Die Fußwaschung

Online seit dem 03.04.2014, Bibelstellen: Johannes 13,1-19

„Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu überliefern, steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Er kommt nun zu Simon Petrus, [und] der spricht zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen. Petrus spricht zu ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er kannte den, der ihn überliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen nun die Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Versteht ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es zu Recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, euch die Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit, wie ich euch getan habe, auch ihr tut. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut. Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber damit die Schrift erfüllt würde: ‚Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.‘ Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, glaubt, dass ich es bin“ (Joh 13,2–19).

Jesus behält immer den Charakter eines Dieners. Auf diese Weise vollzieht Er an Seinen Jüngern auch den geringsten Dienst, der normalerweise von einem Sklaven des Gastgebers ausgeführt wurde. So wie die Liebe des Vaters uns gegenüber nie aufhört, so wird auch der Sohn aus Liebe immer unser Diener sein. Er ist nun in der Herrlichkeit. Dadurch könnte ein scheinbarer Widerspruch zwischen Seiner Gottheit und Seinem Charakter als Diener sowie Seiner Herrlichkeit und Seines Dienstes aufkommen. Sich zu erniedrigen war die einzig neue Sache für Ihn als Gott. Hier tat Er es für die Seinen, die noch in der Welt waren, zudem noch unwissend und ohne Erkenntnis, die Worte Jesu und was in Seinem Herzen vorgeht, zu verstehen. Die Liebe der Menschen ist auf das gerichtet, was sie anziehend findet, aber Gott liebt, weil Er Liebe ist. Er liebt aufgrund dessen, was Er ist und was in Ihm ist, Er liebt aus Seiner Natur heraus. Jesus liebte die Seinen, die in der Welt waren, bis zum Ende. Die Liebe Christi zu uns ist der Schlüssel für Seine Erniedrigung und Seine Hinwendung zu uns in unserem Elend. Aber die Erniedrigung des Herrn offenbart Judas, weil die Gegenwart des Guten die Finsternis ans Licht bringt.

1. Judas liebte das Geld. 2. Satan bot ihm die Gelegenheit, diesen Wunsch zu erfüllen. 3. Satan verhärtete sein Gewissen. Er säte den Gedanken in das Herz des Judas, Jesus zu verraten. Satan brachte zwar nicht die Begehrlichkeit in Judas hervor, aber er gab diesem Begehren einen Nährboden.

Vor dem Hintergrund all dessen, in Gegenwart dieses Widerspruchs seitens der Sünder und der Herrlichkeit, die vor Ihm steht, macht Jesus sich selbst zum Diener Seiner Jünger. Sich zu umgürten ist ein Zeichen der Knechtschaft, weil man sich umgürtet, um zu arbeiten. Jesus hat nicht nur Gott gedient und Ihn uns offenbart, sondern Er kümmert Sich auch um uns und will unsere Füße waschen. Ein Kind Gottes besitzt zwei große Dinge:

1. Die Vollkommenheit in Jesus: „Wie er ist, [sind] auch wir in dieser Welt“ (1. Joh 4,17).
2. Hier sind wir inmitten von Schwachheit und Not, aber der Herr beschäftigt Sich mit unseren Verunreinigungen, und obwohl Er jetzt in der Herrlichkeit ist, dient Jesus uns immer noch zu diesem Zweck.

Der Christ muss den letzten Platz suchen, kann ihn aber nicht besetzen, weil Jesus schon diesen Platz einnimmt. Der Knecht, der aus Liebe zu seinem Herrn, zu seiner Frau und seinen Kindern nicht frei ausgehen wollte und sich das Ohr durchbohren ließ, um für immer ein Knecht zu sein, war ein Vorausbild auf Jesus.

Der Gläubige wird zunächst ganz mit Wasser gewaschen, so wie es bei den Priestern geschah. Das ist das Bild der Reinigung, die nur einmal stattfindet und nicht wiederholt wird. Der Herr reinigt uns durch das Wort Gottes. Als aus Gott Geborene sind wir rein; aber Jesus wäscht ständig den Schmutz von unseren Füßen, den wir uns durch unseren Wandel in der Welt zuziehen; dafür ist Er der Hohepriester. Wie geht das Waschen vor sich? Durch das Wort: Der Herr zeigt uns unsere Verunreinigungen und legt sie auf unser Gewissen. Der Heilige Geist macht sie uns sichtbar, lehrt sie uns zu verstehen und zu hassen, indem Er uns den Gegensatz zwischen dem Herrn Jesus und unserem Verhalten zeigt. Wir brauchen nicht wieder geweiht und ganz gereinigt werden; aber wir brauchen doch immer wieder die Fußwaschung, wenn unsere Füße durch den Kontakt mit der Welt beschmutzt sind. Das Gleiche war bei dem Priester der Fall, der jedes Mal seine Füße waschen musste, bevor er das Heilige betrat.

Die Liebe demütigt sich immer; wenn wir es für diejenigen tun, die wir lieben, so hat der Herr Jesus es für uns in viel höherem Maß getan.

[Nr. 5: Le Messager Évangélique, 1886, S. 96, übersetzt von Manuel Thomas]


Fußnoten:

  1. mso-style-name:“Normale Tabelle“; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-qformat:yes; mso-style-parent:““; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:10.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:115%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:“Calibri“,“sans-serif“; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-fareast-font-family:“Times New Roman“; mso-fareast-theme-font:minor-fareast; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin;

John Nelson Darby