Ein Gang durch den 1. Timotheusbrief

Online seit dem 26.04.2015, Bibelstellen: 1. Tim 1-6

Wenn man ein Bibelbuch studiert, kann man es wie durch ein Teleskop oder wie durch ein Mikroskop betrachten. Bei der teleskopischen Methode verschafft man sich einen Überblick über das Bibelbuch, während es bei der mikroskopischen Methode um Einzelheiten geht. In dieser dreiteiligen Serie über den ersten Timotheusbrief verwenden wir das „Teleskop“. Das hat seinen eigenen Wert und ist Voraussetzung dafür, Details zu erforschen. Lies den Brief so, als sei er nur für dich geschrieben worden!

Einleitung

Wenn man einen Brief in Händen hält, stellt man sich mindestens vier Fragen: Wer hat den Brief geschrieben? An wen wurde er adressiert? Wann wurde er verfasst? Was ist der Inhalt des Briefes?

Beim ersten Timotheusbrief sieht das so aus:

Schreiber: Der Apostel Paulus. Paulus war alt geworden, er hatte ungefähr das 65. Lebensjahr erreicht.

Empfänger: Timotheus. Er war das geistliche Kind von Paulus. Timotheus war ungefähr Mitte 30 und hatte in der Versammlung in Ephesus als apostolischer Beauftragter eine wichtige Mission zu erfüllen.

Zeitpunkt der Abfassung: Paulus schrieb diesen Brief nach seiner ersten und vor seiner zweiten Gefangenschaft. Wahrscheinlich im Jahr 63 oder 64. Vielleicht war es sein vorletzter inspirierter Brief.

Thema: Es geht um die äußere Ordnung im Haus Gottes. Der Schlüsselvers des ersten Timotheusbriefs lautet: „Dies schreibe ich dir … damit du weißt, wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (1. Tim 3,14.15).

Kapitel 1: Gegensatz zwischen gesunder Lehre und den Worten der Gesetzeslehrer

Nach den Grußworten, in denen Paulus seine apostolische Autorität betont (V. 1.2), kommt er direkt auf ein Problem in Ephesus zu sprechen: Einige Männer redeten Dinge, die nicht im Einklang mit der gesunden Belehrung standen (V. 3.4). Die gute Belehrung fördert Liebe im Herzen der Gläubigen sowie innere Reinheit, ein gutes Gewissen und ungeheuchelten Glauben (V. 5).

Zwei Schwerpunkte der falschen Lehrer erwähnt Paulus:

  • Fabeln, endlose Geschlechtsregister, leeres Geschwätz (V. 4.6)
  • energische Verfechtung des mosaischen Gesetzes (V. 7)

Christen sollen sich nicht mit sinnlosen, von Menschen erdachten Mythen abgeben, die zu Streit unter Gläubigen führen und Gottes Werk nicht fördern. Auch sollen sie das von Gott gegebene Gesetz der Haushaltung der Gnade gemäß gebrauchen und es nicht denen auferlegen, die durch den Glauben an den Herrn Jesus gerechtfertigt sind (V. 8.9). Das Gesetz ist zur Überführung derer bestimmt, die Gott nicht kennen (vgl. Rö 5,20; Gal 3,19). Diese Menschen charakterisiert Paulus durch verschiedene Begriffspaare, wobei er zunächst ihren Zustand und dann ihre Taten beleuchtet (V. 9.10). Die Sünden stehen jedoch nicht nur dem Gesetz entgegen, sondern auch dem Evangelium der Herrlichkeit, deren Verkündigung Paulus besonders anvertraut worden war (V. 11).

Exkurs über das Gesetz:

Das Gesetz vom Sinai ist heilig gerecht und gut (Rö 7,12), denn der gute Gott hat es gegeben. Aber es ist wichtig, zwei Dinge zu beachten: 1.) Das Gesetz ist kein Türöffner für den Himmel. Aus Gesetzeswerken wird kein Mensch vor Gott gerechtfertigt werden, denn kein Mensch ist in der Lage, das Gesetz zu halten; durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde und nicht die Rechtfertigung davon (Rö 3,20). 2.) Das Gesetz ist nicht die Lebensregel des Christen. Denn Christen sind nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade (Rö 6,14). Gläubige sind nicht an das Gesetz gebunden, sondern an Christus (Rö 7,4). Der Herr Jesus ist Kraft und Maßstab für ihr Leben (Joh 15,5; 1. Joh 2,6).    

