Zu den Füßen Jesu (07)

Online seit dem 06.08.2014, Bibelstellen: Johannes 12,3; Matthäus 26,6-13; Markus 14,3-9

Die dritte Begebenheit, in der wir Maria zu den Füßen des Herrn finden, unterscheidet sich deutlich von den ersten beiden. Man könnte sie auch mit „Vom Empfänger zum Geber“ überschreiben. Zwei Mal durfte sie bereits von dem Herrn empfangen – Belehrungen in Lukas 10 und Trost in Johannes 11. Doch in der nun vor uns stehen Begebenheit, sehen wir Maria nicht mehr als Empfangende, sondern als eine solche, die auf der Grundlage dessen, was sie von dem Herrn kennen gelernt hatte und der Freigiebigkeit ihres Herzens zu einem Geber wird.

In Johannes 11 sehen wir wie der Herr durch die Auferweckung des Lazarus in wunderbarer Weise seine Macht und Herrlichkeit offenbarte. Das Ergebnis davon war, das auch viele Juden an ihn glaubten (Joh 11,45). Und wie reagierte die religiöse Führerschaft? „Von dem Tag an beratschlagten sie nun, ihn zu töten“ (Joh 11,53). Noch sechs Tage und sie würden ihren teuflischen Plan ausführen und den Herrn der Herrlichkeit an das Kreuz schlagen.

Vor diesem Hintergrund sehen wir den Herrn noch einmal in Bethanien. Doch wie anders ist die Atmosphäre! Was muss der Herr, der alles wusste was über ihn kommen würde (vgl. Joh 18,4), empfunden haben, als er hier von denen umgeben ist, die ihn lieben und dies, jeder auf seine Weise, ihm zeigen. Da war ein Simon, den der Herr vom Aussatz befreit hatte, der nun sein Haus zur Verfügung stellte (vgl. Mt 26,7), damit dem Herrn ein Abendessen gemacht werden kann. Da ist ein Lazarus, der Gestorbene, den der Herr aus den Toten auferweckt hatte, der nun mit ihm zu Tisch liegt und seine Gemeinschaft sucht. Auch Martha ist wieder da, und dient ihrem Herrn. Und schließlich finden wir Maria – erneut zu den Füßen des Herrn, wie sie „ein Pfund Salböl von echter, sehr kostbarer Narde“ (Joh 12,3) nimmt und den Herrn damit salbte.

Noch immer haben wir es mit einem von der Welt verworfenen „Jesus von Nazareth“ zu tun. Eine Welt die, würde der Herr wie damals noch einmal auf diese Erde kommen, nichts anderes als ein Kreuz übrig hätte. „Kreuzige, kreuzige ihn“, schreit sie immer noch. Doch haben wir in dieser feindseligen Welt Häuser, die den Verworfenen willkommen heißen,  in denen man Gemeinschaft mit ihm haben will, in denen man ihm dient und ihm das gibt, was sein Herz erfrischt?

Friedemann Werkshage