Die Frucht des Baumes – die Sünde (1)

Online seit dem 16.03.2014, Bibelstellen: Römer 1,1-3,26

Wir haben keine richtige Einschätzung darüber, was Sünde in Gottes Augen ist, bevor wir das Evangelium selbst kennen. Deshalb gehen unsere Kapitel über die Gnade Gottes uns gegenüber den jetzt folgenden Kapiteln voraus, die von der Frucht und der Wurzel des Baumes – der menschlichen Natur – handeln.

Es ist wahr, der Heilige Geist lässt uns spüren, wie sehr wir Christus brauchen, bevor Er uns zeigt, wer Christus ist und was Er für uns getan hat. Doch es ist ebenso wahr, dass wir, nachdem wir Christus kennengelernt haben, mehr darüber lernen, was wir sind, als während der Zeit der Unsicherheit über unsere Errettung. Und je mehr Fortschritte wir in der Erkenntnis der Gnade machen, desto mehr werden wir fähig, uns selbst im Licht der göttlichen Heiligkeit zu sehen.

In dem großen Brief des Evangeliums – dem Römerbrief – zeigt Gott zuerst anhand der Taten des Menschen, was der Mensch ist, und danach, was der Mensch von Natur ist.

Römer 1,1–15 ist die Einleitung zu einem Text, den wir die Evangeliumsverkündigung Gottes nennen könnten. In Römer 1,16–18 finden wir deren Text:

Das Evangelium Gottes

Diese Rede besteht, soweit sie sich auf den gefallenen Menschen bezieht, aus zwei großen Teilen: Der erste Teil zeigt, was die Frucht des Baumes ist, der zweite Teil, was der Baum selbst ist. Und Gott offenbart in seiner überströmenden Gnade zuerst sein Heilmittel für die verdorbene Frucht und dann seine Vorsorge für den Zustand der Wurzel. Mit anderen Worten: Das Evangelium Gottes begegnet zuerst der Schuld des Menschen und dann der Natur des Menschen.

Von Kapitel 1,19 bis 3,20 betrachtet und beurteilt Gott den Baum anhand seiner Früchte. Er teilt die Welt in drei Teile und prüft den Menschen in jedem dieser drei Teile. Das Feld der Welt wird in drei Teile aufgeteilt, und die Früchte, die jeder Teil hervorbringt, werden von Gott beurteilt.

Wir haben:

  1. Den unkultivierten Teil (Rö 1,19–32)

  2. Den durch die Hand der Philosophie kultivierten Teil (Röm 2,1–11)

  3. Den bevorzugten Bereich, der vom Gesetz gepflügt und von den Propheten bewässert worden war (Rö 2,12 – 3,20)

Bevor Christus am Kreuz starb, war es einem großen Teil der Welt gestattet, ohne irgendwelche Einschränkungen zu wachsen. Ein anderer Teil wurde von menschlichen Händen kultiviert; dort wurden Philosophie und Vernunft gesät. Doch ein Teil der Welt war unter der direkten Pflege Gottes gewesen, dessen wachsame Energie über sein Volk wir gut kennen. Als Christus starb, endete die Periode menschlicher Kultivierung und in unserem Brief werden die Früchte eingebracht und untersucht.

Wie der Mensch das Feld einschätzte

Wir wollen uns fragen, welche Vorstellungen der Mensch von den Früchten des Feldes hatte. Der Philosoph, rings herum eingezäunt mit Vernunft und menschlicher Weisheit, rühmte sich seines Scharfsinns, doch während er das gemeine Unkraut und die bösen Auswüchse in den Barbaren um ihn herum verurteilte, handelte er genauso wertlos wie sie. Der Jude, der religiöse Mensch, der von dem Herrn eingezäunt war, rühmte sich dieser Umzäunung, rühmte sich des Buchstabens des Gesetzes und der Aussprüche Gottes, die seiner Obhut übergeben waren, und brachte doch Früchte hervor, die genauso wertlos waren wie die der übrigen. Damals wie heute war der Mensch sehr zufrieden mit sich selbst.

Doch wie beurteilt Gott das Feld?

Von dem unkultivierten Teil lesen wir: „Weil sie es nicht für gut befanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie hingegeben in einen verworfenen Sinn …, damit sie ohne Entschuldigung seien“ (Rö 1,28.20). Von dem, was die Philosophie des Menschen kultiviert hatte, sagt Gott: „Denkst du aber dies, o Mensch, der du die richtest, die so etwas tun, und verübst dasselbe, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst?“ (Rö 2,3). Über den religiösen, den jüdischen Teil, lautet der Bericht: „Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer“ (Rö 3,12). Und der Zustand der ganzen Welt wird in diesen ernsten und schrecklichen Worten zusammengefasst: „dem Gericht Gottes verfallen“ (Rö 3,19).

Wo immer Gott auch auf die Werke des Menschen sah, beurteilte Er sie als ganz und gar schlecht – die Früchte des Baumes waren hoffnungslos böse.

Jude oder Heide, Philosoph oder einfacher Mann, keiner war gerecht, keiner verständig, keiner suchte Gott. Der Schlund des Menschen war ein offenes Grab; seine Zunge das Instrument des Betrugs; unter seinen Lippen war Gift; sein Mund war voller Fluchen und Bitterkeit; seine Füße waren schnell, Blut zu vergießen; seine Wege waren Zerstörung und Elend; den Weg des Friedens hat er nicht erkannt und keine Furcht Gottes war vor seinen Augen.

Das ist das Bild, das Gott von dem Menschen zeichnet

Ja, mit solch schrecklichen Worten beschreibt der Gott des Lichts und der Wahrheit sein schuldiges Geschöpf Mensch. Das war das Ergebnis der erlesensten religiösen und mentalen Kultivierung. Das war die Frucht nach 4000 Jahren der Prüfung. Leser, glaubst du Gott? Beugst du dich unter dieses Urteil über dich selbst als menschliches Wesen? Bekennst du, dass Gott vor 1800 Jahren den Menschen als total böse erklärt hat?

Der Glaube lehnt es ab, sich selbst zu entschuldigen, anerkennt vor Gott die hoffnungslose Schuld des Menschen und erkennt durch Gnade den Weg des Friedens. Der Unglaube dagegen versucht, sich selbst zu verbessern, lässt sich nicht von dem Versuch abbringen, den Baum zu kultivieren, und schreitet dann wissentlich und willentlich fort auf dem Weg des Verderbens.

H. Forbes Witherby