch das Gott den Herrn Jesus dann verherrlichen wird – das können wir nicht begreifen! Wir werden Gegenstand einer Bewunderung von Zuschauern sein, und das wird zur Verherrlichung Seiner Person sein. Was hat der Herr aus solchen, wie wir es sind, zustande gebracht (1. Pet 1,7), und alle Ehre und alle Herrlichkeit wird auf Ihn zurückfallen!

Sollte es nicht unser Wunsch sein, dass der Herr Jesus heute schon in mir und dir verherrlicht wird, dass jetzt schon et-was von Seinen Herrlichkeiten durch uns sichtbar wird?


Aufzeichnungen aus der Betrachtung über

2. Thessalonicher 1,11 – 2,17

Dillenburg 2012


Die Thessalonicher wurden nach ihrer Bekehrung von ihren eigenen Landsleuten sehr verfolgt und bedrängt. Paulus war nach seinem höchsten 4-wöchigen Wirken unter ihnen weitergezogen (Apg 17,1–9). In dieser Zeit nach seinem Ab-schied und vor seinen beiden Briefen an sie waren einige von ihnen entschlafen, vielleicht sogar den Märtyrer-Tod ge-storben. Nun waren die Thessalonicher unwissend über diese Heimgegangenen, es gab da bei ihnen eine gewisse Lücke in der Belehrung, und deshalb schreibt Paulus ihnen den 1.Thessalonicher-Brief und legt dabei den Schwerpunkt auf die Entrückung der Gläubigen. Wahrscheinlich hatte er in der Kürze der Zeit seines Besuches nicht die volle Entfaltung dieser Wahrheit bringen können und nur darauf hingewiesen, dass das nächste Ereignis für die Gläubigen der Gnaden-zeit die Entrückung ist. Deshalb folgte dann durch den 1.Thessalonicher-Brief diese Ergänzung in der Belehrung, um die Beunruhigung unter den Thessalonichern zu beseitigen.

Im 2.Thessalonicher-Brief ist es total anders, da geht es überhaupt nicht mehr darum, dass die Thessalonicher etwas nicht wussten. In Kap 2,5 weist der Apostel sie darauf hin, dass er das ganze Thema des Tages des Herrn mit der vo-rausgehenden Drangsal ihnen bei seinem Besuch schon mündlich dargelegt hatte. Sie wussten das also alles. Aber es waren falsche Leute in ihre Mitte eingedrungen, die ihnen eine Lehre brachten, die ausgehend von den Drangsalen der Thessalonicher die Schlussfolgerung zog, dass die Entrückung schon geschehen sei und dass dies die Drangsale seien, die dem Tag des Herrn vorausgehen. Andererseits hatte Paulus die Gläubigen auch nie im Unklaren darüber gelassen, dass sie Trübsale und Verfolgungen und Leiden in der Nachfolge des Herrn zu erwarten haben (Apg 14,22; 2. Tim 3,12; 1. Thes 3,3+4). Aber er wusste auch, dass das Durchleiden von Drangsal und Verfolgung uns mürbe machen kann, und deshalb tröstet und befestigt er immer dadurch, dass er die Blicke auf den Herrn selbst richtet und darauf, dass es etwas gibt, was es lohnt, festzuhalten an dieser Person des Erlösers.

