Die Menschheit unseres Herrn Jesus Christus

Online seit dem 14.11.2014, Bibelstellen: Matthäus 11,27

Wenn wir uns mit scharfsinnigen Fragen über die Person des Herrn Jesus beschäftigen, dann ist die Folge davon, dass das Herz dürr wird und der Geist der Anbetung und der Liebe verschwindet. Stattdessen kommen heikle Fragen auf, als ob der menschliche Geist die Weise, wie die Menschheit und die Gottheit des Herrn Jesus in Seiner Person vereinigt sind, würde ergründen können.

Im Hinblick darauf sagt die Schrift: „...niemand erkennt den Sohn, als nur der Vater...“ (Mt 11,27). Ich brauche nicht zu sagen, daß ich mir diese Kenntnis auch nicht anmaße. Die Menschheit des Herrn Jesus kann mit nichts verglichen werden. Seine Menschheit war wahrhaftig und wirklich: Leib und Seele, Fleisch und Blut.

Aber ER erschien in ganz anderen Umständen als die, in denen Adam lebte, Christus kam um unsere Schmerzen und unsere Krankheiten auf sich zu nehmen (Jes 53), während Gott Adam in eine Stellung gesetzt hatte, die bis zu dem Augenblick, als er in Sünde fiel, ohne leibliche Leiden war. Gott war nicht in Adam, aber ER war in Christo, und zwar in all dem Elend, der Bedrückung, der Mühsal und der Leiden, durch die ER in der Kraft Gottes ging, und das in der Gesinnung und mit Gedanken, von denen der Geist Gottes immer die Quelle war, obwohl diese Gedanken in ihrem Mitgefühl wirklich menschlich waren. Adam kannte vor seinem Fall keine Leiden. Gott war nicht in ihm und der Geist Gottes war nicht die Quelle seiner Gedanken.

Überdies war der Herr Jesus der Sohn des Menschen. Adam war das nicht. Auch war der Herr Jesus geboren durch die Kraft Gottes, so daß das Heilige, das aus Maria geboren wurde, Sohn Gottes genannt wurde. Das kann von niemandem sonst gesagt werden. ER ist der Christus, aus einem Menschen geboren, aber als Mensch auch aus Gott geboren. Darum ist Seine Menschheit von anderer Art als es die von Adam sowohl vor als auch nach seinem Fall war, nämlich unbefleckbar.

Was durch den Sündenfall in Adam sich veränderte war nicht seine Menschheit, sondern der Zustand seiner Menschheit. Adam war nach seinem Fall genau so Mensch wie vor dem Sündenfall. Die Sünde drang in die Menschheit ein und dadurch wurde der Mensch von Gott entfremdet, und somit ohne Gott in der Welt. Nicht so bei Christo, ER war immer vollkommen mit Gott, außer in den drei Stunden der Finsternis, als ER von Seiten Gottes litt und von IHM verlassen wurde.

ER war das ewige Wort, und das Wort ist Fleisch geworden. Gott ist geoffenbart im Fleisch. Während ER wahrhaftig Mensch war, war Seine göttliche Anwesenheit in derselben Person unvereinbar mit der Sünde.

Es ist falsch, zu denken, daß Adam in sich selbst Unsterblichkeit besaß. Kein Geschöpf besitzt das, sondern wir alle werden von Gott, der allein Unsterblichkeit hat, erhalten. Wenn Gott es will, dann wird der Mensch tausend Jahre alt oder er wird nur siebenzig Jahre. Wenn Gott ihn nicht mehr unterstützt, dann muß der Mensch sterben, seine Kraft vergeht.

Gott war in Christo, und dadurch war in dieser Hinsicht alles anders. – Nicht bezüglich der Echtheit seiner Menschheit mit all den Neigungen, Gefühlen und natürlichen Bedürfnissen Seiner Seele und Seines Leibes. Das alles war in IHM, und alles was IHN umgab hatte darauf Einfluß, aber in Übereinstimmung mit dem Geist und ohne Sünde. – Niemand nahm das Leben von Ihm. ER legte es Selbst ab, aber in dem Augenblick, da Gott es wollte. Weil ER kam, um den Willen Gottes zu tun, wurde ER den Folgen der menschlichen Ungerechtigkeit übergeben. ER ließ es zu, daß ER gekreuzigt wurde, aber in dem Augenblick, da ER den Geist übergab, war Sein Geist in den Händen Gottes. ER tat kein Wunder, um die grausamen Mittel, die der Mensch gebrauchte um IHN zu töten, zu verhindern und um Sein Leben vor dem Tode zu bewahren. ER gebrauchte Sein Gott-Sein nicht um Sich vor dem Tode sicherzustellen, sondern ER wirkte das Wunder in dem ER starb. In Seinem Sterben handelte ER in Übereinstimmung mit Seinen göttlichen Rechten, aber nicht, um sich vor dem Tode sicherzustellen, sondern ER übergab, sobald alles vollbracht war, Seinen Geist Seinem Vater ...

ER war der Mensch, der mit Gott in Übereinstimmung war. Inmitten alles Bösen war ER Gott geoffenbart im Fleische. ER war wahrhaftig Mensch, aber ER hatte stets die Gedanken, die Gott in Menschen wirkt, in absoluter Gemeinschaft mit Gott. Doch war ER auf dem Kreuze „vollkommener“ denn je, weil ER, während die Zorngluten Gottes über IHN hingingen, den Willen Gottes vollbrachte. Weil ER das Werk nicht in Gemeinschaft mit Gott tun konnte, bat ER, daß der Kelch von IHM weggenommen werden möchte. Niemals hatte ER um so etwas gebeten, aber der Zorn Gottes konnte nicht Seine Speise sein.

Nun, da ich soviel gesagt habe, gebe ich aus ganzem Herzen den Rat, vermeidet jede Diskussion und jede Umschreibung der Person unseres gesegneten Erlösers. Ihr werdet die Schönheit der Person Christi für euer Herz verlieren. Ihr werdet stattdessen die ganze Dürre des menschlichen Geistes in den Dingen Gottes erfahren. Es ist ein Tollhaus für den Menschen, weil er dies in eigenem Auftrag und auf eigene Kosten tut. Es ist so, wie wenn jemand den Leib seines Freundes zergliedert (seziert), statt seine Gefühle zu genießen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß der Geist Gottes es nicht will, daß wir zu definieren versuchen, wie Menschheit und Gottheit in dem Herrn Jesus vereinigt sind. „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater“. Gebe Gott, daß ihr alles glaubt, was das Wort Gottes über IHN lehrt. Es ist unser Friede und unsere Speise , um alles zu verstehen was der Geist uns verstehen läßt, aber laßt uns nie versuchen, etwas zu definieren, wozu Gott uns nicht beruft.

(Collected Writings Teil 10, Seite 181–184)

John Nelson Darby