Welch eine Liebe! (2)

Online seit dem 15.12.2015, Bibelstellen: 1. Johannes 3,1

Der Heilige Schreiber fährt fort, nachdem er so die Qualität dieser Liebe Gottes vorgestellt hat – und ich habe gesagt, den Ausdruck „Kinder Gottes” hat er noch nie verwendet, jetzt verwendet er ihn, wir sollen so heißen und wir sind es – fährt er fort: „Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat”. Der Satz ist ein wenig schwer zu verstehen, weil er nämlich wie manchmal in der Schrift einen Rückbezug hat und ein Vorwärtsblicken. Dieses „deswegen” hat eine doppelte Funktion. Einerseits schreibt er mit diesem „deswegen” von dem, was er eben besprochen hat, aber andererseits blickt er auch vorwärts: „Deswegen”, weil die Welt ihn nicht erkannt hat. Das ist eine andere Blickrichtung, die Blickrichtung nach vorn, rein textlich gesehen.

Ich weiß nicht, ob ihr das verstanden hat, ich sag‘s jetzt mal mit meinen Worten: „Deswegen erkennt uns die Welt nicht, denn sie hat den Vater nicht gekannt”. Und wer den Vater nicht kennt, der kennt auch die Kinder nicht.

Aber: „Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat” – da ist jetzt der Herr Jesus gemeint. Das ist so typisch für Johannes, dass er von einer Person der Gottheit zur anderen wechselt ohne Schwierigkeiten. Ist auch nicht schwierig, denn der Vater ist genauso Gott wie der Sohn und der Heilige Geist.

Ja, liebe Freunde, die Welt als solche erkennt uns nicht, weil sie nicht weiß, wer der Vater ist. Wie kann man die Kinder des Vaters verstehen, wenn man den Vater nicht versteht? Manche sind traurig, dass die Welt uns nicht versteht, aber da müssen wir nicht traurig sein! Es ist an sich, wenn wir das richtig sehen, ein ganz großer Trost.

Das merken wir auch, wenn wir zu dem zweiten Gedanken kommen. „Deswegen erkennt uns die Welt nicht” – und jetzt gehen wir vorwärts im Text – „weil sie ihn nicht erkannt hat”, nämlich den Herrn Jesus. Jetzt les ich mal eine Stelle aus dem Johannesevangelium, Kapitel 8,19. Da benutzt der Herr Jesus dieses Wort. Auf die Frage der ungläubigen Juden: „Wo ist dein Vater?”, antwortet der Heiland: „Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich gekannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater gekannt haben”. Die Welt kennt also weder den Vater noch den Sohn. Entweder man erkennt beide, oder man hat gar keinen.

Als der Herr Jesus hier war, liebe Freunde, war er der Welt ein Rätsel. Die Welt hat nicht verstanden, aus welchen Beweggründen er so und so handelte. Deswegen hat sie auch den Herrn Jesus gehasst. Das will ich auch grad mal noch lesen aus Johannes 15. Da sehen wir nämlich, dass es den Knechten so gehen muss wie dem Herrn selbst. In Vers 18 lesen wir: „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihrige liebe. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt”. Allein der Umstand, dass wir nicht von der Welt sind, dass der Herr uns herausgenommen hat aus diesem bösen Zeitlauf – nicht aus der Welt als Globus, sondern aus dem Zeitlauf – allein der Umstand ist genügend für die Welt, dass sie uns hasst, denn sie versteht uns nicht. Sie würde uns lieben, wenn wir so wären wie sie. Und deswegen sage ich noch einmal: Es ist ein tiefer Trost darin, dass die Welt uns nicht erkennt.

Seht, Geschwister, als der Heiland hier war, da hat er Gott, den Vater, und das ewige Leben offenbart. Das ist der große Gegenstand von Johannes. Aber die Welt hat ihn nie verstanden. Wir sind jetzt hier gelassen anstelle des Herrn, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben, vom Herrn Jesus Zeugnis zu geben, von dem ewigen Leben Zeugnis zu geben, und die Welt versteht uns nicht. Der Herr gab in vollkommenem Maß Zeugnis von der Wahrheit, von dem ewigen Leben, wir tun es nur unvollkommen. Trotzdem, Geschwister, es ist dasselbe Leben. Ob Christus es offenbart, oder wir, seine Jünger, es offenbaren, es ist dasselbe Leben. Und deswegen trifft uns auch derselbe Hass, derselbe Unverstand.

Deshalb sage ich noch einmal: Es ist ein Trost, dass die Welt uns nicht erkennt. Sie könnte nicht klarer zeigen, dass wir wiedergeboren sind. Die Wiedergeborenen werden nicht verstanden von der Welt. Würden wir verstanden werden, dann wären wir nicht von neuem geboren. Aber der Umstand, dass die Welt uns nicht erkennt, so wie sie den Herrn nicht erkannt hat, ist ein beglückendes Zeugnis davon, dass wir aus Gott geboren sind.

[Nach einem Vortrag]

Christian Briem