Zu den Füßen Jesu (10)

Online seit dem 12.08.2014, Bibelstellen: Johannes 12,3; Matthäus 26,6-13; Markus 14,3-9

Halten wir uns die Situation in Bethanien noch einmal vor Augen: Maria gibt dem Herrn etwas Kostbares aus ihrem eigenen Besitz. Sie muss es einmal erworben haben, und hat es für diesen besonderen Moment aufbewahrt. Sie salbt den Herrn mit der ganzen Narde und trocknet mit ihren Haaren seine Füße ab. Das Ergebnis ist, dass das Haus mit dem Duft der Narde erfüllt wurde und wir können davon ausgehen, dass auch die Haare Marias mit dem Duft der Narde voll waren. Des Weiteren sehen wir die verständnislosen Herzen der Jünger, die die Tat als eine Verschwendung ansehen.

Bereits in Lukas 7 war eine Frau zu dem Herrn gekommen und hatte seine Füße mit einem einfachen Salböl gesalbt. Wir können sie mit einem Gläubigen vergleichen, der im Bewusstsein seiner vielen Sünden dem Herrn den Dank für die erfahrene Errettung bringt. Dieser Gläubige hat im Licht Gottes seinen ganzen sündigen und verlorenen Zustand gesehen. Er anerkennt das Urteil Gottes über sich selbst und darf nun erfahren, wie er durch Glauben an das vollbrachte Werk des Herrn Jesus Vergebung seiner Sünden bekommen hat. Nach dem Maß seiner Erkenntnis bringt dieser junge Gläubige den Dank seines Herzens, wie wir ihn in Lukas 7 im Bild des „einfachen“ Salböls der großen Sünderin sehen.

An diesem „einfachen“ Salböl ist nichts falsch. Im Gegenteil: Wir haben immer neu nötig uns mit der großen Errettung zu beschäftigen, die der Herr uns erworben hat. Auch dieses dürfen wir mit anbetenden Herzen als geistliche Schlachtopfer vor Gott bringen (vgl. 1. Pet 2,5). Doch möge der Herr, wenn seine Kreuzesleiden vor uns stehen, uns vor Routine und Automatismen bewahren. All zu oft gehen uns Worte über die Lippen, die wir schon so oft gesagt haben, aber gar nicht mehr über ihre Bedeutung nachdenken. Aber es wäre sehr traurig, wenn wir nur bei unserer Errettung stehen blieben und bei dem, was der Herr für uns getan hat. Letzten Endes stehen dann doch wir und unser Bedürfnis im Vordergrund. Möge es doch so sein, dass, während wir auf unserem Glaubensweg fortschreiten, auch das Maß der Erkenntnis der Person des Herrn bei uns wächst. Der Vater sucht solche die mit anbetenden Herzen ihm nahen und etwas von den Herrlichkeiten seines Sohnes erkannt haben. Dass Er der Erretter ist, ist eine Herrlichkeit, aber bei weitem nicht die einzige.

Friedemann Werkshage