Der Gott der Herrlichkeit

Online seit dem 15.01.2016

1. Der Gott der Herrlichkeit / der Ehre (Ps 29,3)

2. Der Gott der Herrlichkeit erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war (Apg 7,2).

3. Denn wenn sie sie [die Weisheit] erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben (1. Kor 2,8).

4. Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch (1. Pet 4,14).

Der Gott der Herrlichkeit im Alten Testament

In den Psalm 25 – 28 hören wir die Äußerungen der Seele des treuen Überrestes Israels. Wir hören ihre Gebete; wir sehen, dass die Hoffnung auf Rettung wie ein Lichtstrahl durch die Wolken der Prüfungen und Leiden bricht. Das Vertrauen ist auf den HERRN gerichtet: Er ist ihre Stärke und Er ist die Festung der Rettungen. Psalm 28 endet mit den Worten: „Rette dein Volk und segne dein Erbteil; und weide sie und trage sie bis in Ewigkeit!“ Ihre schwache Stimme schweigt im festem Vertrauen auf seine Hilfe. Und wenn sie schweigen, redet der Gott der Herrlichkeit. Seine Stimme ist gewaltig und seine Stimme ist majestätisch (Ps 29,4). Der Gott der Ehre (der Herrlichkeit) donnert. Es ist der Donner seines Zorns. Alles erbebt vor dieser Stimme. Die Mächtigen der Erde werden durch die Stimme des HERRN zerbrochen: Er zerbricht Zedern, ja, der HERR zerbricht die Zedern des Libanon (Ps 29,5). Er richtet seinen Thron nach den Gerichten auf und thront als König in Ewigkeit (Ps 29,10).
Danach kommt sein Volk zur Ruhe und zu Kraft und Er wird sein Volk mit Frieden segnen (Ps 29,11).
Der Gott der Herrlichkeit, der seinen herrlichen und heiligen Namen mit seinem Volk Israel verbunden hat, wird seines Volkes gedenken. Dieses Volk, bildlich in der geliebten Stadt Jerusalem gesehen, wird nicht mehr „die Verlassene“ sein, sondern wird eine zierliche Krone in der Hand des Herrn und ein königliches Diadem in der Hand Gottes sein. Er ruft ihnen zu, nicht still zu sein und nicht vor Ihm zu schweigen, sondern Tag und Nacht zu rufen, bis dass Er Jerusalem zum Ruhm auf der Erde gemacht haben wird (Jes 42,6.7).

Der Gott der Herrlichkeit im Neuen Testament

Gott wird in 1. Mose 9,26 „der Gott Sems“ genannt. In 1. Mose 11 sehen wir, dass auch Sem und seine Nachkommen abgewichen sind. Auch sie wollten sich einen Namen machen und halfen beim Turmbau zu Babel mit.