In den Versen 12–17 zeigt Paulus, der früher ein Gesetzeseiferer war (Gal 1,14), dass er Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat. Die Gnade, die er predigte und die Timotheus predigen sollte, hatte er selbst erlebt. Vor seiner Bekehrung war Saulus ein Mann des Unglaubens und des Hasses gewesen. Nach der „Damaskus-Stunde“ lebte er im Glauben und in der Liebe, deren Quelle in Christus Jesus ist (V. 13.14).

Paulus zeigt die Grundlage, warum ihm Barmherzigkeit widerfahren konnte: weil er ein Verfolger in Unwissenheit war (V. 13). Er sündigte nicht im bewussten Widerstreit gegen das Wirken der Gnade (vgl. Heb 10,26). Paulus zeigt aber auch das Ziel, warum er Barmherzigkeit erlebte: Es sollte allen Sündern Mut machen, an Jesus Christus zu glauben, der in die Welt kam, um Sünder zu erretten. Wenn Saulus, der die Reihe der Sünder anführt, begnadigt wurde, dann kann auch jeder andere Sünder errettet werden (V. 15.16). Paulus schließt diesen Abschnitt über die Barmherzigkeit Gottes so, wie er ihn begonnen hat: mit Dank (V. 13.17).

In Vers 18 kommt Paulus auf das Gebot zurück, dass Timotheus die christliche Lehre verbreiten soll (vgl. V. 3.5). Diese Arbeit ist mit Kampf verbunden. Timotheus konnte Mut fassen, weil Weissagungen im Blick auf seine Gnadengabe und seinen Dienst gegeben worden waren (vgl. Kap. 4,14; 2. Tim 1,6).

Zum guten Kampf des Glaubens gehören die gelebte Abhängigkeit von Gott und das gute Gewissen (V. 19). Wer ständig gegen sein Gewissen handelt, zerstört seinen „inneren Kompass“, und der Schiffbruch in Glaubensdingen wird unausweichlich. So erging es Hymenäus, der wohl auch in 2. Timotheus 2,17 erwähnt wird, und Alexander. Paulus hatte in apostolischer Vollmacht beide dem grausamen Wüten Satans preisgegeben, damit sie keine bösen Dinge mehr redeten. Das war das Ziel der göttlichen Zucht (V. 20).

Fragen zum Nachdenken:

  • Streue ich etwas aus, das zu Streit unter Gläubigen führt?
  • Weiß ich, wie ich mit dem Gesetz als Christ umgehen muss?
  • Bin ich dankbar für die erlebte Barmherzigkeit des Herrn?
  • Weise ich anderen den Weg zur Gnade Gottes?
  • Ist mein „Glaubensschiff“ noch seetüchtig?

Kapitel 2: Das Gebet und die Stellung der christlichen Frau

Das Gebet ist für Christen wichtig. Gottes Wort zeigt uns, wie viele Gebetsgegenstände und Personengruppen es gibt, für die wir beten sollen. Dazu gehört auch das Gebet für Menschen in Regierungsverantwortung, damit sie es Christen ermöglichen, ein ruhiges Leben zu führen. Dabei geht es nicht um Lehnstuhlchristentum, sondern um ein ernsthaftes Leben, das ungestört Gott und seinen Interessen geweiht ist (V. 1.2).

In unseren Gebeten bitten wir auch für die Errettung der Regierenden und anderer Menschen. Das ist nach den Gedanken Gottes, denn Er will, dass alle Menschen vor dem ewigen Gericht errettet werden. Und jeder kann errettet werden, da Jesus Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen, sein Leben als Lösegeld zugunsten aller gegeben hat. Paulus hatte einen besonderen Auftrag, diese Botschaft zu verkünden. Aber auch jeder Christ sollte die „Gnadenzeit“ auskaufen und von der wunderbaren Botschaft reden (V. 3–7).

In diesem Abschnitt wird bezeichnenderweise einerseits betont, dass es etwas nur einmal gibt:

  • Es gibt nur einen Gott.
  • Es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und Menschen.
  • Es gibt nur ein Lösegeld für Sünder.

Andererseits finden wir in den ersten sieben Versen dreimal das Wort alle:

  • Christen beten für alle Menschen.
  • Gott will, dass alle Menschen errettet werden.
  • Der Herr Jesus hat sein Leben als Lösegeld für alle gegeben.

Die Verse 1–7 gelten für alle Glaubenden unterschiedslos. In den Versen 8–15 unterscheidet der Apostel Paulus aber zwischen Männern (V. 8) und Frauen (V. 9–15).

