Gestärkt am inneren Menschen

Online seit dem 01.04.2015, Bibelstellen: 2. Korinther 4,16; 1. Samuel 23,16; Philemon 7

David war ein Mann des Glaubens, der viele Erprobungen und Anfechtungen seines Glaubens erfolgreich bestand. Aber auch ein Glaubensheld wie David, der uns in vielen Bereichen des Lebens ein Vorbild ist, bedurfte immer wieder der Stärkung und Erquickung auf seinem Weg.

Hinsichtlich zweier Begebenheiten im Leben Davids lesen wir ausdrücklich von „Stärkung“, und zwar von „Stärkung in Gott“. Einmal war es David selbst, der sich stärkte, ein anderes Mal wurde er gestärkt. David war ohne Zweifel ein gläubiger Mann, der neues Leben, Leben aus Gott, besaß. Auch er hatte einen inneren Menschen, der immer wieder erneuert (vgl. 2. Korinther 4,16) und gestärkt (vgl. Epheser 3,16) werden musste. Allerdings besaß er den Heiligen Geist nicht innewohnend wie wir, die Gläubigen der Gnadenzeit.

Die neue Natur des Gläubigen ist nicht autark, das heißt gänzlich unabhängig existenzfähig, sondern sie bedarf der Leitung und Stärkung von außen. Und wovon allein kann sich die neue Natur nähren und Leitung empfangen, wenn nicht von Gottes Wort in der Kraft des Heiligen Geistes? Entweder sind wir es selbst, die uns dadurch stärken, oder aber sind es andere, die uns stärken. Dies wird im Leben Davids an zwei Stellen deutlich, die wir uns im Folgenden näher anschauen möchten.

a) David wird gestärkt (1. Samuel 23,16)

In 1. Samuel 23 sehen wir David auf der Flucht vor Saul. David wurde gejagt wie ein Rebhuhn auf den Bergen (vgl. 1. Samuel 26,20b), von Berg zu Berg und von Höhle zu Höhle. Musste in solcher Bedrängnis nicht auch ein Mann wie David ermatten und verzagen? Wie ein Lichtblick in dunkler Nacht ist da Jonathan, der in diesem Kapitel, das mit Verfolgung beginnt und mit Verfolgung endet, auf einmal auf der Bildfläche erscheint. Er sucht David im Wald auf, um dessen Hand in Gott zu stärken. Welch eine Erquickung für die Seele Davids! Fast wie ein Geschenk Gottes! Da gab es jemanden, der nichts Böses gegen ihn schmiedete, sondern der kam, um seine Hand in Gott zu stärken. Ein einzigartiger Ausdruck in der Schrift, den wir nicht noch einmal finden! Trotz allen Zukurzkommens auf Seiten Jonathans, bei dem wir oft die negative Seite überbetonen, muss man es ihm doch hoch anrechnen, dass er hier kommt, um Davids Hand in Gott zu festigen. Wie wahr ist doch, was wir in Sprüche 17,17 finden: „Der Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Drangsal wird er geboren.“ Jonathan war solch ein Freund, der Davids Blicke auf Gott richtet, die einzige Quelle neuer Kraft.

Es war das letzte Mal, dass die zwei Freunde sich sahen. Ihre Wege trennten sich kurz danach wieder, um sich auf dieser Erde nie mehr zu kreuzen. David blieb der Gejagte, Jonathan blieb der Kronprinz.

Entspricht dieses Stärken Davids in Gott durch Jonathan nicht in etwa dem, was wir in Philemon 7 in Bezug auf Philemon lesen: „Denn wir haben große Freude und großen Trost durch deine Liebe, weil die Herzen [eigentlich die Eingeweide, das Innere] der Heiligen durch dich, Bruder, erquickt worden sind“?

Philemon hatte – soweit wir aus der Schrift wissen – keine herausragende Gabe, aber er hatte ein Herz, das für seinen Herrn schlug. Die Aufgabe, die ihm der Herr zuwies, erfüllte er in Treue. In Philemons Leben wirkte der Glaube durch die Liebe (vgl. Galater 5,6b) und brachte köstliche Frucht hervor. Durch seine Bemühung der Liebe (vgl. 1. Thessalonicher 1,3) wurden die Herzen der Heiligen erquickt.