„Eure Väter wohnten vor alters jenseits des Stromes, Tarah, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und sie dienten anderen Göttern“ (Jos 24,2). Sems Nachkommen und auch Abrahams Vater waren Götzendiener. Sem und seine Nachkommen hatten ihren Gott, den Gott Sems – so wie Gott sich in Gnade mit ihm verbunden hatte – ganz und gar vergessen. Götzendiener waren sie geworden. Auch dieses Geschlecht hatte versagt und Gott beiseite gesetzt. Der Gott der Herrlichkeit, der herrliche, ewige Gott, will seinen heiligen Namen mit einem der Nachkommen Sems verbinden.
Der Gott der Herrlichkeit erschien Abraham, als er in Mesopotamien war, in Ur in Chaldäer (das Licht der Chaldäer). Doch was für eine sittliche und geistliche Finsternis herrschte dort vor!
Auf welche Weise der Gott der Herrlichkeit Abraham „erschien“, wird uns nicht mitgeteilt, wohl aber, dass dieser Gott der Herrlichkeit ihn rief und ihn absondern wollte, um ein Zeuge für seinen Namen zu sein. Der Gott der Herrlichkeit verband seinen Namen mit Abraham aus Sems Geschlecht aufgrund der souveränen, göttlichen Erwählung.
Die Existenz Israels und seine Berufung basiert auf der erwählenden Gnade des Gottes der Herrlichkeit. Von Ihm ging die Berufung aus. Von Ihm kam die Erwählung. Von Ihm kommen alle Verheißungen und Segnungen, und zwar aufgrund seiner freimächtigen Gnade, die Abraham zum Stammvater Israels erwählte.
Damit begann Stephanus seine Rede.
Israel konnte sich über nichts rühmen. Gott, der Gott der Herrlichkeit war der Ursprung ihres Seins und Ihrer Vorrechte. Sie rühmten sich, Gottes Volk zu sein und den Tempel, Gottes Wohnung, in ihrer Mitte zu haben, doch mussten sie bedenken, dass, bevor es den Tempel gab, Gott aus seiner Wohnung dem Abraham erschienen war, und dass sie dadurch Gottes Volk genannt werden konnten. Wiewohl die Segnungen so zahlreich waren, hatten sie den Gott der Herrlichkeit beiseite gesetzt und die Dienstknechte Gottes, die Er als Retter bestellt und zu ihnen gesandt hatte, verworfen.
Gott hatte jedoch in Gnaden mit ihnen gehandelt und seinen Sohn, den durch Mose angekündigten großen Propheten, den Gerechten, gesandt. Und was hatten sie mit Ihm getan? Sie sind seine Verräter und Mörder geworden!
Gott hatte den Heiligen Geist gesandt; genau wie die Propheten verwarfen sie auch diesen. Mit der Verwerfung von Christus, dem Gerechten und dem Heiligen Geist, verwarfen sie den Gott der Herrlichkeit, der ihrem Vater Abraham erschienen war.
Vor ihnen steht der Zeuge Gottes, der Zeuge des verherrlichten Sohnes des Menschen. Sein Gesicht spiegelt die Herrlichkeit Gottes im Angesicht von Jesus Christus wider; der Gott der Herrlichkeit öffnet für seinen treuen Diener den Himmel.
Er sieht Jesus.
Er sieht die Herrlichkeit Gottes.
Er sieht den Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen, zur Rechten des Gottes der Herrlichkeit, der Abraham erschienen war und ihn gerufen hatte. Er sah seinen verherrlichten Meister und wartete auf seinen Ruf, um in die Herrlichkeit Gottes einzutreten.

Der Herr der Herrlichkeit (1. Kor 2,8; siehe auch Jak 2,1).

Der Apostel Paulus hatte ein Jahr und sechs Monate das Wort Gottes in Korinth gepredigt und die Gläubigen darin unterwiesen. In seinem ersten Brief erinnert er sie daran, dass das Wort, das er ihnen verkündigt hatte, mit der Erweisung des Geistes und der Kraft einherging. Es ging ihm nicht darum, sie durch überredende Worte zu überzeugen. Er wusste es: Gottes Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Gott hat menschliche Redekunst nicht nötig. Die überredenden Worte der menschlichen Vernunft können nie Wiedergeburt zustande bringen.

Darum predigt der Apostel Paulus den Christus, und zwar als Gekreuzigten, eine Torheit für die Weisen der Welt und ein Ärgernis für den religiösen Menschen, der sich selbst retten will; für diejenigen, die glauben, ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Dennoch redete er Worte von Weisheit, sogar Gottes Weisheit in Verborgenheit. Er wusste, dass Christus uns geworden ist: Weisheit von Gott. Und dann ist alles von Gott und alles in Christus und nichts von uns oder etwas aus uns selbst.
In Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2,2). Er konnte mit den Gläubigen über Geheimnisse sprechen. Er konnte über die Herrlichkeit der Person von Christus und seines Werkes sprechen. Er konnte reden über das, was Gott vor allen Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit verordnet hat. Er konnte mit ihnen über den Vater der Herrlichkeit reden. Er konnte ihnen von der Gnade erzählen, die ihr Teil geworden war, dass Gott sie in dem Geliebten, in dem sie die Erlösung hatten, angenehm gemacht hatte.

