Melchisedek (04)

Online seit dem 16.04.2016, Bibelstellen: 1. Mose 14,17-24; Hebräer 7,1-17

Wann kommt Melchisedek?

Mit dem Eindruck von der Größe und Herrlichkeit der Person Christi kehren wir zu den Geschehnissen im Tal Schawe zurück. Es ist bezeichnend, dass Melchisedek Abraham nicht vor der Schlacht entgegenkommt. Vor dem Kampf hätte er doch sicher Stärkung besonders nötig gehabt. Wir sehen hier wie ganz verschieden der Priesterdienst Melchisedeks von dem Aarons ist. Aarons Priestertum spricht von dem was der Herr Jesus jetzt im Himmel für ein Volk ist, dass sich auf der Wüstenreise befindet und Mitleid und Fürsprache bei Gott nötig hat. Melchisedeks Priesterdienst besteht offensichtlich nur darin, Segen zu bringen.

Seine volle Erfüllung wird dieses Bild daher erst finden, wenn der Priesterdienst Christi nach der Weise Aarons nicht mehr nötig ist. Wenn wir bei Christus sind und er alle Feinde besiegt hat, dann wird er mit uns wieder auf die Erde kommen als der Segnende für sein irdisches Volk.

Doch aus dem historischen Bericht in 1. Mose 14 lässt sich auch eine wichtige Belehrung für unser Glaubensleben ableiten. Abraham hatte gesiegt. Im Glauben war er mit 318 Mann gegen vier Könige angerückt. C.H. Mackintosh schreibt dazu: „Es gibt drei Dinge, die der Glaube tut: er „reinigt das Herz“ (Apg 15,9), er „wirkt durch die Liebe“ (Gal 5,6) und er „überwindet die Welt“ (1. Joh 5,4).“ Alle drei Wirkungen des Glaubens sehen wir bei Abraham. Der Glaube hielt ihn auf Abstand von Sodom. Der Glaube offenbarte sich in der Liebe zu seinem Neffen Lot und er gab ihm den Sieg über die Könige. Doch als Gläubige wissen wir, wie gefährlich die Zeit nach einem Glaubenssieg ist. In unserem Fleisch regt sich Hochmut und Selbstvertrauen. Bethel und Ai sprechen eine deutliche Sprache. „Wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle“ (1. Kor 10,12).

Der König von Sodom war schon unterwegs und hatte eine große Verlockung im Gepäck. Da tritt Melchisedek heraus, bringt Brot und Wein und den Segen Gottes des Höchsten. Das war die beste Vorsorge für die Versuchung durch Sodom.

Was bringt Melchisedek?

Melchisedek kommt aus Salem, aus dem Ort des Friedens in das Tal. So stärkt Christus uns vom Himmel her, damit wir nicht der Versuchung der Welt erliegen. Er bringt himmlische Erquickung (Brot) und Freude (Wein) mit. Brot und Wein erinnern uns heute an an die Hingabe seines Leibes und seines Blutes als Opfer, um uns in die Gemeinschaft mit Gott zu bringen. Was konnte der König von Sodom da noch Besseres bieten? Nehmen wir nicht deshalb oft die „Geschenke Sodoms“ an, weil uns das „Brot“ und der „Wein“ nichts mehr bedeuten?

Das Volk Israel verlor immer mehr den Geschmack an dem „Brot vom Himmel“. Später empfanden sie sogar Ekel vor dieser Speise. Gleichzeitig sehnten sie sich immer mehr nach den Speisen Ägyptens, Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch (4. Mo 11,5–8) – alles schön für den Geschmack, aber leben kann man davon nicht. Das Mischvolk schwärmte ihnen davon vor. Es fehlte ihnen an der klaren Trennung von der Welt, die wir bei Abraham finden. Er wurde durch Brot und Wein so erquickt, dass er ein klares Nein zu dem Vorschlag des Königs von Sodom sagen kann. Er hatte durch Melchisedek den Segen „Gottes, des Höchsten, der Himmel und Erde besitzt“ erhalten und so konnte er sagen: „Ich hebe meine Hand auf zu Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde besitzt“.

Abraham war mit dem verbunden, der alles besaß. Er kannte etwas von diesem Reichtum, denn er „erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Schöpfer und Baumeister Gott ist.“ Was konnte der König von Sodom ihm da noch mehr bieten? Und was erwarten wir? „Wir wissen, … dass wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst.“

Was will Melchisedek noch erreichen?

Melchisedek bringt nicht nur den Segen Gottes, des Höchsten, er sagt auch: „Gepriesen sei Gott, der Höchste.“ So will er in Abrahams Herzen Lob und Anbetung für Gott hervorrufen. Christus wird seine Freude daran haben, seinem Volk die ganze Gnade und Herrlichkeit des Gottes zu offenbaren, der – entgegen der alten Lüge Satans: „Hat Gott wirklich gesagt?“ – „kein Gutes vorenthalten“ wird, sodass sie sagen werden: „Glückselig, die in deinem Haus wohnen! Stets werden sie dich loben“ (Ps 84,12+5). „Die Erde wird voll sein der Erkenntnis des Herrn“, aber auch „voll seines Ruhmes“ (Jes 11,9; Hab 3,3).

Christus hat sich selbst als Opfer gegeben und damit das Vorbild des aaronitischen Priestertums mehr als erfüllt. Er wird wiederkommen, um die Herrlichkeit Gottes auf der Erde bekannt zu machen und ihn inmitten der Versammlung zu loben und damit das Vorbild des Priestertums Melchisedeks vollkommen erfüllen.

Möchten wir die himmlischen Segnungen in Christus mehr kennen und genießen. Möchten wir mehr diese „Gabe Gottes“ kennen, dass er seinen Sohn nicht verschont hat und uns deshalb mit ihm auch alles schenken wird. Und möchte das bei uns bewirken, dass wir den Vater und den Sohn in Geist und Wahrheit anbeten.

Marco Leßmann