Gläubige Männer sollen an jedem Ort beten. Wenn öffentlich gebetet wird und Männer anwesend sind, führen sie andere im Gebet an. Die Männer, die das tun, sollen in ihrem Leben Heiligkeit zeigen, keinen Zorn gegenüber anderen und keine Zweifel gegenüber Gott hegen (V. 8).

Frauen sollen keine teure, ausgefallene und unanständige Kleidung tragen und sich nicht Frisuren machen, die übermäßig viel Zeit und Geld kosten. Ihr Schmuck besteht nicht in Gold und Perlen, sondern aus guten Werken. Es geht bei Gott nicht um äußere, sondern um innere Schönheit (V. 9.10).

Frauen haben nach den Gedanken Gottes eine untergeordnete Stellung. Sie sollen lernen und nicht lehren, sich unterordnen und nicht herrschen. Sie machen weder durch ihre Kleidung noch durch viele Worte auf sich aufmerksam. Sie bevorzugen Stille und Zurückhaltung. Den Platz als Lehrerinnen von Gottes Wort nehmen sie nicht ein (V. 11.12).

Begründet wird die Unterordnung der Frau zweifach: mit der Schöpfung und mit dem Sündenfall. Der Mann wurde vor der Frau erschaffen und nimmt deshalb eine Vorrangstellung ein. Außerdem hat sich die Frau im Garten Eden als Führerin nicht bewährt – als sie die Initiative im Gespräch mit der Schlange übernahm, war der Sündenfall die Folge (V. 13.14).

Zu den Folgen des Sündenfalls gehören die Anstrengung der Schwangerschaft und die Schmerzen der Geburt. Wenn die gläubige Frau Kinder gebiert, darf sie sich aber auf die göttliche Verheißung der „Hindurchrettung“ stützen, wenn sie und ihr Mann nach Gottes Gedanken gelebt haben. Gott wird (im Allgemeinen) schenken, dass sie bei der Geburt ihres Kindes nicht stirbt (V. 15).

Fragen zum Nachdenken:

  • Bete ich für die Regierung und für die Errettung von Menschen?
  • Nutze ich ruhige, geordnete Lebensverhältnisse aus, um Gott zu dienen?
  • Zeuge ich davon, dass der Herr Jesus sein Leben als Lösegeld gegeben hat?
  • Führe ich (als Mann) andere im Gebet richtig an?
  • Nehme ich (als Frau) den Platz der Unterordnung ein?

Kapitel 3: Zwei örtliche Ämter: Aufseher (Älteste) und Diener

Wer ein Aufseher werden möchte, begehrt ein schönes Werk (V. 1). Für diese Arbeit gibt es aber verschiedene Erfordernisse (V. 2–5):

  • Familienstand: Verheiratet sein mit einer Frau. Kinder zu haben ist für diese Arbeit von Vorteil.
  • Moralische Qualitäten: Muss vorhanden sein: untadelig (nicht jemand, auf den man mit dem Finger zeigen kann), nüchtern (nicht emotional), besonnen (nicht maßlos), bescheiden (nicht prahlerisch), gastfrei (nicht eigenbrötlerisch), lehrfähig (nicht unwissend). Darf nicht vorhanden sein: Liebe zum Alkohol, zu Schlägereien, Grobheiten, Streit und Geld.
  • Familienleben: Er steht dem Haus gut vor und hält die Kinder in Unterordnung.
  • Erfahrung: Er darf kein Neuling im Glauben sein.
  • Verhältnis zur Welt: Ein gutes Zeugnis ist notwendig.

Das „Gericht des Teufels“ (V. 6) ist das, was über den Teufel verhängt wurde, nachdem er sich erhoben hatte – Gott verstieß ihn von seinem Ehrenplatz (vgl. Jes 14,12–14). Bei dem „Fallstrick des Teufels“ (V. 7) geht es um das, was er tut: Er möchte die Diener des Herrn binden (vgl. 2. Tim 2,26). Das wird ihm bei solchen gelingen, die einen schlechten Lebenswandel haben und dennoch versuchen, einen Ältestendienst auszuführen.