Praktische Bemerkung: Wir müssen daraus für uns eine wichtige Belehrung ziehen: Gläubige, die eine Lehre genau wissen, können durch falsche Belehrungen in ihren Überzeugungen so erschüttert werden, dass sie hinterher von über-haupt nichts mehr richtig überzeugt sind. Wenn wir eine Parallele zu unserer heutigen Zeit ziehen, müssen wir zugeben, dass das auch eine traurige Realität unserer Tage ist! Denken wir nur an die Belehrung des Wortes Gottes über das Zu-sammenkommen als Versammlung. Da treten Brüder selbst aus unserer Mitte auf, die sagen, dass das alles falsch sei, dass wir das alles ganz anders machen müssen; und viele Hunderte werden auf diesen verkehrten offenen Weg geführt. Und wir erleben es bis heute, dass diese Frage immer noch diskutiert wird – es ist zutiefst demütigend! Deshalb ist die-ser traurige Brief in seiner Parallelität zu unseren Tagen so außerordentlich wichtig. Der vermeintliche Besitz einer Wahrheit gibt uns keine Sicherheit, wenn sie uns nicht wirklich mit Christus verbindet. Wer sich nicht festhält am Herrn und Seinem Wort ist niemals wirklich sicher! Deshalb auch die wiederholten Aufforderungen in Gottes Wort, festzuhal-ten was wir haben (2. Tim 1,13; Off 3,11; 2. Thes 2,15), und uns nicht von diesen scheinbar so überzeugend klingen-den Argumenten abbringen zu lassen.

In den meisten Kreisen der großen Christenheit – und besonders in den beiden großen Kirchen – gibt es überhaupt keine Klarheit mehr über die Aufeinanderfolge der kommenden prophetischen Ereignisse. Vor ca. 200 Jahren sind die zukünf-tigen Wahrheiten von dem Kommen des Herrn zur Entrückung, der sich daran anschließenden Drangsalszeit und dem darauf folgenden Aufrichten des 1000-jährigen Reiches durch das Wirken des Heiligen Geistes neu entdeckt worden. Viele wahre Gläubige auch in den verschiedenen christlichen Kreisen kannten diese Wahrheiten. Leider werden sie heute in weiten Kreisen der Christenheit wieder aufgegeben und nicht mehr offiziell gelehrt. Aber wir wollen uns dem-gegenüber gar nicht zu sehr erheben. Stehen wir alle wirklich fest darin, dass die Entrückung vor der Drangsalszeit stattfindet?

Dass die Entrückung das nächste Ereignis ist, auf das wir warten und das nahe bevorsteht, wird bei vielen Gläubigen gar nicht mehr akzeptiert. So gerät die Erwartung des baldigen Kommens des Herrn immer mehr in den Hintergrund. Und wenn diese Erwartung nicht mehr da ist, dann hat man auch keine Klarheit mehr über die Zukunft. Deshalb gilt auch uns allen heute dieser ernste Appell, daran festzuhalten, dass der Herr jeden Augenblick kommen kann. Wenn wir nicht mehr auf den Herrn warten und in unserem Herzen meinen, dass Er noch ausbleibt, dann bezeichnet der Herr das nicht nur als böse, sondern ein solcher ist in Seinen Augen ein Böser (Mt 24,48), es ist nicht nur eine böse Haltung sondern ein böser Zustand! Der einzige Grund, weswegen der Herr noch nicht gekommen ist und wir noch hier sind, ist, dass Er noch Menschen erretten will. Er zögert die Verheißung nicht hinaus, sondern Er ist langmütig und will nicht, dass ir-gendwelche verloren gehen (2. Pet 3,9).

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass auf der Grundlage einer falschen Lehre auch immer eine falsche Praxis folgt. Andererseits dürfen wir unsere Lehre aber auch nicht aufbauen auf äußere Tatsachen oder Umstände. Vielfach schaut man auf die aktuellen politischen Entwicklungen und passt die Lehre dann diesen Entwicklungen an. Das ist auch eine große Gefahr. Unsere Brüder vor 200 Jahren haben Dinge aus dem Wort Gottes erkannt und verstanden, als noch gar nichts von politischen Entwicklungen zu sehen gewesen ist (z.B. die Wiederherstellung Israels, die Bildung einer europäischen Union), sie hatten ausschließlich das Wort als Grundlage. Wir dürfen das Wort nicht an die Umstän-de und Entwicklungen anschließen, sondern müssen zuerst das Wort verstehen und können dann vielleicht einige aktu-elle Ereignissen darin vorgeschattet sehen.