Lieber Leser, ist es auch dein Anliegen, die Herzen der Heiligen zu erquicken, ihnen auf ihrem Weg durch diese Welt etwas darzureichen, was sie stärkt, erfrischt und neuen Mut fassen lässt, ihren Weg weiterzugehen? Diese Welt ist eine Wüste, in der so mancher Gläubige erschöpft am Wegesrand zurückbleibt. Der Herr möchte vielleicht gerade dich benutzen, einen solchen wieder aufzurichten. Wie viele Gläubige halten auch heutzutage Ausschau nach solchen „Philemons“, die durch die Liebe Christi befähigt sind, die Herzen der Heiligen zu erquicken! Dafür bedarf es – wir wir gesehen haben – keiner Gabe, sondern allein eines Herzens, das für Christus schlägt. Und wie auch bei Philemon wird das Ergebnis „große Freude und großer Trost“ sein.

b) David stärkt sich selbst (1. Samuel 30,6)

Wieder befindet sich David in großer Bedrängnis. Die Amalekiter waren in Ziklag eingefallen und hatten die Frauen und Kinder gefangen weggeführt. Die Wut der Männer entlädt sich gegen ihren Anführer, den sie für ihr Unglück verantwortlich machen. Und dies nicht ganz zu Unrecht. War es nicht David, der aus mangelndem Gottvertrauen mit ihnen in das Land der Philister gezogen war, um bei Achis, dem König von Gath, Unterschlupf zu finden (vgl. 1. Samuel 27,1.2)? Die Männer erheben sich gegen David und sind kurz davor, ihn zu steinigen. Und David? Sind nicht auch seine Frauen unter den Weggeführten? Was tut er? Er stützt sich auf seinen Gott. Er verzweifelt nicht, auch läuft er nicht einfach weg. Während das Volk erbittert ist, sucht David seine Zuflucht bei Gott und stärkt sich in Ihm.

Bei dieser Gelegenheit ist es David selbst, der sich in Jehova, seinem Gott, stärkt. Wir können sicher annehmen, dass er die Nähe seines Gottes gesucht und seine Not vor Ihm ausgebreitet hat. Vielleicht hat er sich auch an manche Erfahrungen erinnert, die er mit seinem Gott gemacht hatte. Hatte Gott ihn jemals im Stich gelassen? Sicherlich nicht! Und so würde Er seinen Knecht auch dieses Mal nicht im Stich lassen. Diese Zuversicht gibt David neuen Mut, und auf das Befragen Gottes hin jagt er den Amalekitern nach. Gott kommt David auch dieses Mal zu Hilfe und schenkt ihm einen großen Sieg.

Ist diese „Selbststärkung“ Davids in Gott nicht in etwa das, wozu uns Judas am Ende seinen Briefes auffordert, wenn er schreibt: „Ihr aber, Geliebte, euch selbst erbauend auf euren allerheiligsten Glauben, betend im Heiligen Geist, erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes …“ (Judas 20,21a)?

Gerade in unseren Tagen, den letzten der Gnadenzeit, wo das christliche Zeugnis zunehmend persönlicher Natur ist, sind die Worte Judas von besonderer Bedeutung. Die Welt, in der wir leben, hat dem inneren Menschen des Gläubigen, dessen neuer Natur, nichts, aber auch gar nichts zu bieten. Wahrhaftig eine Einöde für den Gläubigen! Umso wichtiger daher, sich selbst auf seinen allerheiligsten Glauben zu erbauen.

Die Welt kann die Beweggründe und das Handeln des Christen nicht verstehen. Sie beneidet ihn überhaupt nicht um dessen Leben als Fremdling. Doch der Christ hat etwas, was die Welt nicht sieht noch kennt. Er hat etwas, worauf er sich stützen kann und auf dem sein Glaube ruht: den allerheiligsten Glauben. Damit ist in erster Linie nicht der persönliche Glaube gemeint, sondern vielmehr das, was wir glauben, das christliche Glaubensgut. Dieses Glaubensgut umfasst die christlichen Wahrheiten, die wir in der Bibel finden, kurzum all das, was Gott von sich offenbart hat. Judas bezeichnet es als allerheiligsten Glauben, da es etwas ist, das dem Glauben vorbehalten, sozusagen für ihn „reserviert“ ist, und an dem die Welt kein Anteil hat. Diese Wahrheiten sind es, an denen der Gläubige sich stärkt und die ihm Nahrung und Freude sind.

Doch um sich an den christlichen Wahrheiten stärken zu können, muss man sie zuerst einmal kennen, sodann aber auch lieben. Lieber Leser, kennst du sie? Bist du vertraut mit den Gedanken Gottes, und schätzt du sie wert?

Daniel Melui