Exkurs Älteste und Diener: Aufseher kümmern sich um das innere Wohl der Geschwister am Ort und Diener um das äußere. Aufseher und Diener gibt es immer mehrere an einem Ort (Phil 1,1). Die Aufseher werden auch Älteste genannt – es ist dieselbe Personengruppe (vgl. Apg 20,17.28). Aufseher wurden von Aposteln oder deren Beauftragten angestellt (Apg 14,23; Tit 1,5). Da es heute keine Apostel mehr gibt, gibt es auch das Amt der Ältesten nicht mehr. Aber der Dienst eines Ältesten sollte nach wie vor ausgeübt werden. Bei den Dienern  geht es (auch) um ein Amt und nicht um einen Dienst für Christus im allgemeinen Sinn. In Apostelgeschichte 6 wird von sieben Männern berichtet, die offenbar Diener waren. Sie wurden auf Vorschlag der Apostel von der Versammlung gewählt und anschließend vor die Apostel gestellt. Die Diener kümmerten sich um die „Bedienung der Tische“, das heißt um die Versorgung der Bedürftigen.

Nicht nur die Ältesten müssen für ihr Amt moralische Qualifikationen aufweisen, sondern auch die Diener (Diakone). Allerdings wird die Messlatte bei den Dienern nicht ganz so hoch gelegt. Drei Punkte sollen die Diener kennzeichnen (V. 8–10):

  • ehrwürdiges, seriöses und ernsthaftes Betragen,
  • Bewahren des Glaubensgutes und ein gewissenhaftes Umsetzen in die Praxis,
  • untadelig in der Erprobung.

Drei Punkte sollen die Diener nicht kennzeichnen (V. 8–10):

  • Falschheit im Reden,
  • starker Zuspruch zum Alkohol,
  • dubioser Geldverdienst.

In Vers 11 geht es um die Frauen der Diener. Diese Frauen sind mit dem Dienst ihres Mannes, der in praktischen Dingen besteht, eng verbunden. Das, was die Frauen der Diener kennzeichnen soll, ähnelt dem, was von den Dienern selbst gefordert wird.

Wenn der Diener verheiratet ist, darf er nur eine Frau haben. Wenn er Kinder und Hausangestellte hat, muss er sich als guter Vorstand des Hauses erweisen (V. 12). Die Arbeit des Dieners ist keine nebensächliche Sache. Wer als Diakon gut gearbeitet hat, wird von Gott anerkannt und bekommt auch viel Mut und Zuversicht, von den Dingen des Glaubens zu reden (V. 13). Ein Beispiel dafür ist der Diener Stephanus, der eine große Rede hielt (Apg 6–7).

Auch wenn Paulus die Hoffnung hatte, bald zu Timotheus nach Ephesus zu kommen, schrieb er ihm doch einen Brief (V. 14). Dieser Brief sollte Timotheus klarmachen, wie man sich als Christ im Haus Gottes verhält. Das Haus Gottes ist die Versammlung des lebendigen Gottes (V. 15). Die Versammlung ist auch Pfeiler der Wahrheit. So wie die Werbung an einer Litfasssäule von allen gelesen werden kann, so kann bei der Gemeinde die Wahrheit „gelesen“ werden. Außerdem ist die Versammlung die Grundfeste der Wahrheit: Die Wahrheit hat in der Versammlung ihren dauerhaften Sitz. Die Wahrheit ist nur bei der Versammlung Gottes zu finden.

Wie kann es gelingen, sich nach den Gedanken Gottes in seinem Haus zu verhalten? Was steht im Mittelpunkt bei einem Leben für Gott? Es ist eine Person. Es ist der Herr Jesus, der Mensch geworden ist und nun als verherrlichter Mensch im Himmel ist. Wichtige Dinge werden in Vers 16 über Christus gesagt:

  • Er hat Gott offenbart in einem menschlichen Körper.
  • Er wurde als gerecht vor den Menschen erwiesen durch den Heiligen Geist.
  • Er machte Gott für die Engel sichtbar.
  • Er wird gepredigt unter allen Völkern und nicht nur in Israel.
  • Er wird geglaubt in (nicht: von) der Welt.
  • Er wurde aufgenommen in Herrlichkeit – wo Er auch uns hinbringen wird.

Fragen zum Nachdenken:

  • Bin ich um das geistliche Wohl der Gläubigen am Ort besorgt?
  • Lebe ich auch zu Hause vorbildlich?
  • Bin ich zu praktischen Diensten unter den Gläubigen bereit?
  • Weiß ich, wie man sich im Haus Gottes verhält?
  • Bin ich mit Christus beschäftigt?