Die Bedrängnisse und Verfolgungen für die Thessalonicher hatten also nicht aufgehört, und Paulus schreibt ihnen nur wenige Monate später auch von Korinth aus diesen zweiten Brief. Die Umstände ihrer Drangsale nutzten falsche Lehrer aus, um ihnen zu sagen, dass dies ein Beweis dafür sei, dass der Tag des Herrn da sei, sogar mit massiver Unaufrichtig-keit und Hinterhältigkeit, indem sie tatsächlich einen Brief fälschten um damit den Anschein zu erwecken, dass er von Paulus käme (Kap 2,2). Deshalb geht Paulus in diesem Brief – besonders in Kap 2,1–12 – darauf ein und erklärt ihnen mit einer sehr ausführlichen Beweisführung, dass es unter gar keinen Umständen sein kann, dass der Tag des Herrn schon gekommen sei. In diesem zweiten Brief wird deutlich, dass die Thessalonicher eher unwissend waren über die noch lebenden Gläubigen; und der Apostel erklärt ihnen in diesem Brief deshalb nicht so sehr die Entrückung, sondern mehr das Kommen des Herrn mit den Seinen. Das ist der Schwerpunkt dieses 2.Thessalonicher-Briefes.

Jedem der drei Kapitel dieses zweiten Briefes könnte eine sehr einprägsame Überschrift gegeben werden:
• Kapitel 1: Trost für die Leidenden
• Kapitel 2: Belehrung für die Irrenden
• Kapitel 3: Zucht für die Unordentlichen

Schon in den ersten Versen von 2. Thes 1 bringt Paulus eine Beweisführung dafür, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen sein konnte. Er macht dort klar, dass, wenn der Tag des Herrn käme, für diejenigen Gericht folgen wird, die jetzt die Bedränger waren. Diejenigen, die jetzt die Thessalonicher so verfolgten, würden dann die Verfolgten sein. Und die jetzt in dieser Zeit bedrängten Thessalonicher würden dann später am Tag des Herrn Ruhe haben (Verse 6+7). Das ist schon ein erster Beweis dafür, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen sein konnte.

In Vers 9 zeigt er dann, was diese ungläubigen Widersacher am Tag des Herrn treffen wird, wenn sie dem Richter be-gegnen werden und später dann das ewige Verderben erleiden müssen. Im Gegensatz dazu wird in Vers 10 dann das Teil der Gläubigen beschrieben, und insbesondere auch das Teil der Thessalonicher, die dann am Tag des Herrn Jesus zu Seiner Verherrlichung beitragen werden. Und in Vers 11 drückt Paulus dann den Wunsch aus, dass die Gläubigen doch nicht warten sollten auf diesen Tag des Herrn, um dann erst zu Seiner Verherrlichung beizutragen. Nein, es ist jetzt schon möglich, und deshalb betet er in dieser Hinsicht für die Thessalonicher.

„Weshalb wir auch allezeit für euch beten, damit unser Gott euch für würdig erachte der Berufung und alles Wohlgefallen seiner Gütigkeit und das Werk des Glaubens in Kraft erfülle“ (Vers 11)

Zwei Dinge haben wir immer nötig: erstens eine gesunde Belehrung, und zweitens das Gebet, das wird aus dem kleinen Wort auch deutlich. Deshalb schließt der Apostel nach den ersten zehn Versen der Belehrung jetzt auch das Gebet für die Thessalonicher an. So tut er es eigentlich immer wieder in seinen Briefen, z.B. in Eph 1 und 3, und das ist auch eine wichtige Lektion auch für jeden Diener heute. Die Belehrung allein reicht nicht aus, es ist dringend nötig, auch danach deshalb noch zu beten. Für einen Diener, der das Wort verkündigt, ist das Gebet ein untrennbarer Bestandteil seines Dienstes (vgl. Jer 27,18; 1. Sam 12,23). Tun wir das eigentlich? Gehen wir nach einem Dienst, den wir an einem Ort getan haben, danach ins Gebet, damit diese Belehrung auch in den Herzen Fuß fassen kann und das Leben ausgerichtet wird auf den Herrn Jesus? Das Gleiche gilt aber auch für jeden Empfänger einer Botschaft; es ist gut, eine Botschaft ge-hört zu haben, aber wenn wir nicht darüber beten, dann wird das Gehörte nicht zu meinem persönlichen Besitz werden.

