Fortwährende Reinigung durch das Blut Jesu?

Online seit dem 28.03.2014, Bibelstellen: 1. Johannes 1,7

„Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ (1. Johannes 1,7).

Wenn jemand behauptet, dass die Reinigung von Sünden durch das Blut des Herrn Jesus in 1. Johannes 1,7 eine fortlaufende Handlung ist, so würde das den Ausspruch desselben Apostels in Offenbarung 1,5 widerlegen. Dort werden wir als bereits in Seinem Blut gewaschen angesehen: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut.“ Seine Liebe ist immerwährend. Das Waschen oder Befreien von unseren Sünden wird aber in einer Zeitform ausgedrückt, die eine abgeschlossene Handlung, ohne jede Fortdauer, beschreibt. Johannes hätte diese Zeitform nicht anwenden können, wenn wir täglich zu Gott kommen müssten, um durch das Blut des Herrn Jesus gereinigt zu werden. In diesem Fall wäre es richtig, nicht das historische Perfekt, sondern das Imperfekt anzuwenden, das genau einer fortgesetzten oder wiederholten Handlung entspricht („… der uns wäscht …“).

Warum benutzte der Apostel die Gegenwartsform? Ließ er sich eine Nachlässigkeit der Ausdrucksweise zuschulden kommen, als er sagte: „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“? Im Gegenteil, die Zeitform ist genau so exakt in 1. Johannes 1,7 wie der Gebrauch der abgeschlossenen Gegenwart in Offenbarung 1,5

Das Präsens im Griechischen (wie in den meisten Sprachen) beschränkt sich keineswegs auf eine unvollendete Handlung, die im Augenblick noch fortgesetzt wird. Es drückt ebenso exakt die absolute Gegenwart aus (z.B. in belehrenden Aussprüchen, Beschreibungen von Sitten und Gebräuchen oder oft wiederkehrenden Geschehnissen). So sagen wir beispielsweise: „Speise ernährt den menschlichen Körper; Gift tötet.“ Hier wird keine fortgesetzte Handlung bezeichnet, sondern nur die Eigenschaften der beiden Mittel und ihre gegensätzlichen Wirkungen auf den Menschen.

Fast jedes Kapitel der Briefe liefert Beispiele hierfür. Nehmen wir eine einfache, ähnliche Feststellung aus 1. Johannes 2: „Er ist die Sühnung für unsere Sünden.“ Bedeutet das Präsens hier, dass Er tatsächlich gerade unsere Sünden sühnt? Keineswegs. Solch eine Auslegung der Gegenwartsform würde unbestreitbar die „Versöhnungslehre“ zunichtemachen. Die Form wird hier vielmehr absolut gebraucht, ohne Zusammenhang mit einem bestimmten Zeitpunkt, um die erhabene und gesegnete Wahrheit Seines Sühnungswerkes auszudrücken. Genauso würde in unserem Text der Begriff der fortgesetzten Reinigung der herrlichen Lehre des Hebräerbriefes und der Evangelien direkt widersprechen …

Wir sehen also, dass eine fortgesetzte Reinigung durch das Blut nicht gemeint sein kann, nicht nur deshalb, weil sie an und für sich keinen rechten Sinn hat, sondern weil sie auch unseren Schriften widerspricht, die die Wirkung des Blutes auf den Christen als ein für alle Mal vollkommen darstellen. Gottes Wort widerspricht sich nicht. Nirgendwo deutet das Wort eine wiederholte Anwendung des Blutes Christi an, selbst wenn die angeführte Stelle diese Möglichkeit offenlassen würde, was aber nicht der Fall ist. Es bleibt uns also nichts übrig, als den einzig möglichen Sinn, den das Präsens hier haben kann, festzuhalten.

Der Apostel stellt in einer absoluten Weise die Reinigung der Gläubigen durch das Blut des Herrn Jesus als einen der Hauptcharakterzüge ihrer Stellung fest. Diese Aussage erfolgt abstrakt im Präsens, wie stets in solchen Fällen, ohne Bezug auf eine zeitliche Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Es handelt sich daher nicht um die Reinigung von dieser oder jener Sünde, die bekannt wird; ebenso wenig die Wiederherstellung nach einem Fall. Es ist der eigentliche, göttliche Wert Seines Blutes.

Wenn es deshalb die Absicht des Heiligen Geistes war, dies in absoluter Weise zu offenbaren, so war die Zeitform des Präsens, die wir vor uns haben, die einzig geeignete für die Feder des Apostels. Der Versuch, den Ausdruck „reinigt“ auf eine fortgesetzte Tätigkeit in der Gegenwart zu beschränken oder auch nur anzuwenden, beweist daher Unwissenheit, wenn nicht Schlimmeres.

Die Lehre dieses Abschnitts sowie der ganzen heiligen Schrift, zeigt eindeutig den absoluten richtigen Gebrauch des Präsens bei dem Schlussverb in 1. Johannes 1,7.

[Übersetzt aus Bible Treasury 1879]