Kapitel 4: Falsche Lehre und rechte Lehre

Von den Wahrheiten des Christentums, die zu einem Leben mit Gott führen, werden in späteren Zeiten einige abfallen, indem sie auf Lehren achten, die Menschen unter den Einfluss von Dämonen bringen (V. 1). Diese Menschen, die teuflische Lehren verbreiten, heucheln große Geistlichkeit, haben ein hartes Gewissen und reden Lügen (V. 2). Gerade im Mittelalter glaubten viele der Lüge, dass man besser für Gott leben könne, wenn man nicht heiratet oder auf bestimmte Speisen verzichtet.

Auf das absurde Heiratsverbot geht Paulus nicht weiter ein. Er zeigt aber, dass der gute Gott Gutes erschaffen hat und dass wir als Christen alle Speisen dankbar aus seiner Hand annehmen dürfen (V. 3.4). Die beiden Ausnahmen (Blut und Ersticktes, Apg 15,29) thematisiert Paulus hier nicht.

Alle Speisen (Pflanzen und Tiere) sind objektiv durch Gottes Wort geheiligt (V. 5). Das heißt: Christen wissen aus der Bibel, dass Speisen sie nicht moralisch verunreinigen. Die Speisen werden subjektiv durch Gebet geheiligt. Das heißt: Wenn wir für das Essen danken, wird die Nahrungsaufnahme zu einer Sache, die zu Gottes Ehre ist und seine Billigung findet.

Der Apostel Paulus gab Wahrheit Gottes weiter. Ein guter Diener Jesu Christi stellt sie den Gläubigen vor (V. 6). Das wird nur gelingen, wenn sich der Diener von den Worten des Glaubens nährt und der guten Lehre genau folgt. Ungöttliche Mythen aber, die leichtgläubige Menschen annehmen, müssen abgewiesen werden (V. 7).

Sportliche Aktivität ist nicht verkehrt, fördert aber nur das körperliche Wohlbefinden. Mit Gott zu leben wirkt sich jedoch in jeder Beziehung positiv aus. Man ergreift das ewige Leben in dieser Zeit (vgl. Kap. 6,12.19) und geht auf einem Weg, der zum völligen Genuss dieses Lebens in der Herrlichkeit führt, die Gott uns versprochen hat (V. 8).

Im Gegensatz zu mystischen Geschichten ist Gottes Wort verlässlich und vertrauenswürdig (V. 9). Für dieses Wort arbeiteten Paulus und seine Mitarbeiter und ertrugen Schmähung. Sie konnten die Mühe der Arbeit und die Ablehnung auf sich nehmen, weil sie auf Gott hofften, der sie erhielt. Aber Gott erhält nicht nur die Gläubigen, obwohl er sie besonders im Blick hat, sondern alle Menschen (V. 10).

Das, was der Apostel Paulus Timotheus unter der Leitung des Geistes Gottes geschrieben hatte, sollte er den Gläubigen als verbindlich vorstellen sowie erklären (V. 11). Timotheus sollte sich so verhalten, dass niemand einen Anlass fand, ihn wegen seiner Jugend zu verachten. Er durfte vielmehr ein Vorbild in seinem Reden und Verhalten sein. Besonders wichtig waren die Liebe zu den Gläubigen, das Vertrauen auf den Herrn Jesus und die persönliche Reinheit (V. 12).

Timotheus wird ermuntert, seine Aufgabe mit Engagement wahrzunehmen, bis der Apostel Paulus ihn besuchen würde, um ihm neue Ermutigungen und Instruktionen zu geben. Timotheus’ Aufgabe war es, das Wort Gottes vorzulesen, zu ermahnen und die Gedanken Gottes zu erklären (V. 13). Er sollte nicht die Gnadengabe vernachlässigen, die er als Christ empfangen hatte. Er durfte sich zu seiner Ermunterung daran erinnern, dass sein Dienst als Verkündiger im Voraus prophezeit worden war und dass sich die Ältesten mit ihm einsgemacht hatten (1. Tim 1,18; V. 14).

Ein Diener Jesu Christi sollte sich mit geistlichen Dingen beschäftigen und auch im Alltagsleben darin zu Hause sein. Dann wird es geistliche Fortschritte geben, die nicht übersehen werden können (V. 15). Timotheus sollte sein „Wort“ und seinen „Wandel“ immer wieder mit Gottes Wort abgleichen und in den geistlichen Dingen beharrlich sein. Das würde ihn vor den vielen Gefahren auf seinem Weg erretten – und nicht nur ihn, sondern auch alle, die seine gute Belehrung aufnehmen würden (V. 16).