Das war Gottes Weisheit im Verborgenen, die verdeckte Weisheit. Das ist mehr als ein gestorbener und gekreuzigter Christus. Es ist ein verherrlichter Christus, sitzend zur Rechten Gottes, als „Haupt über alle Dinge“, der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist.

Diese Weisheit im Verborgenen ist im Brief an die Epheser in Gänze offenbart. Die Fürsten (Regenten) dieser Welt kannten diese Weisheit nicht, denn wenn sie die wundervolle Weisheit Gottes gekannt hätten, würden sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben. Doch gerade durch diese Tat (die, wie Petrus sagt, durch die Obersten Israels in Unwissenheit geschah (Apg 3,7)) erfüllten sie die Schriften, und der Herr der Herrlichkeit, den sie kreuzigten, ist nun der verherrlichte Mensch auf dem Thron des Vaters und die Gläubigen sind mit Ihm eins. Das ist die vielfältige Weisheit Gottes nach seinem ewigen Ratschluss, den Er gefasst hat in Christus Jesus, unserem Herrn: dem Herrn der Herrlichkeit.

Der Geist der Herrlichkeit (1. Pet 4,14)

Das Schlüsselwort für den ersten Brief von Petrus ist: „Leiden und Herrlichkeit“. Das Wort „Leiden“ kommt als Verb und Nomen 15 Mal in diesem Brief vor und das Wort „Herrlichkeit“ oder „verherrlicht“ kommt 10 Mal vor.

Das Ende unserer Pilgerreise – wenn alle Leiden enden – wird das Heil und der Besitz eines „unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteils“ sein. Über diese Errettung der Seelen haben die Propheten geschrieben. Sie haben ihre eigenen Schriften untersucht und in ihnen nachgeforscht. Der Geist von Christus, der in ihnen war, zeugte bereits zuvor von den Leiden von Christus und von den Herrlichkeiten, die danach kommen sollten. Und so würde es auch für die Gläubigen sein, denen Petrus schrieb und die mit dem verworfenen Christus verbunden waren; sie mussten mit Ihm leiden, um später mit Ihm verherrlicht zu werden.

Die Herrlichkeit erscheint, wenn Er der Welt offenbar werden wird: seine Erscheinung bei seiner Wiederkunft.

Nun haben wir auch Teil an den Leiden des Christus und wir dürfen uns darüber freuen, um uns bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freuen zu können. Der Apostel ruft solchen zu: „Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch“. Leiden ist nicht etwas Fremdes. Es ist der Weg, den auch der Hirte nehmen musste, und das Schaf muss Ihm folgen. Er litt, und es ist das Vorrecht des Gläubigen, mit Ihm zu leiden.

Wenn diese Zeit kommt, ist es eine Zeit der Freude und nicht der Entmutigung. Wir werden Teilhaber von Christus, wir leiden mit Ihm und werden später auch mit Ihm verherrlicht. Es wird eine Offenbarung seiner Herrlichkeit geben und dann sind alle Leiden für die Seinen vorbei.
Anstatt uns der Leiden mit Ihm und für Ihn hinsichtlich der Verachtung und Schmach um seines Namens willen zu entziehen (1. Pet 4,13), sollten wir uns freuen, wenn wir wert geachtet werden, Gemeinschaft mit dem Leiden von Christus haben zu dürfen.

Was für eine Gnade, dass der Geist der Herrlichkeit und Gottes den Ruheort bei dem verachteten Gläubigen wählt, der der Leiden des Christus teilhaftig ist.

[Übersetzt aus: „Bode des Heils in Christus“, Jahrgang 92 (1949)]