Seelsorge konkret (16) - Prävention

Online seit dem 10.05.2016

Manche Viren bleiben lebenslang im Körper. Sie richten nicht immer Schaden an, können aber gefährlich werden, wenn zum Beispiel das Immunsystem durch Krankheit geschwächt worden ist. Das eigene Immunsystem wird mit diesen Viren nicht fertig und Medikamente helfen auch nicht. Das einzige, was man also raten kann, ist: Man fängt sich am besten den Virus gar nicht erst ein und inverstiert in Prävention.

Und mit seelischen Problemen ist es genauso. Am besten man fängt damit gar nicht erst an. Denn wenn jemand z.B. einen Burnout gehabt oder andere sehr belastende Erfahrungen gemacht hat, dann bleibt nicht selten etwas zurück, was einen gewissen Schatten sogar auf das ganze Leben werfen kann. Der „Angst-Virus“ bleibt beispielsweise latent vorhanden und bricht dann in einer Zeit der großen Belastung wieder hervor.

Nochmal: Das Beste ist, man fängt gar nicht damit an.

„Das hilft nicht“, sagte jemand, „ich sitze doch schon in der Tinte. Was soll das also jetzt?“ Das ist klar: Wenn man den „Virus“ bereits hat, dann ist es müßig darüber nachzudenken, was man vorher hätte tun können. Außerdem gibt es Menschen, die psychische Probleme haben, die genetisch bedingt sind; oder es haben sich im frühkindlichen Stadium Dinge derart negativ eingeprägt, dass sie eine geradezu genetisch anmutende Durchschlagkraft entwickeln. In diesen Fällen ist der Gedanke der Prävention auch nicht hilfreich. Gerade hier wird es übrigens in vielen Fällen ratsam sein, einen sorgfältig ausgewählten (möglichst gläubigen) Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen, wobei das nie den Bezug und das Vertrauen auf das Wort Gottes einschränken darf.

Also: In diesem Artikel geht es also nicht um solche, die bereits erhebliche Schwierigkeiten haben, sondern um diejenigen, die gesund sind, und sich vor einem Burnout (oder was auch immer) hüten sollen und dürfen.

Wie man sich vor Viren schützen kann, ist klar: Händewaschen, desinfizieren und dergleichen mehr. Einen absoluten Schutz gibt es zwar nicht; aber doch Risikominimierung. Das muss auch für innere Nöte und seelische Schwierigkeiten gelten. Nur wie sieht hier die Prävention aus?

Ich nenne ein paar Punkte, ohne den Anspruch zu erheben vollständig oder auch nur umfassend zu sein:

  • Vermeide dauerhaften Stress.  Denn so pflastert man sich den Weg für den einen oder anderen „Seelen-Virus“.
  • Suche, wenn du dich ständig überlastet fühlst, nach einem Ausweg. Sage nicht immer: „Ich kann an den Umständen nichts ändern.“ Meistens kannst du doch etwas ändern, aber auf jeden Fall kannst du deine Haltung verändern.
  • Sei ehrlich zu dir selbst, um den Problemen wirklich auf den Grund zu kommen (z.B. Hochmut als Ursache für Perfektionismus). Tu das so früh wie möglich. Denn seelische Probleme haben die Tendenz sich zu verselbstständigen, und wenn du lange wartest, Ursachenforschung zu betreiben, dann wird es umso schwieriger, wirklich fündig zu werden.
  • Sprich mit jemand über dein Problem. Denke auf keinen Fall, dein Problem wäre so ungewöhnlich, dass sich kein Ohr auf der Erde finden kann, um dir zuzuhören, und dass kein Mund da sei, dir gut zuzureden. Mag sein, dass man auch mal enttäuscht wird, aber das eisige, verzweifelte Schweigen wird dich nicht weiterbringen, sondern dein Problem verschärfen.
  • Achte auf die Signale, die dein Körper sendet. Übergehe nicht die roten Ampeln deines eigenen Organismus (Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzrasen etc.). Du solltest darauf reagieren und nicht immer weiter machen wie bisher und es bei guten Vorsätzen belassen.
  • Und das Wichtigste ist ohne jeden Zweifel: Geh deinen Weg ganz bewusst mit dem Herrn. Lebe jeden Tag, jede Stunde in Gemeinschaft mit ihm. Lass keine Gelegenheit aus, mit ihm zu reden und saugen sein heiliges Wort auf wie ein trockener Schwamm. Kann es etwas geben, was dich glücklicher, ruhiger und zufriedener machen kann? Wohl kaum!

Gerrid Setzer