Fragen zum Nachdenken:

  • Bin ich dankbar für die irdischen Gaben Gottes?
  • Nähre ich mich täglich von Gottes Wort?
  • Ist mir das tägliche Leben mit Gott wichtiger als der Sport?
  • Widme ich mich engagiert der Aufgabe, die der Herr mir gegeben hat?
  • Mache ich geistliche Fortschritte?

Kapitel 5: Die Versorgung der Witwen und der Dienst der Ältesten

Timotheus sollte scharfe Angriffe auf alte Männer vermeiden und bei Gesprächen mit jüngeren Schwestern auf Reinheit achten. Wenn man in einer natürlichen Familie zwischen Personen Unterschiede macht, dann auch in der Familie Gottes (V. 1–2).

Auch bei Witwen sind Unterschiede zu beachten. Es gibt „wirkliche Witwen“: Das sind Witwen, die vereinsamt und auf sich allein gestellt sind. Sie sollen geehrt werden, was gerade auch materielle Unterstützung bedeutet (vgl. Kap 5,17.18). Dann gibt es Witwen, die Kinder oder Enkel haben (V. 4). In diesem Fall sollen die Nachkommen helfen. Jedes Kind sollte bedenken, was Eltern (oder Vorfahren) für sie zeitlich, finanziell oder emotional aufgewendet haben, und es entsprechend vergelten.

In Vers 5 wird die Witwe gezeigt, wie sie idealerweise ist: Sie lebt eine enge Beziehung zu Gott (vgl. Lk 2,37). In Vers 6 geht es um eine Witwe, wie es schlechter nicht geht: Sie schwelgt in Genusssucht und denkt nicht an Gott. Sie lebt zwar physisch, ist aber geistlich tot (Eph 2,1; Off 3,1) – ohne Beziehung zu Gott.

Den Kindern und Enkeln sollte Timotheus gebieten, sich um die Eltern oder Großeltern zu kümmern (V. 7), besonders wenn diese im gleichen Haus wohnen. Wer das nicht tut, verleugnet das christliche Bekenntnis durch seine Taten und sinkt moralisch unter das Niveau eines Ungläubigen herab (V. 8).

Manche Witwen sollten in eine Liste eingetragen werden, damit sie eine regelmäßige Unterstützung durch die Versammlung bekämen. Voraussetzung dafür war, dass sie 60 Jahre oder älter waren (V. 9), da es in diesem Alter schwierig wurde, sich selbst zu versorgen. Um eingetragen zu werden, mussten die Witwen Folgendes aufweisen (V. 9.10):

  • eine rechtmäßige Ehe,
  • bekannt für gute Werke,
  • Erziehung von Kindern,
  • Aufnahme von Gästen,
  • Wohltun an Gästen.
  • Hilfe für Notleidende.
  • wohltätige Werke.

Witwen unter 60 sollten nicht verzeichnet werden, weil die Gefahr zu groß war, dass sie ein luxuriöses und leichtes Leben lieb gewinnen könnten, was Christus zuwider ist (V. 11). In dem Wunsch nach Bequemlichkeit würde sich das eigenwillige Werben um einen Ehepartner gesellen, wodurch sich die jüngeren Witwen schuldig machen würden. Ein Leben in Üppigkeit steht dem schlichten Vertrauen entgegen, das die Witwen nach dem Tod ihres Mannes gekennzeichnet haben mag (V. 12). Die überversorgten Witwen konnten sich daran gewöhnen, müßig von Haus zu Haus zu gehen, um sinnlos zu schwätzen und vorlaute Reden zu führen (V. 13). Die jüngeren Witwen sollten besser erneut heiraten, Kinder bekommen und den Haushalt führen. Wer so ein Leben führt, gibt Leuten, die dem Christentum widerstehen, keinen Anlass, berechtigt Schlechtes zu reden (V. 14). Die Ermahnung kam nicht von ungefähr, denn einige jüngere Witwen hatten sich schon von Christus ab- und Satan zugewandt (V. 15). Die Versammlung sollte nicht für Witwen sorgen, bei denen das gar nicht nötig war, damit die Gelder denen zukommen konnten, die sie wirklich brauchten. Demgemäß hatten sich Angehörige um ihre Witwen zu kümmern (V. 16).

Die Ältesten sollten geachtet werden (V. 17):

  • Die „normalen“ Ältesten sollten mit einfacher Ehre geehrt werden.
  • Die Ältesten, die gute Arbeit leisten, sollten doppelte Ehre empfangen.
  • Die Ältesten, die gut vorstehen und unterweisen, sollten noch etwas mehr Ehre empfangen.