Fürbitte setzt immer Gemeinschaft mit Gott voraus im Blick auf die Gebetsgegenstände. Wir haben die gleichen Inte-ressen wie Gott hinsichtlich der Gegenstände für die wir beten. Dem Charakter nach war das Gebet des Paulus ein ständiges Gebet. Er hatte die Thessalonicher nicht nur ab und zu vor seinem Herzen sondern allezeit. Und der Inhalt seines Gebetes war, dass die Belehrungen der Verse 3 bis 10 praktische Wirklichkeit bei den Thessalonichern bleiben sollte, denn Stabilität am Anfang eines Glaubensweges ist keine Garantie für dauerhafte Stabilität.

Paulus befand sich beim Schreiben dieses Briefes in Korinth, und in dieser Stadt gab es ein großes Werk Gottes (Apg 18,10). Hätte man nicht denken können, dass er in Korinth so beschäftigt war, dass er gar keine Zeit mehr hatte, an die Thessalonicher zu denken? Aber wenn auch sein momentanes Arbeitsfeld ganz praktisch in Korinth war, so betete er doch allezeit für die Thessalonicher; und sicher nicht nur für sie, sondern die Sorge um alle Versammlungen lag ihm täglich auf (2. Kor 11,28). Wenn man sich mal die Gebete des Apostels in den einzelnen Briefen ansieht, findet man, dass er ausnahmslos für das geistliche Wohl der Geschwister betet. Und wir tun gut daran, diese Gewichtung einmal zu überdenken auch im Blick auf unsere Gebetsstunden. Vielfach wird kaum für das geistliche Wohl gebetet, sondern fast ausschließlich für das körperliche Wohl.

Unser Gott sollte sie Seiner Berufung für würdig erachten können. In Vers 5 sagt er ihnen, dass sie für würdig erachtet werden des Reiches Gottes; die Drangsal, die sie zu erdulden hatten, war der Beweis dafür, dass sie dieses Reiches für würdig erachtet waren. In 1. Thes 2,12 hatte Paulus ihnen gesagt, dass sie würdig des Gottes wandeln möchten, der sie zu Seinem eigenen Reich und Seiner eigenen Herrlichkeit beruft. Die Würdigkeit liegt überhaupt nicht in uns, Gott hat uns dazu erachtet.

Dieses Würdig-Erachten von Seiten Gottes drückt sich in ihrem Leben in zweierlei Hinsicht aus:
• in allem Wohlgefallen Seiner Gütigkeit; die innere Ausrichtung ihres Lebens. Wir kennen die Gütigkeit Gottes zu uns und antworten darauf, indem wir unser Leben zu Seinem Wohlgefallen gestalten. Der Herr Jesus hatte allezeit das dem Vater Wohlgefällige getan (Joh 8,29). Gütigkeit ist ein Charakterzug des neuen Lebens des Gläubigen (Gal 5,22; Rö 15,14; Eph 5,9), aus der heraus ein Leben geführt wird zum Wohlgefallen Gottes.
• durch das Werk des Glaubens; die äußere Aktivität in ihrem Leben, aus dem Glauben heraus werden unsere Werke getan. Schon im ersten Brief konnte der Apostel das Werk des Glaubens bei den Thessalonichern rüh-men (1. Thes 1,3). Dann werden wir auch unabhängig von unseren Umständen Kraft haben, das Werk des Glaubens in Kraft zu tun – was auch immer der Herr dir oder mir aufgetragen haben ma

Achim Zöfelt