Zu der Ehre gehört besonders die finanzielle Unterstützung (V. 18). Diese war wichtig, denn die zeitraubende Arbeit unter Gottes Volk führte damals sicher oft zu materiellen Einbußen. Doch die Ältesten sollten keine Not leiden. Das Prinzip, dass Arbeit honoriert wird, wird durch die Schrift mehrfach bezeugt. Paulus führt ein Beispiel aus Alten Testament und aus den Evangelien an (V. 18).

Wenn es eine „offizielle“ Beschwerde über einen Ältesten gab, sollte Timotheus sie nur verfolgen, wenn sie durch zwei oder drei Zeugen bestätigt werden konnte (V. 19). War es jedoch erwiesen, dass ein Ältester in einem Zustand des Sündigens lebte, musste Timotheus das Fehlverhalten des Ältesten anhand von Gottes Wort öffentlich aufdecken, um deutlich zu machen, dass gerade bei einem Ältesten Sünde nicht geduldet werden kann (V. 20). Timotheus durfte niemand um dessen Person willen begünstigen, sondern sollte jede Sache nüchtern anhand der Bibel beurteilen. Feierlich erinnert Paulus daran, dass er das vor den Augen Gottes, des Herrn und der Engel schrieb, die auch das Verhalten des Timotheus stets beobachten würden (V. 21).

Timotheus sollte vorsichtig sein und sich nicht schnell mit anderen einsmachen, damit er nicht Anteil an fremden Sünden bekäme. Wenn er auch auf Reinheit zu achten hatte, brauchte er nicht asketisch zu leben, sondern durfte ruhig ein wenig Wein trinken, um sein Wohlbefinden zu fördern (V. 22.23).

In Vers 24 knüpft Paulus an Vers 22 an und zeigt, warum Timotheus umsichtig beim Händeauflegen sein sollte: Es gibt nicht nur Menschen, deren Sünden offenbar sind, sondern auch solche, die sie kaschieren. Doch die bösen Taten werden sie spätestens am Richterstuhl des Christus einholen: Dort wird alles offenbar werden (2. Kor 5,10). Viele gute Werke kann man sehen, manche gute Werke sind aber „anders“ – d.h. nicht zu erkennen (V. 25). Aber so wie die verborgenen Sünden sichtbar werden, so müssen auch die guten Werke am Richterstuhl Christi offenbar werden.

Fragen zum Nachdenken:

  • Beachte ich im Umgang mit anderen die Unterschiede in Alter und Geschlecht?
  • Achte ich andere um ihrer Arbeit willen?
  • Distanziere ich mich klar von fremden Sünden?
  • Bin ich mir bewusst, dass ich keine einzige Sünde verstecken kann?
  • Bin ich mir bewusst, dass kein gutes Werk vergessen werden wird?

Kapitel 6: Die Lehre nach der Gottseligkeit; Genügsamkeit und Reichtum

Gläubige Sklaven sollten durch Respekt und nicht durch Rebellion gekennzeichnet sein, damit nicht Gott und das, was er gesagt hat, geschmäht würde (V. 1). Wenn Knechte gläubige Herren haben, sollten sie diese nicht verachten, sondern ihnen besonders eifrig dienen, weil die Wohltat einer guten Arbeit dann solche empfingen, die Treue und Geliebte sind (V. 2).

Wer etwas anderes lehrt und die Unterweisung des Apostels nicht akzeptiert, ist hochmütig und unwissend und stellt sich gegen den Herrn Jesus und die gesunde Lehre, die zu einer guten Lebenspraxis führt (V. 3). Bei diesen Menschen zeigt sich eine ungesunde Freude an Streit und heftigen Wortwechseln. Auf dem Nährboden des Eigenwillens und der Auseinandersetzungen gedeihen bittere Früchte, von denen manche im Herzen sind und andere nach außen dringen. Da, wo Gottes Wort nicht geachtet wird, gibt es dauerhaften Streit (V. 4). Unwissende, eigensinnige und streitbare Menschen haben eine schlechte Gesinnung, und die Wahrheit, die sie einmal in ihrem Verstand hatten, ist ihnen abhandengekommen (V. 5). Solche Leute meinen, dass ein christliches Leben zu materiellem Gewinn führe (V. 5). Doch der Vorteil oder der Gewinn besteht darin, dass man in Gemeinschaft mit Gott lebt und zufrieden ist (V. 6, vgl. Heb 13,5).

Es ist töricht, dem Geld nachzujagen, da wir davon nichts in die andere Welt mit hinübernehmen können. Wir verlassen die Welt, wie wir sie „betraten“: mit leeren Händen (V. 7). Wenn wir Essen und ein Dach über dem Kopf haben, können wir zufrieden und ruhig sein (V. 8). Wer unzufrieden ist und reich werden will, gerät in einen gefährlichen Sog. Zuerst fällt so jemand in Versuchungen hinein, dann legt sich ihm ein Fallstrick um die Füße, und schließlich werden unvernünftige und schädliche Lüste ausgelebt, an deren Ende Verderben steht (V. 9). Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen: Es gibt keine Sünde, die ihr nicht entspringen kann! Wer dem Geld nachjagt, wendet sich vom Glauben ab und fügt sich selbst schlimme Schmerzen zu. Nicht wenigen ist es schon so ergangen (V. 10). Wir sollen Energie aufbringen, damit wir nicht vom „ungerechten Mammon“ umstrickt werden (V. 11).

Wir sollen danach streben (V. 11):

  • jedem das zu geben, was ihm zusteht;
  • mit und für Gott zu leben;
  • dem Herrn mehr zu vertrauen;
  • Liebe zu praktizieren;
  • in schwierigen Umständen standhaft zu bleiben;
  • milde zu sein.

Wenn es um unseren Glauben geht, gilt es zu kämpfen. Um dazu fähig zu sein, müssen wir das Leben des Himmels leben (V. 12). Bekenntnisse in der Vergangenheit motivieren, entsprechend zu handeln (V. 13). Es gilt, Gottes Gebot treu zu bewahren, indem wir nichts wegnehmen oder hinzufügen. Wie treu wir waren, wird sichtbar werden, wenn der Herr in Macht und Herrlichkeit erscheint (V. 14). Wir bedenken, wie groß Gott ist, der uns das Bewahren gebietet, und wie treu der Herr Jesus die Wahrheit vor Pilatus bezeugt hat (V. 13.14).

Gottes Größe wird in den Versen 15 und 16 stark betont. Gott ...

  • erhält alles am Leben;
  • wird zu seiner Zeit die Herrlichkeit des Herrn zeigen;
  • ist der in sich selbst glückliche und alleinige Machthaber;
  • ist Könige der Könige und Herr der Herren;
  • hat allein Unsterblichkeit in sich selbst;
  • wohnt in einem Licht, in das kein Mensch eintreten kann;
  • kann kein Mensch in seiner Absolutheit sehen;
  • gebührt die Ehre;
  • gehört rechtmäßig die Macht in Ewigkeit.

Paulus kommt in Vers 17 noch einmal auf das Thema Reichtum zurück. In dem Vers 9 ging es um die, die reich werden wollen, jetzt um die, die reich sind. Die Reichen unterliegen zwei großen Gefahren: Hochmut und Selbstsicherheit. Paulus erinnert daran, dass der Reichtum in dem gegenwärtigen, chaotischen Zeitlauf ungewiss ist (vgl. Spr 23,4.5).

Paulus zeigt, was die Reichen charakterisieren soll (V. 17.18). Sie sollen ...

  • auf Gott ihre Hoffnung setzen;
  • an Gott denken, wenn sie etwas genießen;
  • mildtätig sein;
  • einen Reichtum an edlen Werken haben;
  • großzügig geben;
  • bereitwillig geben.

Das hat Auswirkung auf die Zukunft, denn man empfängt Lohn, und Auswirkung auf die Gegenwart: Man lebt das wahre Leben (V. 19).

In Vers 20 spricht Paulus von dem Glaubensgut, das uns anvertraut worden ist. Timotheus sollte diesen echten Schatz bewahren. Dazu gehört die Wegwendung von religiösen Lehren, die nicht auf der Offenbarung Gottes fußen. Diese menschlichen Gedankengebäude haben nichts mit Gott zu tun, sind inhaltsleer, vom Widerspruchsgeist gekennzeichnet und ohne wahre Erkenntnis. Viele sind dadurch schon von der christlichen Glaubenswahrheit weggeführt worden (V. 21). Wie jeder Brief des Apostels Paulus, so endet auch dieser mit dem Hinweis auf die Gnade, die wir alle nötig haben (V. 21).

Fragen zum Nachdenken:

  • Liebe ich die gesunde Lehre?
  • Liebe ich Diskussionen, Streit und Geld?
  • Kämpfe ich, wenn ich fliehen sollte?
  • Fliehe ich, wenn ich kämpfen sollte?
  • Lebe ich das wahre Leben?

Gerrid Setzer